Justified 6x01

Justified 6x01

Die fünfte Staffel des FX-Neowesterns Justified diente größtenteils als Umweg zum Finale, das nun mit Fate's Right Hand eingeläutet wurde. Die erste Episode der sechsten Staffel lässt keinen Zweifel daran, was in ihrem Zentrum stehen wird: das Duell Raylan Givens gegen Boyd Crowder.

In wunderbaren Bildern bestimmt die Auftaktepisode den Ton der abschließenden Staffel von „Justified“. / (c) FX
In wunderbaren Bildern bestimmt die Auftaktepisode den Ton der abschließenden Staffel von „Justified“. / (c) FX
© (c) FX

Endlich bekommen wir Justified-Zuschauer, worauf wir seit der ersten Episode gewartet haben: die endgültige Konfrontation zwischen US Marshal Raylan Givens (Timothy Olyphant) und seiner in merkwürdiger Vertrautheit verbundenen Nemesis Boyd Crowder (Walton Goggins). Der Auftakt zur sechsten und abschließenden Staffel macht unmissverständlich klar, dass die Geschichte keinerlei Umwege mehr machen wird.

What in the world is worth missing this for?

Davon gab es in der fünften Staffel schließlich ausreichende, wenngleich sich das Autorenteam um Serienschöpfer Graham Yost gegen Ende noch einmal auf die Stärken der Serie besinnen konnten. Und als wollten sie das verfehlte Casting von Michael Rapaport als big bad der Staffel sowie all die anderen dramaturgischen Fehltritte wiedergutmachen, eröffnen sie mit einem wahren Feuerwerk an Justified-typischen Wohltaten.

Drehbuch und Dialoge befinden sich wieder auf altem Niveau, die Regie von Michael Dinner fängt die Wildnis dieses rauen Ortes und seiner Protagonisten sehenswert ein und das bevorstehende Duell zwischen Raylan und Boyd gewinnt durch einige unberechenbare Faktoren an Dramatik und Brisanz. Spätestens aber, als unser aller Kleinganovenliebling Dewey Crowe (Damon Herriman) beginnt, davon zu faseln, dass er sich die alten, einfacheren Zeiten zurückwünsche, müssen wir Zuschauer die bittere Realität akzeptieren, dass sich diese bisweilen grandiose Serie bald für immer verabschieden wird.

Überraschenderweise beginnt die Auftaktepisode mit einem Blick auf Winona (Natalie Zea), die sich in Florida Gedanken darüber macht, was Raylan wohl Besseres vorhaben könnte, als Zeit mit seinem Baby zu verbringen. Wir bekamen schon in der vergangenen Staffel nur winzige Einblicke in dieses andere Leben des Marshals, in das er nun scheinbar wirklich zurückkehren will. Natürlich wird uns damit noch einmal in Erinnerung gerufen, was für ihn auf dem Spiel steht. Eine echte Wahl hat er aber trotzdem nicht. Die einzige Möglichkeit, fortan bei seiner Familie sein zu können, ist die Ergreifung Boyds.

Ava (Joelle Carter) soll eigentlich für Raylan (Timothy Olyphant) arbeiten; verschweigt aber wichtige Informationen. © FX
Ava (Joelle Carter) soll eigentlich für Raylan (Timothy Olyphant) arbeiten; verschweigt aber wichtige Informationen. © FX

Die beiden Gegenspieler gehen in Fate's Right Hand jeweils den Tätigkeiten nach, für die sie geboren zu sein scheinen. Raylan nutzt seine devil may care-Attitüde, um einem etwas überzeichneten mexikanischen Polizisten Informationen zu entlocken, während Boyd für seine neuen Auftraggeber Katherine Hale (Mary Steenburgen) und Wynn Duffy (Jere Burns) das tut, was er am besten kann: Banken ausrauben.

Maybe those good days are gone forever

Es gibt zwei verbindende Elemente zwischen den beiden schicksalhaft Verbundenen. Dem bisweilen gar nicht mal so uneingeschränkt doofen Dewey Crowe ist es in der Zwischenzeit gelungen, sich aus der Haft zu lavieren. In Freiheit wird er sogleich von Raylan begrüßt, der getrost darauf pfeift, dass Dewey eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt hat. Später wird Boyd den unbedarften Befehlsempfänger als Lockvogel für Raylan und Tim Gutterson (Jacob Pitts) einsetzen. Noch etwas später wird Dewey mit seinem Leben bezahlen müssen, weil er sich zu wortreich über diesen Botendienst beschwert.

So verwirrend dies klingen mag: Deweys Tod kam für mich gleichzeitig erwartet und unerwartet. Seine Unterhaltung mit Boyd, in der er sich nichts weiter wünscht als eine Rückkehr der früheren, einfacheren Verhältnisse (womit er wahrscheinlich einen Wunsch der meisten Einwohner dieser aussterbenden Minenstadt ausspricht), kündigt eigentlich überdeutlich an, was nun mit ihm passieren wird. Trotzdem habe ich bis zum Schluss gehofft, dass Boyd seinen angeblichen Freund verschonen möge. Boyds kaltblütiger, dafür aber nicht weniger schockierender Mord an Dewey macht überdies unmissverständlich klar, dass comic relief in dieser Staffel nicht mehr viel zu suchen haben wird.

Ava (Joelle Carter) ist die andere Figur, die als verbindendes Element zwischen Raylan und Boyd dient - wenn auch mit ungleich größerer Fallhöhe. Beide Cowboys waren einst ihre Liebhaber - nun ist es nur noch Boyd, der um ihre Gunst buhlt. Um ihren Charakter könnte sich der interessanteste Handlungsbogen dieser letzten Staffel ranken, schließlich komplettiert sie dieses klassische, dramatische trio infernale. Sie ist der agent provocateur in dieser Geschichte, ihren Aussagen können weder wir noch Raylan oder Boyd trauen.

Boyd (Walton Goggins) im Spiegel seiner Herkunft © FX
Boyd (Walton Goggins) im Spiegel seiner Herkunft © FX

Ihre große Nervosität gegenüber Boyd, die Tatsache, dass sie raucht, am Morgen trinkt und eine Waffe mit sich trägt, legen nahe, dass sie ihm nicht mehr traut. Sein Auftreten ihr gegenüber ist zwar freundlich, reumütig und aufgeschlossen, gegenüber Raylan lässt sie aber trotzdem ihre Angst verlautbaren, Boyd könnte sie eines Tages einfach umbringen. Wenngleich die Kooperation mit Raylan ihre einzige Chance zu sein scheint, Boyd zu entkommen, spielt sie dem Marshal gegenüber nicht mit offenen Karten. Beispielsweise verschweigt sie, dass Boyd plant, Harlan den Rücken zu kehren und sie dabei mitnehmen will - wahrscheinlich, um sich im Notfall auch diese eher unwahrscheinliche Option offenzuhalten.

It's all coming to an end

Als weitere unbekannte Variable wird Garret Dillahunt in die Geschichte eingeführt, der hier eine kleine Deadwood-Reunion mit Timothy Olyphant feiert. Er präsentiert sich als windiger Geschäftsmann Ty Walker, der Raylan vorschlägt, gegen Bares und auf der Stelle das Haus seines verstorbenen Vaters zu erwerben. Raylan reagiert darauf gelassen mit einem kleinen Einblick in seinen Stammbaum, bevor er das unseriöse Angebot resolut ablehnt. Dies soll die einzige Szene Dillahunts bleiben, ansonsten tauchen einige altbekannte Gesichter auf.

Art Mullen (Nick Searcy) befindet sich weiterhin in der Rekonvaleszenz und erteilt Raylan von dort aus wohlgemeinte Ratschläge. Seine Vertretung im Chefsessel des Marshalbüros übernimmt indes Rachel Brooks (Erica Tazel), die sich dort sichtlich wohlfühlt. Im Auftakt sehen wir sie nur in einer kurzen Szene, was bei mir schon wieder die Alarmglocken auslöst, wurde ihr in der letzten Staffel doch sträflich wenig brauchbares Material gegeben. Als kleiner Hoffnungsschimmer dient indes die starke Präsenz von Tim Gutterson, der in der letzten Staffel ebenfalls im dramaturgischen Niemandsland vergessen worden war.

Angesichts der bevorstehenden finalen Konfrontation zwischen Raylan und Boyd hege ich aber keine Zweifel daran, dass wir all unsere liebgewonnenen Charaktere ausreichend zu Gesicht bekommen werden. Es gibt nun keine Crowes, keine Bennetts. Es gibt nur noch diese beiden Gegenspieler und alle, die ihnen lieb und teuer sind. Das verspricht großes Drama, das verspricht großen emotionalen pay off.

Drehbuch und Regie befinden sich schon in Fate's Right Hand auf dem gewohnt hohen Niveau der Serie. Sämtliche Dialoge sind von großem Wortwitz, selbst in der scheinbar unwichtigsten Unterhaltung kann sich ein dialogisches Nugget verstecken. Michael Dinner (der zusammen mit Fred Golan und Chris Provenzano auch als Autor der Episode fungiert) und seinem Kameramann Stefan von Bjorn gelingen gleich zu Beginn einige spektakuläre Bilder, die Distanz und Zerrissenheit der jeweiligen Figuren symbolisieren - zum Beispiel die Spiegelung von Boyd im Bild seiner Bergarbeiterfamilie oder die Konfrontation zwischen Raylan und Ty Walker vor untergehender Sonne. So darf sich Justified gerne von uns verabschieden.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 21. Januar 2015

Justified 6x01 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 1
(Justified 6x01)
Deutscher Titel der Episode
Die guten alten Zeiten
Titel der Episode im Original
Fate's Right Hand
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 20. Januar 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. April 2015
Autoren
Michael Dinner, Fred Golan, Chris Provenzano
Regisseur
Michael Dinner

Schauspieler in der Episode Justified 6x01

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