Maid: Dollar Store - Review der Pilotepisode

Maid: Dollar Store - Review der Pilotepisode

Leftovers-Star Margaret Qualley spielt in der Netflix-Miniserie Maid eine junge Mutter, die Opfer häuslicher Gewalt wird und fliehen muss. Ein brutal beklemmendes Drama mit einer Hauptdarstellerin in absoluter Bestform.

Margaret Qualley in der Serie Maid (c) Netflix
Margaret Qualley in der Serie Maid (c) Netflix
© argaret Qualley in der Serie Maid (c) Netflix

Manche Serien sind einfach zu real, um sie genießen zu können. Netflix' Maid hat es so schwer im Leben, dass man seine eigenen Sorgen kaum noch ernst nehmen kann. Doch irgendwie gelingt dem Zehnteiler der Shameless-Autorin Molly Smith Metzler das Kunststück, trotz all der Melancholie kurzweilig zu bleiben. Wahrscheinlich liegt es an der Hauptdarstellerin Margaret Qualley (The Leftovers), die eine so starke Darbietung hinlegt, dass man gar nicht wegschauen kann.

Man spürt der Serie auch an, dass sie von einer zutiefst persönlichen Geschichte inspiriert wurde. Nämlich von den Memoiren der US-Schriftstellerin Stephanie Land, die den Titel „Maid: Hard Work, Low Pay, and a Mother's Will to Survive“ tragen. Die Inszenierung der Pilotepisode namens Dollar Store übernahm Metzlers alter Shameless-Kollege John Wells. Die gesamte Miniserie ging heute bei der Streaming-Plattform Netflix online (auch mit deutscher Synchro).

Worum geht's?

Die Serie steigt ohne Prolog direkt am Wendepunkt im Leben der Protagonistin Alex (Qualley) ein. Nachdem ihr Ehemann Sean (untypisch: Nick Robinson) am Abend wieder zu viel trank und gewalttätig wurde, sieht sie keine andere Option mehr als die Flucht. In der Nacht packt sie ihre Sachen, nimmt die kleine Tochter mit und fährt davon. Mit weniger als 30 Dollar in der Tasche sind ihre Reserven spätestens beim ersten Tankstopp aufgebraucht. Auch ihre Freunde können ihr und ihrem Kind kein Asyl gewähren, zumal sie schon Sean informiert haben, damit er die beiden wieder einfängt.

Widerwillig muss sich Alex zu ihrer Hippie-Mutter Paula durchschlagen, die spektakulär mit Qualleys echter Mutter besetzt wurde: Filmstar Andie MacDowell. Die verträumte Künstlerin, die zunächst sehr im Reinen mit sich und der Welt erscheint, passt zusammen mit ihrem unsympathischen Fake-Australier-Freund Hank (Billy Burke) tagsüber auf die kleine Maddy auf, während sich Alex als Putzfrau probiert, um ein bisschen Geld zu verdienen.

Schon ihre erste Premiumkundin Regina (Anika Noni Rose) erfüllt jedes Klischee. Mit größter Verachtung führt sie die junge Mutter vor, die mit dem Job nur ihre Selbstständigkeit und Sicherheit vor ihrem gewalttätigen Ehemann erreichen will. Alex' Arbeitssuche gewährt einen zynischen Blick auf das amerikanische Sozialsystem, das Notleidende viel zu oft im Stich lässt. Dazu der Gegenpol der weltfremden Millionärin, die nutzlos in ihrer Villa herumgeistert und ihrer Bediensteten Beine macht, selbst als die vor Anstrengung kollabiert. Ich glaube es war Tolstoi, der mal die These aufgestellt hat, dass auch reiche Menschen lieber selbst ihr Haus putzen sollten, denn putzen lassen sei nicht gut für die Seele...

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Noch bitterer wird es für Alex, als wir endlich erfahren, wieso sie ihrer vermeintlich freundlichen Mutter so misstraut. Denn aus purer Unlust weigert sich die Hippie-Dame schon nach kurzer Zeit, weiterhin auf Maddy aufzupassen und ruft lieber Sean an, der sie abholt. Alex konnte gar nicht eingreifen, weil sie bei der Arbeit eingespannt war (bewusstlos am Boden lag). Allzu schockiert ist sie von dieser Hinterhältigkeit ihrer eigenen Mutter aber nicht, was Bände spricht über die vorbelastete Beziehung der beiden. Später wiederholt sich das Drama mit ihrem Vater, als Alex endgültig am Boden ankommt.

Ohne zu viel zu verraten: In der zweiten Episode von Maid sehen wir auch, wie Alex und Sean sich überhaupt kennengelernt haben. Er saß mit einem Buch in dem Kaffeehaus, in dem sie kellnerte. Da sie sich damals selbst als Schriftstellerin versuchte, imponierte ihr der Anblick eines attraktiven Mannes mit guter Lektüre. Wobei seine Vorliebe für Bukowski vielleicht schon ein Warnzeichen für seine Veranlagung zum Trinken hätte sein können...

Wie ist es?

Die Netflix-Miniserie Maid ist in erster Linie eine Bühne für Margaret Qualley, um der Welt zu zeigen, welch grandiose Schauspielerin tatsächlich in ihr steckt (was Fans von The Leftovers eh schon wussten). Man kann sich keine bessere Hauptdarstellerin für das beklemmende Drama vorstellen und ihre Mitfühlbarkeit trägt die Geschichte auch über die herausfordernde Handlung hinweg. Und natürlich muss man dafür applaudieren, dass Andie MacDowell mitmacht und den Mutterpart übernimmt, der sicherlich noch viele denkwürdigen Szenen mit der Protagonistin bringen wird.

Obwohl ich die Buchvorlage der Serie nicht kenne, habe ich das Gefühl, dass Molly Smith Metzler bei der Adaption gute Arbeit geleistet hat. Denn man spürt die persönliche Note durch die Spezifizität der Geschehnisse, die so ähnlich eine Person erlebt haben muss (eben die reale „Maid“ Stephanie Land). Wie schon bei Shameless wird all das menschliche Elend am unteren Ende der amerikanischen Nahrungskette immer wieder durch humorvollen Zynismus unterbrochen.

Besonders eindrucksvoll ist diesbezüglich ein Moment, der eigentlich aus Episode zwei stammt. Hier findet sich Alex vor Gericht wieder und hört die Anwälte und Richterin nichts außer „Legal legal legal“ sagen. Völlig hilflos wird über ihr Schicksal entschieden, in einer Sprache, die sie nicht versteht. Was Maid mit Blick auf die kommenden Episoden aber auch so vielversprechend macht, ist die Tatsache, dass Qualleys Charakter keineswegs wie jemand wirkt, der sich seinem Schicksal ergibt. Sie wird ungewöhnliche Wege finden, für sich und ihre Tochter zu kämpfen - gegen alle Widrigkeiten.

Hier abschließend der Trailer zur Netflix-Serie Maid:

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