Justified 5x07

Justified 5x07

Justified hält sich über einen Großteil von Raw Deal mit Vorgeplänkel auf, bevor gegen Ende der Episode sowohl Erzähltempo als auch Dramatik zunehmen. Raylan und Boyd treffen unabhängig voneinander weitreichende, emotionsgeladene Entscheidungen.

Raylan Givens (Timothy Olyphant, l.) und Tim Gutterson (Jacob Pitts) beraten das weitere Vorgehen. / (c) FX
Raylan Givens (Timothy Olyphant, l.) und Tim Gutterson (Jacob Pitts) beraten das weitere Vorgehen. / (c) FX

Der bisherige Verlauf der neuen Staffel von Justified fühlt sich bisweilen etwas gehetzt an. Innerhalb einer Episode werden oftmals mehrere Treuebrüche begangen, alte Allianzen gebrochen und neue geschmiedet, nur um am Ende der Episode wieder auseinanderzudriften. So verhält es sich auch in dieser Woche mit Raw Deal. Als strahlender Sieger aus den bisher undurchsichtigen Geschäftsbeziehungen zwischen einem mexikanischen Drogenkartell und diversen Unterweltfiguren aus Kentucky geht Boyd Crowder (Walton Goggins) hervor, was der mit gewohnter Gravitas zu kommentieren weiß: „Some men lead and some men follow.

Sounds like a real winner

Am Ende ist klar, dass der mexikanisch-asiatische Drogenboss Yoon (James Kyson) Johnny Crowder (David Meunier) nur in den Bieterprozess um sein Heroin einbezogen hat, um ihn um einen Millionenbetrag zu erleichtern. Unschlüssig bin ich indes bei der Frage, ob Boyd in dieses Täuschungsmanöver eingebunden war - oder ob er einfach nur wahnsinniges Glück hatte. Jedenfalls wirkt er genuin überrascht, als er Johnny im Anwesen des Mexikaners entdeckt und genuin verängstigt, als er von Johnny zu Exekutionszwecken auf die Knie gezwungen wird.

Ob er nun zuvor einen Deal mit Yoon ausgehandelt hatte oder von diesem einfach nur als fähigerer Geschäftspartner angesehen wurde - auffällig bleibt bei Boyds Abenteuern, dass er keine große Mühe hat, seine Feinde aus dem Weg zu räumen. Lee Paxton, dessen Ehefrau Mara und Sheriff Nick Mooney: Sie alle hatten gegen Boyd nicht den Hauch einer Chance. Seinem Cousin Johnny ergeht es ähnlich, mit dem kleinen Unterschied, dass er noch leben könnte, hätte er bloß sein vorlautes Mundwerk gehalten. Ich bin wirklich traurig über diesen Verlust, der Charakter und seine Dynamik mit Boyd gefielen mir durchgehend. Dramaturgisch stringent ist dieser Abschied jedoch allemal.

Weiterhin bedeutet der Tod von Johnny Crowder wohl, dass es keine weiteren Gastauftritte von Wood Harris und seinem Bruder Steve Harris als Brüderpaar Jay und Roscoe geben wird, schließlich ist mit Johnny ihr letzter Verbündeter aus dem Leben getreten. Ihren Platz werden nun die zahlreichen Mitglieder der Crowe-Familie einnehmen, die sich jedoch gleich zu Beginn der neuen Operation wenig vorteilhaft einführen. Danny Crowe (A. J. Buckley) hat allzu nervöse Finger und glaubt, von den überwältigten Mitgliedern der Johnny-Crowder-Bande angegriffen zu werden. Das Resultat ist ein regelrechtes Massaker. Boyd darf seinem neuen mexikanischen Geschäftspartner also gleich schlechte Nachrichten überbringen.

Rachel Brooks (Erica Tazel) liest Raylan die Leviten. © FX
Rachel Brooks (Erica Tazel) liest Raylan die Leviten. © FX

Dabei verlässt sich Boyds Verlobte Ava (Joelle Carter) darauf, dass seine Drogengeschäfte stabil laufen. Sie schließt sich im Gefängnis einer Gruppe von gottesgläubigen Frauen an, die sich in ihren Predigten gegenseitig bestärken, keinem der üblichen Laster (Alkohol, Drogen, Männer) mehr zu verfallen. Ihr Glaube hält sie jedoch nicht davon ab, sich im Gefängnis durch Drogenhandel einen gehobenen Status zu erarbeiten.

I've got a few scars of my own

Weil dies die einzige Gruppe ist, bei der Ava noch Schutz suchen kann, lässt sie sich darauf ein, am Drogenschmuggel zu partizipieren. Als sie jedoch erfährt, dass sie dafür regelmäßig einen Wachmann befriedigen muss, macht sie kurzfristig einen Rückzieher und sorgt dafür, dass der Drogenhandel auffliegt. Gleichzeitig schlägt sie der Anführerin der Gruppe vor, für Nachschub zu sorgen und auch den Schmuggel zu organisieren. Damit lässt sie sich auf ein riskantes Spiel ein, denn zum einen weiß sie nicht, ob sie von Boyd überhaupt mit Heroin versorgt werden kann, zum anderen wäre sie der Lynchjustiz im Gefängnis ausgeliefert, wenn sie nicht sofort für Nachschub sorgen kann: „Just remember: The hardest part ain't getting the drugs. It's getting them inside.

Der interessanteste Handlungsstrang dieser neuen Episode kreist um Raylan Givens (Timothy Olyphant) und nimmt erst am Ende richtig Fahrt auf. Zwischen ihm und seinem Vorgesetzten Art Mullen (Nick Searcy) herrscht Eiszeit, seitdem Art den Verdacht hat, dass Raylan etwas mit dem Mord an Nicky Augustine durch Sammy Tonin am Ende der vierten Staffel zu tun haben könnte. Mullen geht mittlerweile so weit, dass er nur noch über seine deputies Rachel (Erica Tazel) und Tim (Jacob Pitts) mit Raylan kommuniziert.

Von Rachel bekommt Raylan zu Beginn der Episode auch die frohe Botschaft, dass er fortan die walk-ins (in etwa: „unangemeldete Besucher“) versorgen solle, eine Aufgabe, die normalerweise kein US-Marshal übernehmen muss. Der erste Besucher löst jedoch gleich eine Reihe von Ereignissen aus, die gleichermaßen amüsant wie belanglos sind. Ein Onlinebackgammonspieler fordert vom US-Marshal-Service sein eingefrorenes Guthaben - ein kleines Vermögen - ein. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Eigner der Webseite, Charles Monroe (Xander Berkeley), von einem Hacker überlistet wurde, der sich das Geld unter den Nagel gerissen hat und nun versucht, die Schuld den Marshals in die Schuhe zu schieben.

Art Mullen (Nick Searcy) lässt Raylan in dieser Episode eiskalt abblitzen. © FX
Art Mullen (Nick Searcy) lässt Raylan in dieser Episode eiskalt abblitzen. © FX

Nacheinander bekommt der Hacker Besuch von dem Spieler, einem Knochenbrecher und schließlich Raylan. Ihm gelingt die Flucht, er liefert sich ein Scharmützel sowohl mit Raylan als auch mit Kemp, dem Knochenbrecher, der zuvor den Spieler umgebracht hat, um an das Vermögen zu kommen. Schließlich finden die Marshals den einbeinigen Nerd im Keller des Hauses seiner Großmutter. Seine Freundin hat ihn verraten, weil er ihren Programmierfähigkeiten zu wenig Respekt zollte.

You're going to treat me like a deputy

Dieser Fall der Woche liefert einige amüsante Szenen, ist aber durchaus vergessenswert. Viel wichtiger ist die direkte Konfrontation zwischen Mullen und Raylan am Ende der Episode, in der Raylan schließlich einen Versetzungsantrag stellt, um nicht mehr unter Art dienen zu müssen. Es wird spannend, zu sehen, wie die Autoren ihre Erzählstränge bis zum Ende der Serie nach der bereits angekündigten sechsten Staffel konstruieren werden. Wird die Serie fortan zeitlich so eng aufgebaut, dass nur noch die Zeit bis zur Pensionierung Arts (in einigen Monaten) erzählt wird? Kommt es am Ende zu einer Konfrontation zwischen Boyd und Raylan? Wird Raylans Versetzungsantrag bewilligt?

Momentan scheint Justified noch nicht wirklich zu wissen, wohin es in dieser Staffel gehen soll. Der Großteil dieser neuen Episode wirkte jedenfalls so, als habe man etwas Zeit übrig, bis man sich den wirklich wichtigen Konflikten widmet. Die Dialoge, der schnelle Witz und die vielen amüsanten Sprüche schaffen es jedoch, auch aus Raw Deal eine kurzweilige Episode zu machen.

Trotzdem kann es nicht schaden, wenn nun in der zweiten Staffelhälfte einige interessante Konflikte aufgeworfen werden. Der Zusammenschluss von Boyd Crowder und der Crowe-Familie war in Kill the Messenger ein gelungener Schachzug, in der aktuellen Episode wurden die Crowes jedoch wieder in den Hintergrund gedrängt. Wendy (Alicia Witt) sorgt dafür, dass Raylans Gespielin Allison (Amy Smart) suspendiert wird, der junge Kendal (Jacob Lofland) sucht nach Fluchtmöglichkeiten aus dem Einflussbereich seines unberechenbaren Bruders Danny.

Das alles sind interessante, momentan jedoch unterrepräsentierte Geschichten. Sie dürfen in den folgenden Episoden gerne prominenter auftreten. Und - mir sei ein persönlicher Wunsch erlaubt - bitte, bitte, bitte: Mehr von Tim und Rachel! Die beiden werden in der neuen Staffel viel zu wenig eingesetzt.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 26. Februar 2014
Episode
Staffel 5, Episode 7
(Justified 5x07)
Deutscher Titel der Episode
Ein Deal ist ein Deal
Titel der Episode im Original
Raw Deal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 25. Februar 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. November 2014
Autor
VJ Boyd
Regisseur
Bill Johnson

Schauspieler in der Episode Justified 5x07

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