Justified 5x11

In The Toll, der neuen Episode der US-Serie Justified, stehen zwei Erzählstränge im Mittelpunkt. Die Marshals machen sich auf die Suche nach einem Schützen, nachdem ihr Chef Art Mullen (Nick Searcy) angeschossen wurde und Boyd Crowder (Walton Goggins) versucht, nach der geplatzten Drogenlieferung dem sicheren Tod zu entgehen. Die Episode macht außerdem mehrere kurze Ausflüge ins Gefängnis zu Ava Crowder (Joelle Carter).
Why would I help you, besides the fact that you are an asshole?
Am Ende von Weight hatte Raylan Givens (Timothy Olyphant) seinen Vorgesetzten Art Mullen darüber informiert, dass seine ehemalige Freundin, die Jugendsozialarbeiterin Allison (Amy Smart), dringend Personenschutz benötige. Mullen hatte Raylan daraufhin zugesichert, sich selbst um den Schutz Allisons zu kümmern. Raylans Hilfe hatte er ausgeschlagen. Mittlerweile befindet sich Art an einem Punkt, an dem er Raylan so sehr missachtet, dass er es nicht einmal mehr über sich bringt, dessen unbestreitbare Fähigkeiten als Gesetzeshüter in Anspruch zu nehmen.
Den Preis für diese Missgunst bezahlt er zu Beginn der neuen Episode. Allison und er wollen gerade ihre Wohnung verlassen, als plötzlich Schüsse fallen. Art rettet sich und seine Schutzbefohlene zurück in die Wohnung. Er hat jedoch einen Bauchschuss erlitten. Der Angreifer flüchtet, Art wird ins Krankenhaus gebracht und Allison ins Marshalbüro, dem momentan einzig sicheren Ort für sie. Bevor der Detroiter Marshalchef Ed Kirkland (Shashawnee Hall) als Interimsvertreter Mullens eintrifft, beraten sich Raylan, Tim Gutterson (Jacob Pitts) und Rachel Brooks (Erica Tazel) über das weitere Vorgehen.
Rachel klinkt sich aus den Plänen von Raylan und Tim aus, auf eigene Faust nach möglichen Tätern zu suchen. Sie spekulieren, dass Kirklands erster Verdacht auf den inhaftierten Theo Tonin fallen werde, der eine Racheaktion gegen Mullen geplant haben könnte. Sie verwerfen diese Theorie jedoch schnell wieder. Tonins Unverlässlichkeit wird später unter Beweis gestellt, als er behauptet, Boyd Crowder und Wynn Duffy (Jere Burns) seien für den Angriff verantwortlich. In Raylans Augen ist es jedoch viel wahrscheinlicher, dass Daryl Crowe (Michael Rapaport) hinter der Aktion steckt. Er hat ein eindeutiges Motiv: Rache für seinen toten Bruder Danny.

Die Marshals bekommen einen Anruf von Wendy Crowe (Alicia Witt), die behauptet, ihr Bruder Daryl wolle sich ergeben - jedoch nur gegenüber Raylan Givens. Die Aktion ist lediglich ein Täuschungsmanöver, um Raylan aus dem Büro der Marshals zu locken. Während der sich nämlich der übel zugerichteten Wendy widmet, spaziert Daryl in die Zentrale der Marshals und ergibt sich. Sein Neffe Kendal (Jacob Lofland) begleitet ihn - und das aus gutem Grund.
Both my grandmas look like Edward J. Olmos
Kendal wird später nämlich behaupten, er hätte Art Mullen angeschossen. Er habe nur zu Allison gewollt, um sie noch einmal um Hilfe zu bitten. Die Pistole habe er lediglich zum Schutz dabei gehabt. Als er dann den Marshal mit gezückter Pistole gesehen habe, sei er in Panik geraten und habe geschossen. Er könne sich jedoch nicht daran erinnern, wer den ersten Schuss abgefeuert habe. Entweder diese Geschichte stimmt oder Kendal ist ein verdammt guter Schauspieler. Ich hätte ihm das Geständnis jedenfalls abgenommen, wenngleich ein kleiner Rest Zweifel immer noch an mir nagen würde. Raylan glaubt die Geschichte natürlich nicht und konfrontiert Daryl mit seiner Theorie, wonach der seinen Neffen zu dieser vermeintlichen Falschaussage angestiftet habe.
Daryl bleibt gelassen und lässt sich auch von moralischen Vorhaltungen nicht abbringen. Er lässt sich sogar zu einer erneuten Drohung gegenüber Raylan hinreißen: „This feels like one of those ,Time will tell'-deals, which I, as a free man, have plenty of. Question is how much time you got.“ Diese Szenen, diese ausgeklügelten Wortgefechte beherrscht Justified wie keine andere Dramaserie. Dass Kriminalität oftmals mit schmerzhaft direkter, persönlicher Konfrontation einhergeht, fördert die Serie ein ums andere Mal zutage.
Boyd Crowder kann davon ein Lied singen. Bevor er zum Treffen mit seinen Geschäftspartnern Wynn Duffy und George Picker (John Kapelos) aufbricht, um ihnen den Verlust eines Teils ihrer Drogenlieferung zu erklären, sichert er sich ab. Er beauftragt Jimmy (Jesse Luken) und Carl (Justin Welborn) damit, seine Hälfte der Drogenlieferung zu verstecken. Beim Meeting trifft er indes zum ersten Mal auf Duffys Souffleuse Katherine Hale (Mary Steenburgen): „Wynn Duffy, I am impressed!“

Das erste Treffen verläuft ergebnislos, weil die Marshals das Hotelzimmer stürmen, nachdem Tonin sie auf die falsche Fährte gelockt hat. Auch dazu liefert der immerzu wortgewandte Boyd den passenden Kommentar: „I guess this hotel takes that non-smoking policy pretty serious.“ Überhaupt spielt das Rauchen eine große Rolle in The Toll. Zu Beginn lässt sich Boyd von der Prostituierten Teri (Cathy Baron) eine Zigarette geben, wenngleich er sich das Rauchen lange schon abgewöhnt hat: „I believe the time has come to start making some changes.“
I don't know a lot but I do know how to blow shit up
Beim zweiten Treffen sorgt ein unerwarteter Knall dafür, dass jedem Zuschauer sofort klar wird, warum Boyd plötzlich wieder Gefallen am Rauchen gefunden hat. Während sich Duffy und Hale zur Beratung zurückziehen, löst Boyd einen Zünder in seiner Zigarettenschachtel aus und wirft diese Picker zu. Die Schachtel explodiert und zerstreut Pickers Eingeweide über das gesamte Hotelzimmer. Boyd überwältigt Duffys Leibwache Mike (Jonathan Kowalsky) und verabschiedet sich von seinen völlig perplexen (ehemaligen?) Geschäftspartnern.
Die zentralen Handlungsstränge dieser Episode sind nun also bereit für eine Neuausrichtung, was der Serie momentan nur guttun kann. Auch der Erzählbogen um Ava Crowder im Gefängnis verspricht Bewegung. Sie bleibt nach ihrem Mord an der Knasttyrannin Judith unbemerkt und erwirbt überraschenderweise den Respekt von Judiths Anhängerinnen - symbolisiert durch das freiwillige Überlassen ihres Speiseeises. Sie hatten wohl am meisten unter der Regentschaft der Bibelfanatikerin zu leiden.
Neben der wunderbaren Dialogarbeit und einigen exzellenten schauspielerischen Darbietungen (Walton Goggins, Mary Steenburgen und Amy Smart stachen für mich heraus), fiel mir in dieser Episode vor allem die ausgezeichnete musikalische Untermalung auf. Diese sorgte in mehreren Szenen für große atmosphärische Dichte, wie wir sie in der fünften Staffel selten erleben konnten. Weil es sich auf seine ureigenen Stärken verlässt, ist Justified wieder auf einem guten Weg.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 26. März 2014(Justified 5x11)
Schauspieler in der Episode Justified 5x11
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