Nikita 2x05

© ichael (Shane West) nachdenklich gestimmt angesichts seiner Vergangenheit. / (c) The CW
Vor sechs Jahren hatte Michael (Shane West) im Auftrag von Division mit Cassandra (Helena Mattsson), der Frau des weiĂrussischen PrĂ€sidenten, angebandelt, um sie fĂŒr einen gewagten Plan an Bord zu holen: Die Ermordung ihres Gatten - und den unbemerkten Austausch gegen einen von Percy (Xander Berkeley gesteuerten DoppelgĂ€nger. Seit Percys Entmachtung gerĂ€t der DoppelgĂ€nger jedoch zunehmend auĂer Kontrolle - und nimmt mehr und mehr die ZĂŒge jener Rolle an, die er eigentlich nur spielen sollte: als Diktator.
Als Michael von den beunruhigenden Geschehnissen in WeiĂrussland erfĂ€hrt, erinnert er sich schuldbewusst daran, in welche Lage er Cassandra gebracht hat - und beschlieĂt, ihr zu helfen. Er und Nikita (Maggie Q) sind jedoch nicht die einzigen, die nach Osteuropa fliegen. Auch Alex (Lyndsy Fonseca) und Sean (Dillon Casey) sind dorthin unterwegs, um eine in Gefangenschaft geratene Division-Agentin zu befreien. Womit sie nicht rechnen, ist das kleine Psycho-Spielchen, welches Amanda fĂŒr Alex in petto hat...
Looking Glass ist eine Folge der scharfen GegensĂ€tze: Einiges an ihr ist sehr gelungen, anderes dagegen grĂŒndlich daneben gegangen. Fangen wir mit Letzterem an.
Nikita und Michael sehen „zufĂ€llig“ etwas im Fernsehen, das sie an eine ehemalige Mission erinnert. NatĂŒrlich muss es fĂŒr sie noch irgendeine backstory wound geben, also wird rasch eine Figur aus dem Hut gezaubert, der gegenĂŒber Nikita und/oder Michael sich schuldig fĂŒhlen. Und das ist dann der AufhĂ€nger fĂŒr die gesamte Episode...
Die zweite Staffel ist zwar noch sehr jung, trotzdem beginnt dieses ErzÀhlmuster bereits ungemein zu nerven. Gemessen an dem Standard, den die Nikita-Autoren selbst in der ersten Staffel gesetzt haben, erscheint dieses Schema nicht sonderlich einfallsreich - und verbraucht sich vor allem in der HÀufung, mit der es auftaucht, sehr schnell. Hier wÀre bald etwas Variation geboten!
Dann der Twist mit Michaels Sohn... Was daran stört, ist weniger die Tatsache, dass die Autoren ihm einen Sohn geben (im Gegenteil: das schafft eine durchaus vielversprechende Ausgangsbasis fĂŒr kĂŒnftige Geschichten), sondern die Art und Weise, wie dies geschieht. Auch hier gilt: Das Konstruktionsmuster mit der Altersangabe, die sich am Ende als falsch herausstellt, wodurch klar wird, dass es sein Sohn sein muss, ist in Film und Fernsehen bereits so oft verwendet worden - und damit so vorhersehbar, dass es einer ansonsten so intelligenten Serie wie Nikita geradezu unwĂŒrdig ist.
Zum GlĂŒck begegnet die Serie den soapigen Momenten dieser Episode wenigstens mit der nötigen Portion Selbstironie („If this week's âGeneral Hospitalâ is over...“).
Zu gewohnter Brillanz schwingt sich die Folge mit dem - unbeabsichtigten - ZusammenstoĂ der PlĂ€ne von Team Nikita und Team Alex auf: Die einen wollen die PrĂ€sidenten-Limousine als Fluchtwagen benutzen, die anderen als Sprengstoff-Falle. Dem Drehbuch gelingt hier eine Ă€uĂerst geschickte Verzahnung, welche einen fast an eine klassische Tragödie denken lĂ€sst (nur dass die Geschichte in diesem Fall natĂŒrlich einen glĂŒcklichen Ausgang findet) - und dabei nebenher Michael auch noch mit seinem groĂen Trauma, dem Verlust seiner Frau und seiner Tochter durch einen Autobomben-Anschlag, konfrontiert. Das ist genau die Art von dichtem ErzĂ€hlen, welches Nikita auszeichnet.
Das lĂ€sst sich bis auf die Ebene der VerknĂŒpfung zwischen einzelnen Szenen herunterbrechen: So sagt Sean gegen Ende (im Kontext eines GesprĂ€chs mit Alex): „Sometimes, it's the little things that can make all the difference...“. Schnitt auf Percy, der den bereits in der letzten Folge geforderten Anzug anlegt - und sich ĂŒber den ersten kleinen Schritt auf seinem Weg aus der Verbannung freut. Allein durch die Art und Weise, wie die beiden Szenen zusammengefĂŒgt werden, wird hier eine (zusĂ€tzliche) Sinnhaftigkeit erzeugt, die etwas sehr Stimulierendes hat.
Das Gleiche gilt natĂŒrlich auch fĂŒr den ĂŒberaus witzigen Einfall, dass sich eine von Division eingesetzte Polit-Marionette auf einmal zu einem ernsten Problem entwickelt. Wie gut, dass den Vereinigten Staaten so etwas noch nie passiert ist... Ă€hem.
Fazit
Die Folge kommt etwas unausgewogen daher, versteht es aber trotz einiger SchwÀchen gut zu unterhalten.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 23. Oktober 2011(Nikita 2x05)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?