Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x10

© zenenbild der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Episode „Leap“ (c) ABC
Leap
Nein, können sie (noch) nicht - schließlich kommen da diese Staffel noch drei Folgen. Normalerweise springe ich auch nicht gleich zum Ende, aber bei Leap bietet es sich an. Denn in Sachen Handlung gibt es maximal kleinere Überraschungen, während sich schon fast die gesamte Episode vorhersehen lässt - abgesehen natürlich von den Offenbarungen über Izel (Karolina Wydra) und Coulson/Sarge (Clark Gregg), zu denen ich weiter unten noch komme.
Unabhängig davon, ob man bereits die Vorschau auf diese Folge (oder den jüngsten Trailer zu den letzten Episoden dieser Staffel) gesehen hat, ließ sich mit Gewissheit vermuten, dass Izel davongekommen ist und Davis (Maximilian Osinski) dafür als Wirt genutzt hat. Auch, dass May (Ming-Na Wen) auf den bereits in Gefangenschaft befindlichen Sarge feuerte, deutete bereits an, dass in Wirklichkeit Izel den Finger am Abzug hatte. Folglich sind wir unseren Protagonisten von Beginn an voraus, ahnen oder wissen bereits, was als nächstes kommt, während Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley), Daisy (Chloe Bennet) und die anderen erst noch das Puzzle über Mays Tat zusammensetzen und schließlich einen Weg finden müssen, um Izel aufzuspüren.
Leap benutzt hier wesentliche Elemente aus Filmen wie „The Thing" (dt.: „Das Ding aus einer anderen Welt"), wo die jeweiligen Figuren ebenfalls ausfindig machen müssen, wer von ihnen nicht derjenige ist, den er vorzugeben scheint. Das ist zwar nicht langweilig, aber doch eine Spur zu vertraut, so dass man als Zuschauer mehr oder weniger nur darauf wartet, wie der „Test" aussehen wird und vor allem, wie unsere S.H.I.E.L.D.-Agenten Izel letztlich aufhalten wollen - womit wir wieder beim ersten Satz des Reviews sind. Denn es lässt sich nicht erwarten, dass diese Woche eine Antwort darauf gefunden wird. Schließlich muss der „Einsatz" erst wieder in die Höhe getrieben werden, was am Ende zwar gelingt, aber dieses Folgenende eben mehr oder weniger vorhersehbar gestaltet.
Agents of S.H.I.E.L.D.
Bis hierhin mag meine Kritik recht harsch klingen, ist aber keineswegs so gemeint. Die große Frage bei einer bestimmten Erwartungshaltung oder auch bei einer großen Vorhersehbarkeit liegt immer darin, ob das Präsentierte den Erwartungen gerecht wird oder ob man tatsächlich alle paar Sekunden auf die Uhr schaut und sich langweilt.

In diesem Fall kann von Langeweile aber nicht die Rede sein und das liegt in erster Linie an unseren Figuren. Als Zuschauer mag man dort ein bestimmtes Mehrwissen haben und den Figuren voraus sein, dennoch ist es schön, wenn Yo-Yo, Daisy und die anderen über Mays Tat rätseln und schließlich - „She wouldn't use a gun.“ - die richtigen Schlüsse ziehen. Das Katz- und Mausspiel mit Izel, die beliebig von einer Figur zur nächsten springen kann, macht durchaus Spaß und gibt unseren Darstellern die Gelegenheit, ihre Rollen mal ein wenig anders zu spielen.
Jeff Ward ragt dort als Deke ein wenig heraus und zeigt seinen Wandel am deutlichsten. Freuen kann man sich des Weiteren über Mack (Henry Simmons), der Daisy und Yo-Yo wegsperrt, um zu verhindern, dass Izel von ihnen Besitz ergreift und die besonderen Fähigkeiten der beiden nutzt. Überhaupt macht Mack einen sehr guten Eindruck (als Anführer) über die gesamte Episode, was auch für das Ende gilt, zu dem May die passenden Worte findet - „He's trusting his team.“
Zudem wissen auch die kleineren Momente zu überzeugen. Sei es aufgrund der Rückkehr von Fitz (Iain De Caestecker), der ein nettes kleines Gespräch mit seinem Enkel Deke hat oder während des „Tests", als einige Figuren ein paar Geheimnisse preisgeben, die an vergangene Abenteuer erinnern. Lediglich, dass Fitz und Simmons (Elizabeth Henstridge) über weite Teile der Folge separiert voneinander agieren, versetzt einem da einen kleinen Dämpfer.
Worüber wir jetzt noch kurz sprechen müssen, ist der Tod von Davis. Der betrübt natürlich, wenngleich die Bedrohung durch Izel mit dem Tod einer Figur quasi verdeutlicht werden musste. Auf der einen Seite bin ich da froh, dass es keine „wichtigere" Figur getroffen hat, aber andererseits ist Davis mittlerweile ein fester Bestandteil des Teams und hat nach den Strapazen des letzten Jahres sicher was anders verdient als ein plötzliches Ableben durch Izel.
Coulson und Sarge
Sarge ist nach den Schüssen von May keineswegs hinüber. Wobei sich auch hier in der einen oder anderen Form erwarten ließ, dass dieser Charakter uns noch länger begleiten wird. Seine Regeneration, die Simmons fortlaufend beobachtet, deutet bereits an, dass diese Figur einen ganz besonderen Status hat, zu dem Izel im späteren Verlauf der Folge sehr viel beisteuert.

Zunächst werden wir hier noch mit kurzen Flashbacks aus der Gedankenwelt von Sarge versorgt. Da spielt offensichtlich eine Frau eine Rolle, wenngleich sich nicht genau ausmachen lässt, ob es sich dabei um May oder Izel handelt - was mit Sicherheit beabsichtigt ist. Außerdem ist Fitz eifrig dabei, eine Verbindung zwischen Coulson, Sarge, Izel und den drei Monolithen herzustellen - womit er auf dem richtigen Dampfer ist.
Izel kaut uns das Ganze später noch einmal etwas detailreicher vor, als sie Sarge gegenübersteht. Das mutet zwar sehr expositorisch an, liefert aber Gewissheit darüber, wie Sarge entstanden ist, woher sein Hass auf Izel herrührt und vor allem, dass eine Rückkehr von Coulson im Bereich des Möglichen liegt. Denn Sarge wird (oder wurde) von Coulson geprägt. Die verlorene Familie, die Sarge stets angeführt hat, wenn es um seine Vergangenheit ging, bezieht sich auf unsere S.H.I.E.L.D.-Agenten, von daher kann einer potenziellen Rückkehr von Coulson nur das körperlose Wesen im Weg stehen, welches ihm innewohnt.
Klingt ein wenig kompliziert, ist es im Grunde genommen aber nicht. Schlüsselpunkt sind die Monolithen, wobei es mich ein wenig ärgert, dass ich diese Lösung bis zu den Offenbarungen dieser Woche nicht habe kommen sehen. Diese Überraschung - also, die Entstehung von Sarge aus Coulsons Bestreben, das Tor zur „Fear Dimension" in der fünften Staffel zu schließen - ist unterm Strich doch recht gelungen und liefert eine gute Erklärung zu Sarge, in dem eine große Portion Coulson schlummert. Natürlich bleibt abzuwarten, ob Coulson hier tatsächlich wieder zum Vorschein kommt. Aber der Gedanke liegt nahe und fügt sich schlüssig in das Geschehen ein, ganz egal, wie verrückt das mit Ausblick auf die Herkunft von Izel, den Monolithen und der Dimension der körperlosen Wesen im Allgemeinen noch werden mag. Spannung auf die nächsten Folgen ist in jedem Fall gegeben. Gerne auch mit dem Ghost Rider, der diese Woche ebenfalls Erwähnung findet und den Tweet von Gabriel Luna Ende April in ein leicht anderes Licht rückt.
Fazit
Vielleicht ein bisschen zu erwartungsgemäß und vorhersehbar, aber dennoch eine gelungene Episode, die die Spannung auf die letzten Folgen steigen lässt und endlich eine Erklärung zu der Herkunft von Sarge liefert. Für mich sind das vier von fünf Sternen. Und für euch?
Trailer zur Episode From The Ashes der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (6x11):Hier kannst Du „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.: Staffel 6“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 20. Juli 2019Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x10 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x10)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x10
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