Legion 2x10

© zenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 18“ (c) FX
Mit einem tollen Bild, das eine Splashpage aus den Comics sein könnte, eröffnet die Legion-Episode Chapter 18 das vorletzte Kapitel der zweiten Staffel. Wie King Conan sitzt ein möglicherweise übermächtiger David Haller mit der Frisur aus den Comics auf einem Thron - und hat Lenny (Aubrey Plaza). Die Implikation dieser kleinen „What if“-Szene zeigt uns eine mögliche verheerende Zukunft, vor der die alternative Sydney (Rachel Keller) gewarnt hat. Trotz allem sieht es in dieser Folge so aus, als wäre es wirklich eine selbsterfüllende Prophezeiung, da sie Zeugin einer Unterhaltung von sich selbst und Farouk Amahl (Navid Negahban) wird.
Hier kommt wieder die Diskussion ins Spiel, ob David in der Lage ist, zwischen Realität und Einbildung und richtig und falsch zu unterscheiden, da der Shadow King ihn so lange manipuliert hat und er ein Leben voller traumatischer Erlebnisse führen müsste, was jeden normalen Menschen in den Wahnsinn treiben würde.
Legion, the world killer

Die Bildsprache ist auch sonst gewohnt abgedreht. Ein gigantischer Abfluss und der dazugehörige Stöpsel (Erinnerungen an die sechste Staffel von Lost werden wach!) saugen Sydney nämlich zu einem neonblau beleuchteten Ort, an dem Melanie (Jean Smart) auf sie wartet. Es ist eine Art woke Melanie, wie man in der Jugendsprache sagen würde, die genug vom Patriarchat hat und es allen Männern recht zu machen und ihnen blinden Gehorsam zu leisten. Ironisch dabei ist, dass sie selbst unter der Knute von Amahl/Oliver (Jemaine Clement) steht und dass sie versucht, Sydney davon zu überzeugen, dass David sie nicht liebt, sondern eine Art Gottkomplex, gemischt mit einer Persönlichkeitsstörung hat. Dazu kommt allerdings, dass er, laut ihrer Erzählung, das Quälen von Menschen sogar zu genießen scheint. Ihr Beweis dafür: Als Sydney verschwindet und David sie nicht findet, greift er zu körperlicher Folter bei Oliver - einem Freund. Ob das nun Melanies Punkt unterstreicht, ist nicht ganz klar. Gut lässt es David aber ebenfalls nicht erscheinen, weil Melanie sie zwingt, dabei zuzusehen.
Ganz lässt sich Sydneys Glaube an David allerdings nicht abschalten und sie hofft zumindest eine Weile, dass man ihn noch einmal erreichen könnte.
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Part of Me

Ein interessanter Dialog zwischen Oliver und David bringt mich zum Grübeln. In diesem sagt Oliver, dass er ein Teil von David sei. Ist das der Hinweis, dass sich doch irgendwie alles nur im Unterbewusstsein Davids abspielt? Er kokettiert damit, etwas zu wissen, was er nicht weiß. Auch eine Andeutung von Melanie, was Davids Wandlung zu Legion angeht - welcher in der Comicvorlage wohlgemerkt in vielen Fällen ein Schurke ist, dessen alternative Persönlichkeiten sich mit diversen Superkräften manifestieren und sich mehr oder weniger zufällig zeigen - könnte in eine solche Richtung deuten.
Fraglich ist in diesem Fall selbstredend, was in der Domäne des Shadow King überhaupt real ist. Sind Oliver und Melanie real? Foltert David wirklich jemanden oder ist es nur ein Schatten, den Farouk David serviert, als Ablenkung, um an seinen Körper zu kommen. Denn zuletzt hieß es noch, dass er einen großen Vorsprung vor ihm habe. Der wird durch Sydneys Verschwinden auch nicht plötzlich kleiner geworden sein.
Im Hintergrund läuft Davids Plan, der die unberechenbare, aber offenbar zu allem bereite Lenny, die bewaffnet nach dem Kloster sucht und dabei über Personen mit einem Safe über dem Kopf spricht. Diese könnten womöglich Mönche sein, denn später sehen wir eine Variante von ihnen mit einer Waffe, die eine Frequenz absondert, die alle bis auf Kerry (Amber Midthunder) schwächt oder ausschaltet. Sie und Cary (Bill Irwin) verfolgen Lenny nämlich erfolgreich. Kerry kämpft mit besagten Mönchen in einer schönen Kampfmontage, wobei ihr Bruder jedoch in den Abgrund gezogen wird und auf das Minotaurusmonster trifft. Wenn man es so niederschreibt, wirkt es fast noch verrückter, als wenn man es mit eigenen Augen sieht, aber auch nur fast... Lenny ist jedenfalls diejenige, die bei der zweiten Fuhre von Angreifern mit ein paar gezielten Kopfschüssen aushilft und Kerry dann anregt, ihren Bruder zu suchen.
Go now. Kill the weak. We will be leaving soon.
Derweil kann Sydney nicht viel länger zuschauen, wie David offenbar mit Freude foltert und quält. Melanies Argumente sind manipulativ, treffen aber wohl ins Schwarze: Gewöhnt sich ein Frauenschläger, ein Serienkiller oder ein pathologischer Lügner sein Verhalten ab, wenn er es so lange durchgezogen hat, nur weil man ein paar freundliche Worte an ihn richtet? Sie spielt damit die Bedeutung der Beziehung der beiden herunter, die in den bisherigen Folgen oft ein Fokus war, um David bodenständig zu halten. Für Sydney ist er bereit, Amahl zu helfen, auch wenn es sein Impuls war, ihn aus dem Weg zu räumen. Syds Botschaft, dass es die Liebe ist, um die man kämpfen muss, ist ein Schlüsselsatz der Staffel, also wird das im Staffelfinale noch mit Sicherheit eine Rolle spielen. Sydney will ihn stoppen und legt sich vorher mit dem Monster an. Doch übernimmt sie sich dabei? Was genau ist dieses Monster eigentlich? Nur ein weiterer Teil vom Shadow King oder doch etwas anderes? Laut des Musikeinsatzes, bei dem bereits bekannte Klänge zu hören sind, gehört es zum Schurken, der nun eventuell doch zum Helden werden muss oder sich dementsprechend inszeniert.

Clark (Hamish Linklater) ist derweil zusammen mit Vermillion vor Ort und hat eine gewaltige Stimmgabel im Gepäck, die dazu da ist, die Kräfte aller Mutanten zu unterdrücken. Wie David gegenüber Cary sagt, bedeutet es, dass alle kurzzeitig nur normale Menschen sind. Doch ein Kuss von Melanie, die den wahren Körper von Farouk küsst, bringt ihn wieder auf die Beine und der ahnungslose Clark und seine Verstärkung werden mit nur einer Geste außer Gefecht gesetzt und die Waffe fortgeschleudert. Es wirkt so, als habe David damit gerechnet. Seine selbstsichere Version hat sich Wege und Mittel ausgedacht, um Farouk zu töten und es macht ihm Angst, dass ihn das so mit Freude erfüllt. Zeit also für die finale Konfrontation? Oder wird hier der Weltenkiller geboren, den es in Staffel drei dann zu stoppen gilt?
Sehr schön gefällt mir in dieser Episode auch die Bildsprache. Besagtes Eingangsbild mit König David, Lenny, die auf dem Hölleneingang wartet, und Farouk, der im Sonnenuntergang posiert, sind einfach herrlich anzuschauen. Ein Lob an Regisseur Dana Gonzales dafür.
Fazit

Das Ende der zweiten Staffel erreicht aktuell nicht mehr ganz die Höhen des Beginns und im Vergleich zur Debütstaffel, in der im letzten Drittel die große Aubrey-Plaza-Revue aufgefahren wurde, bleiben die Folgen aktuell auch etwas schwächer. Dennoch gibt es diesmal für mich vor allem in der visuellen Ebene Punkte zu holen, weil ich diese Splashpage-Momente sehr schön finde. Etwas zu sehr Redundanz in bereits gehörten Dialogen trüben für mich jedoch wiederum die Wertung dieser Folge. Immerhin ist die neue Melanie hier noch etwas interessanter als in der Folge davor - aber bleibt sie oder hat sie ihren Zweck erfüllt? Ich zweifle allerdings daran, dass das schon reicht, um Sydney gegen David aufzubringen, wobei mich ein Legion wie in den Comics durchaus interessieren würde - auch, was den möglichen Antagonisten einer dritten Staffel angehen würde. Die Wandlung vom missverstandenen Helden zum allmächtigen Schurken hat ihren Reiz und Hawley und Co würde ich den schwierigen Spagat ohne Weiteres zutrauen.
Trailer zur Episode Chapter 19 (2x11) der US-Serie Legion:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 6. Juni 2018Legion 2x10 Trailer
(Legion 2x10)
Schauspieler in der Episode Legion 2x10
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