Nikita 2x02

Nikita (Maggie Q) und Michael (Shane West) sind eigentlich gerade dabei, nach Lissabon aufzubrechen, um das nächste Mitglied von Oversight auszuschalten, als Michael von einer Meldung in den Fernsehnachrichten aufgeschreckt wird: Ein Eisverkäufer hat versucht, einen Anschlag auf einen US-Senator zu verüben. Dabei wurde der Eisverkäufer selbst getötet. Während des Anschlags machte er den Eindruck, sich wie in einer Art von Trance zu befinden.
Michael und Birkhoff (Aaron Stanford) erinnert das an P9, ein früheres Killer-Programm von Oversight, welches darin bestand, mittels einer speziellen Art von Hypnose normale Menschen auf neuronaler Ebene „umzuprogrammieren“, damit sie auf einen Anruf hin zu Auftragsmördern werden. Nachdem einer der Killer außer Kontrolle geraten war, hatte Division das gesamte Programm vernichtet.
Beziehungsweise: Das ist es, was Division bislang glaubte. Denn Owen (Devon Sawa) hatte auf Percys (Xander Berkeley) Anweisung hin, den Schöpfer des Programms, einen ebenso genialen wie gefährlichen Neurowissenschaftler, vor der Exekution gerettet. Hinter ihm sind Nikita, Michael und Owen nun her. Doch sie sind nicht die Einzigen: Amanda (Melinda Clarke) setzt auch die sich auf dem Weg der Genesung befindende Alex (Lyndsy Fonseca) auf den Fall an...
Nach dem rasanten Auftakt in der vergangenen Woche bietet Falling Ash etwas Gelegenheit zum Durchatmen. Die Episode konzentriert sich etwas stärker auf den Fall-der-Woche, ohne dabei jedoch die fortlaufenden und wiederkehrenden Handlungsstränge aus dem Auge zu lassen.
Insbesondere rückt Birkhoff in dieser Episode etwas stärker in den Mittelpunkt: Da sein Heim offenbar die neue Operationsbasis für Nikita und Michael werden soll, muss Birkhoff schließlich irgendwie motiviert werden, dass er sich dem Team anschließt. Sicher, in der vergangenen Episode ist schon einmal die Einsamkeit des Nerds zur Sprache gekommen. So groß kann aber kaum eine Einsamkeit sein, dass man sich ausgerechnet mit diesem nicht ganz ungefährlichen Pärchen umgibt. Deshalb macht es durchaus Sinn, dass die Autoren für Birkhoff eine noch stärkere Motivation suchen.
Diese finden sie in Gestalt von Alicia (Julie McNiven, Mad Men), welche als der perfekte love interest für Birkhoff eingeführt wird. Sie ist nicht nur hübsch, sondern ebenfalls ein IT-Nerd - und darüber hinaus eine große Bewunderin seines Hacker-Alter-Egos. Leider ist sie auch ein Hypnose-Opfer des fiesen Dr. Mars (John Ralston), was sie beinahe dazu bringt, Birkhoff zu töten. Die Begegnung mit ihr macht ihm jedenfalls den Wert des Kampfes deutlich, den Nikita und Michael kämpfen - und so entwickelt er am Ende ein Computerprogramm, welches die weltweiten Nachrichten mit dem Inhalt von Percys Black Box abgleicht. Statt Nikita und Michael rauszuschmeißen, wie Birkhoff es noch am Anfang vorhatte, verschreibt er sich ihrer Sache.
Die Grundidee der Episode lässt deutliche - vielleicht etwas zu deutliche - Anleihen beim Charles Bronson-Klassiker „Telefon“ (1977) erkennen. Das und die etwas lächerliche Namensgebung des Bösewichts sind die einzigen größeren Kritikpunkte an Falling Ash.
Sehr gelungen sind die Bonding-Momente zwischen Michael und Owen. Letzterer offenbart darüber hinaus am Ende eine interessante Gemeinsamkeit mit Alex: Beide sind bereit, für ihre Rache ein Bündnis mit dem „Teufel“ einzugehen; Alex, indem sie einen Handel mit Division abschließt, Owen, indem er sich mit Gogol in der Gestalt von Ari Tasarov (Peter Outerbridge) einlässt. Damit enden allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Denn wie die Grafik verrät, welche sich Alex anschaut, untersteht Tasarov genau jenem Mann, den sie um jeden Preis töten will. Gut möglich, dass sich Alex und Owen also schon sehr bald auf unterschiedlichen Seiten wiederfinden werden.
Apropos Alex: Trotz der etwas rauen Behandlung durch Nikita in Game Change legt Alex nicht auf sie an, als sie die Gelegenheit dazu hat, sondern handelt, als ob sie immer noch auf der gleichen Seite stünden. Offenbar gehen die Gefühle für ihre Quasi-Mutter doch tiefer, als sie sich das selbst (oder gar anderen gegenüber) eingestehen würde. Umso perfider - und erzählerisch genialer - ist deshalb der Twist am Ende, als Sean (Dillon Casey) ihr unterbreitet, dass sie Nikita aus Mitgefühl töten sollte, weil alles, was Oversight mit Nikita anstellen werde, sehr viel schlimmer als nur der Tod sei.
Nikita und Alex sind in der ersten Staffel als so eng verbunden gezeichnet worden, dass es trotz allem, was zwischen ihnen vorgefallen ist, kaum glaubhaft wäre, dass Alex nun in einen so brennenden Hass gegen Nikita verfällt, dass sie ihr deshalb mutwillig Schaden zufügen würde. Wäre sie jedoch davon überzeugt, dass sie Nikita damit im Grunde etwas Gutes tut, sähe die Situation natürlich schon anders aus. So wie Nikita ihr in Game Change den Arm gebrochen und ins Bein geschossen hat, um sie von ihrer zerstörerischen Mission abzubringen, könnte Alex also bald versuchen, Nikita zu töten, um sie vor der Folter durch Oversight zu bewahren.
Genau diese emotionale Verschränkung - gute Intentionen, die zu schlimmen Handlungen führen - ist es, welche das Verhältnis von Nikita und Alex nach wie vor zur interessantesten Beziehung der Serie machen.
Fazit
Eine gute Fall-der-Woche-Episode, welche ein gepflegtes Maß an Spannung, Action und One-Linern („JAG officer? Yes. Junkie? No!“) mit einigen sehr schönen Charaktermomenten verbindet, welche vor allem der weiteren Motivation der Figuren zuträglich sind.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 3. Oktober 2011(Nikita 2x02)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?