Luck 1x02

Luck 1x02

Was wird aus dem millionenschweren Gewinn, den das Gambler-Quartett eingefahren hat? Jeder von ihnen hat einen Plan - bis auf Marcus. Gus und Ace stattet Escalante einen Besuch ab, aber ob sie ins GeschĂ€ft kommen werden? Es scheint, als verfolge Ace langfristige Ziele fĂŒr alte Freunde und Feinde. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev versucht regelmĂ€ĂŸig sein GlĂŒck an den Online-Pokertischen.

Ace Bernstein und Gus schmieden PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft / (c) HBO
Ace Bernstein und Gus schmieden PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft / (c) HBO
© ce Bernstein und Gus schmieden PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft / (c) HBO

Obwohl bislang nicht viele Zuschauer ein Auge auf Luck werfen wollten, setzt HBO auf dieses Pferd. Wie bei einem echten Pferderennen fließen mehrere Faktoren in die Wette ein, und manchmal kann sogar das GlĂŒck entscheiden. Was aber ist GlĂŒck? Existiert es tatsĂ€chlich? Oder wurde das Wort von den Verlierern erfunden, um ihre Niederlagen zu rechtfertigen?

Luck handelt zwar von GlĂŒck - aber nicht davon, ob man es hat oder nicht, sondern von der Zusammensetzung dessen, was wir GlĂŒck nennen. LĂ€sst sich GlĂŒck erzwingen, und wenn ja, um welchen Preis? LĂ€sst sich prĂ€zise Vorbereitung auf einen Erfolg als GlĂŒck verkaufen? Und warum? Im Vergleich zur Pilotepisode verbringen wir diesmal weniger Zeit auf der Rennbahn - aber doch genug, um dank dieser Aufnahmen wieder das halluzinatorische GefĂŒhl von Ohnmacht, völliger Vergessenheit und gleichzeitig GlĂŒckseligkeit aufkommen zu sehen: wie die kleinen Staubpartikel, die in der Nachmittagssonne aufgewirbelt werden, um dann wieder zurĂŒck zu Boden zu sinken.

Genauso wirbelt Luck in dieser zweiten Episode mehr aus den Geschichten der einzelnen Beteiligten auf, sei es durch einen eindringlichen Monolog, einen Pferdekauf, ein Pokerspiel oder "die Stimme aus der Hose". Jede/r will das eigene GlĂŒck versuchen, ob mit Frauen, Wetten, Poker oder als Jockey. Alle werden getrieben von Leidenschaft, von Liebe - zur Rennbahn zwar, aber letztendlich gilt die Liebe jenem GefĂŒhl, das ich oben beschrieben habe. FĂŒr manche ist dieses GefĂŒhl eine Erinnerung, oft eine schmerzvolle; so etwa fĂŒr Nick Noltes Walter, der in einem wunderschönen Monolog dem Jockey-Veteran Ronnie vom Tod des Pferdes Delphi erzĂ€hlt („Kentucky quality killed Delphi“).

Die tiefe Trauer dieser Geschichte trifft Ronnie stĂ€rker als die Tatsache, dass beim nĂ€chsten Rennen er und nicht Rosie Walters Pferd reiten wird. Rosie (Kerry Condon) bleibt nach wie vor die einzige Frau, die in Luck ĂŒber ein bloßes Auftauchen im Bild hinauskommt. Wenn sie auch in dieser MĂ€nnerwelt vorerst verloren scheint, spĂŒrt man ihre leidenschaftliche Energie und ihr Suchen nach ihrer Möglichkeit. Wenn man dann aber einmal diese Möglichkeit bekommen, den Durchbruch geschafft, GlĂŒck gehabt hat - was macht man daraus?

Diese Frage verbindet alle Beteiligten. Lebt man fĂŒr immer in den Erinnerungen daran, oder plant man fĂŒr die Zukunft, um eine Wiederholung jenes GlĂŒcks zu erzwingen? Luck setzt die vier Jackpot-Gewinner aka „gambling degenerates“ um Marcus (Kevin Dunn) ein, um einen Blick auf diese Frage zu werfen. WĂ€hrend Marcus, die Seele des Teams, mehr ist als ein erhobener Zeigefinger, nĂ€mlich eher eine Maschine fĂŒr trostlose und prĂ€zise Schimpftiraden, hegen die restlichen drei eigene Vorstellungen davon, wie sie mit dem Gewinn umgehen sollen.

Man muss sagen, dass die Szenen mit Lonnie und den zwei Frauen, die ihn umzubringen versuchen, die humorvolle Note nicht trifft, falls eine solche beabsichtigt war. Im Gegensatz dazu erscheinen die Geschichten um Jerry und vor allem Renzo umso gelungener. Renzo versucht trotz seiner kindlichen Art als Einziger, aus dem Gewinn etwas zu machen - nicht nur fĂŒr sich, sondern fĂŒr die ganze Gruppe. Er will ein Pferd kaufen. Obwohl der Versuch misslingt, bringt uns diese Nebenhandlung tiefer in diese Welt hinein und erklĂ€rt uns AblĂ€ufe und Gegebenheiten.

Jerrys Pokersucht (schlechter Call, Jerry, nur die Dame getroffen auf diesem Board...), die er in vollen ZĂŒgen auslebt, zeigt, dass GlĂŒck bei einer Gambling-Art nicht automatisch GlĂŒck bei einer anderen bedeutet. Es kommt auf die FĂ€higkeiten an. Und Poker, umstritten in Medien und Meinungen, gibt eine gute Metapher dafĂŒr ab, dem eigenen GlĂŒck auf die SprĂŒnge helfen zu können. GlĂŒcksspiel oder nicht? Ace Bernstein (Dustin Hoffman) wĂ€re bestimmt meiner Meinung: Zwar ist durchaus GlĂŒck im Spiel, aber letztendlich hĂ€ngt es von den eigenen FĂ€higkeiten ab, ob man als Gewinner oder Verlierer aus der Sache hervorgeht. Disziplin und Langzeitplanung zahlen sich aus - und die Scharfsinnigkeit, die ZĂŒge Anderer zu erkennen: „Looks like you took a beat on a game you ran“, sagt Ace zu Escalante.

Er durchschaut Escalantes (John Ortiz) Spielchen, Kalkulation als GlĂŒck aussehen zu lassen und so die Odds zu Gunsten seiner eigenen WetteinsĂ€tze zu treiben. Wir wiederum erhalten erste Einblicke in Aces Plan, sich an DiRossi, Cohen und Mike zu rĂ€chen. Obwohl auf den ersten Blick unauffĂ€llig, spĂŒrt man buchstĂ€blich, wie Aces PrĂ€senz an Gewicht zunimmt. Offenbar verwenden David Milch & Co die ruhigen Szenen zwischen Ace und Gus (Dennis Farina) im Hotelzimmer als dramaturgischen Eingriff zum Abschluss einer jeden Episode, um die Ereignisse zusammenzufassen, darĂŒber zu philosophieren und zu zeigen, dass diese alten MĂ€nner ihr GlĂŒck zu erspielen wissen.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 6. Februar 2012
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Luck 1x02)
Titel der Episode im Original
Episode 2
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. Februar 2012 (HBO)
Autor
Michael Roark
Regisseur
Terry George

Schauspieler in der Episode Luck 1x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?