Mr. Mercedes 1x01

© ast der Serie „Mr. Mercedes“ / (c) Audience Network
Horrorfürst Stephen King ist aktuell wieder einer der meistadaptierten Autoren. Allein in diesem Jahr sollen sechs Serien- und Filmprojekte herauskommen, die auf seinen Werken basieren. Wenn wir aber mal ganz ehrlich sind, waren King-Verfilmungen in der Vergangenheit (bis auf Ausnahmen natürlich) höchstens im qualitativen Mittelfeld angesiedelt, wie zuletzt noch an der Spike-Serie The Mist beobachtet werden konnte.
Das Audience Network schickt nun den Serienkiller-Thriller Mr. Mercedes mit vielversprechenden Vorzeichen ins Rennen: Showrunner ist David E. Kelley, der seine leichtherzigen Anwaltsdramen à la Ally McBeal und Boston Legal schon mit Goliath für düsterere Crime-Kost aufgab, Jack Bender (Lost, The Sopranos) steht als Regisseur hinter der Kamera und in Maine spielt das Ganze ausnahmsweise auch nicht.
Der Pilot bemüht sich in seinen ersten Minuten sehr, als ganz harter Hund im Sinne eines misanthropisch anmutenden Thrillers wie „Se7en“ rüberzukommen und bietet als erste Szenen das brutale Überfahren von 16 Menschen inklusive einer Mutter mit Baby sowie einem alten Mann, der morgens Probleme beim Wasserlassen hat. Bei diesem handelt es sich um Brendan Gleeson als pensionierter Polizist mit einem der coppigsten Copnamen aller Zeiten: Detective Bill Hodges.

Dem grummeligen Ex-Ermittler bekommt, wie es sich für Film- und Fernsehcops gehört, der Ruhestand nicht. Er weiß nichts mit sich anzufangen, auch wenn die selbstbewusste Ida (Holland Taylor) ihm subtil wie mit einem Megafon die Chance auf eine nachbarschaftliche Schäferstündchenbeziehung anbietet und die Nachbarkids ihn zum Straßenhockey einladen. Da müsste es ihm eigentlich gerade recht kommen, dass der ungefasste Killer, der die oben erwähnten Menschen vor zwei Jahren mit einem Mercedes vor einem Jobcenter überfahren hat, eines Tages Kontakt mit ihm aufnimmt.
Wer die klassische Copfigur schon für ein Abziehbild hält, wird seine pure Freude am schlaksigen, ungesund dreinblickenden Computer-Genie-Killer mit Horror-Clown-Maske namens Brady (Harry Treadaway, ursprünglich Anton Yelchin) haben, der am Ende mit gruseligem Eiscreme-Truck durch die Gegend fährt und die zwei plattesten Figuren des Serienpiloten mit sich bringt: seine alkohol- und/oder drogenkranke Ekelmutter (Kelly Lynch), die etwas zu intim mit ihrem guten Jungen wird (The Bates'/Lannisters send their regards.), und den sich wichtig nehmenden Chef (Robert Stanton) aus dem Elektronikgeschäft, durch den wir seine Frustration nachvollziehen können sollen.
Aus welchem Grund er Detective Hodges sich selbst vernichtende Videonachrichten mit Schnipseln aus der Todesnacht zukommen lässt, wird bis zum Ende der ersten Episode nicht ganz klar. Das Katz-und-Maus-Spiel soll auf irgendeine Weise weitergehen und dazu muss er den alten Mann aus seinem frustrierenden Ruhestand locken, was nicht zu schwierig sein dürfte. Doch wie das Spiel von hier an fortgeführt wird (vielleicht mit vergiftetem Eis und noch mehr toten Kindern?), erfahren wir nicht. Schade, denn diese lauwarme Episode hätte durchaus einen stärkeren Cliffhanger gebrauchen können.
Fazit
„Mr. Mercedes“ sorgte im Vorfeld für etwas Kontroverse, da die Idee des Autokillers laut Autor auf einer wahren Begebenheit beruht und Stephen King eher für unterhaltsamen Horrorquatsch wie „Christine“ (das besessene Monsterauto) bekannt ist. Darüber hinaus sind seit der Veröffentlichung des Romans mehrere Terrortaten auf ähnliche Art durchgeführt worden, weshalb einige eine TV-Serie zu diesem Zeitpunkt für unangebracht hielten.
Falls der Roman oder die Serie in ihren verbleibenden neun Folgen eine tiefsinnigere Aussage verfolgen sollen, so merkt man im äußerst solide inszenierten Piloten noch nichts davon. Hier haben wir es mit einem ziemlich klassischen beziehungsweise (je nach Gemütslage) abgedroschenen Set-up zu tun, was die Serienkiller-Story und vor allem die Charaktere betrifft.
Brendan Gleeson ist nicht gerade überraschend die perfekte Wahl für einen abgebrühten, Kinder von seinem Grundstück verscheuchenden Polizisten im Ruhestand und bis hierhin das Hauptargument, dem Serienthriller eine Chance zu geben. Es kann aber auch niemandem verübelt werden, der durch die aufgeladene Thematik, die hier als Sprungbrett für eine Horrorshow mit maskiertem Killer benutzt wird, dankend ablehnt.
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 11. August 2017Mr. Mercedes 1x01 Trailer
(Mr. Mercedes 1x01)
Schauspieler in der Episode Mr. Mercedes 1x01
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