Leverage 4x06

Ein nerdiger Computer-Tüftler entwickelt in seiner Freizeit einen neuartigen Mikrochip. Sein Arbeitgeber beruft sich jedoch darauf, dass alles, was er erfindet, qua Arbeitsvertrag dem Unternehmen gehört. Ein Fall wie geschaffen für das Leverage-Team. Allerdings bekommen es Nate & Co diesmal mit einer höchst ungewöhnlichen Situation zu tun: Denn ihr Gegner ist kein gieriger Geschäftsführer, sondern ein trauernder Witwer und alleinerziehender Vater (Erik Jensen), der sich bei der Vollendung des von seiner Frau begonnenen Hausumbaus übernommen - und deshalb mit ein paar sehr gefährlichen Gangstern eingelassen hat...
„I thought we are supposed to hate the guys we take down“ - Eliots (Christian Kane) Verwunderung angesichts der Ausgangslage von The Carnival Job ist verständlich. Und überträgt sich ein Stück weit auch auf den Zuschauer. Die ganz große Spannung will sich am Anfang nicht so recht einstellen. Denn natürlich ist es wesentlich leichter, mit dem Team mitzufiebern, wenn die Fronten klar verteilt sind - und es eine möglichst hohe emotionale Präferenz für einen bestimmten Ausgang der Handlung gibt.
So wie dies in The Carnival Job etwa ab Mitte der Folge der Fall ist, als Connells Tochter Molly (Lea Zawada) von russischen Mafiosi gekidnappt wird, die sich um jeden Preis den Chip sichern wollen. Dadurch, dass auf einmal sehr viel mehr als nur ein Mikroprozessor auf dem Spiel steht, erhöht sich automatisch der Spannungs- und auch der Unterhaltungsgehalt der Folge.
Angesichts der erhöhten Bedrohungslage läuft das Team wieder einmal zur Bestform auf - und wird auch angemessen heldenhaft in Szene gesetzt - und das von keinem Geringeren als Meister Yoda persönlich. Der ehemalige „Muppets“- und „Star Wars“-Puppenspieler Frank Oz schafft es, vor allem dem Finale im Vergnügungspark die nötige Größe und eine fast westernartige Atmosphäre zu verleihen. Angefangen beim Auftritt des Teams im Formationsschritt durch den Rauch, über das Duell zwischen Nate (Timothy Hutton) und dem Mafia-Kindermädchen (Anna Lieberman), bis hin zu Eliots Kampf mit den russischen Schlägern im Spiegelkabinett.
Wieder einmal wird hier der Beweis für die alte Dramaturgen-Weisheit geführt, dass die Folge umso besser ist, je gefährlicher der Gegner erscheint. Und das ist bei Leuten, denen es gelingt, Eliot gleich mehrfach auf die Bretter zu schicken, sicherlich der Fall.
Zu lachen gibt es diesmal etwas weniger. Nur die Auseinandersetzung zwischen Parker (Beth Riesgraf) und Hardison (Aldis Hodge) um den kleinen grünen Roboter „Parker 2000“ sorgt für großen Spaß. Parker befürchtet, wegrationalisiert zu werden, dreht den Spieß aber am Ende um, als sie den Roboter kurzerhand in „Hardy“ umbenennt.
Das Schöne an der Beziehung zwischen den beiden ist, dass die Autoren die charakteristische Dynamik zwischen den Figuren nicht geändert haben. Zwar hat man seit dem Staffelauftakt schon das Gefühl, dass Parker und Hardison jetzt irgendwie „zusammen“ sind. Aber es hat so gut wie keinen Einfluss auf ihr Verhalten: Parker ist verrückt wie eh und je. Und Hardison schmachtet sie mit verklärtem Lächeln an. Der großen Gefahr, dass einem TV-Paar dramaturgisch die Luft ausgeht, sobald es tatsächlich zusammenkommt (weshalb viele Serien dies um jeden Preis herauszuzögern versuchen), begegnen die Leverage-Autoren, indem sie den genauen Status der Beziehung zwischen den beiden in der Schwebe halten. Es ist halt, wie Parker schon in The Long Way Down Job gesagt hat, „not normal“.
Fazit
Es dauert etwas, bis The Carnival Job in die Gänge kommt. Danach ist es jedoch eine durchaus spannende Folge. Zu schade, dass Leverage wegen des zweistündigen Staffelfinales von Falling Skies in der kommenden Woche aussetzt. Am 14. August kehrt die Serie jedoch mit einem Doppelpack auf die US-Bildschirme zurück.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 2. August 2011(Leverage 4x06)
Schauspieler in der Episode Leverage 4x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?