Mad Dogs (US) 1x01

Mad Dogs (US) 1x01

Die Pilotepisode der Adaption des gleichnamigen britischen Formats Mad Dogs lässt sich lange Zeit, um die Prämisse der potenziellen Serie zu etablieren. Als die Episode endlich richtig Fahrt aufnimmt, ist sie leider schon wieder vorbei. Weiterschauen würde man trotzdem gerne.

Ziege in Pool - selten ein gutes Zeichen. / (c) Amazon
Ziege in Pool - selten ein gutes Zeichen. / (c) Amazon
© (c) Amazon

Es ist ein seltsames Prinzip, das manch amerikanischer Sender verfolgt. Wie schon FOX mit Gracepoint versucht sich nun auch Amazon mit einer Eins-zu-eins-Adaption eines erfolgreichen britischen Formats. Auch hier wurde der Showrunner des Originals, Cris Cole, mit der Anfertigung des Nachbaus beauftragt. Außerdem wurde mit Ben Chaplin ein Darsteller der Vorlage importiert - allerdings in einer anderen Rolle.

We don't even like each other

Mit Ausnahme dieses Rollentauschs und eines Ortswechsels (das Original spielte auf Mallorca, diese Version findet im mittelamerikanischen Belize statt) ist der Pilot eine haargenaue Kopie des Originals - zumindest, wenn man der Episodenbeschreibung glauben darf. Gesehen habe ich von der britischen Vorlage nämlich nichts. Für mein Vergnügen an der Adaption dürfte dieser Umstand überaus förderlich sein. Was Kritikerkollegen, die auch das Original Broadchurch kennen, über Gracepoint zu sagen haben, ist nämlich alles andere als wohlwollend.

Die Pilotepisode von „Mad Dogs“ lässt sich nun sehr viel Zeit, um in die eigentliche Geschichte einzutauchen. Wo bei anderen Auftaktfolgen spätestens nach zehn bis fünfzehn Minuten klar ist, um was es gehen wird, ist es hier die letzte Viertelstunde, die den Verlauf einer potenziellen ersten Staffel vorgibt. Davor verwendet Autor Cris Cole den Großteil der Episode darauf, eine merkwürdige Dynamik zwischen den zentralen Charakteren zu etablieren, die durch den Tod des einzigen Konfliktmotors am Ende eigentlich schon wieder hinfällig ist.

Die vier ehemaligen besten Freunde Joel (Chaplin), Lex (Michael Imperioli, The Sopranos), Gus (Romany Malco, Weeds) und Cobi (Steve Zahn, Treme) reisen auf Einladung ihres Kumpels Milo (Billy Zane, „Titanic“) nach Belize, um dort ein unbeschwertes verlängertes Wochenende zu verbringen. Offiziell hat Milo sie eingeladen, um seinen vorzeitigen Rückzug aus dem Arbeitsleben zu feiern. Er hat als Immobilienmakler so viel Geld verdient, dass er schon mit Anfang/Mitte 40 keine finanziellen Sorgen mehr hat.

Hier war noch alles gut... © Amazon
Hier war noch alles gut... © Amazon

Zu Beginn geriert sich das Format als teilweise schwer erträgliche Bro-Comedy. Die Jungs werden am Flughafen von einer gutaussehenden Chauffeurin abgeholt, die sie in einer Limousine zur luxuriösen Strandvilla ihres Freundes bringt. Am ersten Abend lassen sie es gemeinsam ordentlich krachen. Als Letzter kommt Cobi nach Hause - in Begleitung einer Karibikschönheit. Joel versucht noch, ihn vom Sex mit ihr abzuhalten (weil er verheiratet ist), scheitert damit jedoch.

You just implicated us in piracy

Zuvor wurde bereits angedeutet, dass Milo seinen Reichtum nicht auf vollends legale Weise gemacht haben dürfte. Dann häufen sich die Zeichen, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Milo eröffnet seinen Freunden, dass er sie als Erben der Villa eingesetzt habe. Er spricht nicht offen aus, dass ihm etwas zustoßen könnte. Eine Parallelmontage zwischen dem Sex von Cobi und Angel (Jodie Smith) und einem problematischen Telefonat zwischen Milo und seinem Erpresser Lawrence (Gerard O'Brien) gibt darauf aber einen weiteren eindeutigen Hinweis.

Am nächsten Morgen geht es genau so weiter. Im Pool des Anwesens finden die Freunde eine tote Ziege. Milo bittet sie darum, den Kadaver zu begraben, und lädt sie zur Beschwichtigung auf eine Bootstour ein. Über den gesamten Verlauf dieses zweiten Tages wird die Stimmung merklich schlechter - vor allem, weil Milo bei einzelnen Cliquenmitgliedern Unmut über andere sät. Zum ersten emotionalen Ausbruch kommt es schließlich, als Milo auf der Bootstour verrät, dass das Boot gar nicht ihm gehört. Er wolle es nun mitten in einer Bucht verstecken, damit der Besitzer danach suchen müsse: „Schoolyard rules around here.“ („Hier gelten die Regeln des Schulhofs.“)

Nach einer anstrengenden Wanderung durch Regenwald und Mangrovensumpf sind die Freunde schließlich bereit, verfrüht den Heimweg anzutreten. Vor allem Joel will sich Milos arrogantes Gehabe nicht länger gefallen lassen. Aus ihm platzt auch heraus, dass die Freunde eigentlich schon lange keine Freunde mehr sind. Trotzdem lassen sie sich von Milo zu einem letzten gemeinsamen Abendessen überreden. Dabei wolle er endlich offenbaren, in welchen Machenschaften er verstrickt ist.

...und hier nicht mehr. © Amazon
...und hier nicht mehr. © Amazon

Das Abendessen verläuft schließlich anders als erwartet. Nach einer dreiviertel Stunde Exposition nimmt die Episode nun endlich Fahrt auf. Hier wird das starke Ensemble von der Leine gelassen. Die Situation eskaliert schnell, weil sich Milo angesichts der ihm entgegengebrachten Vorurteile beleidigt zurückzieht. Bevor er verraten kann, was wirklich hinter seinem Reichtum steckt, wird er von einem Kleinwüchsigen mit Hasenmaske (im Original ist es eine Tony-Blair-Maske) erschossen.

Motherfucker went all Colonel Kurtz on our asses

Der Täter kündigt den schockerstarrten Gruppenmitgliedern eine Deadline von 24 Stunden an, um die Yacht zurückzubringen, und entkommt selbst auf einem Polizeiboot. Zuvor platziert er aber noch die DNA von Gus auf der Tatwaffe und nimmt ihm eine DNA-Probe ab. Nach seinem Verschwinden beraten die Jungs in höchster Aufregung, wie nun am besten vorzugehen sei. Sie beschließen, Milos Leiche zu vergraben und die Spuren des Mordes zu verwischen. Außerdem wollen sie die Yacht zurückbringen - in der vagen Hoffnung, dann von ihren Häschern in Ruhe gelassen zu werden.

Am nächsten Morgen wird jedoch auch dieser Plan torpediert. Auf dem Anwesen taucht Sophia (Athena Karkanis, Low Winter Sun) auf, eine Ermittlerin, die so gar nicht aussieht wie eine Polizistin. Sie sucht nach Milo und der Yacht, die einem kriminellen Mastermind namens Jesus gehöre, der all seinen Widersachern Arme und Beine abschneide. Ob dieser Nachricht wollen die Freunde schnellstmöglich die Flucht antreten, müssen aber entsetzt feststellen, dass Cobi einen Camcorder auf der Yacht vergessen hat. Nun bleibt ihnen wahrlich nur die eine, ursprüngliche Option.

Die Pilotepisode von „Mad Dogs“ hätte interessanter sein können, wäre sie schneller zum Punkt gekommen. Denn alles, was ab dem letzten Abendessen passiert ist, war mitreißend und spannend. Die exzellenten Darsteller konnten ab da ihr ganzes Potenzial ausspielen, die Geschichte schaltete endlich in einen höheren Gang. Hat man also einmal den überlangen Expositionsteil überstanden, bietet die Dramaturgie durchaus Höhepunkte. Hätte ich nun mehr Episoden zur Verfügung, würde ich auf jeden Fall weiterschauen wollen. Deshalb hoffe ich auch darauf, dass Amazon das Format in Serie schicken wird - eine Hoffnung, die Kenner des Originals wahrscheinlich nicht teilen werden. Nach einer Bestellung dürften die Episoden aber gerne etwas schlanker gestaltet sein, 55 Minuten braucht eine wenig komplexe Erzählung wie diese nun wirklich nicht.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 15. Januar 2015

Mad Dogs (US) 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Mad Dogs (US) 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 15. Januar 2015 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 4. März 2015
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 4. März 2015
Regisseur
Charles McDougall

Schauspieler in der Episode Mad Dogs (US) 1x01

Darsteller
Rolle
Ben Chaplin
Romany Malco
Gus
Steve Zahn

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