NCIS 12x22

Eine der groĂen StĂ€rken der Episode Troll ist, dass uns die Serienmacher von NCIS eine ganze Weile einer falschen FĂ€hrte folgen lassen, um letztlich einen ganz anderen als den zunĂ€chst erwarteten Weg einzuschlagen. Was recht generisch mit einem nebulösen kolumbianischen Drogenkartell als Verantwortlichen fĂŒr den Mord an einem weiblichen Navyoffizier beginnt, endet am Ende des Tages in einer durchaus dramatischen Geschichte um einen verzweifelten Jungen, der durch persönliche SchicksalsschlĂ€ge vom rechten Pfad abgekommen ist.
So macht die anfĂ€ngliche und eher uninspirierte Handlung um eine gesichtslose kriminelle Organisation als vermeintliche MissetĂ€ter mit den fortschreitenden Ermittlungen des Teams sukzessive mehr Platz fĂŒr eine persönliche Geschichte. Diese hat gesellschaftliche Relevanz und kann uns darĂŒber hinaus sehenswerte Momentaufnahmen zwischen verschiedenen Figuren bieten. Und auch wenn man sich in „Troll“ an dem bekannten Humor des Formats erfreuen kann, wird das Drama diese Woche deutlich gröĂer geschrieben. Und dies zahlt sich wiederum sofort aus.
Sword of Satan
Der Fall der Woche befasst sich dieses Mal mit dem Mord an einer Dame in Diensten der Navyabteilung im Kampf gegen Cyberterrorismus und Angriffe im Netz. Die ersten Erkenntnisse weisen darauf hin, dass das Opfer eventuell den Zorn eines kolumbianischen Drogenrings auf sich gezogen hatte, hackte sie sich doch in deren System, wodurch die kriminelle Organisation dingfest gemacht werden konnte.
Die Ermittler suchen zunĂ€chst den Programmierer des Systems auf, mit dem das Drogenkartell gearbeitet hat, und stoĂen dann wenig spĂ€ter auf einen möglichen Komplizen der Kolumbianer, der durch seine Firma deren Drogen in den USA vertrieben haben könnte. Jedoch kommt es dann zu einer Wendung in dem Fall, die „Troll“ wiederum von vielen vorangegangenen Episoden abhebt und der Folge ein sehr aufreibendes letztes Drittel verpasst.
So steckt nĂ€mlich kein Drogenring hinter der Ermordung der Navyoffizierin, sondern ein Jugendlicher, der Teil einer Gruppe im Netz ist, die eher radikale Ansichten vertritt und einen extrem verhassten Blick auf die Menschheit pflegt. Aus blanker Wut brachte dieser das Opfer um, nachdem sie einem jungen MĂ€dchen geholfen hatte, das von dem Jugendlichen online terrorisiert und bedroht worden war. Eine durchaus ĂŒberraschende Entwicklung, insbesondere mit Blick auf die erste HĂ€lfte der Episode und gleichzeitig auch weitaus interessanter als der klassische âKriminalfall der Wocheâ-Einheitsbrei.

Revenge
Abgerundet wird das Ganze nÀmlich mit einer sehr intensiven und nervenaufreibenden Szene, als der junge TÀter sich auf die Flucht begibt und dabei eine Bombe mit sich trÀgt, die er in einem Linienbus detonieren lassen will. Die Passagiere können von Gibbs (Mark Harmon) und Co zwar evakuiert werden. Die beruhigenden Worte des erfahrenen Chefermittlers zeigen im Endeffekt jedoch keine Wirkung bei dem verstörten Jungen, der sich am Ende selbst in die Luft sprengt. Ein wahrer Schocker zum Abschluss der Episode, da die Frage offenbleibt, wie viel Schaden Gibbs davongetragen hat, der bei der Detonation sehr nah am Jungen war. Dass diese etwas billig animiert aussieht, sei an dieser Stelle verziehen.
Doch nicht nur dieser ĂŒberraschende Schlusspunkt sagt mir persönlich zu, auch das Drama um den Jugendlichen ist ĂŒberzeugend gestaltet. Dieser hatte vor einigen Jahren seinen Vater verloren, was ihn nach wie vor schwer belastet. Ein Ventil fĂŒr sein Trauma suchte er sich im Netz, wo er Gleichgesinnte fand, die seine depressiven Ansichten teilten. NatĂŒrlich mĂŒssen sich die Macher bei der Verallgemeinerung, das Internet sei der âneue Hort des Bösensâ, vorsehen.
Und hĂ€tte man ein wenig frĂŒher in der Folge damit angefangen, den jugendlichen StraftĂ€ter ein etwas ergiebigeres Charakterprofil zu geben, wĂ€re die ErklĂ€rung fĂŒr sein Handeln sowie seine Motivation eventuell noch deutlicher geworden. Dennoch gefĂ€llt mir gut, dass man die Gefahren, die gerade fĂŒr junge, niedergeschlagene, leicht zu beeinflussende Menschen im Netz lauern, aufzeigt und diesen Handlungsstrang unglaublich konsequent, wenn auch extrem schockierend, zu einem Ende bringt.
Classified
Was mir auch sehr gut gefĂ€llt, ist das Zusammenspiel von Emily Wickersham und Jamie Bamber in ihren Charakteren Eleanor Bishop und Jake Malloy. Dass es aufgrund ihrer Berufe zu einigen Reibereien kommt, wurde bereits ein paar Folgen zuvor angedeutet - und wird uns nun abermals nachvollziehbar von den Machern vor Augen gefĂŒhrt. Die NSA hĂ€lt wĂ€hrend der Ermittlungen des NCIS-Teams nĂ€mlich Informationen zurĂŒck, die extrem wichtig sein könnten. Der Geheimdienst arbeitet jedoch an einer eigenen Operation - und so kommt Jake ins Spiel, der als Angestellter der NSA den Zugang zu deren Daten möglich machen könnte.
Doch Jake kann nicht einfach so die Vorschriften brechen, was Eleanor eigentlich besser als jeder andere weiĂ. Dennoch setzt sie ihrem Gatten die Pistole auf die Brust, was vor allem auch durch den Umstand bedingt ist, dass sich die beiden in ihrer Ehe generell kaum noch etwas zu sagen haben. So hat Bishop ihm auch nichts davon erzĂ€hlt, dass sie kĂŒrzlich im Dienst einen Mann erschossen hatte, was ihr schwer zusetzt. Beide Darsteller prĂ€sentieren sich in dieser Szene stark, die vor allem deshalb so gut funktioniert, weil man sowohl Eleanors als auch Jakes Standpunkt nachvollziehen kann. Beide befinden sich aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen in einer sehr schwierigen Situation und ihre Beziehung leidet deutlich darunter.
Interference
Letztlich macht Jake den ersten Schritt und hilft Gibbs und Co mit den Daten der NSA, obwohl die Konsequenzen schwerwiegend sein könnten. Das GesprĂ€ch zwischen Eleanor und Jake gehört zweifellos zu den dramatischen Höhepunkten dieser Episode und lĂ€sst darĂŒber hinaus Raum fĂŒr Spekulationen, wie sie das Ruder in ihrer Ehe wieder rumreiĂen können. FĂŒr einen kurzen Augenblick scheint es nĂ€mlich so, als wĂ€re das Ende der Fahnenstange bereits erreicht, was ich persönlich schade finden wĂŒrde, da beide Darsteller gute Arbeit leisten und sehr authentisch interagieren. Ein Szene zum Ende der Episode zeigt jedoch, dass Hoffnung besteht, wenn die beiden es doch endlich fertigbringen könnten, miteinander zu kommunizieren.

Conquering the dungeon
Wie bereits erwĂ€hnt, lassen sich in Troll aber nicht nur sehr ordentliches Drama, sondern auch ein paar angenehme, amĂŒsante Szenen finden, die nicht zu aufgesetzt und wie so oft perfekt getimt sind. Die Verwunderung bei Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray), dass Jake sich anscheinend ganz prĂ€chtig mit Gibbs versteht, sorgt fĂŒr ein paar Schmunzler beim Zuschauer. Ebenso wie die groĂe Freude bei Jimmy (Brian Dietzen), der sich von Gibbs endlich wertgeschĂ€tzt fĂŒhlt, obwohl dies auch schon vorher der Fall gewesen ist. Doch Gibbs bleibt nun mal Gibbs, lobende Worte vor versammelter Mannschaft sind eben Mangelware bei ihm. Doch seine Teammitglieder können sich sowohl seines Respekts als auch seiner UnterstĂŒtzung stets sicher sein.
Der Gastauftritt von Matt Jones als alter Bekannter Ned Dorneget, welcher einst ein NCIS-Agent auf Probe war und nun dank seines technischen Know-hows in der Abteilung fĂŒr Cyber Operations tĂ€tig ist, gefĂ€llt ebenfalls gut. Als NCIS-Neuling habe ich zwar keine besondere Verbindung zu Jones' Charakter, der Darsteller hat sich jedoch aufgrund seiner Rolle als verpeilter Badger in Breaking Bad in mein GedĂ€chtnis gebrannt und so freue ich mich immer wieder, wenn er irgendwo zu sehen ist. Hier greift er dem Team ein wenig unter die Arme, aber vor allem seine doch sehr speziellen Videospielreferenzen lockern einige Szenen (unter anderem zusammen mit dem stoischen Gibbs) herrlich auf („Thank you, elf-lord. What did you find, dragon-priest?“).
Fazit
Die Episode Troll ĂŒberzeugt mich gleich auf mehreren Ebenen, weshalb sie sich in meinen Augen eine ĂŒberdurchschnittliche Gesamtwertung verdient. Die unerwartete Wendung in der Handlung sorgt fĂŒr etwas frischen Wind, zeitgleich bekommen wir ansehnliches Drama geboten, an dessen Ende ein mittelgroĂer Cliffhanger auf uns wartet, wodurch die Erwartungen an die nĂ€chste Episode wiederum in die Höhe getrieben werden.
Sehr positiv gefĂ€llt mir die kleine Nebengeschichte um Bishop und ihren Mann Jake, in der beide Darsteller auftrumpfen. Der Charakter des jungen StraftĂ€ters, welcher letztlich Selbstmord begeht, hĂ€tte vielleicht etwas ausfĂŒhrlicher von den Autoren gezeichnet werden können, um uns als Zuschauer emotional eventuell noch stĂ€rker mitzureiĂen. Im GroĂen und Ganzen stellt „Troll“ jedoch eine spannende sowie sehr kurzweilige Folge des Crime-Procedurals dar.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 30. April 2015(NCIS 12x22)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x22
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