Mr. Mercedes 1x10

Mr. Mercedes 1x10

Die Auftaktstaffel von Mr. Mercedes stellt eine hervorragende erste Staffel und eine ebenso qualitative Adaption des Stephen-King-Romans dar. Dies ist insbesondere auf die schauspielerische Leistung Harry Treadaways und den gekonnt etablierten Zwiespalt zwischen den zwei Hauptdarstellern zurĂŒckzufĂŒhren.

Mr. Mercedes
Mr. Mercedes
© Audience Network

In der ersten Staffel von Mr. Mercedes  entscheidet sich ein pensionierter Detective dazu, einen alten Fall wieder aufzurollen, der ihm immer noch auf der Seele brennt. Dadurch beginnt er ein Spiel um Leben und Tod mit dem Serienkiller, der Mr. Mercedes (Harry Treadaway) genannt wird. Je nĂ€her Detective Bill Hodges (Brendan Gleeson) Mr. Mercedes kommt, umso mehr zieht sich die Schlinge um dessen Hals zu. Das spĂŒrt Brady Hartsfield und reagiert auch dementsprechend.

Life is a crap carnival with shit prizes

Die erste Staffel des Audience Network-Dramas braucht seine Zeit, bis es sein ErzĂ€hltempo und seine eigene Dynamik findet, jedoch ist das eher gar nicht so schlecht zu bewerten, da diese Produktion eine Adaption eines Stephen-King-Buches ist. Somit erscheint die erste Folge Pilot mehr wie die Einleitung fĂŒr die Serie und ist deshalb auch nicht allzu störend. An dieser Stelle möchte ich auch gleich anmerken, dass ich das Buch nicht gelesen habe. Aus diesem Grund werde ich lediglich die Serie an sich bewerten. Referenzen zu dem Buch sind in den Kommentaren jedoch gerne gesehen.

Never tell a lie when you can tell the truth

Das Drama folgt hauptsĂ€chlich dem Leben der beiden Hauptfiguren - Detective Hodges und Mr. Mercedes. Wie bereits kurz erwĂ€hnt, entwickeln die beiden eine lebensdefinierende Fehde fĂŒreinander und setzen all ihr Herzblut dafĂŒr ein, den jeweils anderen zu zerstören. Aus diesem Grund besteht ihr Leben daraus - soweit wie möglich -, den anderen zu jagen. In Bradys Fall bedeutet das, dass er Bill unheimliche Videos schickt oder Personen, die ihm nahestehen, verletzt. In Bills Fall sieht das Ganze etwas anders aus. Er muss legal operieren, bekommt dabei jedoch keine Hilfe seitens des Polizeireviers.

Stattdessen helfen ihm unerwartet sowohl der Nachbarsjunge Jerome (Jharrel Jerome), der seinen Rasen mĂ€ht, und die Cousine eines indirekten Opfers des Mercedes-Killers, Holly Gibney (Justine Lupe). An dieser Stelle muss ausdrĂŒcklich auf deren Schauspielkunst hingewiesen werden. Sie liefert in der Serie mit eine der besten Darstellungen.

aus der Serie „Mr. Mercedes“ /
aus der Serie „Mr. Mercedes“ / - © Audience Network

Alle HandlungsstrĂ€nge sind somit mit denen der beiden - Mr. Mercedes und Detective Hodges - verknĂŒpft. Dabei bekommen sie es mit diversen Figuren zu tun, die alle auf ihre Art gekonnt ausgefeilt und definiert sind. Diese tolle Charakterarbeit, die man nur selten bei Nebenfiguren findet, ist typisch fĂŒr gut geschriebene Romane. Dieses positiv herausstechende Merkmal ist ganz eindeutig mit Stephen Kings hervorragender Vor- und Mitarbeit an dieser Produktion zu begrĂŒnden.

Everybody likes the ice cream man

Wie bereits erwĂ€hnt, folgt man den beiden Hauptfiguren durch ihren Alltag. Dabei erfĂ€hrt man sehr viel darĂŒber, was sie antreibt, womit sie zu kĂ€mpfen haben und wie sie damit umgehen. Das Innenleben von Brady Hartsfield stellt eine interessantere Geschichte fĂŒr den Zuschauer dar als die des zynischen pensionierten Detectives. So komisch das klingen mag: Dadurch, dass man von beiden so viel von ihrem Privatleben, GefĂŒhlen und Gedanken erfĂ€hrt, ertappt man sich öfter mal dabei, mit dem „Big Bad“ der Serie mitzufĂŒhlen anstatt diesen fĂŒr seine Taten zu verachten.

Man weiß, dass Hartsfield mehrere Menschen auf grauenvolle Art und Weise umgebracht hat, trotzdem kommt man nicht umhin, in ihm ein Opfer seiner LebensumstĂ€nde zu sehen. Hierbei stellen sich auch die Fragen, wie viel davon selber hervorgerufen und wie viel den UmstĂ€nden geschuldet ist, wie viel bereits seit seiner Geburt in seiner DNA verankert ist et cetera... Wer sich fĂŒr solche Fragen interessiert, dem lege ich hiermit außerdem auch die neue Netflix-Serie Mindhunter ans Herz. In dieser werden solche und andere Fragen thematisiert und ihnen auf den Grund gegangen.

ZurĂŒck zu Mr. Mercedes: Eine Serie, die es schafft, uns einen grauenvollen Massenmord vorzufĂŒhren und uns nur wenige Stunden spĂ€ter dazu bringt, mit dem dafĂŒr Verantwortlichen zu sympathisieren, leistet schlichtweg hervorragende Arbeit. Allerdings fĂ€hrt sie eben nicht konstant die Mitleidsschiene und schafft es, in uns einen Zwiespalt der GefĂŒhle gegenĂŒber dem Serienkiller hervorzurufen. Manchmal leidet man mit ihm, manchmal verachtet man ihn.

I am here fuckhead. Let's play.

Weiterhin bezogen auf Brady Hartsfields Charakter, LebensumstĂ€nde und Handlungsstrang kommt man nicht umhin, spĂ€testens nach der dritten Folge Cloudy with a Chance of Mayhem einen „Norman Bates“-Vergleich zu ziehen. Was anfangs nur „Norman Bates“-ZĂŒge annimmt, entwickelt sich in der Mutter-Sohn-Beziehung mit der Zeit immer mehr in die Richtung des besagten Serienkillers. SpĂ€testens in den letzten Episoden stehen die Parallelen zwischen „Mr. Mercedes“ und der grandiosen Serie Bates Motel fest.

aus der Serie „Mr. Mercedes“ /
aus der Serie „Mr. Mercedes“ / - © Audience Network

Falls ich es bis zu dieser Stelle noch nicht ausdrĂŒcklich festgehalten habe, Harry Treadaway, den manch Serienjunkie aus dem historischen Fantasy-Drama Penny Dreadful kennen mag, leistet in seiner Rolle des psychisch gestörten Serienkillers Brady Hartsfield hervorragende Arbeit. Hier beweist er die volle Spannweite seines Schauspielrepertoires. Er schafft es, dass wir sowohl mit dem Opfer seiner LebensumstĂ€nde, Brady Hartsfield, mitfĂŒhlen und -leiden als auch den Serienkiller in ihm, Mr. Mercedes, verachten.

Fazit

Jeder, der gerne spannende Krimiromane liest oder Vergleichbares schaut, in denen sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren ausgearbeitet sind und man sogar dazu gebracht wird, mit dem Bösewicht der Geschichte mitzufĂŒhlen, dem sei diese Stephen-King-Adaption ans Herz gelegt. Alle Schauspieler leisten hier gute Arbeit, jedoch sticht die schauspielerische Leistung von Harry Treadaway heraus. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die Auftaktstaffel genossen habe und auf die folgende Staffel, die bereits vom Audience Network bestellt wurde, gespannt bin.

Verfasser: Maike Karr am Samstag, 21. Oktober 2017
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Mr. Mercedes 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Abgerechnet wird zum Schluss
Titel der Episode im Original
Jibber-Jibber Chicken Dinner
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Oktober 2017 (Audience Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. Juli 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 16. Juli 2018
Regisseur
Jack Bender

Schauspieler in der Episode Mr. Mercedes 1x10

Darsteller
Rolle
Brendan Gleeson
Jharrel Jerome
Scott Lawrence
Breeda Wool
Justine Lupe
Holland Taylor
Ed Anderson

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