Justified 5x10

Justified 5x10

Nach längerer Durststrecke kehrt Justified mit einer Episode zurück, die die besten Elemente der Serie mehrfach reproduziert. Weight führt einige lose Erzählstränge zusammen. Die Episode zeichnet sich außerdem durch die gleichzeitige Darstellung von Witz und Tragik aus.

Ava (Joelle Carter) zieht einen Schlussstrich und verabschiedet sich von ihrem Verlobten Boyd (Walton Goggins). / (c) FX
Ava (Joelle Carter) zieht einen Schlussstrich und verabschiedet sich von ihrem Verlobten Boyd (Walton Goggins). / (c) FX

Die Gebrüder Coen hätten großen Spaß an dieser neuen Justified-Folge gehabt. Der tragikomische Tod von Danny Crowder (A. J. Buckley) bildete lediglich den Höhepunkt einer Episode, die sich mehrerer wenig überzeugender Erzählstränge entledigte und durch inhaltlich kohärentere ersetzte. Das großartige Drehbuch von Taylor Elmore und Keith Schreier trifft in Weight auf eine gelungene, den Schreibstil von Elmore Leonard perfekt reproduzierende Inszenierung von Regisseur John Dahl.

Blow a ,J' and drop a dime on me

Er schafft es, der südstaatlich-vornehmen Zurückhaltung des Drehbuchs einer Entsprechung im Bildlichen zur Seite zu stellen. Der feine Humor der Textvorlage findet in mehreren Szenen seine visuelle Entsprechung: Dewey Crowe (Damon Herriman) hetzt einem Wagen hinterher, weil er zuvor vergessen hat, die Handbremse zu ziehen. Danny Crowe fordert Raylan Givens (Timothy Olyphant) zum ungleichen Duell heraus (wie er es in Wrong Roads schon mit Alex Miller (Eric Roberts) getan hatte) und Raylan stützt sein Kinn auf die Unterarme, während er der ausschweifenden Rede Dickie Bennetts (Jeremy Davies) lauscht.

Die herausragende technische Umsetzung - in mehreren Szenen beweist Dahl sein untrügliches Auge für natürliches Licht und sein Talent für die Inszenierung von Kampfszenen - hilft der Geschichte dieser fünften Staffel von Justified, Orientierung zu finden. Ein Großteil der bisherigen Episoden machte den Eindruck, als hätten die Drehbuchautoren keinen wirklichen Plan für den Fortlauf ihrer Erzählung. Auch Weight schafft es nicht, der Staffel und ihren einzelnen Handlungssträngen eine neue Ausrichtung zu verleihen. Trotzdem gehört die Episode zu den besseren der Serie.

In einem früheren Review hatte ich geschrieben, dass die Serie es oftmals schafft, weniger interessante Handlungsbögen durch amüsante Dialogarbeit auszugleichen. Dies trifft in großem Maße auf die neue Episode zu, wenngleich diese sich auch durch die Zusammenführung (oder Beendigung) mancher Handlungsstränge auszeichnet. Zu Beginn bekommen wir einen großartigen, für Justified so typischen Moment des comic relief. Da freut sich Dewey Crowe darüber, dass es ihm gelungen ist, mit der Hälfte der mexikanischen Heroinlieferung abzuhauen. In seiner so verhängnisvollen Hybris ist er sich sicher: „It's going to be golden times for Dewey Crowe.

Auftritt eines alten Bekannten: Dickie Bennett (Jeremy Davies) versucht; mit Raylan (Timothy Olyphant) zu verhandeln. © FX
Auftritt eines alten Bekannten: Dickie Bennett (Jeremy Davies) versucht; mit Raylan (Timothy Olyphant) zu verhandeln. © FX

Am Ende der Episode wird jedoch einmal mehr klar: Dewey ist einfach nicht gemacht für ein Leben als (Groß-)Krimineller. Raylan Givens findet dafür die passenderen Worte, während er einen Tatort inspiziert: „Just trying to imagine what my Einstein's going to do with a carload of Mexican brown.“ Für Dewey bleibt nur zu hoffen, dass er so bald wie möglich die Limitationen seiner eigenen kriminellen Energie anerkennt, sich ein ruhiges Plätzchen sucht und dort aus den verbrecherischen Machenschaften seiner Peergroup heraushält.

What became of us, Raylan?

Spätestens, als Dewey sich bei Boyd Crowder (Walton Goggins) meldet, seinen Preis für das gestohlene Heroin verkündet und die Konversation mit einem „I'll wait for your call, thank you“ beendet, wissen wir, dass auch diese Einzelgängermission zum Scheitern verurteilt ist. Da hätte es nicht einmal den Umweg über Dickie Bennett (den wir seit der dritten Staffel nicht mehr gesehen haben) gebraucht. Gelohnt hat er sich trotzdem, alleine wegen der Interaktion zwischen ihm und Raylan. Wir erinnern uns: Dickie hatte den US-Marshal am Ende besagter Staffel wie eine Pinata an einem Baum aufgehangen und gefoltert.

Nun will er seine Informationen über Dewey Crowe nutzen, um bei Raylan die Verlegung in ein anderes Gefängnis herauszuhandeln. Der lässt sich jedoch auf keinen Deal ein, hat er doch alle Informationen darüber bekommen, wo Dewey seine Schmuggelware mit großer Sicherheit feilbieten wird. Raylan ist sich sogar so sicher, dass er es Danny Crowe überlässt, ihn zu den Drogen zu führen. In einer wunderbar orchestrierten Szene konfrontiert Raylan das unberechenbare Mitglied der Crowe-Sippe, während es gerade um seinen Hund „Chelsea“ trauert. Es folgt: ein Tod direkt aus einem Film der Coen-Brüder (an anderer Stelle paraphrasiert Dewey Crowe einen berühmten Satz des John Goodman-Charakters aus dem Coen-Film „Raising Arizona“: „I'm sitting high on the fabled catbird seat“).

Zuvor hatte der junge Kendal Crowe (Jacob Lofland) Dannys geliebten Hund vor einen Pick-up-Truck laufen lassen, dessen Fahrer die Flucht ergriff. Als Danny die Nachricht von Chelseas Tod bekommt, ist er außer sich und will Kendal an den Kragen. Der weiß sich nur noch damit zu helfen, die Wahrheit über den Mord an Jean Baptiste auszusprechen. Daran und auch an den nachfolgenden Szenen zwischen dem selbsternannten Familienpatriarchen Daryl Crowe (Michael Rapaport) und seiner Schwester Wendy (Alicia Witt) wird deutlich, woran die neue Staffel krankt: Die als große Gegenspieler installierte Crowe-Sippe erweist sich weder als besonders intelligent noch als wirklich ebenbürtig.

Danny Crowe (A. J. Buckley) und die 21-Fuß-Regel: Dieses Mal wird sie ihm zum Verhängnis. © FX
Danny Crowe (A. J. Buckley) und die 21-Fuß-Regel: Dieses Mal wird sie ihm zum Verhängnis. © FX

Das wissen auch Wynn Duffy (Jere Burns) und George Picker (John Kapelos), die mit wachsender Verzweiflung im immer gleichen Hotelzimmer die immer gleichen schlechten Nachrichten hinnehmen. Picker ist an dem Punkt angekommen, die Kooperation mit Boyd Crowder abzubrechen, Duffy belehrt ihn eines Besseren: „His local attribute is our entire business model.“ Duffy hat zwar wieder nur zwei kleine Auftritte in der neuen Episode - in beiden zeigt er jedoch, dass er immer noch einer der interessantesten (und sträflich vernachlässigten) Charaktere der ganzen Serie ist. Und weil wir gerade bei sträflich vernachlässigten Charakteren sind: Was zur Hölle ist nur aus Tim Gutterson und Rachel Brooks geworden?

I love you. I always will.

Duffy schlägt jedenfalls einen Kompromiss vor: Er heuert die Witwe seines verstorbenen Mentors an, Katherine Hale (großartig: Mary Steenburgen). Sie soll bei der Vermittlung zwischen Detroiter Mafia und Boyds Verbrechensorganisation in Kentucky helfen - oder, wie sie es auszudrücken pflegt: „You got yourself caught between a Detroit rocker and a shitkicker hard place.

Im Gefängnis kommen indes alle Verhandlungsversuche zu spät. Ava Crowder (Joelle Carter) startet den letzten Versuch einer friedlichen Problemlösung mit Judith (Dale Dickey), bevor sie von ihr angegriffen wird und ihr nichts anderes übrig bleibt, als sie zu töten. Ob sie nun endlich alle Forderungen erfüllt hat, um die drogenschmuggelnde Krankenschwester gnädig zu stimmen?

Der Handlungsbogen um das Verlobtenpaar Crowder nimmt eine bittere Wendung. Ava resigniert vor der Sisyphusaufgabe, Drogen ins Gefängnis zu schmuggeln. Außerdem zieht sie Bilanz über die bisherigen Aktionen, die Boyd zu ihrer Rettung angeschoben hat. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, dass er ihr nicht helfen könne. Ohne Umschweife teilt sie das ihrem Geliebten mit: „You done everything you can do to bring about an end to this, but there ain't no end to bring about.“ Sie verabschiedet sich von Boyd und will sich fortan nur noch auf die eigene Überlebensfähigkeit verlassen. Deswegen greift sie auch Judith an, obwohl sie ja gar keinen Zugang mehr zu Drogen hat. Und deswegen lässt Boyd auch von Albert (Danny Strong) ab, den er eigentlich foltern wollte, damit der seine Aussage gegen Ava zurückzieht. So bekommt Justified in dieser von viel bösem Charme und dunklem Witz durchzogenen Episode doch noch einen überaus tragischen Moment.

Für die verbleibenden drei Episoden wünsche ich mir indes: weniger Crowe, mehr Boyd und Raylan, mehr Tim und Rachel, mehr Wynn Duffy, mehr Art Mullen. Sonst nichts.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 20. März 2014
Episode
Staffel 5, Episode 10
(Justified 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Blutsbrüder
Titel der Episode im Original
Weight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 18. März 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. Dezember 2014
Autoren
Taylor Elmore, Keith Schreier
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode Justified 5x10

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