Legion 2x11

Legion 2x11

Mit Chapter 19 wird die zweite Staffel der FX-Mutantenserie Legion beendet. Dabei wird eine Entwicklung vorangetrieben, die sich zuletzt schon sehr stark angedeutet hatte: Wer ist der Schurke, der den Weltuntergang heraufbeschwört?

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ (c) FX
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ (c) FX
© zenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ (c) FX

Ist Legion in Wirklichkeit das Breaking Bad der Superheldenserien? Dieser Vergleich, der schon bei anderen Serien an anderer Stelle bemĂŒht wurde und doch selten passt, wird nach dem Anschauen des zweiten Staffelfinals mit dem Titel Chapter 19 immer deutlicher. Zumindest fĂŒrs Erste.

Das Ziel der Staffel war es fĂŒr David (Dan Stevens), den Körper von Amahl Farouk (Navid Negahban) vor ihm zu finden und zu zerstören. Zwischenzeitlich wurde er von Zukunfts-Syd (Rachel Keller) kontaktiert, die ihn davon abbringen will, weil sonst die Welt untergeht. Es hat nicht geklappt den Körper abzufangen, es klappt aber auch nicht, Farouk zu töten. Doch eine andere Prophezeiung wird wahr: David ist nach einer Reihe von fragwĂŒrdigen Handlungen in Schurkenterritorium vorgedrungen. Aber wie konnte es ĂŒberhaupt dazu kommen? Oder musste es sogar einfach immer dazu kommen?

Behind blue eyes

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ - © FX

Die Folge startet mal wieder mit einem starken musikalischen StĂŒck, da David das Lied „Behind Blue Eyes“ singt und dabei den Shadow King zum Kampf herausfordert, der durch stilisierte Cartoon-Stellvertreter ausgetragen wird. Schon frĂŒh also ein stilistisches Highlight, das aber vielleicht etwas stellvertretend dafĂŒr ist, dass die zweite Staffel der Serie auf noch etwas mehr Stil anstatt auf wirkliche Substanz setzt. Zu oft wurden gewisse Elemente wiederholt oder etwas zu sehr auf der Stelle getreten. Das war in der kĂŒrzeren DebĂŒtstaffel vielleicht leichter vermeidbar.

FĂŒr die dritte Staffel wĂ€re also wieder ein etwas schĂ€rferer Fokus auf das Wesentliche wĂŒnschenswert. Das MĂ€andern ist bei weitem nicht so schlimm wie in mancher Marvel-Netflix-Serie, in der das Zeittotschlagen schon ein Stilmittel zu sein scheint, zumal oft genug interessante und abgedrehte EinfĂ€lle kaschieren, dass man eigentlich vergleichsweise wenig Plot pro Episode voranbringt. Das trĂŒbt meine Leidenschaft fĂŒr diese Serie aber nur ein wenig. Es lĂ€sst sich jedoch andererseits auch nicht verdrĂ€ngen, wenn man mal die rosarote Brille abnimmt. Mittendrin wartet Lenny (Aubrey Plaza) mit ihrem ScharfschĂŒtzengewehr auf ihre Chance, ihren alten Peiniger aus dem Spiel zu nehmen. Doch: Kommt es ĂŒberhaupt dazu?

Drei Jahre spÀter...

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ - © FX

Ein Einschub, der offenbar drei Jahre spĂ€ter stattfindet, zeigt uns, dass Oliver (Jemaine Clement) und Melanie (Jean Smart) nach dem Vorfall und dem anschließenden Chaos in Olivers EiswĂŒrfel leben. Ihre Körper sind in Sicherheit versteckt worden und beide altern nicht, aber genießen jeden Moment zusammen. Über Super-8-Bilder erfahren sie, dass die Welt trotz allem untergegangen ist und es offenbar auf David zurĂŒckzufĂŒhren ist. Oliver erinnert sich kaum an die Genossen von Summerland/Division-3, was zu einigen witzigen Spitznamen fĂŒhrt, wie zum Beispiel Glasses McLabcoat oder das MĂ€del, das alle tritt.

Sie deuten aber auch schon ein tragisches Schicksal fĂŒr Sydney an, die von David betrogen wurde, weil sie ihm seine Zukunft angedeutet hatte. Bei Legion kann man sich seit der EinfĂŒhrung der Zeitreisekomponente nicht mehr sicher sein, wie festgeschrieben ein solcher Exkurs noch ist, aber einige Ereignisse, die noch in der Episode passieren, legen den Verdacht nahe, dass das ein erster Teaser auf die unschöne neue Welt ist, die uns als Zuschauern bald bevorsteht.

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When a woman wants to talk, you talk

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ - © FX

David prĂŒgelt nach seinem Gedankenkampf mit Farouk nĂ€mlich auch auf dessen Körper ein und schlĂ€gt ihn blutig, bis Sydney mit dem abgetrennten Minotauruskopf ankommt und David zum Reden zwingt. Dabei versucht sie, ihren (Ex-)Freund, der nicht begreifen will, dass er ein gewaltiges Problem hat, zu ĂŒberzeugen, dass er eben ein solches hat. Als Beispiele fĂŒhrt sie Serienkiller und deren Partner an und möchte nicht in einer solchen Beziehung stecken, sondern ihm vor Augen fĂŒhren, dass die Freude, mit der er bisweilen andere quĂ€lt, ungesund ist und ihn genau auf den Weg bringt, weswegen er Farouk ausmerzen möchte. Die direkte Offenbarung, dass nicht Farouk, sondern Zukunfts-David den Weltuntergang verursacht, leugnet er ebenso wie die Tatsache, dass er nicht mehr der Held ist, sondern Sydney, die bereit ist, ihn aufzuhalten.

Durch Lenny gibt es aber ein klassisches Patt mit Tendenz in Richtung David, da die Kugel, die Sydney auf ihn schießt, durch ihre Gewehrkugel abgelenkt wird und Sydney verwundet. David, der zwischenzeitlich in seinen eigenen Verstand flĂŒchtet, ĂŒberlegt, was er tun könnte. Seine anderen Ichs versuchen, ihm deutlich zu machen, dass er eigentlich ein Gott unter den Menschen ist und sich nehmen könnte, was er will. Doch in Main-David steckt noch ein Teil, der Sydney nicht aufgeben will. Ein Teil, der der Meinung ist, dass auch David Liebe verdient, auch wenn er womöglich ordentlich dabei nachgeholfen hat...

She is a delusion

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ - © FX

Es geht zurĂŒck zu dem Moment, als David Sydney zum ersten Mal gesehen hat und obwohl die Serienmacher nach meinem VerstĂ€ndnis nicht so weit gehen und Sydney eine Schöpfung von Davids Verstand nennen, rĂŒcken sie die Begegnung doch in einen neuen Kontext. So ist Sydney nĂ€mlich in gewisser Weise eine Art TĂ€uschung oder Ablenkung, um David die Möglichkeit zu geben, kurzzeitig in die Richtung der NormalitĂ€t einzutauchen. Sydney ist vielleicht zu schön, um wahr zu sein, in der Scheinwelt, die David sich in seinem Verstand aufbaut und krampfhaft versucht aufrechtzuerhalten, auch wenn die Liebe womöglich verflogen ist und dem K(r)ampf mit Farouk weichen musste, der ein Ausleben der Machtfantasien ist.

Entsprechend drastisch und unverzeihlich sind Davids Schritte, die sich erst langsam richtig entfalten. WĂ€hrend Farouk von Cary (Bill Irwin) und Admiral Fukyama mit KrĂ€ftedĂ€mmer in Gewahrsam genommen wird, „heilt“ David die verletzte Sydney, raubt ihr aber gleichzeitig ihren Groll und ihre Erinnerungen an ihren Hass und stellt die Verliebtheit wieder her. Das ist schon sehr hart und unterstreicht den Wandel zum Schurken noch umso deutlicher. NatĂŒrlich ist es in der RealitĂ€t auch unverzeihlich, in Superheldenliteratur ist der unfreiwillige Eingriff in den Verstand aber eine TodsĂŒnde, mit der man ohnehin selten davonkommt...

Nothin' in the World Can Stop Me from Worryin' 'bout That Girl

Der abermals fantastische Soundtrack dieser Episode umfasst einige Lieder, deren Lyrics schon alles sagen, wie beispielsweise der Song von den Kinks, den ich hier auch als ZwischenĂŒberschrift zitiere. Das Unrechtbewusstsein von David ist durchaus verblieben, aber eben auch mehrere Teufelchen, die sich Taktiken zurechtlegen, sollte er bei seinen LĂŒgen entdeckt werden. Lenny ist weiterhin ein Plan B, den David in der Hosentasche behĂ€lt, fĂŒr den Fall der FĂ€lle.

Dennoch glaubt er, dass er Division-3 ĂŒberlistet hat und reibt das auch dem Shadow King bei einem kurzen Besuch unter die Nase, denn, wenn der Prozess nicht mit seiner Todesstrafe endet, wird David eben dafĂŒr sorgen. Das ist kein Zitat eines konventionellen Helden, sondern hat schon soziopathische Tendenzen. Auch Sydney unterbreitet er ein Angebot zum gemeinsamen Weglaufen und zum Neuanfang, doch bei beiden Treffen fĂŒhlt er sich zu selbstsicher. Sydney merkt bereits, dass irgendwas anders an ihm ist. Etwas, wovor ihn schon der Shadow King warnt, der offenbar wirklich die Seiten wechselt und von seinem Verhalten angeekelt ist, aber auch aus Erfahrung spricht, weil er David mehrere Dekaden lang missbraucht hat und in seinem langen Leben viele Opfer wie ein Parasit genutzt hat.

Schlimmer noch: David vergreift sich an der willenlos und erinnerungslos gemachten Sydney, was wirklich widerlich ist. Man kann gespannt sein, ob die dritte Staffel dann den kompletten Wandel zum Schurken zeigt - vielleicht wird es ja sogar schon die letzte sein.

Davids LĂŒgen werden durch Kerry (Amber Midthunder) aufgedeckt, die die wahren VorfĂ€lle mit einer Konstruktion ans Licht bringen kann und sieht, dass David die wirkliche Gefahr zu werden droht. Davon ahnt er aber nichts und freut sich schon auf den Prozess gegen Farouk. Es wĂ€re spannend zu erfahren, wie man dieses Wissen vor David verbergen kann, der, wenn er wollte, prinzipiell alle Gedanken mitbekommen könnte...

Doch statt Farouk den Prozess zu machen, wird David im Gerichtssaal in ein Kraftfeld gesperrt, aus dem er zunĂ€chst nicht herauskommt oder herauskommen will. Er hört sich an, was man ihm vorwirft, nĂ€mlich den eklatanten Eingriff in Sydneys Geist, wĂ€hrend Vermillion berechnet, dass er mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit in der Zukunft schwere Verbrechen begehen wird. Die Kronzeugen sind Sydney und der Shadow King selbst. Eigentlich möchte man ihn therapieren, doch davon hĂ€lt David nichts und mobilisiert trotz krĂ€ftedĂ€mmenden Gases alle Reserven und durchbricht die Barriere, die ihn eigentlich halten mĂŒsste. Außer betteln bleibt der versammelten Mannschaft von Division-3 nĂ€mlich ab da nicht mehr viel ĂŒbrig. Gemeinsam mit der befreiten Lenny nimmt er Reißaus und dĂŒrfte sehr wahrscheinlich als big bad der kommenden Staffel zurĂŒckkehren.

Fazit

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 19“ - © FX

Die zweite Staffel von Legion ist nicht perfekt, aber welche Serie ist das schon? Die stĂ€rkeren Episoden haben sich am Anfang abgespielt. Gerade die Highlightepisoden Chapter 12 (die Sydney-Flashback-Folge) und Chapter 14 (multiple Davids) sind einfach herausragend gut und ein absolutes SehvergnĂŒgen.

Im letzten Drittel der Staffel gab es dann leider jedoch ein paar DurchhĂ€nger am StĂŒck. Die Entwicklung von David zum Schurken ist mit der Kenntnis der Comicvorlage eigentlich nur eine konsequente Entwicklung, wobei man sich dann die Frage stellen muss, wie lange das Leben der Serie noch gestreckt werden kann. Denn David vollzieht bereits im Staffelfinale einige Taten, die nur schwer wiedergutzumachen sein können - wenn es denn ĂŒberhaupt möglich ist. Sydney als neue Heldin der Serie, eventuell sogar als Tandem mit Farouk, hat dabei durchaus einen sehr interessanten Reiz fĂŒr mich. Gerade mit dem Wissen im Hinterkopf, dass David und Lenny dann wiederum die Gegenspieler wĂ€ren.

Wenn man mich fragen wĂŒrde, was an der ersten Staffel besser war... Wahrscheinlich sind es zum einen die knackigere Laufzeit mit acht Episoden und andererseits Aubrey Plaza als völlig vogelfreie und durchgedrehte Schurkin, die ihre Wandelbarkeit stĂ€ndig demonstrieren durfte und immer wieder fĂŒr Wow-Momente sorgte. Das hat der neue Farouk-Darsteller nicht geschafft, aber zumindest auch nicht das Altbekannte wiederholt, sondern immerhin einen neuen, etwas zurĂŒckgenommeneren Ansatz geboten, der jedoch insgesamt leider nicht so viel Eindruck hinterlassen konnte wie crazy Lenny.

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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 13. Juni 2018

Legion 2x11 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 11
(Legion 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Kapitel 19
Titel der Episode im Original
Chapter 19
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. Juni 2018 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 20. Juni 2018
Autor
Noah Hawley
Regisseur
Keith Gordon

Schauspieler in der Episode Legion 2x11

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?