Medici: Masters of Florence 1x01

Medici: Masters of Florence 1x01

Medici: Masters of Florence stellt ein klassisches Historiendrama dar, in dem die Geschichte um der Dramatik und Spannung willen so zurechtgebogen wird, dass dabei ein durchaus kurzweiliges Format mit einer starken Besetzung herumkommt. Da verzeiht man sogar so manchen Makel.

Richard Madden als Cosimo de' Medici in „Medici: Masters of Florence“ / (c) Sky
Richard Madden als Cosimo de' Medici in „Medici: Masters of Florence“ / (c) Sky
© ichard Madden als Cosimo de' Medici in „Medici: Masters of Florence“ / (c) Sky

„Frank-Spotnitz-Wochen“ bei SERIENJUNKIES.DE: Zu Beginn der Woche erst durfte ich die gerade erst in den USA angelaufene Geiseldramaserie „Ransom“ verreißen, für die der ehemalige The X-Files-Autor mit verantwortlich zeichnet. Nun hat Spotnitz bereits seit letztem Jahr eine weitere Serie im Angebot, die man hierzulande seit dem 27. Dezember 2016 über den Bezahlsender Sky und dessen VoD-Ableger sehen kann. Die Rede ist von Medici: Masters of Florence (zu deutsch: „Die Medici - Herrscher von Florenz“), eine Historienserie über eine der wohl einflussreichsten und mächtigsten Familien Italiens und Europas vom 15. bis ins 18. Jahrhundert.

Das Drama, von Spotnitz (The Man in the High Castle) gemeinsam mit Filmemacher Nicholas Meyer („Star Trek II: Der Zorn des Khan“) erdacht, feierte bereits im Oktober letzten Jahres seine Premiere in Italien und macht seitdem in den verschiedensten Ländern auf unterschiedlichen Plattformen die Runde. In den USA, Kanada oder auch Großbritannien sicherte sich zum Beispiel Netflix die Ausstrahlungsrechte. Die internationale Produktion, die vor Ort in Florenz oder auch in Rom gedreht wurde, wartet mit einem namhaften Cast auf und verspricht laut Frank Spotnitz selbst in seiner ersten achtteiligen Staffel (eine zweite wurde bereits bestellt) mehr „Thriller als eine historische Erzählung“ zu sein.

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Greed and conviction

Und in der Tat nehmen die Macher ein paar Veränderungen in der Geschichte vor, was Medici-Puristen eventuell vor den Kopf stoßen könnte, interessierte Zuschauer ohne besondere Vorkenntnisse zu der Thematik aber nicht besonders stören dürfte. Entscheidend ist, dass „Medici: Masters of Florence“ in seiner fast einstündigen Pilotepisode eine insgesamt gute Figur abgibt. Dabei trifft es vielleicht nicht jede Note perfekt, kann dafür aber sehr ordentlich unterhalten: dank engagierten Schauspielleistungen, guter Ausstattung, unkompliziertem Drama und einem hervorragenden Soundtrack - Mille grazie, Komponist Paolo Buonvino, vor allem für das schmissige Hauptthema.

From peasant to monarch

Einige dieser positiven Aspekte haben auch ihre Schattenseiten. Zum Beispiel das „unkomplizierte Drama“: Einerseits überzeugt die Gestaltung, die ohne unnötige Twists und komplizierte Figurenkonstellationen auskommt, andererseits pflastern dadurch auch teilweise uninspirierte, mit oft gehörten Platitüden gefüllte Dialoge den Weg der Charaktere. Doch die überschaubare, angenehm simple Handlung schreitet derartig gefällig voran, dass man bereit dazu ist, so manches Klischee in Kauf zu nehmen. Eine Rolle spielt dabei vielleicht auch unterbewusst die etwas andere Erzählstruktur in „Medici: Masters of Florence“, wird die Handlung doch in zwei Erzählebenen unterteilt, die 20 Jahre auseinanderliegen. Dies ist zwar kein revolutionärer Einfall, gibt uns Zuschauern aber interessante Einblicke, wo sich die Figuren der Serie einst befunden haben, welche Entwicklungen sie durchlaufen sind und was sie geformt hat.

Der Fokus liegt dabei ganz klar auf dem von Richard Madden (Robb Stark aus Game of Thrones) gespielten Cosimo de' Medici, der nach dem gewaltsamen Tod seines Vater Giovanni di Bicci (Dustin Hoffman) die Familiengeschäfte als mächtiger Banker und Renaissance-Kredihai weiterführen muss. Rückblicke in die Vergangenheit zeigen indes, wie Cosimo zu dem Mann wurde, der er heute ist, und auch die besondere Beziehung zu seinem Bruder Lorenzo (Stuart Martin) wird beleuchtet. In der Gegenwart muss sich Cosimo währenddessen in seiner neuen Machtposition zurechtfinden, potentielle Feinde abwehren und das Vermächtnis seines hart arbeitenden Vaters mit Stolz und Erfolg fortführen.

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Sky
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Accomplish the task

Historienserien sind oft etwas dröge und sehr langsam erzählt, was Serienmacher gerne mit exzessiver Gewaltdarstellung, hochdramatischen Plotentwicklungen und viel nackter Haut umgehen wollen und ihre Formate dementsprechend aufpeppen. Das kann jedoch auch in die Hose gehen und in einem regelrechten Übermaß an besagten Elementen führen. Medici: Masters of Florence gelingt es in seiner ersten Episode (Original Sin), einen gesunden Mittelweg einzuschlagen, bei dem die ruhigere Seite größtenteils überwiegt. Unter der Obenfläche köchelt es aber bereits - allerdings wäre eine Serie über diese Familie ohne skrupelloses Ränke schmieden, fiese Intrigen und letztlich auch Blutvergießen doch kaum vorstellbar.

Die Mischung macht's, und so werden wir zunächst recht behutsam in die Welt der Medici und der einstigen Republik Florenz eingeführt, die in ihrer Entwicklung nachhaltig von Giovanni di Bici de' Medici geprägt und mit errichtet wurde. Die Ausgangslage ist relativ schnell geschaffen und alles andere als kompliziert: Giovannis verbliebene Söhne sollen den Familiennamen fortführen. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein und verfolgten einst eigene Träume, die sie zum Wohle ihres Familienvermächtnisses aufgegeben haben und das auch mussten. Die Auftaktepisode beschäftigt sich dabei vor allem mit Cosimo, ehemals ein künstlerischer Freigeist und Träumer, der nun der harten Realtität ins Auge blickt und sich zu moralisch fragwürdigen Entscheidungen im Sinne der familiären Interessen hinreißen lässt.

Show strength

Die Charakterkonstellationen, die simple Prämisse, der potentielle Konflikt unter zwei grundverschiedenen Brüdern, die sich stets ihrem Vater beweisen wollten, all das macht einen sehr vertrauten Eindruck und wirkt nicht besonders ausgefallen. Das bisher eher selten in TV und Film behandelte geschichtliche Thema und Setting lockt mich aber schon hinter dem Ofen hervor, selbst wenn Fiktion vor historische Genauigkeit geht (die wahren Umstände von Giovannis Tod, der in der Serie vergiftet wird, sind nicht wirklich bekannt). Trotz Aufteilung in zwei Handlungsebenen wirkt „Medici: Masters of Florence“ geradlinig und angenehm schnörkellos, zumindest was die Geschichte betrifft. Dass man sich ein bisschen was für die Kulissen (nur ein paar schwammige CGI-Aufnahmen fallen etwas negativ auf) und modischen Kostüme hat einfallen lassen, versteht sich wohl von selbst.

Zwar lässt sich bis auf ein paar Ausnahmen noch nicht all zu viel über die Charaktere der Serie (unter ihnen bekannte Stereotypen wie der unberechenbare Konkurrent, der treue, zum Töten entschlossene Diener oder die besorgte Ehefrau) sagen, wirklich wichtig ist aber ohnehin nur Cosimo, der mit viel Überzeugung von Madden gespielt wird. Er trifft dabei sowohl die junge, offenherzige und entdeckerische als auch die erfahrenere, der Wirklichkeit und den Tatsachen ins Gesicht blickende Seite seines Charakter sehr gut. Als Zuschauer muss man sich zwar erst einmal etwas daran gewöhnen, dass Madden eine 20 Jahre jüngere Version von sich selbst spielt (längere Haare oder eine kleine graue Locke macht den 30-jährigen Schotten nicht gleich jünger respektive älter), aber auch diese Hürde überwindet man irgendwann.

The new age

Brian Cox und einige italienische Darsteller und Darstellerinnen sind ebenfalls mit von der Partie. Der zweite große Name ist derweil Dustin Hoffman, der den Medici-Patriarchen mit seiner erhabenen Ausstrahlung zwar spielend leicht verkörpert, für meinen Geschmack aber noch zu viele platte Lebensweisheiten an seinen Nachwuchs von sich gibt. Dies ändert sich in zukünftigen Folgen hoffentlich noch, denn wenn die Flashbacks nur existieren, damit wir das „Best of“ von Giovannis Lektionen für Cosimo sehen, an die sich letzterer erinnert, wäre dies meiner Meinung nach doch ein bisschen wenig.

Abseits davon werden in der Pilotfolge von Medici: Masters of Florence natürlich einige Konfliktherde angedeutet, so zum Beispiel der Kampf um das Sagen in Florenz, begleitet von etwas Säbelrasseln und vielen bösen, mehrdeutigen Blicken. Aber selbst wenn ich das Gefühl habe, dass ich all dies schon einmal irgendwo anders, sei es im Fernsehen oder im Kino gesehen habe, interessiere ich mich doch irgendwie für den Hauptcharakter und seinen Werdegang. Das Rad erfinden Spotnitz und Meyer mit Sicherheit nicht neu, die Umsetzung besticht aber durch eine simple Methodik, die mein Interesse weckt und mich dranbleiben lässt.

Trailer zu „Medici: Masters of Florence“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 4. Januar 2017

Medici: Masters of Florence 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Medici: Masters of Florence 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Erbsünde
Titel der Episode im Original
Peccato originale
Erstausstrahlung der Episode in Italien
Dienstag, 18. Oktober 2016 (Rai)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 27. Dezember 2016

Schauspieler in der Episode Medici: Masters of Florence 1x01

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