Lost Girl 4x10

Lost Girl 4x10

Während Bo radikal Fakten schafft und kurzerhand die Welt der Fae umbaut, gehen ihre Freunde auf Tauchstation. Ein Gastreview von sw2012 zur Episode Waves der Serie Lost Girl.

Rainer (Kyle Schmid) in der Episode Waves der Serie „Lost Girl“ / (c) Showcase
Rainer (Kyle Schmid) in der Episode Waves der Serie „Lost Girl“ / (c) Showcase

Was ist bloß mit unserer Bo (Anna Silk) geschehen? Wie konnte das mit Rainer (Kyle Schmid) passieren? Lauren (Zoie Palmer), Dyson (Kristen Holden-Ried) und nicht zuletzt der Zuschauer stehen vor so vielen Fragen, dass Lost Girl in Waves erstmal Hintergrund liefern muss - bevor Bo dann etwas tut, was schon lange hätte getan werden müssen. Oder war das doch ein ganz, ganz schrecklicher Fehler?

That really was a Hattori Hanzo sword

Eine Warnung an die Leser mit zartem Gemüt: Waves ist eine blutige Folge, wohl die blutigste der Serie bislang: Abgehackte Beine (ja, Beine) einer Meerjungfrau, aus denen das Blut ins Schwimmbad rinnt, Spritzer auf Bos Gesicht, Körperteile in der Rohrpost und ein gepflegtes Massaker am Ende. Wer einschaltet, um entspannt Bo bei ihrer Lieblingstätigkeit zu sehen, bekommt diesmal eine etwas andere Kost. Es gibt (wieder) gar keine Sex-Szene.

Überhaupt ist die halbe Folge untypisch. Waves besteht aus zwei Teilen: Da wäre zuerst der „Fall der Woche“-Strang für die Scoobies, der eher klassisch für die Serie ist. Kenzi (Ksenia Solo) lässt coole Sprüche los (wie „I hope you guys like tuna“), Dyson und Lauren zanken sich (wie immer), es gibt abgefahrene Monster (Psycho-Meerjungfrauen) und absurde Situationen (wie die Nachlese mit dem Mop). Nur wie gesagt (wieder) keinen Sex.

Die Liebe in den Zeiten des schwarzen Rauches

Der zweite Strang ist die große Rückblende, die erklärt, was Bo zwischen den Staffeln im Zug des Wanderers erlebt hat. Hier ändert die Serie ihren Tonfall und wird ernst. Das ist nicht gut: Dem Zuschauer werden banale Heuler zugemutet, für die man den Autoren das Chi aussaugen sollte (wie „We all have our burdens“). Dieser Strang lässt auch die Selbstironie vermissen, das tongue-in-cheek mit dem sich Lost Girl sonst durch Situationen mogelt, die bei anderen Serien zum Wurf mit der Fernbedienung führen würden.

Merke: Ernst verträgt dieses Universum nur in sehr kleinen Dosen. Diesmal ist es zu viel.

Allerdings hatten die Macher wohl kaum eine Wahl nach dem Ende von Destiny's Child. Die wichtigste Aufgabe dieser Folge war zu erklären - und zwar glaubhaft zu erklären - wie sich Bo plötzlich Hals über Kopf in Rainer verlieben konnte. Vor einigen Folgen wollte sie dem Wanderer schließlich noch eine Trachtprügel verpassen.

Und wir spielen Bonnie und Clyde

Dass Rainer (Kyle Schmid) nicht ein finsterer Tochter-Entführer ist, sondern ein nobler Krieger, der vom bösen Blutkönig (Trick (Richard Howland) in seinem früheren Leben) verflucht wurde, deutete sich schon vergangene Woche an. Dass er eine Revolution zum Guten aller Fae herbeiführen wollte und zur Strafe seit Jahrzehnten von einem bösen Tyrannen gefoltert wird, musste ihr einfach das Herz brechen. Es ist zwar grenzwertig, dass sie plötzlich ihre Freunde ignoriert, aber das haben wir schon einige Male in der Serie gesehen. So ist Bo angeblich einfach. Ihre Entwicklung von A nach B ist hinreichend glaubwürdig, so dass wir sagen können: Der Pflichtteil wurde erfüllt.

Die Kombination aus Standard-Strang und Rückblende führt allerdings dazu, dass Waves etwa 40 Minuten lang vor sich hinplätschert wie das Wasser am Strand der Ostsee, bis am Ende plötzlich die Riesenwelle hereinkracht und unser neues Liebespaar kurzerhand die Una Mens niedermetzelt. Deren Vernichtung ist eine echte Überraschung und eine gute noch dazu, denn so wirklich weitergebracht haben sie die Geschichte nicht mehr.

Mögen die herrschenden Klassen vor einer Fae-Revolution zittern

Allerdings haben die Macher von Lost Girl jetzt wieder jede Menge zu erklären. Die Una Mens wurden dargestellt als die Organisation, die mit brutaler Gewalt die Ordnung in der Fae-Welt - einschließlich der Teilung in Dark und Light - sicherstellte. Ohne sie scheint es keinen Grund zu geben, diese unpraktische Spaltung beizubehalten. Herrscht jetzt Anarchie? Was hält Evony (Emmanuelle Vaugier) davon? Und welche Rolle nimmt eine gewisse ungebundene Succubus in der Serie ein, wenn niemand mehr zu einer Gruppe gehören muss?

Vielleicht kann die Dekonstruktion der sozialpolitischen und gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen der Massentötung im Spiegel der Fae-Postmoderne noch etwas warten, denn ganz ausgestanden ist die Sache noch nicht. Die Kräfte der getöteten Una Mens vereinigen sich in der Nuss, die Trick damals entgegen der Abmachung nicht aktivierte. Wer sie jetzt kontrolliert, wird zum Super-Tyrannen. Die Hand, die danach greift, trägt eine Bandage. Wenn wir uns jetzt an den Anfang der Staffel erinnern, können wir spekulieren, dass hier Vex (Paul Amos) an die Macht strebt - diesmal richtig.

Rainer Dies at the End

Wir können die Gedankenspiele weitertreiben und drei Folgen vor dem Ende der Staffel endlich eine Prognose wagen, wie sie weitergehen wird. Wer die Nuss hat, wird der wirkliche Bösewicht. Wir erinnern uns auch an die Prophezeiung aus der vorherigen Folge, dass jemand, den Bo liebt, sterben muss. Das dürfte Rainer sein, der sich heldenhaft opfert, um den Super-Tyrannen zu besiegen. Dass es Lauren (Zoie Palmer), Dyson (Kristen Holden-Ried) oder gar Kenzi (Ksenia Solo) wird, können wir ausschließen: Die Autoren haben vermutlich keine Lust, ihr restliches Leben unter Polizeischutz zu verbringen.

Ohnehin strapazieren sie die Nerven der Fans schon genug dadurch, dass unser Lieblings-Dreieck Lauren-Dyson-Bo nur eine Nebenrolle in dieser Staffel spielt. Für einen Vierten im Bunde ist langfristig kein Platz. Auch hier macht sich schon Unmut breit: Bos neue Liebe zu Rainer hat im Netz vor allem zu einem Haufen dummer Witze über den Rufnamen der Beziehung geführt. Von „RainBo“ ist die Rede, von „(No) Brainer“ und natürlich von „BoNer“.

Eine Weile aushalten wird Rainer wohl auf jeden Fall noch - schon allein, damit Tamsin (Rachel Skarsten) endlich seine Seele in Empfang nehmen kann. Auch dieses lose Ende in ihrem Leben deutet darauf hin, dass Bos neues Glück nicht von Dauer sein wird. Selbst bei den Fae sind einige zu schön für diese Welt.

Fazit

Waves ist eine notwendige Folge - wie schon die Episode davor. Wirklich gut ist sie nicht. Wir müssen festhalten, dass Lost Girl im Moment eine schwächere Phase in einer ansonsten starken Staffel durchmacht. Zum Teil liegt es daran, dass die Antworten auf viele Fragen einfach immer wieder verschoben wurden, was sich irgendwann rächt. Hoffentlich liegt es auch daran, dass die Autoren tief Luft holen, bevor wir in drei furiose letzte Episoden eintauchen.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 21. Januar 2014
Episode
Staffel 4, Episode 10
(Lost Girl 4x10)
Deutscher Titel der Episode
Wellen
Titel der Episode im Original
Waves
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Sonntag, 19. Januar 2014 (Showcase)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 29. Juli 2014
Autor
Michael Grassi
Regisseur
Little X.

Schauspieler in der Episode Lost Girl 4x10

Darsteller
Rolle
Richard Howland

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