Lost Girl 5x13

Lost Girl 5x13

Jeder, der denkt, seine Familie sei seltsam und verkorkst sollte sich Family Portrait anschauen. Er wird danach in der Illusion leben, dass er in einer sehr langweiligen und normalen Umgebung groß geworden ist. Womit bewiesen wäre, keine Folge ist so schlecht, als dass sie nicht auch noch zu was Gutem taugt.

Familienessen in „Lost Girl“ / (c) Showcase
Familienessen in „Lost Girl“ / (c) Showcase

Es scheint eine Art Gesetz in der Serienwelt zu geben, dass wenn eine Serie zu Ende geht, ein paar Folgen vor dem Finale alles auf Position für den Showdown gebracht wird. Diese Folgen sind im Normalfall eher schlecht. Family Portrait macht da leider keine Ausnahme.

Honey, Dinner is ready

Dabei ist ja der Ansatz als solches gar nicht mal so schlecht, nämlich endlich mal bitte zu klären, wer auf welcher Seite nun steht. Denn durch das ganze Hin und Her und verwirrende „Aber hat er/sie (setze hier einen beliebigen Namen der Serie ein) nicht gelogen?“ konnte man ja schon den Überblick verlieren. Nur leider ist die Logik dabei etwas verloren gegangen.

Dazu kommt die Tendenz, dass totgeglaubte Charaktere, upsalalala, wieder auftauchen. In diesem Fall also Aife (Inga Cadranel), die ja gerne mal wieder plötzlich da ist. Aber nicht nur das, nein, die männliche Fraktion in Bos (Anna Silk) hat gewusst, dass die Mutter ihrer Freundin/Enkelin/Tochter noch lebt, aber man hat es nicht für nötig befunden, ihr das zu sagen. Um sie zu schützen - ne, ist klar, Bo, Tochter des angeblich ultimativen Bösen und Mächtigen ist so labil, es würde sie aus der Fassung bringen.

Bild aus der Episode %26bdquo;Family Portrait%26ldquo; © Showcase
Bild aus der Episode %26bdquo;Family Portrait%26ldquo; © Showcase

Nun aber ist Bo zurück im Schoße der Familie und bei einem guten Essen lässt sich bekanntlich alles klären - oder auch nicht. Das Problem ist gar nicht mal so sehr, dass das gesamte Familiengedöns schlecht gemacht war. Es war in so vielen Punkten einfach unschön verwirrend. Man hatte niemals diesen „Ach sooooooo“-Moment sondern ein ums andere Mal das „Häh?“-Gefühl. Wenn der gemeine Zuschauer sich irgendwann zurückgelassen fühlt, dann hat er irgendwann auch keine Lust mehr, dem Zug hinterherzurennen.

Wo wir beim Zug sind - ich warte ja immer noch darauf, dass diese ganze Wanderer-Zug-Geschichte irgendwann mal einen Sinn ergeben könnte. Je mehr man aber von Hades (Eric Roberts) mitbekommt, desto weniger ist verständlich, dass man da eine ganze Staffel einfach mal verschwendet hat. Dafür wurde die Tatsache, dass Trick (Rick Howland) Aife eigentlich erst zum Sterben übergab und dann in eine Irrenanstalt steckte, verifiziert mit dem Erklärungsversuch, weswegen er Bo konstant angelogen hat. Leider blieb es bei diesem Versuch, wirklich glaubhaft wirkt sein nicht „You never would let me into your life.“ - irgendwann hätte er es mal andeuten können.

Die fast unbefleckte Empfängnis

So aber kam Aife wieder mal plötzlich und unerwartet wieder - das wirkte unlogisch. Was auch der Faden ist, der sich durch die gesamte Folge zieht und den Zuschauer mit dem Gefühl zurücklässt, dass die Produzenten meinen, dass man nun wirklich alles schluckt und sei es noch so lächerlich.

Warum beispielsweise versucht Bo nicht, Trick zu retten? Er lebt ja nun noch als sie ihn findet. Sie hat gerade festgestellt, dass sie ihm Unrecht getan hat, ist also verhältnismäßig gut auf ihn zu sprechen und doch versucht sie den Chi-Stunt nicht einmal? Sie rettet jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, nur bei ihrem eigenen Großvater gibt sie ohne Versuch auf? Hm. Überhaupt, Aifes und Tricks Tod waren sinnlos - keine zehn Minuten vorher hat Trick Bo erklärt, wie mächtig die beiden sind. So mächtig, dass Hades ihre beiden Gene haben will. Auf der anderen Seite braucht er quasi nur mit den Fingern schnippen und diese beiden mächtigen Figuren sind tot. So rubbeldiekatz, dass es noch nicht mal wert ist, es zu zeigen.

Wo wir bei nicht zeigen sind. Tamsin ist also schwanger von Hades. So weit, so schlecht. Nur hat er sie geschwängert, als er in Bos Körper war. Jetzt kann ich mir ja einiges vorstellen, aber wie eine Spermazelle in Tamsin quasi hineinfliegen soll, ohne dass sie es merkt und ohne das Bo auch nur ansatzweise richtig dafür ausgestattet ist - es tut mir leid, dafür reicht selbst meine sehr blumige Phantasie nicht aus. Da wäre vielleicht ein wenig visuelle Nachhilfe, gerne auch in Form von Andeutungen hilfreich gewesen.

Weshalb Bo sich im übrigen am Chi des extrem geschwächten Dyson (Kris Holden-Reid) (ja, den gibt es auch noch, nette Nebenrolle) bedient anstatt an der wesentlich gesünderen Tamsin - ich frag schon gar nicht mehr.

Fazit

Alles in allem also eine sehr unbefriedigende Folge. Traurig dabei ist, dass sie wie etliche andere der Serie gar nicht mal so schlecht gemacht war, aber diese massiven Ungereimtheiten und Anfälle von „Ach übrigens“ machen Family Portrait schlicht unglaubwürdig.

Hoffen wir also, dass Bo weiß, von wem sie abstammt und mit ihrem Blut das Drehbuch der letzten Folgen umschreibt und was Sehenswertes und Schönes daraus macht.

Verfasser: Sabine Stevenson am Mittwoch, 7. Oktober 2015
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Lost Girl 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Familienportrait
Titel der Episode im Original
Family Portrait
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Sonntag, 4. Oktober 2015 (Showcase)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 16. April 2016
Autor
Michael Grassi
Regisseur
Ron Murphy

Schauspieler in der Episode Lost Girl 5x13

Darsteller
Rolle
Richard Howland
Rachel Skarsten

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?