Magic City 2x07

Nach Sichtung der neuen Episode von Magic City stellt sich die Frage, ob die Senderverantwortlichen von Starz sich diese vor ihrer Entscheidung, die Serie abzusetzen „52024“, ebenfalls angesehen haben. Sollten sie dies getan haben, dürfte mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Qualität der Serie der ausschlaggebende Punkt zur Absetzung war. Natürlich waren es die Quoten, die selbst für den wenig quotenverwöhnten Pay-TV-Sender nicht hinnehmbar waren.
Do you want to save me?
Immerhin muss man anerkennen, dass sie der Serie schon vor der Ausstrahlung der ersten Episode eine weitere Staffel gegönnt hatten - ein Luxus, den sich eigentlich nur noch der kleinste „Premiumanbieter“ leistet. Wer bis jetzt durchgehalten hat, kann sich also zum elitären Kreis derer zählen, die ganz am Ende der Serie doch noch belohnt werden. Die vorletzte Episode bietet alles, was Pay-TV ausmacht: Sex, Verbrechen, Blut, Verschwörung, Gewalt, Liebe. Und das alles innerhalb eines sehr stimmigen Erzählkonstrukts. „Stimmig“ natürlich immer unter dem Vorsatz, dass man diverse Prämissen einfach so hinnimmt und sie nicht nach jeder Episode aufs Neue als zu konstruiert kritisiert.

Der Showdown zwischen Ike Evans (Jeffrey Dean Morgan) und seinem Widersacher Ben Diamond (Danny Huston) steuert auf seinen Höhepunkt zu. Um die ganze Geschichte noch zu verkomplizieren, reist Mafiaboss Sy Berman (James Caan) aus Chicago an, um sich persönlich um seine Geschäfte zu kümmern. Nachdem er die Zeitung aufgeschlagen hat, weiß Ben sofort, dass Sy sich auf den Weg nach Miami machen wird. Also beauftragt er Bel (Michael Rispoli), ihm die exklusivste Suite im Miramar Playa zu reservieren. Die Überschrift auf Seite eins lautete nämlich: „Know Your Local Butcher. The Most Notorious Gangster In America.“
Dass Ike Evans, Meg Bannock und der Rest der Neuauflage der „Secret Six“ hinter dem Artikel stecken, davon hat Ben keine Ahnung. Genauso tappt er bei der Suche nach dem Verantwortlichen für die Manipulation der kubanischen Lotterie im Dunkeln. Als kriminelles „Mastermind“, für das er sich hält, und mit seinen weitreichenden Verbindungen in kriminelle Kreise und die Strafverfolgungsbehörden hätte er doch recht schnell herausfinden können, dass Ike und sein dubioser Kuba-Deal dafür verantwortlich sind. Dies hätte sicherlich zu einer schnelleren Eskalation der Auseinandersetzung geführt, was die Autoren wohl für die Möglichkeit opferten, die Serie im Finale zu einem runden Ende zu bringen.
So darf also Bel Jaffe erst einmal die Leiche Nicky Grillos (Jamie Harris) verschwinden lassen, nur damit diese am Ende am Strand wieder auftaucht. Ein gefundenes Fressen für Staatsanwalt Jack Klein (Matt Ross), der sich nicht mehr nur auf Strafverfolgung, sondern immer mehr auf einer persönlichen Vendetta gegen Ike und Ben befindet. Ihm gelingt es, den etwas nachlässig gewordenen Anwalt Sid Raskin (Avi Hoffman) diverser krimineller Machenschaften zu überführen. Fortan soll der ihm Informationen liefern über das verzweigte kriminelle Netzwerk zwischen Miami, Kuba und Chicago.
You're my pimp. Not my friend.
Informationen erhält er auch von Danny Evans (Christian Cooke), der ebenfalls an mehreren Fronten agiert. Von seiner neuen Liebschaft Judi Silver (Elena Satine) erfährt er, dass der stellvertretende Staatsanwalt Doug Feehan (Todd Allen Durkin) eine zentrale Figur im Korruptionsnetz von Ben Diamond ist. Letztgenannter charakterisiert das sehr trefflich zu Beginn der Episode gegenüber Stevie (Steven Strait): „This is a Ben Diamond establishment. Nobody will bother you.“ In Stevie sieht er seinen legitimen Nachfolger, den „son I never had.“

Die Evans-Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch kreuzen sich ihre Wege in dieser Episode mehrmals. In einer großartigen Szene überrascht Stevie ganz nonchalant Danny und Judi beim Sex: „She give you the Evans family discount?“ Zwischen den Brüdern herrscht große Rivalität, jedoch kein blanker Hass. Sie verstehen die Welt des anderen nicht, haben aber beide das gleiche Ziel: ihren Vater stolz zu machen.
Der jedoch ist auf dem besten Wege, seine besten Freunde und seine Familie zu verlieren. Als Victor Lazaro (Yul Vazquez) herausfindet, welchen Deal Ike mit den Kubanern eingefädelt hat, ist er außer sich vor Wut. Er konfrontiert Ike damit. Dessen Beschwichtigungsversuche können ihn jedoch nicht beruhigen, da er ganz nebenbei erfährt, dass Ben Diamond stiller Teilhaber des Hotels ist. Hernach schließt sich Victor den Exilkubanern um Carlos Ruiz (Esai Morales) an, um mit ihnen die Konterrevolution vorzubereiten. Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Dieser und viele andere Versuche, sich des „Maximo Lìder“ Fidel Castro zu entledigen, sind gescheitert. Selbst den Amerikanern mit ihrer militärischen Übermacht ist es nicht gelungen, den kommunistischen Diktator von der Insel zu vertreiben.
Während in der letzten Episode eher handgreifliche und blutige Auseinandersetzungen im Vordergrund standen, wendet sich ... And Your Enemies Closer wieder dem Taktieren hinter den Kulissen zu. Sy Berman, der Boss des „Chicago Outfit“, spielt ein doppeltes Spiel, versucht dies jedoch gar nicht zu verheimlichen. Gegenüber Ike gibt er offen zu, dass die 200 Millionen Dollar, die ihm dieser aus dem Kuba-Deal verspricht, gegen die Einnahmen aus möglichen Kasinoeröffnungen in Miami wie Kleingeld erscheinen. Sy hat Beteiligungen an allen großen Hotels vor Ort - sollte die bevorstehende Abstimmung über das Glücksspielgesetz positiv verlaufen, würde die Vergnügungsmetropole über Nacht zur Geldmaschine werden.
Darauf setzt auch Ben Diamond seine letzten Hoffnungen. Er ist durch den Wettbetrug bei seinen Vorgesetzten in Misskredit geraten und muss dringend positive Nachrichten liefern. Am meisten leidet darunter wieder einmal der korrupte Senator Sloat (Brett Rice), der sich verpflichtet hat, genügend Stimmen für eine Verabschiedung des gambling bill zu sammeln. Spätestens jetzt ist jedem Zuschauer klar: Die „Magic City“ ist längst zur „Broken City“ geworden.
Fazit
Einer der inoffiziellen Herrscher dieser „Broken City“ war bisher Ben Diamond. Doch der sieht sich nun heftigem Gegenwind ausgesetzt. Nicht nur die Mafia sitzt ihm im Nacken, auch seine eigene Ehefrau Lily (Jessica Marais) liefert ihn an Ike Evans aus. Sie hegt dunkle Rachegedanken gegen ihn: „Kill the bastard. Kill 'em all.“
Es scheint also alles angerichtet für ein glückliches Serienende für Ike Evans und seine Familie. Zumindest hat er momentan alle Zügel in der Hand, um seine eigene Zukunft zu bestimmen. Selbst hofft er natürlich darauf, dass das Glücksspielgesetz nicht verabschiedet wird, dies wäre für ihn die denkbar einfachste Lösung. Ben Diamond wäre erledigt. Sollte dies nicht geschehen, kann er immer noch auf die geheimen Informationen von Lily Diamond zurückgreifen.
Ungünstiger wäre die Situation natürlich, würde das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden. Dann hätte er nicht nur Ben Diamond für immer in seinem Hotel, sondern auch die Chicago-Mafia, inklusive des famosen Eddie Blue (Anthony DeSando). Dies würde einem persönlichen Scheitern gleichkommen, was aber eigentlich nur Ike selbst so sieht. Er betrachtet das Miramar als sein Vermächtnis, seine Lebensleistung.
Entgegen der Beteuerungen seiner Ehefrau Vera (Olga Kurylenko) und seines besten Freundes Victor würde er alle Brücken hinter sich abbrechen, um das Hotel zu retten. Beide Söhne sind schon reichlich entfremdet, der beste Freund streicht auch die Segel. Wie lange seine Ehefrau noch zu ihm hält, ist ebenfalls nicht sicher. Es ist einsam an der Spitze, davon weiß auch Ben Diamond ein Liedchen zu singen. Im Machtrausch achten diese beiden Alphamännchen nicht auf eventuelle Verluste. Die Magic City allerdings ist schon verloren.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 7. August 2013(Magic City 2x07)
Schauspieler in der Episode Magic City 2x07
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