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Zum Ende einer TV-Ära: Was mir die Simpsons bedeuten und warum mich der Senderwechsel traurig macht

Zum Ende einer TV-Ära: Was mir die Simpsons bedeuten und warum mich der Senderwechsel traurig macht

Zum Ende einer TV-Ära: Was mir die Simpsons bedeuten und warum mich der Senderwechsel traurig macht.
Zum Ende einer TV-Ära: Was mir die Simpsons bedeuten und warum mich der Senderwechsel traurig macht. © IMAGO/Ronald Grant

„Die Simpsons“ begleiten mich bereits fast mein Leben lang. Nun sollen sie in Deutschland den Sender wechseln und ich werde ganz nostalgisch.

In den frühen 90ern entdeckte ich beim Zappen ausgerechnet bei RTL (!) eine Serie, die mich mein Leben lang begleitete. Dort liefen manchmal als Pausenfüller die Kurzfilme von „The Simpsons“, die in der „The Tracey Ullman Show“ ihren Anfang nahmen. Zunächst krude gezeichnet, kaum zwei Minuten lang und dennoch faszinierend. Die ersten Staffeln liefen im ZDF (!), bei Premiere (wie Sky mal vor Urzeiten hieß) und als MC (Google it!) auf meiner Stereo-Anlage.

Es ist 1996 (manche denken jetzt hier automatisch an Songzeilen von Fettes Brot), doch ich komme aus der Schule, setze mich an die Hausarbeiten und schalte den Fernseher ein. Die goldene Ära von „The Simpsons“ läuft bei ProSieben im TV rauf und runter. Ich programmiere den Videorekorder, führe Buch über Episoden, kenne deutsche und englische Titel auswendig. Das Internet, wie wir es kennen, gibt es noch nicht. Jetzt das Angebot von Disney+ entdecken (Affiliate-Link).

„Die Simpsons“ als Ritual und Bildungshilfe

Die ganz frühen „Simpsons“
Die ganz frühen „Simpsons“ - © Imago images / United Archives

Streamingdienste? Kommen erst 20 Jahre später. Ich muss mich also auf die Programmplaner von ProSieben verlassen, aber es ist eigentlich egal, welche Folge läuft, in den Staffeln eins bis zehn sind so gut wie alle Folgen Gold und nahezu perfekte Halbstünder. Es ist ein tägliches Ritual, das ich liebe. Ich kann manche Folgen und Gags mitsprechen und trotzdem lache ich. „Die Simpsons“ sind meine absolute Lieblingsserie. Durch sie lerne ich Wissen über Popkultur, Horrorfilme, US-Politik und kann mein Allgemeinwissen verbessern. 2025 nehme ich an in der ersten Staffel des Podcasts „Battle of the Nerds“ teil und gebe mein Simpsons-Wissen an Eva Schulz weiter. Zum Glück gewinnen wir. Ohne „Die Simpsons“ wäre ich wahrscheinlich nie ein Serienjunkie und Redakteur geworden.

Außerdem sammle ich ab 1998 auch die begleitenden „Simpsons“-Comics vom Dino Verlag. Ich kaufe mir US-Ausgaben der „Simpsons“, um mein Englisch zu verbessern. Die Noten danken es mir. Das startet eine Comic-Passion, die bis heute anhält. 1999 bereichert „Futurama“ uns um eine Sci-Fi-Variante mit (teilweise) echten Menschen statt gelben Chaoten.

Die DVD-Boxen der „Simpsons“, die leider nur bis zur 20. Staffel herausgebracht werden, sind ein Quell an tollem Bonusmaterial. Man kann sie auf Deutsch und Englisch schauen und Deleted Scenes oder die fantastischen Audio-Kommentare anschauen, die manchmal fast so lustig und informativ wie die Folgen selbst sind.

Als US-Serien noch im Free-TV liefen

„Die Simpsons“ sind seit den frühen 90ern Teil der DNA von ProSieben. Mit wechselnden Startzeiten, aber oft am Vorabend oder am Wochenende auch zur Mittagszeit, bringen Sie Millionen Zuschauer zum Lachen. Es ist eine tolle Zeit: „The X-Files“, „Emergency Room“, „Buffy the Vampire Slayer“ „Sex and the City“ und „Desperate Housewives“ sowie der Start von „Lost“ folgen, die man wöchentlich im Free-TV verfolgt, weil es verlässlich Woche für Woche oder manchmal sogar täglich kommt. Kaum eine andere Sitcom ist so eng mit dem Sender verbunden, außer vielleicht später „The Big Bang Theory“, „How I Met Your Mother“ und „Two And A Half Men“.

Die Kernfamilie aus „The Simpsons“
Die Kernfamilie aus „The Simpsons“ - © Imago images/Mary Evans

Viele Simpsons-Fans werden aber irgendwann eine ähnliche Geschichte erzählen. Ab Staffel elf, manchmal Staffel 13 bröckelt die Liebe. Man schaut vielleicht noch aus Gewohnheit rein, aber die alten Folgen waren doch sehr viel besser. Serien wie „South Park“, „Family Guy“ oder „Rick and Morty“ machen Konkurrenz und ihre Sache teilweise besser oder haben einen Humor, der relevanter ist. In mancher Generation ist auch „Spongebob Schwammkopf“ das Nonplusultra. Die Liebe zu den Simpsons wird schwächer. Leider müssen auch einige tolle Synchronsprecher ausgetauscht werden, weil sie sterben, RIP Marge-Stimme Elizabeth Volkmann und Norbert Gastell, der den legendären deutschen Homer zum Leben erweckte und zahlreiche Stimmen von beliebten Nebenfiguren. Wir durften damals auch als eine der ersten über die neue Homer-Stimme berichten.

Die Streaming-Ära schafft völlig neue Möglichkeiten

Die Familie Simpson vor ihrem ikonischen Eigenheim
Die Familie Simpson vor ihrem ikonischen Eigenheim - © Imago/Cinema Publishers Collection

ProSieben MAXX kommt irgendwann als Abspielstation dazu und man merkt, wie sich Prioritäten verschieben. Mit dem Start von Disney+ in Deutschland bröckeln die alten Lizenzabkommen. Was in den 90ern undenkbar war, ist nun Realität: Alle Folgen, bis auf die kontroverse Michael Jackson-Folge „Stark Raving Dad“ sind innerhalb weniger Sekunden abrufbar. Ohne Werbung, zu jeder Zeit des Tages. Selbst einige DVD-Extras sind zu finden.

Disney und ProSieben teilen sich das Sorgerecht, irgendwann darf Disney+ aber Halbstaffeln oder ganze Staffeln zuerst zeigen, dazu kommt exklusiver Content in Form von Kurzfilmen oder Special Episoden. „Die Simpsons“ bleiben bis zur 40. Staffel mindestens auf Sendung. Im Interview verrät mir Showrunner Al Jean, dass es keine Pläne fürs Aufhören gibt.

Immerhin bietet ProSieben.Sat.1 US-Serien noch eine Bühne, bei den Sendern von RTL Deutschland findet man im Free-TV kaum noch etwas Aktuelles, doch in Zeiten von einem Überangebot an Streamingdiensten wundert mich das auch nicht, wenn die Einschaltquoten gleichzeitig sinken und der Werbemarkt in einer Dauerkrise ist.

Ich habe mich innerlich zwar schon länger von der Serie „Die Simpsons“ entfernt, doch es stimmt mich dennoch irgendwie traurig, dass ProSieben die Erstausstrahlungen ab 2027 zu Kabel Eins abgibt. Das fühlt sich falsch an, auch wenn die Wiederholungen dem Vorabendprogramm erhalten bleiben und ich ohnehin selten selbst einschalte. Doch die Gewissheit, dass sie da sind, ist wie eine wohlig warme Decke. Oder wie der Moment bei „Die Simpsons“, in dem herauskommt, dass Homer die Strapazen im Atomkraftwerk nur für seinen jüngsten Spross Maggie auf sich nimmt: Do it for her...

Auch Homer Simpson dürfte traurig über den Umzug nach so vielen Jahren sein.
Auch Homer Simpson dürfte traurig über den Umzug nach so vielen Jahren sein. - © Imago images/Mary Evans
Adam Arndt

Der Artikel Zum Ende einer TV-Ära: Was mir die Simpsons bedeuten und warum ich traurig bin wurde von Adam Arndt am Uhr erstmalig veröffentlicht. Adam Arndt hat bereits 22.126 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Adam Arndt

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