Kingdom 1x01

Kingdom 1x01

Die Pilotepisode von Kingdom hinterlässt einen guten ersten Eindruck und kann dank dynamischer Machart und solider Handlung überzeugen. Zwar lassen sich auch einige Schwächen finden, doch dem Format gelingt insgesamt ein recht unterhaltsamer Einstieg.

Familie Kulina in „Kingdom“: Jay (Jonathan Tucker), der junge Nate (Nick Jonas) und Patriarch Alvey (Frank Grillo) / (c) Audience Network
Familie Kulina in „Kingdom“: Jay (Jonathan Tucker), der junge Nate (Nick Jonas) und Patriarch Alvey (Frank Grillo) / (c) Audience Network

Der Kabelsender Audience Network dürfte nicht jedem bekannt sein, konnte dieser während seines 15-jährigen Bestehens im Bereich serieller Eigenproduktionen noch nicht wirklich auf sich aufmerksam machen. Im Programm hatte man bisher zumeist einfache Showformate, zusätzlich konnte man sich immer wieder die Wiederholungsrechte für verschiedene Serien sichern. Eigenproduktionen waren bisher eher rar gesät: Das Drama Rogue sei erwähnt, ebenso Damages, das nach seiner dritten Staffel auf FX vom Audience Network übernommen wurde und noch zwei weitere Staffeln beim beschaulichen Kabelsender erhalten hatte.

Da die Tendenz vieler kleinerer Networks sowie Kabel- und Satellitensender immer mehr dahingeht, die Produktion eigener Formate anzustreben, prescht nun auch das Audience Network weiter vor und präsentiert uns eine neue Dramaserie, die sich angesichts ihres sehr ordentlichen Auftakts vielleicht als kleiner Volltreffer für den Sender herausstellen könnte. Kingdom bietet neben einem unverbrauchten Setting einen ansprechenden visuellen Stil und reichlich Konfliktpotential für eine interessante erste Staffel. Ab und an bürden sich die Serienmacher vielleicht ein wenig zu viel auf, was ein klassisches Problem von Pilotepisoden ist. Und auch wenn bei einigen der Charaktere noch etwas Arbeit vor den Verantwortlichen liegt, das oftmals brachiale „Kingdom“ versprüht zweifellos einen gewissen Reiz.

Like old times, only better

Kingdom“ erzählt die Geschichte vom ehemaligen MMA-Kämpfer Alvey „King“ Kulina (Frank Grillo), der einst eine große Legende des Sports gewesen ist und nun das Fitnessstudio „Navy Street“ in Venice, Los Angeles, betreibt, wo er wiederum neue Kämpfer trainiert und die nächsten Talente heranzüchtet. Eines davon ist sein eigener Sohn Nate (Nick Jonas), der in die Fußstapfen seines ehemals erfolgreichen Vaters treten soll. Sein erster großer Kampf soll dies richten, doch die Vorbereitung auf diesen wird gleich mehrfach gestört und so bauen sich schnell Spannungen zwischen Vater und Sohn auf.

Zum einen kehrt nach einer langjährigen Gefängnisstrafe MMA-Wunderknabe Ryan Wheeler (Matt Lauria) zurück an seine alte Wirkungsstätte, wo er auf seine ehemalige Flamme Lisa (Kiele Sanchez) trifft, die nun aber schon für längere Zeit mit Alvey zusammen ist. Ein verzwicktes Beziehungsgeflecht scheint hier fast unumgehbar. Von Ryan geht jedoch weit weniger Ärger als von Alveys chaotischem zweiten Sohn Jay (Jonathan Tucker) aus, der ein handfestes Drogenproblem hat und die Gunst seines Vaters schon lange verloren hat. Dennoch: Jay unterhält nach wie vor eine innige brüderliche Beziehung zu Nate, so dass sich Konflikte unter den Mitgliedern der Familie Kulina anbahnen, die unter anderem Alveys Pläne von Nates erfolgreicher Karriere torpedieren könnten.

Frank Grillo in seiner Rolle des Alvey Kulina in %26bdquo;Kingdom%26ldquo; © Audience Network
Frank Grillo in seiner Rolle des Alvey Kulina in %26bdquo;Kingdom%26ldquo; © Audience Network

Wanna be a tough guy?

Wie sich am Ende der Pilotepisode herausstellt, kann der Familiensegen der Kulinas jedoch erst einmal gewahrt werden und die Probleme zwischen Alvey und Sohnemann Jay werden für den Erfolg Nates schnell ad acta gelegt. Dies mag sich vielleicht ein wenig inkonsequent anfühlen, bauschen die Serienmacher die angespannte Beziehung zwischen Frank Grillos und Jonathan Tuckers Figuren doch sehr stark auf. Letztendlich wird so aber auch das anfängliche Bild einer komplizierten Familiensaga gezeichnet, die reichlich Konfliktpotential in sich birgt, um das Format über einen längeren Zeitraum interessant zu gestalten.

Dabei überzeugt das Beziehungsdreieck zwischen Alvey und seinen beiden Söhnen, wie wer zu wem steht und was man gegenseitig von sich erwartet, am meisten. Frank Grillo macht sich gut als bestimmender Vater und Trainer, der sein Geschäft finanziell irgendwie am Laufen halten will, während Nick Jonas - richtig gelesen, einer der drei Brüder der Teenieband The Jonas Brothers - sich von einer ungewohnten (und muskelbepackten) Seite zeigt, die gefällt und Lust auf mehr macht. Am auffälligsten ist jedoch Jonathan Tucker, der den abgedrehten Jay mimt und dabei immer wieder an eine moderne Version von Christian Bales Rolle in „The Fighter“ erinnert. Die Vorstellung einiger Charakterzüge mutet gelegentlich noch etwas klischeehaft an, dennoch geht ein eigenartiger Reiz von Tuckers Figur aus, der seine Rolle überzeugend wiedergibt.

Die glaubhafte Figurenzeichnung dieser drei liegt mitunter an dem glaubhaften Setting, in dem sich unsere Protagonisten hier wiederfinden. Venice ist dabei nicht nur die aus vielen Filmen und Serien bekannte Fassade, an der sich alles an einer traumhaften Strandpromenade abspielt. Hier tauchen wir etwas tiefer in das soziokulturelle Umfeld dieser Nachbarschaft ein, die einige unschöne Ecken zu bieten hat und „Kingdom“ die richtige Portion Realismus verpasst.

Don't set yourself on fire

Realistisch gestaltet sich auch das Prunkstück dieser Episode, Nates großer Kampf - zumindest, so weit ich das als Laie beurteilen kann. Die Kampfszenen im Hexagonkäfig scheppern gewaltig, die Schläge sitzen und tun tatsächlich weh, was diese Sequenz ungemein aufwertet. Nicht, dass wir Gewalt verherrlichen würden, doch zu oft bekommt man heutzutage unübersichtlich-zusammengeschusterte Keilereien in Film und Fernsehen zu sehen, die einem einfach die Lust nehmen und extrem frustrieren können. Kingdom leistet sich diesen Makel glücklicherweise nicht.

In Kombination mit einer sehr unmittelbaren Kamerführung und nicht zu hektischen Aufnahmen entwickelt „Kingdom“ eine sehr angenehme Dynamik, in der die Kamera immer ganz genau weiß, wo sie zu stehen hat. Generell fallen die sehr flexiblen Kamerabewegungen auf, die zwar hier und da etwas wackelig geraten, insgesamt aber recht erfrischend sind und visuell ansprechen. Eine leicht Rocky-esque Trainingsmontage Nates, während wir zeitgleich Jay dabei beobachten, wie er sich einen Schuss Heroin setzt, ragt hier gar ein wenig heraus.

Hadouken!

Kritik muss sich die Auftaktepisode von „Kingdom“ vor allem bei zwei seiner vermeintlichen Hauptfiguren gefallen lassen. Sowohl Lisa als auch Ryan bleiben gefühlt noch ein wenig zu blass und verkörpern recht stereotypisierte Rollenbilder mit einer dementsprechend einfachen Hintergrundgeschichte. Diese Probleme kann man jedoch in den nächsten Episoden leicht wieder ausmerzen. Es ist zwar nicht so, als wäre Ryans Bewältigung seiner vergangenen Missetaten im Rahmen einer Selbsthilfegruppe gänzlich uninteressant, dennoch plätschert dieser Teil der Handlung um Ryans Reintegration für meinen Geschmack etwas zu sehr vor sich hin. Und das trotz einer recht amüsanten, wenn auch absehbaren Boxeinlage.

Hinsichtlich Lisa könnte sich derweil bereits ein anderes Problem des Formats andeuten. An ein paar ordentlichen und originellen Frauenfiguren mangelt es nämlich noch komplett, denn „Kingdom“ ist doch recht deutlich auf Testosteron gebürstet. Es ist noch ein wenig zu früh, über diesen Aspekt der Serie zu urteilen, es ist jedoch schon relativ eindeutig, an was für ein Publikum diese Serie gerichtet ist.

Nick Jonas als Nate Kulina; der sich einem scheinbar unschlagbaren Gegner stellen muss. © Audience Network
Nick Jonas als Nate Kulina; der sich einem scheinbar unschlagbaren Gegner stellen muss. © Audience Network

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird früher oder später noch Alveys Exfrau und Mutter von Nate und Jay eine Rolle spielen. Diese wird hier in einer recht nebensächlichen Szene kurz als Prostituierte vorgestellt. Warum man aber diese Figur hier noch mit reinschmeißen musste, erschließt sich mir nicht ganz. Dieses Plotelement hätte man sich problemlos für später aufheben können, die Enthüllung der jetzigen Lebenssituation der Mutter scheint doch ein wenig zu bemüht, insbesondere, weil dieser sehr „überraschende“ Moment (so haben es sich zumindest die Serienmacher erhofft) sofort wieder fallen gelassen wird.

Fazit

Trotz der erwähnten Schwachpunkte kann „Kingdom“ genug positive Merkmale anbieten, um seine Probleme größtenteils zu egalisieren. Man sollte sich als Zuschauer recht schnell im Klaren darüber sein, um was für ein Format es sich hier handelt. Optisch gelingt der Einstieg voll und ganz, auch die musikalische Untermalung ist stimmungsvoll. Die letzte Szene der Pilotepisode lässt erahnen, dass die nach Nates siegreichem Kampf neuerliche Familienidylle schnell wieder ein Ende haben könnte, wird der junge MMA-Kämpfer doch von den Schlägertypen vermöbelt, denen sein Vater Alvey zu Beginn der Episode noch eine Lektion erteilt hatte.

Potential für handfestes Drama ist hier definitiv zu finden, die Charakterzeichnung sollte sich vielleicht noch ein wenig mehr vom Lehrbuch entfernen, um altbackene Konflike unter den Figuren zu vermeiden. Wenn man die Art der unverfälschten und direkten Inszenierung beibehalten und die Geschichte noch nuancierter erzählen kann, könnte das Audience Network noch viel Freude an „Kingdom“ haben. Den sehr runden und stimmigen ersten Eindruck des Dramas honoriere ich gerne, vor allem, weil ich doch sehr positiv überrascht wurde. „Kingdom“ könnte man durchaus im Auge behalten.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 13. Oktober 2014

Kingdom 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Kingdom 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Herz eines Kämpfers
Titel der Episode im Original
Set Yourself on Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 9. Oktober 2015
Autor
Byron Balasco
Regisseur
Adam Davidson

Schauspieler in der Episode Kingdom 1x01

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