Matador 1x01

Matador 1x01

Am Dienstag lief die erste Episode von Matador, der neuen Serie des noch jungen Senders El Rey an. Die Mischung aus Fussball und Agententhematik scheint gewagt. Ob Matador ein Golden Goal ist, oder doch eher im Abseits steht, lassen wir Euch wissen.

Gabriel Luna und Nicky Whelan in „Matador“ / (c) El Rey
Gabriel Luna und Nicky Whelan in „Matador“ / (c) El Rey

Um seinem Bruder eine Chance auf frühzeitige Entlassung aus dem Gefängnis zu verschaffen, muss DEA-Agent Tony Bravo Gabriel Luna Undercover als Spieler bei einem Fußballteam aus Los Angeles anheuern, um die dunklen Machenschaften des Besitzers Galan (Alfred Molina) aufzudenken.

Turbulenter Beginn

Matador zögert nicht lange und wirft den Zuschauer direkt ins Geschehen. In einem Hotelzimmer während einer Springbreak-Party in Mexiko versuchen Bravo, sein Partner und ein Informant, einen Deal mit einem deutschen Drogendealer (Cokey Falkow) abzuschließen. Dessen Akzent ist nicht perfekt, aber im Vergleich zu anderen Versuchen einen deutschen Akzent im englischsprachigen Raum darzustellen, klingt er durchaus passabel. Er trinkt zusammen mit seinen neuen „Partnern“ Tequilla und philosophiert kurz über pure Abstammung, um deutlich zu machen, dass er dem Klischee entsprechend ein typischer deutscher Bösewicht ist.

Bevor überhaupt zu erkennen ist, welchen Plan die Agenten eigentlich verfolgten, läuft der Deal schief und artet in Gewalt aus, was mit der Flucht des Dealers vor Bravo endet. Die Verfolgung artet schnell ins Lächerliche aus, als der Deutsche einem feiernden Bro im Muskelshirt den Drink aus der Hand schlägt, woraufhin dieser ihn wutschnaubend zusammen mit Bravo verfolgt. Schließlich gelingt es Bravo, den Dealer zu fassen, aber nicht ohne sich vorher auf ihn zu übergeben. Ein Vorbote des kommenden Niveaus der Serie?

Gabriel Luna und Nicky Whelan in %26bdquo;Matador%26ldquo; © El Rey
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Der nächste Messi?

Das Dinner mit Bravos Familie dient als Exposition für seine Motivation, seinem Bruder zu helfen. Die Atmosphäre wirkt dabei ziemlich hölzern. Als Agent Bravo den Undercover Job beim Fußballteam der „LA Riots“ von den Agenten Annie Mason (Nicky Whelan) und Noah Peacott (Neil Hopkins) angeboten bekommt, sieht er sich genötigt anzunehmen, um die Bewährungschancen seines Bruders zu erhöhen. Vorausgesetzt er übersteht das offene Probetraining.

Allerdings spielt er schlechter als ein Auswechselspieler einer Thekenmannschaft. Es gibt nur eins, was da helfen kann. Eine Montage! Während des Bootcamps bei Jenny Soccolo (US-Fußballspielerin Temryss Lane) mutiert er zum Glück in schnellster Zeit zum Ballvirtuosen. Dabei werden ihm auch seine Gegner im Trainingsspiel und zukünftige Mannschaftskollegen vorgestellt. Zum einen wäre da Alec Holestar (Tanc Sade), der sage und schreibe acht Tore bei der letzten WM für England geschossen hat. Bei sechs Toren des gesamten Teams während der letzten zwei Weltmeisterschaften könnten die „Three Lions“ so jemanden wirklich gebrauchen.

Hinzu kommt der ehemaliger Tänzer Cesar Aguello. Während des Trainings legt sich Bravo allerdings mit Gregor „dem Bullen“ Zupan Devon Long an. Dieser verwickelt ihn in eine Schlägerei, in der Zupan allerdings den Kürzeren sieht und als Resultat verletzt ausfällt. Zupan erinnert dabei stark an Vinnie Jones in „Mean Machine“, mit stierähnlichen Schnaub-und Grunzlauten als Bonus.

Gelbe Karte

Für die eigentliche Mission verschlägt es Bravo und sein Team zur Party des Besitzers der LA Riots, Andres Galan „Alfred Molina“. Nach kurzem Gastspiel auf der Party und unfreiwilligem Aufenthalt im Keller, erfüllt er, nachdem er die Tochter Galans (Yvette Monreal) vor vermeintlichen Vergewaltigern „rettet“, schließlich bravourös seine Agentenmission. Um seinen Ausstieg zu erleichtern, versucht sein Kollege Peacott ihm für seine „Coverstory“ eine Kugel ins Bein zu jagen. Dies ist zum Glück nicht nötig, da Kollegin Mason mit der Nachricht, dass Bravo einen Einjahresvertrag angeboten bekommt, in letzter Sekunde auftaucht. Damit wird seine Zeit als Fußballspieler Undercover wohl verlängert werden.

Matador leidet an vielen kleinen Problemen, die sich immer wieder bemerkbar machen und schafft es trotzdem, zumindest zeitweise zu unterhalten. Allerdings gibt es eindeutig mehr Schatten als Lichtblicke. Zum einen sind des Öfteren technische Probleme zu bemerken. Gerade in der Anfangssequenz im Hotel fallen Unsauberkeiten im Ton und Tonschnitt, sowie weniger gelungene Bildanschlüsse auf. Dies macht den Eindruck, als ob die Produktionszeit zu hektisch und knapp bemessen gewesen ist. Die Fußballsequenzen sind hingegen dynamisch und Anschaulich gemacht.

Leider vermag Regisseur Robert Rodriguez keine guten Leistungen aus seinen größtenteils unerfahrenen Darstellern herauszuholen. Vor allem Hauptdarsteller Gabriel Luna wirkt mit seinen stoischen, wenig emotionsgeladenen Gesichtsausdruck eher blass. Nicky Whelan und Alfred Molina bringen im Gegensatz zumindest akzeptable Leistungen. Es ist allgemein nur schwer zu glauben, dass mit Rodriguez der Mann, der uns Filme wie „Sin City“ gebracht hat, hinter dieser Produktion steht. Seine Handschrift blitzt lediglich an manchen Stellen auf, die das Geschehen in eine absurde, ironische und überdrehte Richtung abdriften lassen. Dies sind auch gleichzeitig die Lichtmomente, in denen die Serie zu unterhalten weiß, denn die Thriller bzw. Spionageelemente sind nur schwer ernst zu nehmen und fallen in ihrer Wirkung unter anderem Dank innovationsarmer und simpler Dialoge flach. Zudem ist es oftmals schwierig zu unterscheiden, ob die Komik in manchen Szenen beabsichtigt oder unfreiwillig ist.

Darüber hinaus wirken viele Szenen einfach fehl am Platz. Was sollte dieser Partygänger, der wütend wie der Hulk hinter einem blutverschmierten und bewaffneten Mann her rennt? Der Zyniker in mir möchte glauben, dass der Einstieg zum Profifußball in den USA so einfach ist. Vielleicht ist dieses „Soccer“ einfach nur eine andere Sportart, die auf der gegenüberliegenden Seite des Teiches gespielt wird.

Zusätzlich lässt sich fragen, ob es irgendeinen Grund gibt, warum Senna sich bei einer gespielten Vergewaltigung filmen lässt? Ihr Schulterzucken kommentiert das Ganze ziemlich gut. Und ist es normal in der CIA, Undercoveragenten erst einmal ins Bein schießen zu wollen, anstatt über eine sinnvolle Alternative nachzudenken? Das geht wohl nicht, denn schließlich soll dem Zuschauer ja verdeutlicht werden, dass der Kollege ein unsympathischer Idiot ist. Manche Schwächen im Drehbuch lassen sich eben nicht damit erklären, dass die Serie nur mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist.

Fazit

Zusammenfassend stehen sich auf der einen Seite ordentliche Actionszenen mit einer verrückten Grundidee und auf der anderen Seite mäßige Dialoge, ein ausdrucksloser Hauptdarsteller und ein schwaches Drehbuch gegenüber. Darüber hinaus ist es als Europäer nicht einfach, dieses verzerrte Bild des Fußballs ohne Kopfschütteln hinzunehmen. Die nächste Staffel ist bereits bestellt, vielleicht hätten die Verantwortlichen dem Ganzen doch lieber die Rote Karte gegeben.

Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 16. Juli 2014

Matador 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Matador 1x01)
Titel der Episode im Original
Quid Go Pro
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 15. Juli 2014 (El Rey)
Regisseure
Robert Rodriguez, Robert Rodriguez

Schauspieler in der Episode Matador 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?