Justified 5x09

Justified 5x09

Justified kann sich in Wrong Roads vom Tiefpunkt der letzten Episode nur leicht erholen. Die Geschichten um Boyd und Ava schreien nach Auflösung, während Raylan einen neuen Kurzzeitpartner bekommt. Der Höhepunkt der Episode ist der neuerliche Auftritt der Harris-Brüder.

In der neuen Episode von „Justified“ schließt sich Raylan (Timothy Olyphant, l.) mit Alex Miller (Eric Roberts) zusammen. / (c) FX
In der neuen Episode von „Justified“ schließt sich Raylan (Timothy Olyphant, l.) mit Alex Miller (Eric Roberts) zusammen. / (c) FX

Die neue Staffel von Justified fühlt sich streckenweise an wie eine der letzten beiden von Sons of Anarchy. Viel Zeit und Konzentration wird darauf verwendet, diverse Handlungsstränge möglichst kompliziert in die Länge zu ziehen - bis zu dem Punkt, an dem man als Zuschauer das Interesse verliert. So weit ist es in Justified zwar noch nicht gekommen, trotzdem wandelt die Serie momentan auf einem sehr schmalen Grat. Erzählbögen wiederholen sich, Figuren werden eingeführt, nur um sich ihrer umgehend wieder zu entledigen - und die wahrlich interessanten Charaktere der Serie bekommen viel zu wenig Spielzeit (Gutterson und Brooks bekommen in dieser Staffel so gut wie gar nichts zu tun).

Raylan, can I be excused from the table?

Der entscheidende Unterschied zwischen Wrong Roads und der wahrlich schwachen letzten Episode ist jedoch, dass die Serie hier zu ihrem berühmten Wortwitz und dem Südstaatencharme zurückfindet. Bisweilen droht der Humor in dieser Episode sogar ins Slapstickhafte abzudriften, fängt sich dann jedoch wieder. Den größten Anteil an diesen amüsanten Szenen hat die erneute Einführung der Brüder Roscoe und Jay (die vom echten Bruderpaar Steve Harris und Wood Harris verkörpert werden).

Die beiden sind so exzentrisch, unberechenbar und cool, dass man sich direkt wünscht, sie wären die Antagonisten der Staffel - anstelle der etwas zu farblosen Crowe-Sippe. In ihren wenigen Szenen schaffen es Roscoe und Jay, mehr Charisma und Witz zu versprühen als alle Mitglieder der Crowes zusammen. Man wünscht sich beinahe, wie Wendy (Alicia Witt) und Kendal (Jacob Lofland) endlich aus dem stickigen, beengenden Mief dieser Familienbande ausbrechen zu können.

Raylans (Timothy Olyphant) Handlungsbogen bringt ihn indes mit seinem Pendant bei der amerikanischen Drogenfahndungsbehörde DEA (Drug Enforcement Agency) zusammen - und endlich auch mal wieder, wenn auch nur kurz, mit Boyd Crowder (Walton Goggins). Mit allen Mitteln versucht er, seine Urlaubszeit in eine working vacation umzuwandeln. Zum einen, weil er - wie sein Chef Art Mullen (Nick Searcy) erneut zu Recht anmerkt - gar nicht anders kann. Zum anderen, weil er unbedingt eine Konfrontation mit seiner Exfrau und der gemeinsamen Tochter verhindern will.

Ein unheilvolles Duo: Boyd Crowder (Walton Goggins; l.) und Daryl Crowe (Michael Rapaport). © FX
Ein unheilvolles Duo: Boyd Crowder (Walton Goggins; l.) und Daryl Crowe (Michael Rapaport). © FX

Alex Miller (Eric Roberts) ist als mögliche ältere Version Raylans zu verstehen, zu der er werden könnte, sollte er weiter auf seinem selbstzerstörerischen Pfad bleiben. Davon ist allerdings auszugehen - das illustriert die Szene zwischen Raylan und Art. Der Marshal-Chef scheint resigniert zu haben: „Congratulations, you win again.“ Das ist schade, denn der Konflikt zwischen Mullen und Givens würde so viel interessanten Stoff hergeben. Vielleicht sparen sich die Autoren diese Konfrontation bis zur abschließenden sechsten Staffel auf.

You ain't got any leverage

Bis dahin dauert es noch ein knappes Jahr. Die fünfte Staffel fühlt sich deshalb immer mehr wie ein Brückenschlag an, um die am Ende der vorigen Staffel aufgeworfenen Konflikte in die abschließende hinüberzuretten. Dort sind nämlich die wahrlich interessanten Konflikte verborgen: Raylan gegen Art Mullen (in Allianz mit oder ebenfalls gegen Brooks und Gutterson) und - der Coup d'Etat - Raylan gegen Boyd. Um dorthin zu gelangen, müssen wir uns weiter gedulden.

In der Zwischenzeit werden wir mit Handlungssträngen versorgt, die fast nur noch um sich selbst kreisen. Boyd und sein Geschäftspartner Wynn Duffy (Jere Burns) versuchen seit Beginn der Staffel, endlich ihre ersehnte Heroinlieferung nach Harlan schmuggeln zu können. Und Ava (Joelle Carter) muss sich zum wiederholten Male der Angriffe ihrer Gefängnisgenossinnen erwehren. Beide standen schon mehrere Male kurz vor dem erfolgreichen Abschluss ihrer Operationen und doch funkten jedes Mal unvorhergesehene Umstände dazwischen. Ihr Kampf gleicht einer Sisyphusaufgabe - für Protagonisten und Zuschauer.

Mit der Einführung des Crowe-Clans haben sich die Autoren wahrlich keinen Gefallen getan. Die einzelnen Mitglieder sind weder besonders intelligent noch witzig oder einfallsreich. Daryl (Michael Rapaport) und Wendy sind die einzigen, die halbwegs in der Lage sind, ein solch gefährliches Drogengeschäft über die Bühne zu bringen. Von Heißsporn Danny (A. J. Buckley) und Volltrottel Dewey (Damon Herriman) ist derweil nichts Vergleichbares zu erwarten.

Art Mullen (Nick Searcy) lässt Raylan Givens einmal mehr wissen; wie sehr er ihn verachtet. © FX
Art Mullen (Nick Searcy) lässt Raylan Givens einmal mehr wissen; wie sehr er ihn verachtet. © FX

Entgegen meiner Hoffnungen deutet das Ende der Episode darauf hin, dass Boyd und Konsorten noch länger auf ihre Lieferung werden warten müssen. Nachdem Danny und Dewey von Alex Miller angehalten wurden, fordert Danny den DEA-Agenten zum Duell heraus. Der lässt sich darauf ein, was Dewey genügend Zeit verschafft, um sich ans Steuer des Abschleppwagens zu hieven und Miller zu überfahren. In dieser und einer früheren Szene wird Miller als alter Haudegen charakterisiert, der - in Analogie zu Raylan - Probleme mit Autorität und eine Vorliebe für brenzlige Situationen hat.

Is this real?

Ob Miller am Ende tot ist, wissen wir nicht. Sollte ihn das Überfahren nicht getötet haben, wäre er immer noch Danny Crowe ausgeliefert. Jedoch schlägt in Wrong Roads der Leichenzähler auch ohne Miller wieder mehrmals aus. „Hot Rod“ Dunham (Mickey Jones) weiß genau, wieso er mit durchsiebtem Bauch im Sterben liegt: „I got greedy.“ Zuvor war es ihm gelungen, sich mittels Bleistiftangriff aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Boyd lässt indes durch seinen Handlanger Jimmy (Jesse Luken) den altersschwachen Mörder Elmont Swain (Muse Watson) umbringen, um eine der Forderungen von Avas Verbindungsfrau im Gefängnis zu erfüllen.

Doch damit nicht genug: Ava soll nun auch noch die Gefängnisqueen Judith (Dale Dickey) umbringen - zunächst ohne ersichtlichen Grund. Wie bereits erwähnt: eine echte Sisyphusarbeit. Boyd wird in den kommenden Episoden weiter hinter seiner Heroinlieferung hinterherhetzen, Ava wird sich im Überleben im Gefängnis üben und Raylan wird (hoffentlich) endlich beginnen, die Verwicklungen zwischen den Crowes, Boyd und Wynn Duffy näher zu untersuchen. Ebenso wird Art Mullen noch misstrauisch sein und Tim Gutterson (Jacob Pitts) sowie Rachel Brooks (Erica Tazel) werden weiterhin viel zu wenig zu tun bekommen.

In der Vergangenheit gelang es Justified immer wieder, diese wenig überzeugenden Handlungsstränge mit einer großen Portion Humor auszugleichen. Das gelingt auch in Wrong Roads wieder besser als in der vorigen Episode, was vor allem an den interessanteren Charakteren liegt, die die Serie einführt (Roscoe, Jay und Alex Miller). Die Dialogarbeit ist hier erneut auf allerfeinstem Justified-Niveau angekommen (eine Kostprobe: „I would call this the United Nations of Assholes.“), die Autoren bringen sogar eine „King Lear“-Referenz unter. Wirklich schade, dass sie sich zu Beginn der Staffel dazu entschieden haben, die Crowes als neue big bads aufzubauen. Die Gebrüder Harris hätten bestimmt einen besseren Job gemacht.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 12. März 2014
Episode
Staffel 5, Episode 9
(Justified 5x09)
Deutscher Titel der Episode
Völlig verfahren
Titel der Episode im Original
Wrong Roads
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 11. März 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. Dezember 2014
Autoren
Dave Andron, Leonard Chang
Regisseur
Michael Dinner

Schauspieler in der Episode Justified 5x09

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