Justified 5x13

Justified 5x13

Eine eher durchwachsene Staffel von Justified schließt mit einer Episode, die eine vielversprechende Abschlussstaffel vorbereitet. In Restitution werden sämtliche lose Enden zusammengeführt. Raylan bleibt für einen letzten Fall in Harlan: Die Jagd auf Boyd Crowder.

„Bad news, boys: it's the US Marshal Service.“ Endlich mehr Action mit Tim (Jacob Pitts) und Rachel (Erica Tazel)! / (c) FX
„Bad news, boys: it's the US Marshal Service.“ Endlich mehr Action mit Tim (Jacob Pitts) und Rachel (Erica Tazel)! / (c) FX

Jede Staffel von Justified endet mit einer unterschiedlichen Interpretation des Countrysongs „You'll never leave Harlan alive“ von Darrell Scott. Für viele Protagonisten vergangener Staffeln wurde diese düstere Prophezeiung zur Wahrheit. In dieser fünften Staffel traf es einen Großteil der Familie Crowe, die aus Florida nach Kentucky kam, um dort mit Prostitution und Drogenhandel ihr Glück zu versuchen.

I know real pain

Die Kritik an der vergangenen Staffel konzentrierte sich auf die Installation der Crowes als zentrale Gegenspieler der US Marshals um Raylan Givens (Timothy Olyphant). Weil die einzelnen Mitglieder dieser Familie weniger gerissen oder furchteinflößend daherkamen als in vergangenen Staffeln (man denke nur an Mags Bennett (Margo Martindale) oder Ellstin Limehouse (Mykelti Williamson)), fehlte es der Serie manchmal an der gewohnten Dramatik. Im Staffelfinale wurde nun jedoch offensichtlich, dass die Autoren rund um Showrunner Graham Yost eine sehr genaue Vorstellung davon hatten, welchem Zweck diese Staffel dienen sollte.

Sie bereiteten hier alles vor, um in der abschließenden sechsten Staffel die große Konfrontation zwischen Raylan Givens und Boyd Crowder (Walton Goggins) zeigen zu können. Alleine diese Aussicht lässt bereits jetzt erahnen, dass die letzte Staffel eine der besten werden könnte. Schließlich ist Justified immer dann am besten, wenn es den Konflikt der beiden Schwerenöter in den Mittelpunkt stellt. Dazu war es nötig, die Verbundenheit zwischen Boyd und Raylan endgültig aufzulösen (was am Ende der letzten Episode in beeindruckender Weise erledigt wurde) und die Entfremdung zwischen Boyd und seiner Verlobten Ava (Joelle Carter) zu beschleunigen.

All dies gelingt in Restitution und kulminiert in einer fantastischen Szene am Ende der Episode, als sich Raylan und Ava auf dieser Brücke treffen, die schon in der Auftaktepisode der Serie zum zentralen Handlungs- und Sterbensort erkoren worden war. Ava ist nur aus dem Gefängnis entlassen worden, weil sie sich dazu bereiterklärt hat, gegen Boyd auszusagen und ihn an die Strafverfolgungsbehörden auszuliefern. Für Raylan wird es der letzte Fall sein, den er in Kentucky bearbeitet. In Florida warten schon Frau, Kind und ein neuer Job auf ihn. Ob er Harlan lebend verlassen wird?

Raylan (Timothy Olyphant) beißt bei dem jungen Kendal (Jacob Lofland) auf Granit. © FX
Raylan (Timothy Olyphant) beißt bei dem jungen Kendal (Jacob Lofland) auf Granit. © FX

Das Treffen auf der Brücke beschließt eine Episode, die wenige fragwürdige Wendungen und mehrere herausragende Szenen zu bieten hatte. Es gibt eine höchst emotionale Auseinandersetzung zwischen den Geschwistern Daryl (Michael Rapaport) und Wendy Crowe (Alicia Witt), in der beide Schauspieler starke Darstellungen abliefern (vor allem der zu Beginn kritisierte Rapaport hat im Laufe der Staffel eine beachtliche Entwicklung durchgemacht, die in der Finalepisode ihren krönenden Abschluss findet).

We all get the family we deserve

Außerdem bekommen endlich auch Tim Gutterson (Jacob Pitts) und Rachel Brooks (Erica Tazel) größere Auftritte. Tim hat hier seine schönsten Momente der ganzen Staffel. Zu Beginn soll er den freigelassenen Daryl Crowe beschatten, dem jedoch trotzdem die Flucht gelingt. Später ist es Raylan, der Wendy zur Kooperation überredet. Zuvor konnte er den jungen Kendal (Jacob Lofland) selbst mit einer persönlichen Geschichte von seinem eigenen schwierigen Aufwachsen nicht überzeugen, seine Falschaussage zurückzuziehen. Selbst von der Aussicht auf 40 Jahre Gefängnis lässt sich der ausgebuffte Jungspund nicht schocken.

Sowohl Lofland als auch Olyphant spielen diese Szenen überragend. Die Figur des Raylan Givens ist immer dann am interessantesten, wenn er auch seine verletzliche Seite zeigt. Olyphant hat ein riesiges Talent für ein derartig nuanciertes Spiel. Unterstützt wird er dabei von einer Drehbucharbeit, die rechtzeitig zum Ende der Staffel wieder auf höchstes Niveau zurückfindet. Übrigens muss die Episode Whistle Past the Graveyard (5x08) trotz ihrer offensichtlichen Schwächen neu eingeordnet werden. Darin wurde nämlich der Grundstein für die tiefe persönliche Verbindung gelegt, die Raylan gegenüber Kendal verspürt.

Überhaupt muss den Autoren größere Weitsicht attestiert werden als zunächst angenommen. Die fünfte Staffel machte oftmals den Eindruck, als würde sie nicht genau wissen, wo sie hinsteuern wollte. Am Ende sind die Absichten jedoch klar ersichtlich: Boyd musste mit seinen Handlungen so weit von Raylans moralischem Kompass abweichen, bis der keinen Grund mehr dafür sah, seine „Amour fou“ mit ihm fortzuführen und ihn weiter als Teilzeitinformant zu betrachten. Im Abschlussgespräch mit Wynn Duffy (Jere Burns, der in dieser Staffel trotz Beförderung zum Hauptdarsteller sträflich vernachlässigt wurde) und Katherine Hale (Mary Steenburgen - auf ein Wiedersehen mit ihr freue ich mich besonders!) gibt Boyd freimütig zu, dass er nicht für den Drogenhandel gemacht sei (im gleichen Atemzug zitiert er in unnachahmlicher Manier John F. Kennedy). Hale hat indes neue Pläne für Boyd. Er solle sich wieder dem Geschäftszweig zuwenden, den er am besten beherrsche: „From what I'm told, you're really good at robbing banks.

Alle suchen Boyd (Walton Goggins): In der letzten Staffel wird er zum Gejagten werden. © FX
Alle suchen Boyd (Walton Goggins): In der letzten Staffel wird er zum Gejagten werden. © FX

All diese Szenen sind großartig und in bester Justified-Tradition umgesetzt. Die Vorgeschichte mit den Abgesandten des mexikanischen Drogenkartells ist jedoch etwas beliebig gestaltet. Da wird der Anführer (einer der Schergen wird übrigens von einem Breaking Bad-Cousin aus der dritten Staffel gespielt) mit dem einfachen Trick überlistet, das Handy plötzlich nicht mehr zum Telefonieren, sondern zum Nachrichtenschreiben zu verwenden. Normalerweise laufen solche Vereinbarungen so ab, dass der Lautsprecher des Handys eingeschaltet wird, damit der Widersacher mithören kann.

I prefer to hunt animals that are able to fight back

Auch ist es sehr leichtfertig vom Bandenführer, das Treffen an einem ihm unbekannten Ort stattfinden zu lassen. Die Auflösung der Situation - Tim und Rachel töten die Mexikaner - wird denn auch sehr zügig abgehandelt. Es kommt zu einem weiteren amüsanten Austausch zwischen Boyd und Tim. Erstgenannter scheint seinen Schock über den Mord an Jimmy (Jesse Luken) überraschend schnell überwunden zu haben. Außerdem macht er sich wohl gar keine Sorgen darüber, dass der Boss der Drogengangster sich fragen wird, wo seine Männer bleiben...

Mir persönlich käme es im Übrigen sehr entgegen, wenn Boyds Drogenexkurse nun mit den drei toten Gangstern beerdigt werden würden. Ich muss nicht noch einmal nach Mexiko zurückkehren - mindestens genauso wenig, wie ich das Frauengefängnis noch einmal von innen sehen muss. Manche offenen Handlungsstränge fanden in Restitution zu einem wahrlich wundersamen Abschluss. Weil all diese Handlungsstränge jedoch den interessantesten Konflikt der gesamten Serie heraufbeschwören, seien sie hiermit großmütig übersehen.

In den letzten Episoden der fünften Staffel bekam Justified wieder die Kurve zur gewohnt brillanten Kombination aus messerscharfen Dialogen, mitreißender Action und tiefgründigem Witz. Das Finale bricht indes aus dem gewohnten Raster der Serie aus und präsentiert ein offenes Ende, einen wahren Cliffhanger. Die Geschichte um Familie Crowe aus Florida wird frühzeitig abgehandelt, so dass Platz geschaffen wird für den interessantesten zukünftigen Konflikt: Raylan Givens vs. Boyd Crowder! Wer von beiden schafft es, lebend aus Harlan zu entkommen? Ich würde darauf kein Geld wetten wollen.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 9. April 2014
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Justified 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Wieder quit
Titel der Episode im Original
Restitution
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. April 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 18. Dezember 2014
Autoren
Fred Golan, Dave Andron
Regisseur
Adam Arkin

Schauspieler in der Episode Justified 5x13

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