Mayans MC 1x10

Mayans MC 1x10

Das Staffelfinale von Mayans MC rückt das Dilemma von EZ und Angel ins Zentrum, die eine tödliche Entscheidung treffen müssen, um eine Chance zu haben, sich Potters Würgegriff wieder zu entwinden. Doch die Uhr tickt.

JD Pardo in „Mayans MC“ (c) FX
JD Pardo in „Mayans MC“ (c) FX
© D Pardo in „Mayans MC“ (c) FX

In der Episode Cuervo/Tz'ikb'uul von Mayans MC ringen EZ (JD Pardo) und Angel (Clayton Cardenas) mit sich, den Mordauftrag von Lincoln Potter (Ray McKinnon) zu erfüllen. Doch vielleicht könnte ihnen ihr Vater (Edward James Olmos) dabei zuvorkommen und ihnen so die schwerwiegende Bürde abnehmen.

Zum Monster werden

Wer übernimmt die düstere Aufgabe, Kevin Jimenez (Maurice Compte) auszuschalten? Felipe jedenfalls bringt es nicht übers Herz, den Familienvater und Verwandten der Reyes-Familie zu ermorden, woraufhin Angel die Initiative ergreift, um seinen Bruder davor zu schützen, den Abzug selbst drücken zu müssen. Doch es kommt alles ganz anders, als sie es geahnt hatten: EZ trifft kurz nach Angel ein, nachdem dieser Jimenez mit vorgehaltener Waffe zurück in dessen Unterkunft gedrängt hat. Doch dessen Kollege Bowen (Curtiss Cook) ist ebenfalls vor Ort, woraufhin EZ diesen in letzter Sekunde erschießt, ehe er Angel erledigen kann. Bevor EZ sich dazu durchringt, auch Jimenez ins Jenseits zu befördern, exekutiert Angel den ehemaligen DEA-Agenten selbst mit einem Kopfschuss.

Kurze Zeit später kreuzt Potter am Tatort auf und trägt den Brüdern auf, Jimenez und die unerwartete Extraleiche zu entsorgen. Zwar ist Potter nicht wirklich von der ungeplanten Ausführung der Brüder begeistert, ist mit dem Gesamtergebnis jedoch zufrieden genug, um sein Versprechen einzulösen. Daraufhin löscht er EZs Akte, weshalb dieser ab dem Zeitpunkt offiziell ein freier Mann ist, auch wenn Potter ihn darauf hinweist, dass er ihm für die durch den zweiten Toten zusätzlich entstandenen Komplikationen noch einen Gefallen schuldet...

Im Hause Galindo stehen Umstrukturierungen an, in dessen Zügen Nestor (Gino Vento) zu seiner Enttäuschung degradiert wird, da Miguel (Danny Pino) ihm noch den übereifrigen Mord an einer Nonne nachträgt. Dita (Ada Maris) wird derweil klar, was mit Devante geschehen ist, nachdem Miguel sie mit der Krankenakte seines Vaters konfrontiert hat. Gleichzeitig sucht Adelita sich (Carla Baratta) eine permanente Basis, da ihre Flucht und das Versteckspiel vor den Schergen des Kartells nun ein Ende hat.

Zurück beim MC entscheidet sich EZ dazu, dem Club sehr zum Missfallen seines Bruders nicht den Rücken zu kehren und er stellt sich mit den brüderlichen Differenzen als Begründung unter die Bürgschaft von Clubpräsident Bishop (Michael Irby), der von nun an anstelle Angels für den Prospect verantwortlich ist. Doch, als am Abend zur Feier und Besiegelung eines neuen Waffendeals die Sons of Anarchy zu Besuch kommen, identifiziert er einen der ihren als denjenigen, der am Mord an seiner Mutter beteiligt gewesen ist: Es ist Happy (David Labrava), der für die Sons stets seine Fähigkeiten als Killer unter Beweis gestellt hatte.

Von jetzt an alles erlaubt?

Das Staffelfinale trifft zunächst eine gute Entscheidung, indem der Fokus endlich einmal auf einen wichtigen einzelnen Handlungsstrang gelegt wird und sowohl die Familie Galindo als auch Adelita (Carla Baratta) überwiegend außen vor gelassen werden, um dem Dilemma von EZ (JD Pardo) und Angel (Clayton Cardenas) gebührend Platz einzuräumen. Das zahlt sich aus, denn durch diesen Fokus erhöht sich die Spannung noch einmal beträchtlich. Nachdem Felipe es noch mal betont, ist auch klar, warum Jimenez (Maurice Compte) im Fadenkreuz von Potter (Ray McKinnon) gelandet ist: Es geht um seine Drohung, Informationen über den Deal der Regierung mit dem Galindo-Kartell durchsickern zu lassen. Zwar ließe er sich, falls dieser Fall eintreten würde, sicherlich beträchtlich diskreditieren, doch Potter will vermeiden, dass irgendjemand seine Nase auch nur auf Verdacht in diese Angelegenheiten steckt.

Wie sich der Mordauftrag zugetragen hat, ist dabei gleich doppelt bitter für die Brüder, denn zum einen konnte Angel nicht verhindern, dass sein Bruder jemanden umgebracht hat. Und zum anderen kamen sie nicht darum herum, ihrem Cousin ein Ende zu bereiten. Bemerkenswert daran ist auch, wie viel „Angst“ Felipe davor zu haben scheint, wieder zu dem Monster zu werden, das er einst war. Daher konnte er seinen Söhnen die Bürde auch nicht abnehmen. Licht am Horizont zeichnet sich jedoch ab, als Potter sein Versprechen tatsächlich einlöst und EZs gesamte Akte löscht. Somit zieht sich EZ mehr als glimpflich aus der Affäre, denn man hätte auch davon ausgehen können, dass Potter ihn so lange ausnutzt, wie es ihm gefällt - ohne sich wirklich verpflichtet zu fühlen, ihm seine Freiheit zu schenken.

Dafür sprach eigentlich auch dessen nonchalante Art am Tatort und seine Betonung, dass es für ihn nun keine Grenzen mehr gäbe und ihm jegliche Methoden offenstehen, ohne dass er sich dafür rechtfertigen müsse. Doch ist er wirklich an gar keine Regeln mehr gebunden? Irgendwie wirkt dieser neue Status quo ein wenig überdimensioniert, denn, auch wenn die Regierung seine Arbeit sanktioniert, sollte er doch kaum komplett frei von Moral sein und außerhalb des Gesetzes operieren dürfen. Zumindest kommt die Aussage, er könne nun mehr oder weniger tun und lassen, was er will, da alle Hürden und Aufsichtführenden aus dem Weg seien, ein wenig plötzlich.

Ist der Kuchen wohl selbst gemacht?
Ist der Kuchen wohl selbst gemacht? - © FX

Während das angespannte Verhältnis der Reyes-Brüder nach all diesen Strapazen komplexer als je zuvor ist, wird mit dem Rätsel um den Mord an EZs Mutter etwas mit in die neue Staffel genommen, dass fern von der Kartell-Storyline das Verhältnis des Clubs zu den Sons of Anarchy auf den Prüfstand bringen wird. Sollte sich EZ dafür entscheiden, mit offenen Karten zu spielen und die Rückendeckung des MC zu suchen, so müsste dieser sich ganz genau überlegen, den neuen Waffendeal mit dem Kartell und den Sons für den Prospect zu riskieren, jetzt, da der gute alte Happy, einer der Handvoll Überlebenden aus der Mutterserie, anscheinend die Finger mit im Spiel hatte. Das birgt auf jeden Fall spannenden Zündstoff für die kommende zweite Staffel. Wie sich die neue Beraterrolle von Alvarez (Emilio Rivera) in den Diensten von Galindo auf die Story auswirken wird, lässt sich momentan noch nicht richtig abschätzen.

Fazit

Cuervo/Tz'ikb'uul schließt die erste Staffel mit ordentlicher Spannung auf gutem, aber noch nicht herausragendem Niveau ab. Das ist auch als Resümee der ersten zehn Episoden das richtige Stichwort, denn der Großteil der Folgen ist wirklich unterhaltsam, ohne dass man jedoch bisher so richtig vom Hocker gerissen wird. Die Formel der Serie wirkt einerseits auf angenehme Weise vertraut, macht dabei an manchen Stellen aber eben auch keinen ganz so frischen Eindruck mehr. Um unsere Verbundenheit mit den Charakteren zu stärken, fehlt vor allem noch die richtige Einbindung des MC, denn außerhalb der Reyes-Familie mit dem großartig charismatischen Edward James Olmos als Vater haben wir von den Mayans bisher nur Coco (Richard Cabral) richtig kennengelernt. Die anderen Mitglieder des Tisches verschwimmen fast schon ineinander, da ihre Persönlichkeiten noch nicht annähernd genug definiert sind.

Ein wenig mehr Fokus auf die Mayans selbst und etwas weniger generelle Kartellbetonung würden dem Ganzen bestimmt guttun, denn es ist im Prinzip egal, ob die Biker sympathisch sind oder nicht, denn bei „SoA“ konnte man mitfiebern, egal, ob oder gerade, wenn jemand dumme oder intrigante Entscheidungen traf, denn man war mit den Figuren durch ihre ausführliche Zeichnung vertraut genug, um entweder mit ihnen mitzufiebern oder gegen sie zu wettern. Mayans MC zeigt viele gute Ansätze, denn die Handlungsstränge sind gekonnt miteinander verknüpft, ohne dass man das Gefühl hat, sie könnten komplett ins Leere laufen. Die Anziehungskraft der neuen Figuren und die „Suttersche“ Sogkraft der Geschichte müssen sich allerdings noch bewähren, um qualitativ einen Platz an der Spitze zu finden. Immerhin wurde für diese Episode das Stilmittel des musikalischen Intros beziehungsweise Outros wiederbelebt, das - wie die generell passende Musikuntermalung - gerne häufiger verwendet werden darf. Denn der Soundtrack ist bei früheren Projekten Sutters stets ein essentielles Mittel gewesen, welches seinen Werken jeweils Atmosphäre und letztendlich Seele eingehaucht hatte und das bis heute noch einen festen Platz in meiner Playlist hat.

Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 7. November 2018

Mayans MC 1x10 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 10
(Mayans MC 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Cuervo/Tz'ikb'uul
Titel der Episode im Original
Cuervo/tz'ikb'uul
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 6. November 2018 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Juli 2020
Autor
Kurt Sutter
Regisseur
Elgin James

Schauspieler in der Episode Mayans MC 1x10

Darsteller
Rolle
Clayton Cardenas
Sarah Bolger
Michael Irby
Raoul Trujillo
Antonio Jaramillo
Daniel Pino
Emilio Rivera
Joseph Raymond Lucero
Vincent Vargas
Frankie Loyal Delgado
Alexandra Barreto

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