Mr. Robot 3x10

© hristian Slater und Rami Malek in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
Das Staffelfinale eps3.9_shutdown-r von Mr. Robot bietet einen dramatischen Showdown in einer abgelegenen Scheune, der für Elliot (Rami Malek), Darlene (Carly Chaikin) und Dom (Grace Gummer) droht, tödlich auszugehen. Finden Mr. Robot (Christian Slater) und er vielleicht gemeinsam noch einen Ausweg aus dieser gefährlichen Situation?
This is on me
Für Elliot ist es Zeit, endlich wieder von Angesicht zu Angesicht mit Mr. Robot zu sprechen, nachdem er feststellt, dass Darlene sich höchstwahrscheinlich in der Gewalt der Dark Army befindet. Auf der gemeinsamen Suche nach Hinweisen werden sie von Irving (Bobby Cannavale) überrascht, der sie zu einer abgelegenen Scheune bringt, um dort auf die Ankunft von Grant (Grant Chang) zu warten.
Auch für Darlene geht es dorthin, denn Santiago (Omar Metwally) übernimmt persönlich ihren Transport, um sie aus dem Gewahrsam des FBI herauszubekommen. Dabei stellt sich ihm Dom entgegen, die er kurzerhand niederschlägt und mit auf die Reise nimmt. Am Ziel angekommen ist Irving allerdings alles andere als begeistert von dessen Entscheidungen und lässt ihn mithilfe einer Axt spüren, was er von seiner Situation und seinen Forderungen hält, während er Dom dabei unmissverständlich klarmacht, dass sie mit dem Ableben ihres Vorgesetzten nun dessen Position als FBI-Insider für die Dark Army erbt.
Nach der Ankunft von Grant bietet Elliot ihm an, - nachdem seine Drohungen, das Netzwerk der Organisation offenzulegen, an seinem Gegenüber abprallen - im Tausch für das Leben seiner Schwester und seines eigenen das Kongo-Projekt von Whiterose (BD Wong) voranzutreiben. Damit gelingt es ihm tatsächlich, Whiterose zu überzeugen, der Grant von seinem Posten befreit, bevor er Elliot töten kann, woraufhin der nun ehemalige Stellvertreter des Anführers der Dark Army seine Waffe gegen sich selbst richtet und den Abzug drückt.
Mit Doms Zugangsdaten und dem Segen von Whiterose erhält Elliot Einsicht in die Keylogger-Daten des FBI-internen Sentinel-Netzwerks, die jedoch tatsächlich darauf hinweisen, dass ein anderer den Schlüssel zur Wiederherstellung und Entschlüsselung der Daten von E Corp in der Hand hält. In einem klärenden Gespräch mit Mr. Robot händigt dieser ihm schließlich die Informationen aus, die er dafür benötigt, woraufhin er den letzten Schritt tätigen kann, um die unmittelbaren Folgen des 5/9-Hacks wieder ungeschehen zu machen.
Angela (Portia Doubleday) findet sich derweil auf dem Anwesen von Price (Michael Cristofer), der nicht nur ein großes Geheimnis mit ihr teilt, sondern auch versucht, ihr die Augen in Bezug auf Whiterose und dessen Projekt zu öffnen.
E Corpse will rise again
Mr. Robot fährt zum Ende der Staffel die großen Geschütze auf und geizt weder mit Spannung noch mit Wendungen oder Schockmomenten. Werfen wir der Reihe nach einen Blick auf unsere Charaktere, die nicht nur emotional durcheinander gewürfelt werden, sondern sich am Ende der Episode in völlig neuen Ausgangssituationen wiederfinden.
Da wäre zunächst Angela (Portia Doubleday), die von Price (Michael Cristofer) ein Geständnis erhält, das sich nach Bemerkungen von Whiterose ihm gegenüber und in mehreren Flashbacks bereits angedeutet hatte: Er ist ihr biologischer Vater. Im Anschluss an diese Offenbarung kann er sie aus dem Griff von Whiterose befreien, indem er ihr vor Augen hält, dass dessen (Zeitreise- (?)) Ambitionen nichts als Wahnvorstellungen eines obsessiven Kontrollfreaks mit zu viel Macht sind. Dabei frage ich mich allerdings, wieso es den in dieser Folge weniger eisig als sonst wirkenden Price brauchte, um ihre illusorische Wunschwelt zum Einsturz zu bringen, denn dessen Erklärung ist so logisch und simpel, dass es nun wirklich nicht viel brauchte, um Angela wieder in die Realität zurückzuholen und ihr Bestreben nach Vergeltung zu befeuern. Für eine sonst clever dargestellte Figur lässt sich Angela sowohl von Lüge als auch Wahrheit derzeit viel zu leicht manipulieren und wird in der nächsten Staffel hoffentlich wieder mehr zu ihren Stärken finden. Im Zusammenhang mit dem Projekt von Whiterose gab es zudem durch die Filmausschnitte von „Superman: The Movie“ und das Kostümfoto von „Back to the Future“ wieder einmal mehrere mittlerweile obligatorische Anspielungen auf Zeitreisen.
Dom ist diejenige, die trotz ihrer Vorahnungen am wenigsten auf das vorbereitet war, was diese Episode auf sie zukam. Zunächst einmal hat sie trotz ihres berechtigten Argwohns nicht damit gerechnet, dass Santiago sie tatsächlich mitten in einer überwachten Garage angreifen würde. Daraufhin musste sie als Preis für ihr Überleben die dunkelste Seite der Dark Army kennenlernen, deren Brutalität sie nicht nur in Schockstarre versetzt, sondern nun auch ihr ganzes Leben und alle ihre Werte auf den Kopf stellen wird. Bei der Art und Weise, wie der axtschwingende Irving (Bobby Cannavale) - über den wir nebenbei noch erfahren, dass er bereits die Position als rechte Hand von Whiterose innehatte - seinen ernst zu nehmenden Drohungen Nachdruck verleiht, ist es allerdings kein Wunder, dass zunächst jegliche Form der Rebellion gegen ihre Situation im Keim erstickt wurde.
Anschließend fand sie in Darlene (Carly Chaikin) das einzige Ventil, an der sie ihre Frustration und Angst herauslassen konnte, welche die volle Wucht ihrer Verzweiflung zu spüren bekommt, auch wenn sie eigentlich nicht wirklich die Schuld an Doms misslicher Lage trägt. Für Grant (Grant Chang) gestaltet sich die Situation allerdings noch bitterer: Nachdem es bereits interessant mit anzusehen war, dass Irving durch seine Vergangenheit tatsächlich genug Respekt innerhalb der Dark Army besitzt - und anscheinend einen, wie wir diese Episode feststellen, zu Recht furchteinflößenden Ruf genießt -, um Grant damit in die Schranken zu weisen, gleiten ihm die Dinge im Schuppen vollends aus den Händen. Elliots Fähigkeiten und Dienste sind für Whiterose wertvoller als Grants Überzeugung, was für ihn als Tatsache möglicherweise dermaßen verletzend ist, dass er sich lieber selbst richtet, als in Schande zurückzutreten.

The ones who play God without permission
Während Darlene zumindest ein paar emotionale Narben davontragen und auf ihr ohnehin schon belastetes Gewissen laden wird, geht die Sache für sie, aber vor allem auch für Elliot ziemlich glimpflich aus, denn die Dinge nehmen in mehrfacher Hinsicht einen guten Lauf für ihn.
Zunächst einmal finden gleich mehrere überfällige Gespräche mit Mr. Robot statt und es ist Balsam für die Zuschauerseele, dass beide nun scheinbar endgültig das Kriegsbeil begraben und gemeinsam für ihre Ziele kämpfen. Der erste Auslöser dafür ist die Gefahr für Darlene, doch es ist der zweite Grund, der die Beziehung der beiden in ein völlig anderes Licht rückt: Elliots Vater war nicht derjenige, der Elliot in seiner Kindheit aus dem Fenster warf und seine Mr.-Robot-Persona nahm diese Erinnerung damals an sich. Das schütze ihn möglicherweise vor Selbstvorwürfen, denn der Wurf aus dem Fenster war sicherlich die Schlüsselszene, mit der er sein Verhalten und die unnatürliche emotionale Distanz, als sein Vater im Kino zusammenbrach, vor sich rechtfertigte.
Beide sehen ein, dass ein Teil des jeweils anderen in ihnen steckt und obwohl Elliot in der für ihn typischen Art seinen Gefühlen in der Szene an der U-Bahnstation keinen Ausdruck verleiht, hängt ein unglaublich großes emotional geladenes Verständnis zwischen den beiden, welches ihr Verhältnis neu definieren wird. Jetzt, da ihre Gegenspieler aus dem Schatten getreten sind, werden sie mit vereinten Kräften dafür sorgen, dass diese nicht ungeschoren davonkommen.
Doch, während 5/9 wieder umzukehren, ein wichtiger Schritt vor allem für Elliot selbst ist, so weist die Post-Credit-Szene zwischen Darlene und der „Lady of the Night“ (Hailie Sahar) doch richtigerweise darauf hin, dass die Hacks zwar umkehrbar sind, aber Elliots Formulierung die dadurch entstandenen Schäden und das Chaos keineswegs ungeschehen macht. Denn die in arg in Mitleidenschaft gezogene Gesellschaft wird eben nicht so einfach zum Status quo zurückkehren. Und wer dachte, dass Elliot nicht schon genug Gegenspieler hätte, der bekommt zum Schluss auf einmal „Brave Traveller“ Fernando Vera (Elliot Villar) vor die Tür gesetzt, der schließlich immer noch Elliots Freundin Shayla (Frankie Shaw) auf dem Gewissen hat.
Fazit
eps3.9_shutdown-r bietet knisternde Spannung in einem nervenaufreibenden Showdown, untermalt von einer eingängigen Musikauswahl, verknüpft mit verstörenden Geschehnissen, aber auch hoffnungsvollen emotionalen Momenten. Wir bekommen im Grunde alles, was man von einem guten Staffelfinale erwarten kann und werden obendrein vor allem durch die Allianz von Mr. Robot und Elliot mit einem zufriedenstellenden Gefühl hinterlassen. Es ist dabei vor allem sehr erfrischend, dass sich Sam Esmail und seine Autoren dieses Mal keines großen Cliffhangers bedienen, um die Zuschauer künstlich zu binden und somit eine wirklich starke Staffel auf einer hohen Note abschließen.

Der Trailer zum Staffelfinale 3x10 von „Mr. Robot“:
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 14. Dezember 2017Mr. Robot 3x10 Trailer
(Mr. Robot 3x10)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 3x10
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