Mr. Sunshine 1x01

Ein Elefant, der über die Eisbahn schlittert - eine lustige Vorstellung, aber keine, die man im Sunshine Center Realität werden sehen will. Was ein Zirkus, im wahrsten Sinne! Und weil die üblichen Mechanismen zum Schmelzen des Eises in der Arena versagen, müssen eben die Clowns ran, um das Stadion für Messerwerfer und exotische Tiere vorzubereiten. Mit Äxten ausgestattet werden sie aufs Eis geschickt - eine der herrlichsten Szenen in der Pilotepisode von Mr. Sunshine.
Sie demonstriert gleich zweierlei, durch das die neue ABC-Serie besticht: ihren trockenen Humor und ein vielversprechendes, für eine Workplace-Comedy sehr ungewöhnliches Setting. Inmitten der Arena, zwischen Hockeyspielen und Zirkusauftritten miesepetert Matthew Perry als Zentrumsleiter Ben Donovan vor sich hin. Es ist sein 40. Geburtstag, als seine Kollegin und spezielle Freundin Alice (Andrea Anders aus Better off Ted) die monatelange Affäre beendet und ihm unverblümt zu verstehen gibt, was für ein misanthropischer und egozentrischer Zeitgenosse er doch sein kann.
Als Zuschauer kann man das nach einer Episode nicht unbedingt bestätigen. Sicher, Ben ist nicht in der Lage, sich die Namen seiner Angestellten zu merken, Gaststar Jorge Garcia (Lost) wird so kurzerhand zu Bob... Bobbinson… Bobert. Ansonsten legt Hauptdarsteller Perry häufig das Gesicht in Falten und hat statt einem Lächeln immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen. Aber das ist es dann auch schon.
Nun soll ihn sein Geburtstag zu einer Erkenntnis bringen: dass er vielleicht doch mehr vom Leben will als Erfolg im Job. So heißt es jedenfalls in der Beschreibung zur Serie, im Piloten merkt man von seiner plötzlichen Einsicht nur wenig. Ist aber auch gar nicht schlimm, immerhin ist die Stilisierung der schlecht gelaunten Figur zu „Mr. Sunshine“ der dieser Serie zugrunde liegende Sarkasmus. Der sich übrigens auch sehr schön in den kurzen, aber charmanten Opening Credits spiegelt: „Mr. Sunshine... yay“, heißt es dort im lustlos anmutenden Sprechgesang, zu dem das Sonnenlogo langsam die Mundwinkel nach unten zieht
Chandler ohne seine Freunde
Ein Kritiker beschrieb die Hauptrolle sehr schön als 40-jährigen Chandler, wenn er seine Friends nicht gehabt hätte. Und tatsächlich setzt Matthew Perry auch in der neuen, von ihm mitgeschriebenen und -produzierten Serie auf das, was ihn zu einem so guten Chandler in der Kult-Sitcom Friends machte: trockenen Humor und simple, aber dennoch einprägsame Gestik und Mimik.
Vielleicht hat Perry zu viel Cougar Town geguckt, wo seine alte „Friends“-Freundin Courteney Cox ein neues TV-Zuhause gefunden hat - für das sie sich mindestens ebenso viel bei Monicas Neurosen bedient wie jetzt „Mr. Sunshine“ bei Chandlers Sarkasmus. Gerade diese Parallelen machen es unglaublich schwer, die neue Figur zu mögen, denn Ben Donovan fehlt es trotz eines Anflugs von Mitgefühl an der Liebenswürdigkeit des Herrn Bing.
Allison Janney hingegen, die Bens Vorgesetzte und Besitzerin der Arena spielt, ist von Anfang an ein Lichtblick. „They don't do oil paintings of people who don't own things, Benjamin“, belehrt sie ihre rechte Hand, ohne deren gelegentliche Rettungsmaßnahmen sie offenbar gar nicht dort wäre, wo sie ist. Denn Crystal, eine tablettensüchtige Egomanin, sorgt mit ihrer überdrehten und im witzigsten Sinne rücksichtslosen Art der Arena schon das ein oder andere PR-Fiasko hätte einbringen könnte. Auch dieses Mal kann Ben das Schlimmste verhindern, nachdem seine Chefin vor versammelter Presse ein Kind zum Wurfgeschoss machte.
In der Pilotepisode werden die sonstigen Charaktere, darunter Joyces kindlich-naiver Sohn Roman (Nate Torrence) und der Ex-Basketballstar-jetzt-PR-Manager Alonzo, der Ben neben seinem überbordenden Positivismus (James Lesure) nun auch noch das Liebesglück mit Alice vorführt, Schlag auf Schlag eingeführt. Das geht alles etwas schnell.
Allein deswegen verdient Mr. Sunshine trotz einer eher durchschnittlichen Auftaktfolge noch eine Chance. Damit die Charaktere, die einen nicht sofort vom Hocker hauen, sich beweisen können. Denn die Serie hat mit dem vielseitigen Setting und einem vielversprechenden Cast beste Voraussetzungen, von einem semi-lustigen Entlein zum Comedy-Schwan zu werden. Es liegt ein Stück Arbeit vor den Autoren.
Bis dahin allerdings gibt es vor allem dank Allison Janney jede Menge Gründe zum Einschalten, Sätze wie diesen etwa: „Clowns terrify me. Are they happy? Are they sad? Why are their pockets so big?“

(Mr. Sunshine 1x01)
Schauspieler in der Episode Mr. Sunshine 1x01
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