Modern Family 3x20

Judgment Day ist als Finale tatsĂ€chlich ein Höhepunkt: nicht nur der dritten Staffel, sondern der USA-Serie insgesamt. Warum? Nicht wegen der Kombination aus allen Elementen, die eine Fall-der-Woche-Episode genieĂbar machen, sondern vor allem wegen der Situation, in die alle Figuren manövriert werden. Sie mĂŒssen sich entscheiden: aufgrund der kompletten Vorgeschichte ihrer Beziehungen. Also heiĂt es, alles Revue passieren zu lassen, um Konsequenzen ziehen, bevor es zu spĂ€t ist.
Ich fand den Ablauf der Episode sehr gelungen, der hin- und herwechselt zwischen den Aussagen aller Personen aus Neals (Matt Bomer) Umfeld und der tatsĂ€chlichen Lage, in der sich Neal gerade befindet. Somit bilden die GesprĂ€che bei der Anhörung eine Art Rahmen, innerhalb dessen das GemĂ€lde im Minutentakt seine Farben Ă€ndert. Eigentlich hat die Bildmetapher fĂŒr White Collar als Ganzes immer gut gepasst, und Judgment Day stellt das erneut unter Beweis. Neal versucht eher, sich mit dem Rahmen seiner Vergangenheit zu arrangieren, als unbedingt aus ihm auszubrechen: Was er will, ist ein Stillleben.
Und wie es Peter am Ende in seiner Aussage so schön fasst, muss man Neal die Möglichkeit geben, seine Farben zu zeigen. So lange er wie das Raphael-GemÀlde in einem Karton "verpackt" bleibt, wird man sich nie das buchstÀbliche Bild von ihm machen können. Agent Kramer allerdings hat sich dieses Bild schon ausgemalt. Wie er zu Peters (Tim DeKay) Entsetzen im GesprÀch gesteht, will er Neal weiterhin offiziell ans FBI "gebunden" halten, wie einen Hund an der Leine. Und der Hund soll ihm dienen und nicht Peter.
Im Grunde macht Kramer (Beau Bridges) einen ganz persönlichen Zug: Weil Peter die Beziehung zu seinem Informanten, Helfer und Mitarbeiter Neal anders erfÀhrt, als es in Kramers Leben geschehen ist, versucht er Peter diese Freundschaft wegzunehmen. Jeder teilt hier mit jedem eine Geschichte, die die momentane Verfassung der Beteiligten und die daraus resultierenden Entscheidungen beeinflusst. Welche Geschichte teilt nun aber Neal mit einer gewissen Ellen Parker, die, wie wir erfahren, im Rahmen des Zeugenschutz-Programms auf der Roosevelt-Insel wohnt?
Dort nĂ€mlich hat Neal das Raphael-GemĂ€lde versteckt - und dorthin geht er jetzt, um es zu holen. Denn um Neal Zeit zu verschaffen, versichert Sara Kramer, dass ihre Firma im Besitz des GemĂ€ldes sei und Neal deswegen nicht belangt werden könne. Das schöne visuelle Bildmotiv zieht sich durch sĂ€mtliche Szenen zwischen Neal und Ellen. Als er sie umarmt, sehen wir die beiden im eingerahmten Spiegel, als ob sie selbst ein GemĂ€lde darstellen wĂŒrden. Auch spĂ€ter auf der Terrasse nĂ€hert sich die Kamera den beiden von innen nach auĂen durch ein Fenster, das sie zwischen allen Blumen einrahmt. Ein Stilleben der Vergangenheit?
Viel ĂŒber dieses Innen-Stilleben erfahren wir nicht, nur die BestĂ€tigung, dass Neals Vater tatsĂ€chlich ein korrupter Polizist wurde, dass Neal unbedingt auf die Polizeiakademie wollte und dass Ellen seit Jahren nichts von Neals Eltern gehört hat. Lustigerweise zeigt das Raphael-GemĂ€lde St. George, und wie wir hören, ist George Neals zweiter Vorname... Der Inhalt rahmt den Rahmen ein! Nachdem Diana, Peter und Sara Neal aus der Klemme geholfen haben, findet Kramer einen anderen Umweg, um an ihn heranzukommen.
Nur ist Neal dank Peters Warnung nicht mehr da! Er sitzt mit Mozzie im Flugzeug, und die Sonne streicht ĂŒber seine unentschlossenen GesichtszĂŒge - ein LĂ€cheln, Trauer, Ungewissheit, Erleichterung... Freiheit? Die Zukunft scheint definitiv kein Stillleben zu werden. Und mit diesem Ende macht White Collar fĂŒr die kommende vierte Staffel alles möglich.
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 29. Februar 2012(Modern Family 3x20)
Schauspieler in der Episode Modern Family 3x20
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