Marvel's The Defenders 1x08

Marvel's The Defenders 1x08

Mit acht Episoden ist Marvel's The Defenders schlanker als die meisten Marvel-Serien von Netflix. Doch wie gut ist das Superhelden-Team-Up rund um die Helden New Yorks im Endeffekt gelungen?

„Marvel's The Defenders“ (c) Marvel TV/Netflix
„Marvel's The Defenders“ (c) Marvel TV/Netflix
© ??Marvel's The Defenders“ (c) Marvel TV/Netflix

Trotz der gemischten Qualität der vier Marvel-Serien von Netflix herrschte Vorfreude auf Marvel's The Defenders oder vielleicht kann man es auch Neugierde nennen, denn es ist kein einfaches Unterfangen vier verschiedene Serien, ihre Protagonisten und ihre Supporting Casts unter einen Hut zu bringen. Marvel's The Defenders gelingt es nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den Folgen eins und zwei, die höchstens zwei der Helden zur gleichen Zeit zusammenbringen, besonders gut in der dritten, vierten und fünften Folge, um dann zum Finale leider wieder zu schwächeln. Licht und Schatten also. Aber mehr Licht oder doch mehr Schatten?

Die ersten beiden Folgen, darunter der Auftakt der an dieser Stelle besprochen wurde mussten zunächst als Recap und Prolog herhalten, der erklärt wer die einzelnen Figuren sind, was sie antreibt und weshalb sie sich zusammenschließen wollen.

Der Grund liegt auf der Hand (Sorry für dieses schlechte Wortspiel). Die Organisation, die schon Matt Murdoch (Charlie Cox) und Danny Rand (Finn Jones) in den eigenen Serien beschäftigt hat, ist der Antagonist der Serie.

Talk to the Hand

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Zunächst in Form von Alexandra (Sigourney Weaver), doch bald stellt sich heraus, dass die Führungsspitze aus fünf Fingern besteht, zu denen darüber hinaus Madame Gao (Wai Ching Ho), Bakuto (Ramón Rodríguez), der eigentlich in Iron Fist das Zeitliche gesegnet hatte, Sowande aka Whitehat (Babs Olusanmokun), der anfangs Ärger in Harlem macht, sowie Murakami (Yutaka Takeuchi), der die Strippen hinter Nobu gezogen hat. Denn wo ein Heldenteam ist, braucht es offenbar auch ein Schurkenteam. Ergänzt wird die Gruppierung durch die wiederbelebte Elektra aka Black Sky (Elodie Yung), die Alexandra zu ihrem Werkzeug macht und die Serienmacher versuchen als große Gefahr aufzubauen.

Ein großes Problem an der Serie ist jedoch, dass die Schurken - so sympathisch einem Weaver auch sein mag und ihr Spiel ist auch größtenteils okay - hinter den Erwartungen zurückbleiben und mit Wilson Fisk, Kilgrave oder auch einem Frank Castle (wenn man ihn denn als Schurkens sehen will) nicht mithalten können.

Der Plan der Gruppierung ist vage, aber durchaus verständlich: Für Jahrhunderte haben sie verschiedenste Leben gelebt und Ergebnisse (Pompeji, Tschernobyl) mitbestimmt. Doch ihre Ressourcen neigen sich dem Ende zu. Anführerin Alexandra (wobei die Serie es nicht schafft, überzeugend klar zu machen, warum sie die beste oder stärkste oder wichtigste von allen ist) hat die letzte Wiederbelebungsflüssigkeit (die offenbar später aus dem Fossil des Iron-Fist-Drachen aus K'un Lun gewonnen werden soll) in Elektra investiert und hofft so auf eine Zukunft, denn schon im Piloten erfahren wir, dass Alexandra unheilbar krank ist und das ihr letzter Lebenszyklus wäre. Ähnliches gilt für die anderen Finger der Hand, die sonst dem Tod von der Schippe springen konnten und nun besondere Vorsicht walten lassen müssen.

Doch wie kommt man an neue Mittel heran? Der sagenumwobende, legendäre, unsterbliche Iron Fist ist der Schlüssel dafür und ihn gilt es einzuspannen, zu entführen oder zur Kooperation zu zwingen. Wenn da nur nicht die anderen Defenders wären, die durch Stick (Scott Glenn) über die Machenschaften der Hand eingeweiht werden. Weil wir alles miteinander verweben müssen, erfahren wir ganz offiziell, dass Stick zur Chaste gehört, einer Organisation, die die Hand bekämpft und selbst im Schutze der Iron Fist steht, die aktuell eben Danny Rand ist. So wird der Defender, der in seiner eigenen Serie eine Witzfigur war, die kaum einer ernstnehmen konnte, doch noch zu einem wichtigen Aspekt der Serie. Und ja, er wird mir im Lauf der Serie, vor allem im Zusammenspiel mit Luke (Mike Colter) durchaus sympathisch. Nicht so sympathisch, dass er mein liebster TV-Defender wird, aber er macht so viel in der Serie durch, dass mir die Figur ans Herz wächst.

Team Up

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Wie schon angedeutet, dauert es eine Weile, bis sich die Helden zusammenraufen und auch wenn sie es tun, gibt es zwar kurzzeitig Action, wenn sie etwa den Midland Tower stürmen und in einer amüsanten Actionszene gemeinsam austeilen, aber dann entscheiden man sich das Tempo herauszunehmen und etwa einen langen Aufenthalt in einem chinesischen Restaurant einzustreuen und so alle auf einen Stand zu bringen.

Ich würde fast so weit gehen und behaupten, dass die Actionszene im Midland Tower in der Folge Worst Behavior die beste der Serie ist, was schade ist, weil sie so früh stattfindet. Doch dem Team hinter Marvel's The Defenders gelingt es nicht, wie bei Daredevil mehrere erinnerungswürdige Kampfsequenzen umzusetzen. Woran das liegt ist mir schleierhaft. Ist es die logistische Herausforderung vier Helden in Szene zu setzen? Denn wenn alle vier im Bild und in Action sind, greift man gerne zu zirkelnden Panningshots, an denen ich mich aber schnell satt gesehen habe.

Die Midland-Tower-Szene ist eine inzwischen obligatorische Korridorszene, die in den ersten beiden Daredevil-Staffeln gut und gerne eingesetzt wurde. In der zweiten Staffel aber durch ein Treppenhaus oder durch ein Gefängnis (Punisher!) variiert wurde.

Ich würde die Actionszenen gerne mehr feiern oder gut finden wollen und Filmbereich gelingen solche Team-Ups, wenn sie beispielsweise wie in den Avengers-Filme auf zwei Helden fokussiert sind, ausnehmend gut. Im TV-Budget oder aber dem Korsett, was durch das Szenario aufgezwungen wird, ist das leider nicht so.

Im späteren Verlauf der Serie, wo sich einige Szenen in einem Erdschaft unter der Stadt abspielen, sieht die Action erschreckend stark nach Studiokulisse aus, wie man es bei den Batman-Filmen von Tim Burton, Austin Powers, den Power Rangers oder ähnlichem gesehen hat. Tatsächlich musste ich mir bisweilen das Lachen verkneifen, als der Score bei einem Showdown zunächst nach einem Danny Elfman 90er-Score klang und dann für wenige Minuten in einen Hip-Hop-Track wechselte, nur um anschließend direkt wieder in den generischen Actionbeat umzustimmen. Das sind Details auf die man achtet, wenn die Action und das Gesamtpaket nicht hundertprozentig überzeugen oder fesseln, was leider viel häufiger der Fall ist, als mir lieb ist.

Let them mingle

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Jetzt habe ich viel gemeckert, doch natürlich ist nicht alles kritisch zu bewerten und besonders gut gefällt mir eigentlich, wenn die Figuren aufeinander losgelassen werden. Das kann in der klassischen Helden-Manier sein, wenn es um ein Missverständnis geht und sie miteinander kämpfen, etwa wie die der ersten Begegnung von Danny und Luke in Mean Right Hook, bei der Luke zunächst alles einsteckt, was Danny ihm entgegenwirft, nur um durch die Iron Fist (die leider immer noch oft etwas albern aussieht) in einem Slo-Mo-Moment ausgeknockt zu werden.

In der gleichen Folge wird Jessica Jones (Krysten Ritter) von Misty Knight (Simone Missick) verhaftet, nur um durch den Anwalt Matt Murdock gerettet zu werden. Ähnlich spaßig finde ich den Moment, in dem Claire (Rosario Dawson) bemerkt, dass sie Danny und Colleen (Jessica Henwick) von ihrem gemeinsamen Abenteuer kennt und die beiden Alpha-Männchen zu einer Aussprache bringen will, in der Luke Danny eine kleine Ansprache über die Privilegien eines weißen Mannes hält.

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Die Streitereien und Kabbeleien zwischen Matt und Danny und ein anschließender Kampf gehören auch zu den stärkeren Momenten, wobei aber auffällt, wie nah die Kamera teilweise an der Action ist und das man nicht immer die Stuntmänner- und Frauen kaschieren kann, was in den ersten Staffeln der Serien (ohne Iron Fist) noch besser gelungen ist.

Für das Drama offenbar unabdingbar ist, dass manche Figuren sich einer Kooperation versperren oder Informationen vorenthalten, und dieser schwarze Peter trifft jeden einmal, obwohl Matt und Danny wohl am öftesten betroffen sind. Matt, weil er Elektra nicht aufgeben möchte und glaubt sie von ihrem Persönlichkeitsverlust befreien zu können und Danny, weil er immer wieder betonen muss, wie unsterblich und iron fistig er ist. Das tun die Schurken aber auch zur Genüge, was auf Dauer manchmal ermüdet.

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Von Jessica Jones und Luke Cage hätte ich tatsächlich etwas mehr vertragen und ab und an kochen die beiden ihr eigenes Süppchen. Jessica etwa, in dem sie dem Fall rund um den Architekten des Midland Towers nachgeht und dessen Frau und Kind besucht, aber auch einen Abstecher in die Archive macht und Luke, weil er sich für seinen Stadtteil interessiert und nach seinem Gefängnisaufenthalt eigentlich nicht in den alten Strudel zurückgerissen werden möchte. Dennoch darf Jessica einige trockene Sprüche ablassen und ist vor allem zusammen mit Matt ein Gewinn, während Luke und Danny als Katz und Maus ebenfalls oft gut funktionieren.

Witzig ist auch der Fakt, wie oft Charaktere aufzählen, welche Straftaten gerade begangen werden, was - beabsichtigt oder nicht - ein harter Kontrast zu anderen Superheldenserien, etwa im Arrowuniversum ist, wo schnell mal über Leichen gegangen wird, Regierungen gehackt oder Einbrüche begangen werden.

Überraschend ist für mich auch, dass die Serie im Vergleich zu ihren Netflix-Vorgängern - allen voran Daredevil eins und zwei, deutlich weniger brutal und blutig abläuft. Die Serie trägt zwar das Label „Nicht für Kinder“, ist aber über weite Strecken sehr viel harmloser, als die anderen Serien, auch wenn es immer wieder Ausrufezeichen der Gewalt in Form von Enthauptungen oder ähnlich martialischen Verhalten zu bestaunen gibt.

Royal Dragon erlaubt sich eine Szene, die nur auf einen Witz ausgelegt ist, der in meinen Augen nicht so richtig zündet. Jessica Jones kehrt dabei in einem Auto zurück und fährt damit in das Restaurant, in dem sich Elektra gerade zum Angriff bereit macht. Dabei verletzt sie sie, aber reißt lieber einen Spruch, statt zu versuchen sie direkt dingfest zu machen. Nun könnte man sagen: Typisch Jessica! Aber irgendwie auch merkwürdig, wobei wir uns allerdings erst bei der Hälfte der Handlung befinden.

Ein weiteres Highlight ist trotz der verpassten Chance dann Episode fünf Take Shelter, die mit einem Kampf der Defenders gegen Madame Gao und die Mitglieder der Hand beginnt und später dazu führt, dass man Whitehat in die Gewalt bekommt, was zur Folge hat, dass die Liebsten der Helden aufs Polizeirevier gebracht werden müssen, wo sie dann teils interagieren.

Black Sky Electra

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

In der Folge Worst Behavior gibt es einen schönen Aufbau der Figur Elektra, als Waffe für die Hand, bei dem sie sukzessive immer mehr Gegner ausschaltet, ehe sie mit neun Angreifern kurzen Prozess macht. Allerdings verpufft der Aufbau an späterer Stelle wieder, weil man sie zur mächtigen Gefahr aufbaut, die im Endeffekt allerdings selten Taten folgen lässt.

Mit einer Ausnahme: Elektra erhebt sich zur Hauptbedrohung, als sie nicht nur Stick umbringt und die Defenders im Alleingang ausschaltet, sondern auch Mentorin und Mutterfigur Alexandra tötet, was irgendwie ein klassischer Marvel-Move zu sein scheint. Dann reißt sie das Hand-Imperium an sich und bekommt von Murakami wenig Gegenwind. Doch die Planung, die eine von Alexandras Stärken war, geht flöten. Elektra wird zur Agentin des Chaos und damit wird die Hand zu einer noch zielloseren Organisation. Denn Charakterisierung weicht der Klopperei, die in den letzten Folgen die Oberhand gewinnt, was auch schon bei Daredevil in der Fisk-Staffel ein Problem war, allerdings auch ein erwartbares Finale ist. Licht und Schatten wohin man sieht.

For the heart of New York

Die Serienmacher möchten mehrgleisig fahren und legen sich nie so richtig fest, wer oder was denn nun wirklich zentral ist. In der ersten Hälfte scheint Iron Fist extrem wichtig für den Plan der Hand zu sein und tatsächlich öffnet er die alte Hölle mit dem Drachenskellett und macht so offenbar möglich, dass das Leben der Führungsriege wieder verlängert werden kann, später ist es dann Matts emotionale Verbindung zu Elektra sowie eine gewaltige Menge Sprengstoff die den Feind in die Knie zwingen soll. Beim Showdown sind ohnehin nur noch drei von fünf Hand-Bossen am Leben, den Alexandra und Sowande sind bereits gefallen, während Colleen mit der Hilfe von Claire und Misty sich um Bakuto kümmert und Murakami und Gao von den Trümmern begraben werden, die auch Elektra und Matt treffen. Der Rest der Defenders muss durch den einzigen Aufzug flüchten, den Jessica mit aller Kraft an einer Stelle hochzieht.

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Die Annahme ist, dass Matt gestorben ist. Zuvor hat er gegenüber Danny deutlich gemacht, dass er keine Absicht hatte, aus dem Gebäude zu kommen und er auf die Stadt aufpassen soll, statt eines Teufels soll also die eiserne Faust New York beschützen. Das gibt Danny noch mehr Legitimation - die Autoren lassen nichts unversucht die Figur in ein besseres Licht zu rücken.

Während die Aufräumcrews auch nach Tagen nichts entdecken, trauern die Freunde und Bekannten. Jessica und Luke nähern sich wieder etwas mehr an und könnten vielleicht mal einen „Kaffee“ trinken gehen, was ein Wink mit dem Zaunpfahl auf ihre Beziehung im Comic ist, wobei Jessica weiterhin geheimhalten will, dass sie bei der Rettung der Stadt beteiligt war und eröffnet Alias Investigation. Foggy verrät, dass alle glimpflich davon kommen, weil keinerlei Anklage erhoben wird und so kann vor allem Luke sich wieder um seinen Stadtteil und Freundin Claire kümmern.

Danny versucht seine beste Daredevil-Imitation und trauert und Misty hat - ebenfalls wie im Comic ihren Arm verloren. Colleen stellt Misty die bestmögliche Behandlung in Aussicht, die von Rand Industries übernommen wird. Ob Colleens Versprechen allerdings bedeutet, dass sie einen bionischen Arm bekommt und die Daughters of the Dragon auf uns warten, muss sich zeigen. Karen und Foggy hoffen darauf, dass Matt vielleicht doch wieder durch irgendeinen Zufall oder ein Wunder mit dem Leben davongekommen ist.

Doch eines ist jedem klar, der Seriennews verfolgt: Matt ist nicht tot, sondern wacht im Bett eines Klosters auf, wo eine gewisse Maggie gerufen wird. Diese Szene ist ebenfalls eines Comics entnommen und könnte andeuten, dass die bereits bestellte dritte Staffel von Daredevil eine Variante vom Frank-Miller-Klassiker „Born Again“ adaptieren wird. Der Name Maggie verrät den Comiclesern, dass wir eventuell seine Mutter bald genauer kennenlernen werden. Das Ende leitet also über und kreiert für die nächsten Staffeln ein ideales Sprungbrett.

Fazit

Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“
Szenenfoto aus „Marvel%26#039,s The Defenders“ - © Marvel TV/Netflix

Mir war es nicht möglich mich bei Marvel's The Defenders von gewissen Erwartungen zu befreien. Ich habe eine Serie erwartet, die mindestens auf dem Action- und Erzählniveau von Daredevil ist. Ich würde verneinen, dass das abgeliefert wurde.

Es hat geholfen, dass die Handlung auf acht Episoden reduziert wurde, wobei man womöglich sogar noch in fünf Folgen alles hätte unterbringen können, wenn man einen stärkeren Handlungsbogen gehabt hätte oder die Antagonisten es hergegeben hätten.

Die Hand ist hoffentlich Geschichte und wir können ein neues Kapitel aufschlagen, wobei man sich im Networkbereich und bei Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. auch seit Serienbeginn mit Hydra herumschlägt und dabei unterhaltsame Serienaction entsteht und Charaktere, die einem ans Herz gewachsen sind. Es kommt also immer auf das Talent hinter den Kulissen an.

Die Hand (in ihrer TV-Inkarnation) ist hingegen etwas zu diffus und wischi-waschi und der Kontrast zwischen Straßenhelden und übernatürlichen, teils jahrhundertealten Bedrohung klappt nicht immer, wie Iron Fist und nun auch Marvel's The Defenders demonstrieren. Der etwas realistischere Ansatz, der Superkräfte mit Straßenverbrechen und Gangsterbossen und persversen Stalkern vermischt hat und der in Daredevil, Luke Cage und Jessica Jones zu sehen war, funktioniert, meines Erachtens besser. Dies soll jetzt nicht darauf hinauslaufen, dass Iron Fist alles zerstört hat, denn die Figur funktioniert im Team-Zusammenspiel besser als Solo und außerdem wurden Elemente der Hand schon von Beginn an eingeführt. Aber es könnte ein Grund sein, warum das Experiment „Defenders“ auf eine schiefe Bahn geraten ist und nicht vollends überzeugt. Zudem ist es immer waghalsig die Grenze zwischen Leben und Tod zu öffnen, weil dann die letzte Konsequenz fehlt und es immer wieder eine Hintertür gibt. Immerhin wurde dieses Problem damit gelöst, dass die Schurken selbst am Limit ihrer Wiederbelebungsfähigkeiten sind.

Die Interaktionen der Protagonisten ist meistens unterhaltsam, aber wie man so schön sagt auch oft genug Hit-or-Miss, die Action kann nicht mit Daredevil mithalten und es ist keine gute Charakterstudie einer kaputten und verkorksten Figur wie Jessica Jones. Während im Auftakt noch versucht wurde, die Einzelhelden durch Farben, Musik und Stimmungen abzugrenzen, verwischten die Grenzen im Verlauf der Handlung stark.

Marvel's The Defenders hat mich unterhalten, allerdings nicht so uneingeschränkt, wie es so mancher Pendant aus dem Filmbereich schafft, mich in einer marvelöse Welt der Wunder eintauchen zu lassen. Somit leider nur Mittelmaß.

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 23. August 2017
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Marvel's The Defenders 1x08)
Titel der Episode im Original
The Defenders
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. August 2017 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. August 2017

Schauspieler in der Episode Marvel's The Defenders 1x08

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