Leverage 4x05

Emily Margold (Katy Beckemeyer) hat gerade ihren Abschluss in Agrarwissenschaft gemacht - und dabei eine genetisch verbesserte Kartoffel geschaffen, die zusätzliches Vitamin A enthält. Diese Kartoffel will sie gratis zur Verfügung stellen, damit arme Familien sie zur Eigenversorgung anbauen können. Das passt dem CEO (Mitch Pileggi, The X-Files) des Agrar-Konzerns VerdAgra und seiner rechten Hand (Bhama Roget) jedoch gar nicht. Sie entwenden - unter fadenscheinigen Vorwänden - Emily die Kartoffel einfach. Womit sie jedoch nicht gerechnet haben: Emily wendet sich an Nate (Timothy Hutton) und sein Team.
Die Fans, die der Meinung waren, dass der klassische Heist zu Beginn der vierten Staffel von Leverage etwas zu kurz gekommen ist, kommen in The Hot Potato Job voll auf ihre Kosten. Denn die Folge bietet genau das: Nate & Co müssen die VerdAgra-Firmenzentrale infiltrieren, um die Kartoffel zurückzustehlen.
Dabei lebt die Folge ganz wesentlich von der ungewöhnlichen Natur des Objekts der allgemeinen Begierde. Parker (Beth Riesgraf) glaubt ja anfangs, dass nur deshalb von einer „Kartoffel“ die Rede ist, weil ihre Zentrale immer noch abgehört wird - und die anderen deshalb in einer Art Code sprechen. Und selbst, als sie nach dem Einbruch in den Firmentresor die Kartoffel schon in den Händen hält, fragt sie sich verwundert, ob da nun ein Diamant drinsteckt. Es fällt ihr schwer, zu akzeptieren, dass es wirklich nur um die Kartoffel geht.
Aber es ist natürlich genau dieses Spiel mit der latenten Absurdität des Beutestücks (welche nur noch von dessen späterem Schicksal gekrönt wird...), welches ganz erheblich zu dem beschwingten Vergnügen beiträgt, welches Leverage dem Publikum hier wieder einmal bereitet.
Das Team ist in absoluter Bestform: Nate und Parker hijacken eine Schulklasse. Hardison nutzt die Gelegenheit, einem jugendlichen Tunichtgut gleich ein paar Gaunerweisheiten mit auf den Weg zu geben. Während er gleichzeitig mannhaft zu verkraften versucht, dass Sophie (Gina Bellman) ihn ausgeknockt hat. Parker rutscht im Actionfinale auf den Knien aus einem in Flammen stehenden Tresorraum. Und Eliot (Christian Kane) demonstriert, wie wahre Männer Kleidung „einkaufen“ gehen - nämlich überfallartig.
Jeder aus dem Team bekommt in The Hot Potato Job seine Glanzmomente. Darüber hinaus stimmt auch die Team-Chemie (und das gilt nicht nur für die Figuren, sondern auch - deutlich spürbar - für die Darsteller).
Ein besonderes Schlaglicht wirft die Episode auf die Beziehung zwischen Nate und Sophie, die nach einem Abendessen - „unter Freunden“ - erneut miteinander im Bett landen. Grandios - und jeder Sitcom ebenbürtig - ist dabei nicht nur, wie die beiden ihre Beziehung vor den anderen zu verheimlichen versuchen (wozu auch das dezente Entfernen von Sophies BH aus dem Blickfeld gehört), sondern auch wie die beiden selbst mit dem Vorgefallenen umgehen.
Nate gibt vor, gar keine Beziehung mit ihr zu wollen. Als Sophie sich - wohl entgegen seiner Erwartung - ebenfalls dagegen ausspricht und das Ganze nur als ein „Friends with Extras“ betrachtet, kann man Nates Gesichtszügen beim Entgleisen zusehen. Die Doppelbödigkeit der Dialoge - der Gegensatz zwischen dem, was die beiden sagen und was sie eigentlich wollen - ist genau das, was ihr Verhältnis so spannend und sexy macht. Gleichzeitig zeigt die Folge, dass die Veränderung in ihrer Beziehung natürlich auch nicht völlig ohne Konsequenzen für ihre Zusammenarbeit bleibt.
Sehr schön ist auch, dass Drehbuch in diesem Zusammenhang ein gutes Gedächtnis für die Hintergrundgeschichte der Figuren beweist. So spekuliert Sophie, dass Nates Probleme mit einer „lockeren“ Beziehung vielleicht daher rühren, weil er früher Priesterseminarist gewesen ist (etwas, wovon wir zuletzt in der ersten Staffel gehört haben). Auch Sophies Schauspielerei findet dankenswerterweise wieder einmal Erwähnung.
Ein interessanter Punkt, der leider etwas untergeht, ist Nates Irritation darüber, dass das Team Sophie Dinge durchgehen lässt, die an ihm kritisiert werden. Wenn Sophie vom Plan abweicht, ist das in Ordnung. Wenn er das tut, dann ist das reckless. Mit Sicherheit dürfte Leverage auf diesen Punkt allerdings noch zurückkommen.
Fazit
45 Minuten anhaltender Spaß dank eines herrlich absurden Drehbuchs, einer temporeichen Inszenierung und einer blendend aufgelegten Schauspielerriege. Wann ist nur wieder Sonntag?
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 26. Juli 2011(Leverage 4x05)
Schauspieler in der Episode Leverage 4x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?