Mom 1x01

Mom 1x01

Die neueste Erweiterung von Chuck Lorres Comedyrepertoire heißt Mom und stellt eine der dysfunktionaleren Vertreterinnen dieser Spezies in den Vordergrund. Obwohl die Pilotepisode kaum etwas Besonderes ist, bringt sie doch den einen oder anderen guten Witz hervor.

Christy (Anna Faris, r.) und ihre Mutter Bonnie (Allison Janney) haben eine problematische Vergangenheit. / (c) CBS
Christy (Anna Faris, r.) und ihre Mutter Bonnie (Allison Janney) haben eine problematische Vergangenheit. / (c) CBS

Der Comedyroutinier Chuck Lorre (The Big Bang Theory, Two And A Half Men, Mike & Molly, Cybill, Dharma & Greg...) hat es wieder getan. In seiner neuen Sitcom Mom geht es um vormals dysfunktionale Frauen und deren generationsübergreifende Bemühungen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Obwohl in der Pilotepisode einige positive Aspekte ins Auge stechen, hat das Format jedoch noch einen weiten Weg vor sich, um begeistern zu können.

Verpasste Chancen

Christy (Anna Faris; „Scary Movie“, Friends) ist eine grässliche Kellnerin. Zumindest an dem Tag, an dem die Serie einsetzt und die Zuschauer ohne Umschweife mit dem Wirken der alleinerziehenden Mutter in einem noblen Restaurant konfrontiert. Sie ist darüber entrüstet, Chancen in ihrem Leben nicht genutzt zu haben. Die Frustration darüber lässt sie in höchst melodramatischer Weise an den hilflosen Gästen aus, die Christy gar heimlich als „smug food Nazis“ bezeichnet.

Die Protagonistin muss in dieser Auftaktepisode Witze in Höchstgeschwindigkeit abfeuern, wobei die political correctness von Zeit zu Zeit auf der Strecke bleibt. Trotzdem können nicht alle Scherze auch Lacher - oder gar Schmunzler - hervorbringen. Während Christy in ihrer unangenehmen Hysterie besonders in den ersten Minuten keinen sonderlich sympathischen Eindruck hinterlässt, bessert sich dies jedoch im Verlauf der Episode ein wenig. Denn hier erfahren wir die Gründe dafür, warum es sich bei Christy um ein unausgeglichenes Nervenbündel mit Hang zum Selbstmitleid handelt.

Christys Probleme

Ganz oben auf der Liste von Christys Problemen steht ihre eigene Mutter Bonnie (Allison Janney), die ihr nicht immer ein gutes Vorbild gewesen ist: „While other mothers were cooking dinner, you were cooking meth“, schmettert Christy ihr wütend entgegen, nachdem sie Bonnie nach Jahren des Schweigens zufällig auf einem Treffen der Anonymen Alkoholiker über den Weg läuft. Mit dem Alkoholismus sind wir bei einem weiteren großen Stolperstein in dem Leben der Kellnerin angelangt. Doch Christy ist seit nunmehr 118 Tagen trocken - vor allem ihrer Teenagertochter Violet (Sadie Calvano) und ihrem kleinen Sohn Roscoe (Blake Garrett Rosenthal) zuliebe.

Christy (Anna Faris) zwischen ihrem Geliebten
Christy (Anna Faris) zwischen ihrem Geliebten

In der Vergangenheit hatte Christy ihre Kinder ebenso vernachlässigt, wie es damals bei ihr selbst der Fall gewesen war. Weil Violet ihr ein Ultimatum stellt, muss Christy der eigenen Mutter vergeben, um somit die Chance auf einen Neustart mit ihren eigenen Kindern bekommen zu können. Doch ihre Trinkerei und die Männergeschichten, die Christy einst von Bonnie „geerbt“ hat, haben bereits in der nächsten Generation ihre Spuren hinterlassen. Violet empfängt nämlich regelmäßig intimen Besuch von ihrem Freund Luke (Spencer Daniels). Und wie sich im Cliffhanger der Auftaktepisode von Mom andeutet, scheinen die gemeinsamen Duschen der beiden Teenager bald in Nachwuchs zu resultieren.

Ist das witzig?

Der erste Moment, der nach allzu penetranten Passagen tatsächlich einen kleinen Schmunzler hervorbringt, folgt darauf, dass Christy sich gegenüber ihrem Vorgesetzten - zugleich unglücklicher Affäre - Gabriel (Nathan Corddry) darüber beschwert, dass sie eigentlich Psychiaterin hätte werden sollen. Nach Gabriels aufbauenden Worten fügt sie im gleichen Tenor hinzu, dass sie dafür wohl aber erst einmal ihren Highschoolabschluss nachholen müsste. Besonders in den unaufgeregteren Sequenzen treibt Christys zynische Art durchaus erquickliche Blüten (Violet: „How was work?“ Christy: „Fun! I feel guilty taking the money.“).

Bonnie und andere Figuren

Allison Janney macht in ihrer Rolle der jung gebliebenen Großmutter Bonnie eine gute Figur. Es gelingt ihr, die sonst schnell lächerlich und bemitleidenswert wirkende Weigerung gegen das Älterwerden mit einer gewissen Eleganz zur Schau zu stellen. Außerdem ist es ihrem schelmischen Lächeln und einer gesunden Prise Realitätsverdrängung zu verdanken, dass man Bonnie trotz ihres nun gefestigteren Auftretens die vielen drogen- und männerbezogenen Verfehlungen abkaufen kann.

Chefkoch Rudy (French Stewart) verkündet, das Eiweiß solle sanft geschlagen werden - wie es seiner Meinung nach auch mit einem kleinen anstrengenden Kind geschehen sollte. Während sein Charakter in der ersten Folge von Mom noch einen reichlich aufgebauschten Eindruck macht, könnte seine schnoddrige Arroganz zukünftig noch für den einen oder anderen Lacher gut sein. Auch Christys Exfreund Baxter macht einen recht vielversprechenden Eindruck. Dies könnte jedoch sehr gut darin begründet liegen, dass man dessen Schauspieler Matt Jones bereits in einer ähnlich angelegten Rolle bei Breaking Bad hatte ins Herz schließen dürfen. Ansonsten ist auch bei seiner Figur das Rad nicht gerade neu erfunden worden: Er ist ein nutzloser Kindskopf, der sich von Christy Geld leihen möchte, um damit Gras zu kaufen und dann zu verkaufen. Dadurch möchte er dann wiederum endlich die ausstehenden Unterhaltszahlungen für seinen Sohn Roscoe begleichen. Guter alter Badger... ääh Baxter.

Christy (Anna Faris) mit ihrer Mutter Bonnie (Allison Janney) am Küchentisch. © CBS
Christy (Anna Faris) mit ihrer Mutter Bonnie (Allison Janney) am Küchentisch. © CBS

Fazit

Einige der Charakterzeichnungen, die aufgrund des Zeitdrucks einer Pilotepisode recht grobschlächtig vorgenommen werden mussten, können bei Mom noch nicht überzeugen und wirken allzu schablonenhaft. Violets Freund Luke oder Christys blasser Geliebter Gabriel können sich überhaupt nicht aus der Masse ähnlicher fiktiver Charaktere abheben. Auch in Bezug auf die Ausstrahlung der Protagonistin Christy gibt es definitiv noch Verbesserungsmöglichkeiten, damit man als Zuschauer eher gewillt ist, ihr ihre Macken zu vergeben. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass aus den so unterschiedlichen Figuren im Laufe der nächsten Episoden noch ein dynamisches und unterhaltsames Team heranwachsen wird.

Chuck Lorre, der nun gleichzeitig an vier Comedys von CBS als Executive Producer beteiligt ist, und seine Mom-Serienmiterfinder Eddie Gorodetsky und Gemma Baker scheinen ebenfalls gewisse Zweifel an der Durchschlagskraft ihrer neuen Sitcom zu hegen. Wie sonst ließe sich der beliebig erscheinende Gastauftritt von Jon Cryer (er spielt bei Two And A Half Men den Alan Harper) als Restaurantgast erklären? Das Studiopublikum bricht bei seinem Anblick zwar in derartig ekstatisches Gejubel aus, dass der Schauspieler kaum dazu kommt, seinen einen Satz zu formulieren. Richtig begründet wird diese Euphorie durch Cryers Bestellung einer Delikatesse von der Speisekarte jedenfalls nicht.

Die Tatsache, dass die Frequenz der dargebotenen Punchlines sehr hoch angesetzt ist, kann nicht darüber hinwegtrösten, dass viele der Witze ihre humoristische Wirkung verfehlen. So gut wie nichts geschieht subtil und zudem wird einmal zu oft über einen Gartenzaun gefallen. Einschübe wie Christys Anklage gegen Bonnie: „I've watched you lick cocaine crumbs out of a shag carpet!“, welche diese wiederum mit der Tugend der Sparsamkeit kontert, können einen in ihrer Dreistigkeit manchmal angenehm überrumpeln. Es ist jedoch fraglich, ob und wie lange Witze über Drogen und/oder Männerexzesse das Format zu etwas Besonderem machen können. Die Tatsache, dass der Teufelskreis einer allzu frühen Mutterschaft bei Violet weitergehen soll, kommt zwar nach der eingängigen Thematisierung von deren Sexualität nicht wirklich überraschend, könnte aber durchaus Potential für etwas tiefgehendere Auseinandersetzungen mit sich bringen. Bislang kann man Mom noch anmerken, wie sehr dabei auf altbewährte Comedyrezepte zurückgegriffen wurde. Das können auch die derberen Späße nicht verschleiern. Dennoch könnte es gut sein, dass Lorres Serienneuheit bei der großen Masse der Zuschauer den richtigen Ton trifft - es wäre ja nicht das erste Mal.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 24. September 2013

Mom 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Mom 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Neuanfang
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. September 2013 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 6. September 2014
Autoren
Chuck Lorre, Eddie Gorodetsky, Gemma Dyllen
Regisseur
Pamela Fryman

Schauspieler in der Episode Mom 1x01

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