Legion 1x07

Legion 1x07

Die US-Serie Legion dreht kurz vor dem ersten Staffelfinale noch einmal so richtig auf und spielt weiter mit allen erdenklichen Ebenen und fordert heraus, was nun echt und was künstlich erschaffen ist oder sich im Verstand abspielt. Kann David den Kampf gegen den Feind im Inneren gewinnen?

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ / (c) FX
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ / (c) FX
© zenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ / (c) FX

Legion ist und bleibt eine der besten Serien des Jahres. Chapter 7 beweist wieder einmal, dass dranbleiben und aufmerksam zuschauen belohnt wird, auch wenn das Hirn immer wieder zu verknoten droht, weil man darauf geschult wird alles zu hinterfragen und bereits bekanntes immer wieder neu einzuordnen, wenn uns eine Abwandlung oder ein Remix präsentiert wird.

Kerry (Amber Midthunder) wird in einer unheimlichen Eröffnungsszene vom einem pfeifenden The Eye (Mackenzie Gray) verfolgt, während erschwerend hinzu kommt, dass sie glaubt ihr Bruder Cary (Bill Irwin) hätte sie verlassen. Gleichzeitig tobt durch Lenny/Devil (Aubrey Plaza) ein Aufstand in Fake-Clockworks. Davids Schwester Amy (Katie Aselton) wird derweil von dem Feind zum Tag befragt, an dem David (Dan Stevens) zur Familie kam. Dabei sehen wir den ersten richtigen visuellen Hinweis darauf, dass der Vater niemand anderes als Charles Xavier sein dürfte, denn dessen Rollstuhl mit dem charakteristischen X wird eingeblendet.

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ - © FX

Der Widerstand formiert sich auf der Astralebene bei Oliver Bird (Jemaine Clement), der Smalltalk mit Cary betreibt und keine Erinnerung an seine Frau Melanie (Jean Smart) zu haben scheint, wie man an der Bemerkung erkennt, dass sie asiatischer Herkunft sein soll. Auch sonst fehlen ihm einige wichtige Vokabeln, um sich Cary verständlich zu machen. Der hat die wichtigsten Schlüsse aber ohnehin schon selbst gezogen. Dennoch bringt Oliver ihn auf einen Einfall bezüglich des Parasiten, der in Davids Geist lebt und wie schon vermutet der Shadow King ist. Ein Hinweis wurde dabei die ganze Zeit unter unseren Nasen versteckt: Der imaginierte Hund heißt King. Ein subtiler Hinweis, der wohl schon früher hätte auffallen können, aber nur unterstreicht, dass in dieser Serie jedes kleine Detail minutiös geplant ist.

Bis zum Ende der Episode nicht hundertprozentig klar ist und bleibt der Grund für die Wiederholung des Anschlags durch The Eye auf David und Co., der auch in dieser Folge wieder herangezogen wird. Meine Lesart: Er hat stattgefunden und Cary/Kerry wurden dabei verletzt. Cary trägt schließlich Verletzungen zur Schau, als er mit Oliver spricht. Dennoch gibt es eine durch den Devil induzierte Wiederholung dieses für mehrere Mitglieder Summerland-Crew tragischen Momentes.

David könnte alle Gefangenen im Vollbesitz seiner geistigen Kapazität befreien, doch weil er von dem Parasiten in eine kleine düstere Ecke seines eigenen Verstands eingesperrt wurde, ist dies keine Option. Wenn der Shadow King allerdings die Kontrolle erlangt, wird David zu seinem neuen festen Wirtskörper.

Die Rettung obliegt Cary, der sich den Jules-Vernes-Taucheranzug von Oliver leiht, um den Rest aus dem psychischen Kerker zu befreien. Dazu braucht er - wie wir schon in Chapter 6 gesehen haben, die Hilfe von Sydney (Rachel Keller), der er nichts lang und breit erklären muss, weil sie das meiste schon selbst herausgefunden hat.

I'm coming for you, Baby!

Durch eine spezielle Brille kann Sydney durch Lennys Illusion schauen und eine harmonische Clockworks-Variante erblicken, die nicht wirkt, als wären wir gerade bei „28 Days Later“ - Irrenhaus-Edition. Wieder mal ein simpler, aber doch effektiver Einfall der Crew um Noah Hawley und seine Episodenautorin Jennifer Yale. Auch der Sabberpatient spielt noch eine Rolle, eine wichtige sogar, denn eine Information, die sie ihm zuflüstert, dürfte später kampfentscheidend sein, wenn der echte Moment, den Außerkörpermoment wieder einholt.

David meet British David

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ - © FX

David muss derweil eine Zeit lang ins Bodenlose fallen, sein Verstand ist aber so ausgefuchst konditioniert, dass er ein Sicherheitsnetz geschaffen hat. Eine weitere Persönlichkeitsabspaltung mit britischem Akzent. Für solche Einfälle liebe ich die Serie und es erinnert uns alle daran, dass Stevens ja ohnehin die ganze Zeit mit Akzent spielt. British David ist die Verkörperung seines rationalen Verstandes, der ihm im Notfall aus der Klemme helfen soll. Dafür soll er sich ein Klassenzimmer vorstellen. Nicht ganz unwahrscheinlich ist es, dass British David vielleicht von Davids Papa in dessen Verstand hinterlegt wurde, denn das Klassenzimmer-Szenario erinnert an Xavier als Lehrer.

In der Lehrstunde werden nun nur die Fakten und nicht die Lügen und der Bullshit des Devils festgehalten und über Kreideanimation dann noch einmal zusammengefasst, was nun Sache ist. David wurde adoptiert, der Parasit hat sich in ihm im Babyalter eingenistet, er ist ein Mutant, sein leiblicher Vater und der Feind kannten sich und haben gekämpft. Papa hat gewonnen und David wurde in seine Pflegefamilie gegeben. Im Lauf der Zeit kann der einst schwache Parasit an David zehren und wird sukzessive immer stärker. Erst Sydney hat David dann aus seiner anschließenden Krankheit/Verrücktheit, die er de Parasit zu verdanken hat, herausholen können und ihm einen Befreiungsschlag ermöglicht.

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ - © FX

Zwar hatten Cary, Oliver und die Summerland-Mannschaft diese Information auch schon, aber David in dieser Ausführlichkeit eben noch nicht. Das ermöglicht aber das wunderbare Experiment mit den Kreidezeichnungen, die wirklich schön animiert sind und auf simple Art und Weise diese komplizierte Geschichte auf das Wesentliche herunterbrechen und David und uns Klarheit verschaffen, wenn es denn dabei bleibt und nicht schon bald wieder der nächste Mindfuck um die Ecke kommt.

Bolero

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ - © FX

Die Musikmontage-der-Woche liefert diesmal der Song Bolero, der die einzelnen Konfliktebenen miteinander verbindet. Sydney und Kerry in Lennys Welt und mit dem Stalker-Eye, Cary, Melanie und Oliver beim Moment des Anschlags und David der sich eigenmächtig aus der Gewalt des Parasiten Shadow King befreien möchte. Das Gesamtresultat bietet Gänsehaut pur, allein wie Oliver als Dirigent versucht die Bahn der fliegenden Kugel abzulenken, während die Szene im Clockwork zu einem expressionistischem Stumm-Horrorfilm wird, in dem the Eye durch Lenny auf Würfelgröße komprimiert wird und sein Gegenstück an der Schusswaffe blutüberströmt aus dem Verkehr gezogen wird, über Davids krasse Kraftdemonstration beim Versuch aus dem Türenlabyrinth zu entkommen, bis zum Sabbertypen, der Sydney und Kerry aus ihrer misslichen Lage bringt, es ist einfach wieder ganz großes und atmosphärisch dichtes und beeindruckendes Fernsehen der Extraklasse - und das obwohl wir, wenn man es genau nimmt eine sehr begrenzte Anzahl an handelnden Personen und Handlungsorten haben. Aus relativ wenig, machen Hawley und Co. also das maximal beeindruckende.

Durch Carrys Erfindung erlangt David dann tatsächlich die Kontrolle zurück und alle Beteiligten synchronisieren sich mit dem Moment des Anschlags, der diesmal ohne eine verletzte Kerry auskommt, da David die Kugeln aufhalten kann. Dafür wird Amy mitgenommen und zum ersten Mal seit langer Zeit steht David nicht unter dem Einfluss des Shadow King. Das Monster wird in seinem Verstand isoliert, so wie David es noch selbst vor kurzem wurde.

Tatsächlich ist auch Oliver wieder in körperlicher Form da, als die Gruppe Summerland erreicht und serviert den Beteiligten das Essen. Nebenbei gibt es einen kleinen Bruder-Schwester-Streit, weil Cary Kerry im Stich gelassen hat. Bei dem anderen Geschwisterpaar, David und Amy, herrscht derweil Versöhnungsstimmung, obwohl Amy ein schlechtes Gewissen hat, weil sie ihrem Bruder gegenüber vorher nicht ehrlich war. Die gute Laune wird unterbrochen, als sich der Shadow King plötzlich wieder zu Wort meldet. Wie eine Art Spinnensinn meldet er Gefahr, denn das was von Division 3 übrig geblieben ist, steht vor ihnen. Auch der Verhörspezialist (Hamish Linklater) ist dabei, allerdings furchtbar verbrannt und entstellt. Weil der den Befehl gibt, alle außer David zu töten, sieht es also so aus, als würde David die pure Boshaftigkeit und Zerstörungskraft von seinem Parasiten noch einmal anzapfen. Auf diesen Showdown und die noch folgenden Wendungen im ersten Serienfinale bin ich bereits sehr gespannt.

Fazit

Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“
Szenenfoto aus der „Legion“-Episode „Chapter 7“ - © FX

Chapter 7 liefert wieder die meisten Elemente ab, die Legion so sehenswert machen, wie kaum eine andere Superheldenserie. Intelligente Unterhaltung und Twists, die das Gehirn beim Anschauen fordern und dennoch nachvollziehbar und logisch sind, eine audio-visuelle Inszenierung, die immer wieder durch Musikmontage Ausrufezeichen setzt und mich als Zuschauer staunend zurücklässt und Performances von den meisten Beteiligten, die das Anschauen zum Vergnügen werden lassen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich also auf das Staffelfinale nächste Woche, weil ich gespannt auf die Auflösung bin, gleichzeitig werde ich danach auf kalten Entzug gehen müssen, bis Legion dann glücklicherweise in Staffel 2 zurückkehren wird.

Trailer zur Episode Chapter 8 der Serie Legion (1x08):

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 23. März 2017

Legion 1x07 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 7
(Legion 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Kapitel 7
Titel der Episode im Original
Chapter 7
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. März 2017 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. März 2017
Autoren
Jennifer Yale, Steve Blackman
Regisseur
Dennie Gordon

Schauspieler in der Episode Legion 1x07

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