Nikita 2x03

Nikita 2x03

Ein terroristischer Weltverbesserer arbeitet in Wahrheit für Division - und Nikita ist Schuld daran. In Knightfall muss sich unsere Titelheldin nicht nur mit einem Vorfall in ihrer Vergangenheit, sondern auch mit den Motiven ihres Handelns auseinandersetzen.

Maggie Q und Shane West in „Nikita“ / (c) The CW
Maggie Q und Shane West in „Nikita“ / (c) The CW

Ein kanadischer Minister wird ermordet - und der linksgerichtete Terrorist Ramon (Simon Kassianides) übernimmt dafür die Verantwortung. Als Nikita (Maggie Q) davon in den Nachrichten hört, ist sie sehr verwundert: Sie selbst hatte Ramon vor sechs Jahren für Division gefangen genommen.

Wie Birkhoff (Aaron Stanford) der Black Box entnimmt, hatte Percy (Xander Berkeley) den Terroristen umgedreht, um ihn künftig für die Zwecke von Division morden zu lassen. Nikita kann nicht verstehen, wie das passieren könnte, weil ihr die Motive Ramons ehrlich vorkamen. Sie und Michael (Shane West) machen sich auf die Suche nach dem Terroristen - und erleben dabei eine große Überraschung.

Alex (Lyndsy Fonseca) bekommt unterdessen von Amanda (Melinda Clarke) einen Mordauftrag. Alex will zunächst ablehnen, bis sie jedoch erfährt, wer das Opfer sein soll: Anton Kochenko (Paul Braunstein), ein ehemaliger Mitarbeiter ihres Vaters, der den Mördern ihrer Familie seinerzeit Tür und Tor geöffnet hatte...

Knightfall ist eine vor allem im Hinblick auf die Hauptfiguren sehr interessante Folge: Nikita und Alex werden beide mit einem sehr ähnlichen Problem konfrontiert. Beide müssen sich ihren Schuldgefühlen stellen - Nikita, weil durch ihr Eingreifen Ramons Idealismus gebrochen wurde, Alex, weil sie unabsichtlich den Mördern ihres Vaters den Weg bereitet hat.

Dabei ist vor allem Nikitas Gefühlslage von einer gehörigen Komplexität gekennzeichnet: Sie dachte eigentlich, dass sie Ramon etwas Gutes getan hat, weil sie ihren Auftrag nicht ausgeführt und ihn nicht ermordet hat. Damit hat sie ihn jedoch an Percy ausgeliefert, der ihn an Leib und Seele gebrochen hat. Ausgerechnet der Mann, der sie mit seinem feurigen „Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen“ inspiriert hat, ist jetzt nur noch ein von Bitterkeit zerfressener Schatten seiner Selbst, der es begrüßen würde, wenn Nikita ihren Auftrag von einst zu Ende brächte.

Entsprechend packend gerät vor allem die Szene auf dem Waldweg, als Nikita sich auf einmal vor das Dilemma gestellt sieht: Soll sie Ramon erschießen - und damit ein letztes Mal im Auftrag von Division morden? Oder opfert sie Michael, den Mann, von dem sie in dieser Folge sagt, dass sie ohne ihn (innerlich) tot wäre?

Heldensturz, wie man den Titel der Episode sinngemäß übersetzen könnte, zeigt hier im Grunde das genaue Gegenteil eines solchen: Nikita hält an dem fest, woran sie glaubt - selbst wenn es den Untergang ihres Liebsten und ihren eigenen mit dazu bedeutet. In einer TV-Welt, in der es als chic, weil moralisch ambivalent, gilt, wenn Figuren durch Eigennutz und andere dunkle Motive angetrieben werden, ist das eine wohltuende Dosis Idealismus, die allerdings auch nicht ganz ohne eine Kehrseite daherkommt: Schließlich bekennt unsere Heldin, dass sie sich einen Terroristen (wenn auch einen überaus eleganten) zum Vorbild genommen hat.

Die Szene, in der Nikita glauben muss, dass Michael bei dem Raketenangriff ums Leben gekommen ist, bietet Maggie Q eine willkommene Gelegenheit zu glänzen: Die Situation wäre eigentlich wie geschaffen für ein wenig overacting, das typisch hysterische Herumkreische, das man aus so vielen analogen Szenen anderer Serien kennt. Nicht so hier: Maggie Q zeigt ein stilles Entsetzen, was einem ungleich realistischer vorkommt - und entsprechend tief unter die Haut geht.

Nicht verschwiegen werden sollen einige - kleinere - Mängel der Episode: Angefangen beim etwas inkonsequenten Umgang mit Fremdsprachen. Während - erfreulicherweise - Fremdsprachler in Nikita untereinander meistens in ihrer eigenen Sprache reden und das Ganze dann untertitelt wird, fällt die Serie bei Alex' Rückblende zu ihrer Begegnung mit Kochenko in der Küche in das 24-Muster zurück - und lässt zwei Russen in Russland Englisch (mit Akzent) sprechen.

Apropos Inkonsequenz: Ja, Rollstuhlfahrer haben häufig eine sehr ausgeprägte Armmuskulatur. Trotzdem ist die Szene, in der sich Nikita von Ramon so einfach aufs Kreuz legen lässt, obwohl sie sonst mühelos regelrechte Kleiderschränke von Menschen k.o. schlägt, doch etwas sehr überraschend - und gezwungen.

Ausgesprochen gelungen sind dagegen wieder die humorigen Einlagen der Serie: Sowohl Nikitas eifersüchtiger Blick, als Michael der Reporterin gegenüber den Romeo spielt, als auch Birkhoffs Einlassungen, als er glaubt, Michael wolle mit ihm über die Beziehung zu Nikita sprechen („That's like the bizarro version of „Three's Company“...“).

Fazit

Eine solide Episode, welche vor allem Nikita und ihre Darstellerin Maggie Q gut in Szene zu setzen weiß.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 9. Oktober 2011
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Nikita 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Folge 3
Titel der Episode im Original
Knightfall
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 7. Oktober 2011 (The CW)
Autor
Juan Carlos Coto
Regisseur
Kenneth Fink

Schauspieler in der Episode Nikita 2x03

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