Mayans MC 1x03

© ichard Cabral und Clayton Cardenas in „Mayans MC“ (c) FX
In der Episode Buho/Muwan von Mayans MC versucht der Club nach dem Verlust einer Ladung, die Wogen in der Versorgungskette wieder zu glätten. Angel (Clayton Cardenas) will gleichzeitig Adelitas (Carla Baratta) und von Galindo (Danny Pino) gestohlenes Heroin verkaufen, während sein Vater Felipe (Edward James Olmos) sich mit den Kontakten des DEA anlegt. Galindo und Emily (Sarah Bolger) versuchen auf ihre jeweils eigene Weise, die Spur zu ihrem Sohn wiederaufzunehmen.
You live by the gun, you die by the gun
Adelita gehen die Ressourcen aus, um sich und ihre Waisenarmee effektiv verstecken zu können, weswegen Angel sich nach einem Käufer für das erbeutete Heroin umschaut. Das verknüpft er mit einem Geschäftsausflug der Biker, die sich in einem Casino auf neutralem Grund mit den Chinesen und Kontakten aus dem Strafvollzug treffen, um ihnen zu versichern, dass sie die Sicherheit der Versorgungslinie weiter gewährleisten können. Zum Schock der meisten Anwesenden und vor allem Angel selbst, wird sein chinesischer Kontakt, der abseits seiner Kollegen den Deal einfädeln und für sich selbst nutzen wollte, vor den Augen aller von Bishop (Michael Irby) exekutiert, da die Chinesen ihm auf die Schliche gekommen waren und jemand Außenstehendes beauftragt haben, um die Sache zu regeln und das Problem zu beseitigen.
Für EZ (JD Pardo) ist es grundsätzlich ein schwieriger Tag, da er den Jahrestag markiert, an dem er versehentlich einen Polizisten erschossen hat, was wir in einem Flashback erleben. Sein Vater Felipe hat derweil von den aufdringlichen Bundesagenten, die mitbekommen, dass das Kartell in Aufruhr ist, die Nase voll und macht einem seiner Beobachter unmissverständlich klar, dass er und seine Familie ohne Babysitter auskommen und auf sich selbst aufpassen können.
Während Felipe die Aufpasser eher als lästig empfindet, liegen die Nerven bei Emily richtig blank und sie beschließt, nicht länger Zuhause sitzen zu bleiben und nach einem zweiten im Internet aufgetauchten Video aktiv nach ihrem Sohn zu suchen. Viel kommt bei der Aktion allerdings nicht herum, außer dass sie und Dita (Ada Maris, Galindos Mutter) sich danach etwas verbundener fühlen.
Ihr Ehemann Miguel wendet derweil unorthodoxe Methoden an und rekrutiert Straßen- und Waisenkinder für seine Zwecke und schafft es so, jemanden bei Adelita einzuschleusen, die sich den Jugendlichen und Kindern in regelmäßigen Abständen annimmt. Gleichzeitig lässt er in einem privaten und verwundbaren Moment vor Emily durchblicken, wie sehr ihn die gesamte Situation belastet.
I'm a Cop!
Buho/Muwan fährt die Action weiter zurück, um im Gegenzug die Zeit dazu zu nutzen, die Charakterentwicklung ein gutes Stück voranzutreiben: Wir erfahren erstmals, wie der Mord an dem Polizisten ablief, den EZ (JD Pardo) auf dem Gewissen hat. Es war ein reflexartiges Versehen, wofür er schließlich im Knast landete und der Jahrestag des Ereignisses weckt diese unangenehmen Erinnerungen in ihm, als er sich im Casino dazu gezwungen sieht, vor versammelter Mannschaft seinen Mann zu stehen.
Aber er ist nicht der einzige, der einen schlechten Tag hat, denn Angel erlebt eine böse Überraschung, als sein Kontakt bei den Chinesen vor seinen Augen eine Kugel in den Kopf bekommt. Auch wenn wir wissen, dass Bishop (Michael Irby) noch keine konkrete Spur gefunden hat, die zu ihm führt, so wird er doch mehr als deutlich daran erinnert, in welch gefährlicher Situation er sich zwischen den Stühlen befindet und dass das Risiko, einen neuen Käufer für das Heroin zu suchen, enorm ist, da viele Augen den Markt ganz genau beobachten. Die Konsequenzen, sollte er entdeckt werden, wurden ihm heute noch mal bildlich dargelegt. Dieser Druck scheint nicht spurlos an ihm vorbeizugehen, weswegen er am Ende des Tages die Nähe seiner Familie sucht um abzuschalten.
Es ist besonders interessant zu beobachten, wie gekonnt mit kurzen, kleinen Sequenzen, die Charaktereigenschaften der Figuren betont werden: Nimmt man beispielsweise Cocos (Richard Cabral) Verhalten im Casino, bei dem klargemacht wird, dass er gleichzeitig gewieft und risikobereit ist, was seine Rolle an Angels Seite widerspiegelt. Ihm ist sicherlich klar, dass Casinos in Bezug auf Kartenzähler geschult sind, doch er weiß ebenso, dass die auf gewisser Ebene mit dem MC befreundeten Betreiber an solch einem Tag keine Szene machen werden, solange es bei kleinen Beträgen bleibt und genau das reizt er komplett aus, da er ganz genau versteht, womit er davonkommen kann. Natürlich ist die Situation im Club allerdings auch prädestiniert dafür, Mitgliedern über den Kopf zu wachsen, die sich für besonders clever halten.
Emily (Sarah Bolger) mag zwar mit ihrer verzweifelten Aktionismustour ihrem Sohn nicht nähergekommen sein, doch dadurch haben wir erfahren, dass sie und Miguel (Danny Pino) sich an einem US-College kennengelernt haben, an dem er ursprünglich fernab der Welt seines Vaters seinen eigenen Weg finden sollte. Doch, nachdem er unverhofft die Spitzenposition des Kartells geerbt hat, sieht es mit der Reformation, die er sich einst vorgenommen hatte, nicht mehr gut aus, denn er wird in den gleichen Kreis der Gewalt gezogen, in den er niemals geraten wollte. Trotz seiner soziopathischen Ader, die er gezwungenermaßen nach außen kehren muss, offenbart er vor Emily seine menschliche Seite. Gleichzeitig tragen seine Maßnahmen erste Früchte, auch wenn es ein wenig verwunderlich ist, dass Adelita (Carla Baratta), die eigentlich überall Augen und Ohren auf der Straße hat, von der Rekrutierung seiner kleinen Spione nichts mitbekommen hat...

Tief blicken lässt diese Episode Felipe (Edward James Olmos), aus dessen Auseinandersetzung mit den Bundesagenten sich vor allem zwei Dinge ergeben: Zum einen ist er nicht nur aufmerksam, sondern vor allem auch nicht schutzlos und die Art und Weise und Selbstsicherheit, mit der er vorgeht, lassen über eine bewegte Vergangenheit spekulieren, die möglicherweise auch seine Söhne im Blut haben. Zum anderen steht er vollends hinter seinen Söhnen, die ihm offenbar alles bedeuten, wodurch sich mit großer Sicherheit schon sagen lässt, dass er nicht der Typ Mensch ist, der lieber seine eigene Haut rettet, sondern sich, wenn nötig, auch für seine Familie opfern würde. Diese sympathischen Eigenschaften machen ihn allerdings in einer Serie wie Mayans MC nun mal ebenso zu einem großen Ziel für eine Tragödie...
Fazit
„Mayans“ bemüht sich in dieser Episode deutlich, seinen Figuren mehr Tiefe und Profil zu verpassen. Zugunsten dieser nötigen Entwicklungen schraubt man die Konflikte und die Spannung ein wenig zurück, was sich etwas in der Dynamik der Episode niederschlägt. Dennoch ist das eine Investition, die sich im Laufe der Staffel auszahlen wird und auch wenn es deswegen in Buho/Muwan nicht ganz so aufregend zuging, so bekommen wir wichtigen Nährboden, um den Charakteren langsam näherzukommen und ihre Motivationen besser nachvollziehen zu können.
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 21. September 2018Mayans MC 1x03 Trailer
(Mayans MC 1x03)
Schauspieler in der Episode Mayans MC 1x03
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