Law & Order: Los Angeles 1x10

Law & Order: Los Angeles 1x10

Viel Mühe gab sich NBC in den letzten Wochen mit der Promotion um das runderneuerte Law & Order: LA. Ob sich das - zumindest auf die Qualität der Serie bezogen - ausgezahlt hat, könnt ihr hier lesen...

Das neue Team bei „Law & Order: LA“: Det. Morales (Alfred Molina), Det. Jaruszalski (Corey Stoll), / DDA Dekker (Terrence Howard) und DDA Rubirosa (Alana de la Garza) / (c) 2011 NBC
Das neue Team bei „Law & Order: LA“: Det. Morales (Alfred Molina), Det. Jaruszalski (Corey Stoll), / DDA Dekker (Terrence Howard) und DDA Rubirosa (Alana de la Garza) / (c) 2011 NBC

Zuma Canyon

Die brennendsten Fragen vor dieser Episode waren sicher: Wie wirken sich die angekündigten Personaländerungen auf die Serie aus? Wie wollen die Produzenten das - zumindest einigermaßen - glaubhaft in die Episode einbauen und vor allem erklären? Und: Kann die Story der Episode dabei wenigstens, was bisher noch keiner Law & Order: Los Angeles-Folge wirklich gelungen war, ungefähr an die Qualität der letzten Jahren des Originals rankommen?

Um die Fragen von hinten aufzurollen: Immerhin hat die Episode wirklich gute Drama-Unterhaltung geboten. Denn ein Mordfall mit mehreren anscheinend willkürlich ausgewählten, teils minderjährigen Toten lässt den Zuschauer von Beginn an nicht gänzlich kalt. Man wird in den Aufklärungsprozess hineingezogen, will mit den Ermittlern erfahren, wer der Täter war und was sein Motiv dabei war. Darüber hinaus kann man Detective Winters' (Skeet Ulrich) leidenschaftliche Vorgehensweise - immerhin ist er selbst Familienvater - nachvollziehen, was sich ebenfalls positiv auf die Spannung auswirkt.

Umso überraschter ist man dann (ungespoilerterweise) von seiner Ermordung, nachdem sich ein Verdächtiger (Jose Pablo Cantillo) herauskristallisiert hat. Hier das persönliche Motiv "Rache" des Verdächtigen heranzuziehen, erscheint schon relativ weit hergeholt. Denn dieser hatte wohl schon öfter mal mit der Polizei zu tun - dass er sich also wegen einer etwas ruppigeren Befragung gleich derartig an einem Polizisten rächt, wirkt konstruiert. Tut aber, um das auch klar zu sagen - dem dramatischen Verlauf der Episode durchaus gut. Denn natürlich wollen nun die an dem Fall Beteiligten, allen voran Winters' Partner Jaruszalski (Corey Stoll) und der ehemalige Polizist und jetzige Staatsanwalt Morales (Alfred Molina), den Schuldigen zur Rechenschaft ziehen.

Dass dies trotz des mehrfachen Mordes zu Beginn der Episode und des in Auftrag gegebenen Mordes an Det. Winters nicht funktioniert, ist natürlich typisches Law & Order-Drama. Denn nachdem sich Morales, politisch stets unkorrekt, mit ziemlich jedem in der mexikanischen Botschaft angelegt hat, um den Täter überhaupt vor Gericht zu bekommen, wird der einzige Zeuge (Quinton Lopez) kurz vor dessen Aussage getötet. Und das trotz der angeblich hochsicheren Verwahrung des Jungen. Egal, inwiefern all diese Sachen in der Realität überhaupt durchzusetzen wären (der Fall würde wohl kaum einer Revision standhalten) - hochdramatisch bleibt es dennoch. Und zwar für mehrere Leute: die Familie des Jungen (die nun zwar allesamt neue Identitäten erhalten, aber dennoch in Angst vor dem freigelassenen Mörder leben müssen), die Angehörigen der anderen Opfer (die somit keine Gerechtigkeit erfahren) und auch den Angehörigen von Det. Winters (seine Frau (Teri Polo), die LAPD-Kollegen - allen voran sein Partner Jaruszalski).

Zu letzteren muss an dieser Stelle auch Ricardo Morales gezählt werden. Denn nachdem er den Fall nicht wieder vor einem Bundesgericht aufrollen kann, steigert er sich in diese Meinungsverschiedenheit mit seinem Vorgesetzten Jerry Hardin (Peter Coyote) derartig hinein, dass er ihm seinen Rücktritt aus Gewissensbissen und seine Rückkehr zur Polizei quasi auf dem Silbertablett serviert. Hardin nimmt nahezu dankend an und in den nächsten Szenen sehen wir Morales schon Platz an Det. Winters' ehemaligem Schreibtisch nehmen. Und das, während Jaruszalski gerade noch am Trauern ist. Übrigens auch ohne Erwähnung, dass die ihm assistierende DDA, Evelyn Price (Regina Hall), nun nicht mehr zu sehen sein wird.

Generell gilt hier auch, was oben schon gesagt wurde: So ein Wechsel wirkt gestellt - egal, wie viele Beziehungen Morales noch zu seinen alten Kollegen vom LAPD haben mag. Natürlich kann das für den Zuschauer aber auch den Gerechtigkeitssinn von Morales betonen (da er den Mörder von Winters schon nicht hinter Gittern bringen konnte, macht er es jetzt damit gut, indem er selbst Winters' Arbeit übernimmt)...

Solche konstruierten Momente, die der Unterhaltung aber nicht unbedint Abbruch getan haben, gab es in der Originalserie allerdings natürlich auch öfter. Deswegen kann Law & Order: Los Angeles hierbei nicht allzu viel vorgeworfen werden. Zumal die Law & Order-Serien, die ansonsten jeweils den „Fall der Woche“ als Star behandeln, in solchen Momenten, in denen die Charaktere eher in den Vordergrund rücken, gerne noch dramatischer rüberkommen. Das gehört dazu. Das kann man zwar mögen oder nicht, aber auch hier folgt die Serie lediglich der Linie des Franchises.

Silver Lake

Teilweise beweist dies auch die zweite am Montagabend von NBC ausgestrahlte Episode. Denn erneut dreht es sich um einen Mord an gleich mehreren Personen. Bei einem Raubüberfall auf die Familie Alvin überlebt nur der Familienvater, Don (Tim Dekay). Sein Sohn und seine Frau werden ermordet, letztere dazu noch sexuell missbraucht. Ein Secret-Service-Mitarbeiter, Ray Garson (Jason Beghe), wird Hauptverdächtiger mit weiter zurückreichender Tatgeschichte. Der zurück im alten Job angekommene Det. Morales zeigt hier dem Zuschauer gleich in der ersten Befragung des Verdächtigen, dass er über die Jahre nichts verlernt hat. Das Gesicht des neuen Law & Order: Los Angeles bildet sich langsam heraus und der Fall steht diesmal mehr im Mittelpunkt als in der Episode davor.

Denn Morales bekommt zwar ein indirektes Geständnis aus dem Verdächtigen, aber es wird eine bekannte Law & Order-Faustregel wieder angewendet: „Ohne Leiche gibt es auch keine Verhandlung mit Aussicht auf Erfolg“. Dem kann auch die neue DDA (Deputy District Attorney) an der Seite von DDA Dekker (Terrence Howard), Connie Rubirosa (Alana de la Garza) nur zustimmen. Generell war der erste Auftritt von Rubirosa in der neuen Serie vor allem toll in Szene gesetzt. Denn die ersten Bilder von ihr zeigen sie stehend auf einer Rolltreppe am Flughafen von Los Angeles - frisch angekommen aus New York. Ein Küstentausch, der durchaus als Sinnbild für den Wechsel von Law & Order zu Law & Order: Los Angeles gedeutet werden kann. Schade nur, dass es außer einigen netten juristischen Anspielungen („Das wäre in New York so nicht durchgegangen...“) keine weitere Erklärung für die Anstellung Rubirosas (und den Weggang von DDA Stanton (Megan Boone)) in LA gab.

Dennoch ist wieder Platz für Persönliches: der anhaltende Schmerz von Jaruszalski (dessen Schnurrbartrasur wohl ein Zeichen für Veränderung sein soll) über seinen verlorenen Partner zum Beispiel. Bei der Bewältigung von diesem hilft ihm Lt. Arleen Gonzalez (Rachel Ticotin) und auch sein neuer Partner ist zur Stelle und kann auf dieser privaten Ebene punkten. Das Gespräch über ebenfalls verlorene Partner ist zwar ebenfalls schon in einigen Law & Order-Serien präsentiert wurden, wirkt aber auch hier wieder zutiefst menschlich. Stoll, Molina und Ticotin könnten in den nächsten Episoden eine wirklich tolle Chemie vor der Kamera entwickeln, wenn ihnen die passenden Geschichten dazu geliefert werden.

Doch auch der hier präsentierte Fall ist durch den zwar psychisch instabilen, bei seiner Verteidigungsstrategie jedoch total auf Zack wirkenden Gewaltverbrecher interessant. Er plädiert - weshalb auch im Falle der Familie keine Leiche vorliegen soll - jeweils auf (härteren) Sex im gegenseitigen Einvernehmen. Und auch hier scheint er damit durchzukommen, da die Jury durch den auf Don Alvin gelenkten Verdacht eventuell berechtigte Zweifel geltend machen könnte. Doch Garson macht hier einen folgenschweren Fehler: Er kann es nicht lassen, den ehemaligen Familienvater selbst aus der Zelle heraus durch anonymisierte E-Mails (mithilfe eines organisierten Handys) zu demütigen. Nachdem letzterer sich deswegen an Dekker und Rubirosa wendet, fliegt er durch Äußerungen, die nur der Täter wissen konnte, auf und all seine mit Mühe zusammengebaute Tarnung ist dahin.

Fazit

In dieser Art und Weise ist Law & Order: Los Angeles endlich als traditionelle Law & Order-Serie anzusehen. Wobei das Hauptproblem von vorher wohl eher nicht im Cast gelegen hat - auch wenn es sowieso unsinnig war, zwei tolle Schauspieler wie Molina und Howard nur im Wechsel zu präsentieren -, sondern vor allem an den Geschichten. Denn vor allem der typische „Fall der Woche“ aus Silver Lake konnte mal vom Aufbau, Verlauf und der typischen twists her überzeugen.

Bleibt nur zu hoffen, dass der neue Cast in den nächsten Wochen auch passendes Material geliefert bekommt. Trotz dass Regina Hall und Megan Boone ihre Sache als jeweils assistierende DDAs zuvor gut machten - Alana de la Garza bringt zusätzlich neuen Schwung mit in die Serie. Sie ist es wohl auch, die die Serie mit tragen soll. So kann zumindest ihre zentrale Rolle im nun vorhandenen modernen, aber dennoch Law & Order-mäßigen, Vorspann (inkl. neuer Version des bekannten Themas von Mike Post) gedeutet werden. Davon abgesehen kommt die Serie nun übrigens auch wieder mit typischem gesprochenen Intro daher.

Dick Wolf und Co. scheinen sich also die Kritikpunkte der Fans, die weiterhin um das verlorene Original trauern, angenommen zu haben. Ein erster Schritt ist mit dem emotionalen Zuma Canyon und der nahezu „sachlichen Dramatik“ von Silver Lake jedenfalls getan. Müssen nun nur noch die Zuschauer folgen - ob das aber nach dem missglückten Start im Herbst montags noch machbar ist, werden die nächsten Wochen noch mehr als die ersten Zahlen („US-Quoten: Law & Order: LA kehrt schwach zurück“ - Meldung vom 12.04.2011) zeigen.

Verfasser: Sebastian Detzler am Mittwoch, 13. April 2011
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Law & Order: Los Angeles 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Treu ist die Veränderung
Titel der Episode im Original
Silver Lake
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 11. April 2011 (NBC)
Regisseur
Christopher Misiano

Schauspieler in der Episode Law & Order: Los Angeles 1x10

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