Schock für Sport1 - plötzlich fehlt die halbe Reichweite
Schock für Sport1 - plötzlich fehlt die halbe Reichweite
Fünf Jahre Diskussion reichen offenbar noch nicht. In Berlin ist die Investitionspflicht für Streamer erneut von der Tagesordnung geflogen, während Netflix bei der Werbung kleinere Brötchen backt und die britische Regierung der größten TV-Fusion des Landes eine Ehrenrunde verordnet. Dazu kommen Fox auf dem Weg zu Roku und ein deutsches Privatfernsehen, das vor allem eines gut kann, nämlich sparen.
Investitionspflicht: Der Bundestag tritt auf die Bremse
Eigentlich sollte der Kulturausschuss des Bundestags am 4. November das Mediendienste-Investitionsverpflichtungsgesetz abschließend beraten. Dann flog der Punkt kurzfristig von der Tagesordnung, wie turi2 berichtet. Offenbar ist sich die Koalition nicht einig, die Grünen legten zudem neue Änderungsanträge vor. Damit wird der geplante Start Anfang 2027 knapp. Das Gesetz soll regeln, wie viel Streamer und Sender künftig in Produktionen aus Deutschland investieren müssen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieses Dauerthema noch eine Ehrenrunde dreht?
Produzenten drängen, Streamer kontern mit einer Umfrage
Die Fronten sind klar. 30 Verbände der Filmwirtschaft fordern die Verabschiedung des Kompromisses und warnen davor, den Rechterückfall an die Produzenten aufzuweichen. Genau diesen Punkt kritisiert Amazon-Deutschland-Chef Rocco Bräuniger. Die in der MPA organisierten Streamer verweisen auf eine eigene Umfrage. Danach finden 58 Prozent die Menge deutscher Inhalte richtig, 40 Prozent lehnen eine Pflicht ab. Weniger als ein Drittel der Befragten kannte die Pläne allerdings vorher.
Netflix: Weniger Werbegeld als geplant
Bei Netflix läuft das Werbegeschäft schwächer als erhofft. Für 2026 rechnet der Streamer nur noch mit rund 2,7 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz statt der angepeilten 3 Milliarden. Die Antwort ist eine neue Führung. Darshan Kantak, zuvor bei Google Cloud für angewandte KI zuständig, wird laut TheWrap VP Ads Platform. Der AVoD-Tarif soll 2027 in 15 weitere Länder kommen. Parallel testet Netflix in der TV-App den Bereich „AI Discover“, in dem Nutzer ihre Stimmung eintippen und passende Titel bekommen.
Matti Klemm zieht gegen Netflix vor Gericht
Aus Deutschland droht dem Streamer ein Präzedenzfall. Synchronsprecher Matti Klemm, die deutsche Stimme von Jason Momoa und Mahershala Ali, will Netflix verklagen. Laut einer Datenauskunft soll der Konzern seine Aufnahmen ohne Einwilligung und ohne Bezahlung für das Training von KI-Systemen genutzt haben, wie Horizont meldet. Unterstützt wird Klemm vom Sprecherverband VDS und der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Netflix verweist auf geltendes Recht und eine KI-Vereinbarung mit dem Bundesverband Schauspiel.
Sky und ITV: Die Regierung schaut genauer hin
Die Übernahme von ITV durch Sky geht in die Verlängerung. Kulturministerin Lisa Nandy hat eine Public Interest Intervention Notice erlassen, Ofcom und die Wettbewerbsbehörde CMA müssen bis 27. Januar berichten, wie Deadline schreibt. Der Deal wiegt 1,6 Milliarden Pfund. Sky hatte angeboten, Serien wie „The Day of the Jackal“ und „Brassic“ testweise frei empfangbar bei ITV zu zeigen. Nandy will die Prüfung auf Meinungsvielfalt zudem per Gesetz auf Streaming ausweiten.
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Fox greift nach Roku
In den USA biegt die nächste Großfusion auf die Zielgerade ein. Die rund 22 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Roku durch FOX hat alle Genehmigungen außerhalb der USA. Das Justizministerium soll den Deal laut Cord Cutters News unter Auflagen durchwinken, obwohl Newsmax-Eigentümer Chris Ruddy dagegen lobbyierte. Beide Seiten liefern dazu Rekordzahlen. Roku steigerte den Umsatz um 24 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar, Fox um 22 Prozent auf 4,57 Milliarden, getrieben von WM, Wahlwerbung und Tubi.
ProSiebenSat.1 spart sich ins Plus
Der deutsche Privatfernsehmarkt bleibt eine Baustelle. ProSiebenSat.1 meldet für die ersten neun Monate einen Konzernumsatz von 2,24 Milliarden Euro, ein Minus von 11 Prozent. Schuld ist laut C21Media der schwache TV-Werbemarkt. Trotzdem stieg das EBITDA auf 198 Millionen Euro, weil die Programmkosten um 126 Millionen Euro sanken. Die Prognose lautet nun leichter Rückgang statt leichtem Wachstum. Weniger Programm für mehr Gewinn, das ist eine Rechnung, die Zuschauer eher selten begeistert.
Sport1 verliert das Vodafone-Kabel
Noch härter trifft es Sport1. Seit Ende Oktober ist der Sender nicht mehr im Kabelnetz von Vodafone zu sehen und verliert damit rund 40 Prozent seiner technischen Reichweite. Sport1 räumt laut DWDL.de offene wirtschaftliche Fragen aus der Vergangenheit ein, die inzwischen gelöst seien. Man hofft nun auf eine baldige Wiedereinspeisung. Laut Süddeutscher Zeitung wurde die Belegschaft von gut 100 Mitarbeitenden über geplante Entlassungen informiert. Eigentümer ist die türkische Acunmedya.
Skydance: Paramount+-Dramen auf dem Weg zu HBO
Beim fusionierten Riesen Skydance wächst zusammen, was zusammenwachsen soll. Das neue Streaming-Team unter Casey Bloys prüft laut Deadline, kommende Dramen von Paramount+ wie „Discretion“ mit Nicole Kidman zu HBO zu verlagern. Entschieden ist bislang allerdings noch nichts. Langfristig sollen HBO Max und Paramount+ ohnehin zu einer Plattform verschmelzen. Der Druck ist groß, denn Skydance trägt fast 80 Milliarden US-Dollar Schulden und will 6 Milliarden durch die Fusion einsparen.
NBCUniversal setzt auf Mikrodramen
Mikrodramen sind endgültig bei den Hollywood-Majors angekommen. NBCUniversal führt gemeinsam mit Hornbill Capital eine Finanzierungsrunde über 80 Millionen US-Dollar bei der indischen EloElo Group an. Die Firma betreibt die App Story TV mit über 5.000 Mikrodramen in sechs Sprachen. Das Geld fließt laut Variety in neue Originals und einen Start im Ausland, auch in den USA. In Kanada öffnet sich derweil die CBC dem Format und stellt eine Chefin für digitale Kurzserien ein.
„The Pitt“ landet vor einer Jury
Der Streit um „The Pitt“ geht in die nächste Runde. Ein Berufungsgericht bestätigte laut Deadline, dass die Klage der Erben von Michael Crichton gegen Warner Bros. Television vor eine Jury kommt. Sherri Crichton wirft dem Studio Vertragsbruch vor, weil die Serie nach geplatzten Verhandlungen über ein Reboot von „Emergency Room - Die Notaufnahme“ entstanden sei. Noah Wyle, John Wells und Showrunner R. Scott Gemmill sind dagegen aus dem Verfahren raus. Der Prozess beginnt frühestens im Sommer 2027.
Personalkarussell
Bei Amazon MGM Studios übernimmt Jenny Groom von BBC Studios Ende November die Leitung von MGM Alternative und damit Formate wie „Survivor“ und „Shark Tank“. Jonathan Garson folgt im Januar auf Jim Morris als Präsident von Pixar. Netflix holt Roberto Stanichi von Mattel für das Lizenz- und Erlebnisgeschäft. Damla Dogan wird Head of Unscripted bei Paramount+. Caroline Stephenson verlässt All3Media International als nächste Managerin nach der Banijay-Übernahme. Bei Netflix in London geht Produktionschefin Anna Mallett, die „Baby Reindeer“ und „Adolescence“ begleitete.
Wer kommt, wer geht in Deutschland
Auch hierzulande dreht sich das Karussell. Produzentin Sarah Kirkegaard verlässt nach knapp 20 Jahren die Constantin-Tochter Moovie und macht sich zum Jahreswechsel selbstständig, wie DWDL.de meldet. Sie verantwortete unter anderem „Das Adlon“ und „Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit“. Fabian Wolfart, zuletzt Produzent der vierten Staffel von „Das Boot“, wechselt zu Construction Film von Veronica Ferres. Bei Bertelsmann übergibt Thomas Rabe zum 1. Januar 2027 an Thomas Coesfeld.
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