Mr. Robot 1x03

Elliot (Rami Malek) gönnt sich kaum Zeit, sich von seinem Abflug vom Pier zu erholen, da er seine Verbindung zu Fsociety unbedingt beenden will, um wieder ein scheinbar normales Leben zu fĂŒhren. Doch Mr. Robot findet einen ĂŒberzeugenden Weg, ihn wieder zurĂŒck ins Boot zu holen.
A warm messy circle of humanity
Tyrell (Martin Wallström) setzt alle Hebel fĂŒr seine Ăbernahme von Evil Corp in Bewegung, doch, als die Dinge nicht so gĂŒnstig laufen, wie er es gerne hĂ€tte, entscheidet er sich, seine Wettquoten zu verbessern. Nachdem er seiner Frustration und Wut an einem Obdachlosen freien Lauf lĂ€sst, entscheidet er sich, zu handeln. Im Zuge dessen ist ihm jedwede Art von Manipulation recht, was auch fremdgehen mit einschlieĂt.
FĂŒr Elliot scheint es unterdessen an der Zeit zu sein, seine Verbindung zu Fsociety zu kappen, da ihm Mr. Robot (Christian Slater) keine eindeutigen Signale fĂŒr eine weitere Zusammenarbeit gibt. Vielmehr setzt er alles daran, sich wie ein ânormalerâ Mensch in die Gesellschaft zu integrieren, indem er die Dinnereinladung seines Chefs Gideon (Michel Gill) annimmt.
Zuvor lernt er die Gesellschaft von Shayla (Frances Shaw) wesentlich mehr zu schÀtzen, so dass er sie sogar als Begleitung beziehungsweise seine Freundin mit zum Abendessen nimmt. Dort ist auch Angela (Portia Doubleday) mit ihrem Freund Ollie (Ben Rappaport), die momentan mit einigen Beziehungsproblemen und einem bedrohlichen Erpressungsversuch zu kÀmpfen haben.
Doch die Nachrichten im Fernsehen nehmen Elliot schnell vollkommen in Anspruch, denn Fsociety hat einen Köder ausgeworfen, den er unmöglich ausschlagen kann. Im Skandal um den Angeklagten CEO von Evil Corp sind weitere Informationen ans Tageslicht gekommen: Der Konzern war sich des Gesundheitsrisikos, welchem einige Mitarbeiter - darunter auch Elliots an LeukÀmie verstorbener Vater - ausgesetzt waren, offenbar vollkommen bewusst.
My perfect maze
Mit EPS1.2_D3BUG.MKV stellt Mr. Robot seine Storylines hinten an, um sich fast ausschlieĂlich der Charakterentwicklung seiner Figuren zu widmen. Das ist gerade in der frĂŒhen Phase der Staffel eine gute Idee, denn so dĂŒrfen wir dieses Mal nicht nur unter die OberflĂ€che von Elliot (Rami Malek) tauchen.
Im Fokus steht dabei vor allem Evilcorps CEO-AnwĂ€rter Tyrell, der durch die einnehmende Performance von Martin Wallström alles andere als charismafreie Zone ist. Das beginnt direkt mit seiner Proberede vor dem Spiegel, die deutlich macht, dass unter der kĂŒhlen Fassade eine unbĂ€ndige Menge an Ehrgeiz und sogar etwas Unsicherheit brodelt.
DafĂŒr wird immer deutlicher, dass sich sein Leben völlig um Macht und Kontrolle dreht. Bei seiner exzentrischen StressbewĂ€ltigung Ă€uĂert sich dies nur zu deutlich, denn er tritt dem Obdachlosen trotz dessen Bitte, aufzuhören, ohne Zögern noch einmal ins Gesicht - schlieĂlich ist er derjenige, der das Zepter in der Hand hĂ€lt. Sowohl sein Privat- als auch sein Sexualleben scheinen nach Ă€hnlichen Mechanismen abzulaufen, wobei er seine Ehe scheinbar nicht so sehr kontrolliert, wie er es gerne tun wĂŒrde. Zudem scheint er bei der Partnerwahl nicht wĂ€hlerisch zu sein, solange es einem höheren Zweck - wie seiner Karriere - dient.
Ein ausgeprĂ€gtes Sexualleben, gewalttĂ€tige Tendenzen, obsessiver Karrieredrang sowie eine Portion Eitelkeit - es scheint, als ob er mit genĂŒgend Druck nicht weit davon entfernt ist, einen Geldautomaten mit einer streunenden Katze zu fĂŒttern, denn viele seiner CharakterzĂŒge wecken Assoziationen zu Patrick Bateman (Christian Bale) aus „American Psycho“. Es fehlt lediglich eine angeregte Diskussion ĂŒber die Farbschattierung seiner Visitenkarte. Das Ă€ndert jedoch nichts daran, dass er eine Ă€uĂerst charismatische und interessante Figur bleibt, die wir sicherlich so schnell nicht aus dem Auge verlieren werden.

In dieser Episode wird auch Angela (Portia Doubleday) ein wenig mehr Profil verliehen. ZunĂ€chst manifestiert sich dies in einer gewissen NaivitĂ€t, als sie dem nervösen und etwas zwielichtig aussehenden Typen mit der Handtasche unterm Arm âdessenâ pink-schwarzes Portemonnaie in die Hand drĂŒckt. Besonders interessant ist, dass ihr Freund ihr ein zu gutes Wesen attestiert, was sich auch auf ihre Vergebung Ollie gegenĂŒber beziehen lĂ€sst. Dieser hat mit seinem GestĂ€ndnis zwar zum ersten Mal eine positive Aktion auf seiner Seite zu verbuchen, allerdings wirken seine Beteuerungen, ab jetzt nur noch Augen fĂŒr Angela zu haben, ziemlich unehrlich.
Just when I thought I was out they pull me back in
Ein weiteres groĂes Thema der Episode war Elliots Wunsch nach NormalitĂ€t beziehungsweise die Illusion von NormalitĂ€t, die er versucht, um sich herum aufzubauen. Wie er in seiner Erleichterung, Fsociety los zu sein, zum Song âSteal My Sunshineâ der Band Len seine neuen PlĂ€ne schmiedet und Starbucks-Kaffee trinkt, hatte definitiv etwas Surreales und AmĂŒsantes. Zumindest mittlerweile, nachdem man ihn als Zuschauer ein wenig zu kennen glaubt.
Elliots Verbindung zu Shayla (Frances Shaw) wurde dabei sehr schön in Szene gesetzt und es ist faszinierend zu merken, wie sie einem zum selben Zeitpunkt wie Elliot ans Herz wĂ€chst, da seine Gedanken und Empfindungen auf seine sehr eigene Weise auch fĂŒr den Zuschauer nachvollziehbar sind. Umso interessanter ist auch, wie konsequent der junge Grey-Hat-Hacker Darlenes (Carly Chaikin) Versuche, sich in den Vordergrund zu drĂ€ngen, abblockt und ihr trotz seiner sonst so schĂŒchternen Art unmissverstĂ€ndlich klarmacht, dass sie auf diese Weise nicht in seiner Wohnung willkommen ist. Ganz egal, was ihr Anliegen auch sein mag.
Erneut ist auffĂ€llig, dass alle Menschen bis auf Elliot die PrĂ€senz von Mr. Robot (Christian Slater) zu ignorieren scheinen. Könnte er also wirklich Elliots Tyler Durden sein? Es ist den Machern aber auch durchaus zuzutrauen, mit der Wahrnehmung des Zuschauers anhand von kleinsten Nuancen zu spielen, um ihn diese Theorie spinnen zu lassen, wĂ€hrend sie die Auflösung möglichst lange hinauszögern. Zumindest weiĂ Fsociety genau, mit welchen Mitteln sie ihren Wunschrekruten fĂŒr ihre Sache gewinnen können.
Auch diese Episode kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Die Anfangssequenz vor dem Spiegel ist nahezu meisterlich aufgebaut und auch anhand des kurzen, aber gekonnten tracking shot am Ende der Episode ist zu sehen, dass das Talent der Produktion nicht auf das Drehbuch und die Schauspieler begrenzt ist. Auch der Ăbergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit einer Art match cut, als Elliot und seine Mutter auf den Bus warten, zeigt, wie bewusst und vorausschauend einzelne Szenen selbst in Hinblick auf den Schnitt gedreht werden. ZusĂ€tzlich lieferte dieser Augenblick auch Aufschluss ĂŒber die Erziehung unseres Protagonisten sowie die gewisse emotionale Distanz zu anderen Menschen, die auch im Verhalten seiner Mutter mehr als deutlich wird.
Fazit
EPS1.2_D3BUG.MKV nimmt sich die Zeit, seinen Figuren in dieser Episode mehr Profil zu verleihen, was zwar nur geringen Fortschritt in der Hauptstory zur Folge hat, aber trotzdem ein lohnenswerter und sinnvoller Schritt ist. Das dabei entstandene Unterhaltungspaket stellt demnach immer noch mehr als zufrieden, so dass Mr. Robot gerade unter den Sommerserien qualitativ seinesgleichen sucht.
Der Trailer zur nĂ€chsten Episode von âMr. Robotâ, âEPS1.3_DA3M0NS.MP4â (1x04):
Verfasser: Tim KrĂŒger am Donnerstag, 9. Juli 2015Mr. Robot 1x03 Trailer
(Mr. Robot 1x03)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 1x03
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