NCIS 12x04

Wie bereits erwartet, stürzt sich die zwölfte Staffel des Crime Procedurals nach zwei sehr persönlichen und voneinander losgelösten Episoden (Kill the Messenger und So It Goes) nun volle Kraft in die scheinbar übergreifende Handlung dieser Staffel, in der der russische Terrorist und Söldner Sergei Mishnev (Alex Vaedov) eine zentrale Rolle einnehmen wird. Dieser pocht weiterhin auf Rache für den Mord an seinem Freund Ari Haswari (Rudolf Martin) (Danke nochmals für die Hinweise und Informationen, liebe Community!) und verfolgt allem Anschein nach einen groß angelegten Plan, um Gibbs (Mark Harmon) und seinem Team gehörig eins auszuwischen.
Sending a message
Zwar bekommen wir in Choke Hold den gefährlichen Sergei nicht ein einziges Mal zu sehen, dennoch schlägt seine blutrünstige Agenda große Wellen. So versuchte er, eine russische Militärwissenschaftlerin für Lasertechnologie für seine Zwecke zu rekrutieren. Die weigerte sich jedoch vehement und bekommt jetzt die Konsequenzen zu spüren. Aber der Reihe nach...
Zu Beginn der Episode stößt eine Fußpatroullie in einem Washingtoner Park auf eine junge Frau, die regungslos auf einer Bank sitzt. Eine blutiger Schnitt ist an ihrem Hals zu erkennen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie grausam ermordet wurde. Doch plötzlich reißt sie die Augen auf und warnt die beiden Polizisten, sie auf keinen Fall anzufassen. Trotz der Warnung wird die Dame letztendlich doch bewegt, und so müssen sich Gibbs und sein Team anstelle einer Befragung der verletzten Frau, die eine Angestellte des Naval Research Laboratory war, nun doch um einen grausamen Mordfall kümmern.
Wie sich nämlich schnell herausstellt, hatte die Frau namens Sofia Glazman (Tamara Belous) eine furchtbare Apparatur an ihrem Körper angebracht, die ihr im wahrsten Sinne den Kopf kostete. Kenner des Ridley-Scott-Films „The Counselor“ dürfen ähnlich wie Tony (Michael Weatherly) mit dieser Art Winde vertraut sein, die gerade in den mörderischen Auseinandersetzungen von Drogenkartellen immer wieder zum Einsatz kommt.

The embarrassing truth
Dabei wird ein sehr stabiler Metalldraht um den Hals des Opfers gelegt, der sich über eine motorisierte Winde immer weiter zuzieht, sodass sich das Metall durch den Hals frisst und den Kopf vom Körper abtrennt. Eine wahrhaftig scheußliche Methode, jemandem das Leben zu nehmen. Hier scheut man auch nicht vor sehr deutlichen Bildern zurück, die ziemlich unappetitlich sind und dem Ganzen die angemessene Ernsthaftigkeit verleihen.
Die Ermordete war eine gute Freundin, aber auch Rivalin der russischen Militärwissenschaftlerin Nelly Benin (Victoria Barabas). Und so versucht das Team, eine schlüssige Verbindung zwischen den beiden, ein Mordmotiv und die Rolle von Sergei dabei zu finden. Ohne gesicherte Informationen wird Benin sogar zur Hauptverdächtigen in diesem Fall, wollte sie sich doch zuletzt mit Sofia treffen. Politischer Druck wird derweil vom Vorsitzenden der russischen Botschaft, Anton Pavlenko (Lev Gorn), ausgeübt, der die amerikanischen Ermittler dazu auffordert, sich schnell diesem Thema anzunehmen.
Es ist durchaus interessant, selbst ein wenig mitzurätseln, was die wahren Motive der Beteiligten sind, wobei sich vor allem Pavlenko hervortut, der von Gorn treffend porträtiert wird. Als Zuschauer schwingen immer wieder einige Zweifel an dessen Ausführungen mit, was nicht zuletzt an dem nuancenreichen Spiel des Darstellers liegt.
Manhunter
Darüber hinaus stößt mit der toughen FBI-Agentin Leia Pendergast (Stephanie Jacobsen) ein zwischenzeitlich neues Mitglied zum NCIS-Team, die den Laden gehörig auf den Kopf stellt. Auch bei ihr werden hier und da einige Zweifel hinsichtlich ihrer Figur und ihrer Motivation gesät. Gleichzeitig kommt es zu einem recht charmanten Techtelmechtel zwischen ihr und Tony, das gelegentlich etwas erzwungen wirkt, insgesamt aber für ein paar amüsante Momente sorgt.
Nach einer kleinen Recherche zu „NCIS“ scheint es fast so, als wolle man mit Pendergast einen ähnlichen Charakter wie Ziva (Cote de Pablo) etablieren. Da ich über dementsprechend ausführliches Vorwissen zur Serie nicht verfüge, könnt Ihr, liebe Community, sehr gerne im Kommentarbereich diesen Aspekt aufgreifen. Inwiefern Jacobsen eine wiederkehrende Rolle einnehmen wird, ist noch nicht klar. Das Ende der Episode bietet zumindest genügend Spielraum dafür.
Bad intel
Nachdem Abby (Pauley Perrette) mal wieder ihre „Magie“ wirken lässt und eine auffällige Substanz im Motor des todbringenden Drahtgewindes entdeckt, kommt das Team der Lösung des Falls immer mehr auf die Spur - auch wenn Gibbs seine Karten vor Pendergast und Pavlenko weiter verdeckt hält. So richtig mag man in dieser rätselhaften Angelegenheit keinem glauben. Zurecht, wie sich letztendlich herausstellt. Denn Benin ist mitnichten die Mörderin ihrer besten Freundin, vielmehr wird sie nicht nur von Sergeis Schergen, sondern von der russischen Regierung selbst verfolgt, möchte sie doch zu den USA überlaufen.
Wie wir aus 20 Klicks wissen, unterhält Pavlenko eine alles andere als feindselige Beziehung mit Sergei. Steckt der Botschaften oder gar die russische Regierung selbst mit Sergei unter einer Decke? Eine recht interessante Frage. Und auch wenn der ewige Konflikt USA gegen Russland und die scheinbar endlose Neuer-Kalter-Krieg-Thematik ein wenig ausgelutscht ist - politische Relevanz hat es allemal. Genauso wie es staffelübergreifendes Konfliktpotential für Gibbs und sein Team in sich birgt.

Show you mine, show me yours
Die eigentliche Mörderin von Sofia kann das Team letztendlich stellen, jedoch richtet diese sich mit ihrer eigenen Apparatur selbst hin, um einer Befragung zu entgehen. Wie es die Auftragskillerin zuvor unbemerkt auf die Damentoilette geschafft hatte, wo sie Benin erledigen wollte, mutet etwas seltsam an. Ähnlich wie die Kausalkette der Ermittler hinsichtlich der Substanz, die Abby ausgemacht hatte und auf die Killerin hinwies.
Die wohl gelungenste Szene hebt man sich jedoch für den Schluss auf, als man Benin anscheinend den Russen übergeben will. Diese befürchtet das Schlimmste, doch Pavlenko sichert ihr gebetsmühlenartig die volle Sicherheit zu (was wir nur schwer glauben können). In ihrer Verzweiflung greift Benin dann zur Pistole von Pendergast, die sich auffällig leicht entwaffnen lässt, und droht, Pavlenko zu erschießen. Doch „Manhunter“ Pendergast zieht gerade noch rechtzeitig eine Reservewaffe, mit der sie Benin erschießt. Anton ist schockiert, obwohl diese Reaktion wohl mehr Fassade ist, hat er doch bekommen was er wollte: den Tod einer potentiellen Staatsverräterin.
Doch siehe da, die Überraschung folgt prompt, noch bevor SECNAV Porter (Leslie Hope) zur großen Standpauke ansetzen kann. Die ganze Aktion war von Gibbs und Co. fingiert, Benin lebt nach wie vor und kann nun in Sicherheit vor Sergei und Pavlenko untertauchen. Ein netter kleiner Twist, der mich zugegeben auf dem falschen Fuß erwischte und einen guten Schlusspunkt markiert.
Fazit
In Choke Hold lassen sich erneut einige kleinere Unstimmigkeiten finden. Außerdem fühlen sich ein paar Deduktionen und Rückschlüsse der Figuren oft ein wenig zu weit hergeholt an. Trotz derartiger Probleme baut man die Bedrohung Sergei Mishnev aber weiter gekonnt auf, der an vielen Stellen seine Finger im Spiel zu haben scheint. Dies ist unter anderem zuträglich für die Komplexität der Handlung, die einige interessante Fragen für den weiteren Verlauf der Staffel aufwirft.
Zusätzlich bleibt wie immer ein wenig Zeit für die Interaktion unter den Charakteren, wobei diese etwas kürzer als noch zuvor kommt, was aber an der sehr zentralen Rolle des Kriminalfalls liegt. Diese Entscheidung geht also voll in Ordnung, da die Suche der Beteiligten nach Antworten spannend genug ist. Zwischen Tony und Pendergast knistert es bereits gewaltig. Inwiefern die Autoren diese Charakterkombination demnächst noch einmal aufgreifen wird, bleibt jedoch abzuwarten.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 16. Oktober 2014(NCIS 12x04)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?