Mayans MC 1x09

© layton Cardenas und Edward James Olmos in „Mayans MC“ (c) FX
Nachdem Angel (Clayton Cardenas) und EZ (JD Pardo) von einer Polizeistreife mit fataler Fracht im Auto aufgelesen wurden, ergreift Lincoln Potter (Ray McKinnon) in der Episode Serpiente/Chikchan von Mayans MC die Gelegenheit, gleich beide für seine Zwecke einzuspannen und legt dabei EZs Geheimnis vor seinem Bruder offen. Galindo (Danny Pino) trifft derweil eine Entscheidung, wie er strategisch mit dem Deal zwischen ihm und der DEA umgehen will.
Blut ist dicker als Verrat?
Angel und EZ gehen nach ihrer Verhaftung vom Schlimmsten aus, denn ihre Chancen, sich aus ihrer brenzligen Situation herauszumanövrieren, stehen schlecht. Da bringt sich Lincoln Potter ins Spiel und es ist schwierig zu sagen, ob sein „Angebot“, für ihn zu arbeiten, ihnen einen wirklichen Ausweg bietet oder ihre Lage noch verschlechtert. Auf jeden Fall setzt er sie mit der Aussicht auf zukünftige Instruktionen und Gefallen auf freien Fuß, legt in diesen Zügen aber auch die Wahrheit über EZs Engagement beim MC offen, woraufhin Angel sich natürlich verraten fühlt.
Adelita (Carla Baratta) besucht inzwischen den Bischof (Daniel Faraldo), der ihre Familie damals ans Kartell verraten hat, um diesen zu konfrontieren. Dieser wähnt sich in Sicherheit, da er das Kartell bereits über ihr mögliches Auftauchen informiert hat und diese Adelita auch gleich nach ihrer Ankunft in Empfang nehmen. Allerdings ahnt er nicht, dass sich die Allianzen mittlerweile verschoben haben und auf der Abschussliste des Kartells nun das DEA anstelle der Rebellen steht. Um ihn zu demütigen, organisiert Adelita einen fingierten Selbstmord inklusive kompromittierenden Materials auf dessen Computer, so dass das seinen Ruf auch nach seinem Tod noch zerstören dürfte.
Das alles lief so vonstatten, da Emily (Sarah Bolger) und Galindo eine Entscheidung treffen mussten, mit wem sie sich verbünden und gegen wen sie arbeiten wollen, da die Rebellen und die Regierungen sich auf gegensätzlichen Seiten wiederfinden. Die neue Strategie, sich mit dem DEA unterschwellig anzulegen und dieses mithilfe der Rebellen zu untergraben, entstand gegen den ausdrücklichen Rat von Devante (Tony Plana), der für ein Bündnis mit den seiner Meinung nach zu mächtigen Behörden plädiert.
Diese neue Sachlage wird auch dem MC auf dem neutralen Boden des Casinos präsentiert und mit dem Angebot verknüpft, die Mayans als wichtigstes Bindeglied zwischen den Fronten eine Stufe höher in der Hierarchie aufsteigen zu lassen. Devante ahnt derweil nicht, dass es ihm bald an den Kragen geht, denn Galindo sieht das Vertrauen in seinen Berater gebrochen, nachdem er herausfindet, dass dieser in Bezug auf die Todesursache seines Vaters gelogen hat. Er überlässt ihn Adelita, um die Wogen zwischen ihnen zu glätten, da er damals als übereifriger Lieutenant des Kartells die Machete gegen ihre Familie geschwungen hatte. In derselben Nacht bekommen EZ und Angel ihren Auftrag von Potter, der ihnen zu ihrem Entsetzen aufträgt, Nervenbündel und Agent Kevin Jimenez (Maurice Compte) zu beseitigen.
In der 70-minütigen Mammutfolge steckt auch dieses Mal wieder jede Menge Zündstoff drin: Lincoln Potter, der sich passend zum Titel wie eine Würgeschlange um die Gebrüder Reyes gelegt hat, entscheidet sich dazu zuzudrücken. Dabei macht es ihm sichtlich Freude, die Schlinge zuzuziehen und zu beobachten, wie sich der Konflikt und die Wut über den Verrat wie Gift in den Adern der Brüder ausbreitet und sich durch ihre Beziehung frisst. Unter der exzentrischen Fassade schimmert nun deutlich die Verachtung durch, die Potter für jegliche kriminelle Elemente und vor allem für solche des Kalibers des MC empfindet, wobei vorrangig auch der angestaute Frust über das Entgleiten der Sons und der anderen Organisationen aus seinem Griff eine Rolle spielt.
Was sich mir nicht ganz erschließt, ist, wieso er ausgerechnet das menschliche Nervenbündel Kevin Jimenez beseitigen will, da ich in diesem keine große Gefahr für den Kreuzzug von Potter erkenne, denn dieser wollte sich ja sowieso bereits zurückziehen. Darüber hinaus schrammte Potter mit seinen Manipulationen zwar schon immer die Grenzen der Legalität und bewegte sich in moralischen Grauzonen, doch der Auftragsmord ist das erste Mal, dass er eine eindeutige Grenze überschreitet. Es bleibt wirklich spannend zu sehen, was er sich davon letztendlich konkret verspricht.
Das Band der Reyes-Familie wird unterdessen mit aller Härte geprüft und Felipe (Edward James Olmos) versucht, das zerworfene Verhältnis seiner Söhne so gut es geht wieder zu kitten. Letztendlich behält er Recht damit, dass für Angel trotz der großen Enttäuschung das Familienblut vorgeht und er EZs Geheimnis für sich behält, auch wenn er ihn dafür mehr oder weniger verstößt. Doch ganz so einfach wird es nicht sein, da Potter beide wieder tiefer in die Sache hineinzieht, so dass die Auswege eben nicht mehr so simpel erscheinen und die Optionen schwinden.

Ein großer Teil des Augenmerks liegt aber auch auf einer anderen Familie: den Galindos. Emily (Sarah Bolger) bringt sich nicht nur immer konkreter in die Angelegenheiten des Kartells ein, sie scheint ihr Bett auch gemacht zu haben, wie sie EZ (JD Pardo) unter vier Augen unmissverständlich klarmacht. Die neue Situation dürfte auch für die jüngeren Mitglieder des MC um Angel (Clayton Cardenas) und Coco (Richard Cabral) vielschichtige neue Probleme bringen, denn ein weiteres Verschmelzen mit dem Kartell ist genau das, was sie mit der Allianz mit Adelita eigentlich vermeiden wollen.
Adelita (Carla Baratta) bleibt aufgrund ihres emotionslosen Auftretens weiterhin relativ undurchsichtig, immerhin bekommt sie in dieser Episode gleich doppelte Rache an zwei Männern, die für ihr Schicksal als Waise verantwortlich sind. Dass Miguel (Danny Pino) den Vertrauensbruch von Devante (Tony Plana) als Anlass nimmt, um Adelitas Groll gegen das Kartell zu entkräften, ist, wie ich finde, eine harte Entscheidung. Es wirkt fast so, als ob er insgeheim nach einem Grund gesucht hat, seinen Berater loszuwerden, denn sein Vergehen klang zum einen nicht so gravierend, um seinen Tod zu rechtfertigen, und zum anderen ließ sich dessen Treue und Hingabe für die Familie keineswegs infrage stellen.
Fazit
Es bahnt sich ein wenig an, dass viele Geheimnisse und Konflikte nicht Teil des Staffelfinales sein und darüber hinaus bestehen werden. Das kann sich Kurt Sutter nach der Bestellung der zweiten Staffel im Prinzip auch leisten, schließlich dürfte er noch genügend unmittelbare Bedrohungen übrig behalten, um den Abschluss der ersten Staffel spannend zu gestalten. Mit Serpiente/Chikchan zieht Mayans MC noch einmal an, wälzt Allianzen und Vertrauensverhältnisse um und kann trotz einer gigantischen Folgenlänge die Zeit mit größtenteils nachvollziehbaren Wendungen spannend ausfüllen. Hoffentlich spart man sich nicht zu viele Auseinandersetzungen auf und lässt es noch ordentlich krachen, denn nach dieser Episode sitzen im Grunde genommen nur EZ und Angel auf heißen Kohlen.
Verfasser: Tim Krüger am Samstag, 3. November 2018Mayans MC 1x09 Trailer
(Mayans MC 1x09)
Schauspieler in der Episode Mayans MC 1x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?