Justified 4x07

Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht den kritischen Zuschauer nach Sichtung der neuen Episode Money Trap der Dramaserie Justified. Wie schon in der vierten Episode der neuen Staffel, The Bird Has Flown, scheinen sich die Autoren eine schöpferische Pause zu gönnen. Ohne Not bringen sie einen Charakter zurück, den gefühlte 95 Prozent der Zuschauer nach der ersten Episode sofort wieder vergessen haben dürften und der mit dem Haupterzählstrang nichts zu tun hat.
That man is an emotional disaster.
Gegen Ende kehrt das Drehbuch zwar zur Suche nach Drew Thompson (und auch nach Ellen May) zurück. Da ist aber schon ein Großteil der Episode in proceduraleskem Stile vorübergegangen und der Zuschauer fragt sich, wozu er die Geschichte um Jody Adair (Chris Chalk) noch einmal vorgesetzt bekommen hat. Auch die allgegenwärtigen schnellen Sprüche von Raylan Givens (Timothy Olyphant) und Konsorten können nicht über den dramaturgisch sehr holprigen Fortlauf der Erzählung hinwegtäuschen.

Warum sich Raylan überhaupt entscheidet, gegen die Anweisung seines Vorgesetzten Art Mullen (Nick Searcy) Jody hinterherzujagen, anstatt den Spuren im Falle Drew Thompson nachzugehen, bleibt sein Geheimnis. Im Zwiegespräch der beiden entschädigen sie dann jedoch wieder mit ihrer gewohnten männerhaft-neckischen Dynamik und bringen etwas Leben in die ansonsten recht angestaubte Episode. Die Vorfälle in ebenjener können deshalb auch griffig zusammengefasst werden.
Jody gelingt im Verlauf der Episode mehrmals die Flucht. Zuerst entkommt er Sharon Edmunds (Aja Evans) und einem Kollegen, nachdem Raylan ihn zur Überführung nach Lexington übergeben hat. Später schafft er es mit einem beherzten Sprung aus dem geschlossenen Fenster, Raylan zu entwischen. Dabei scheint er diesem gar nicht entgehen zu wollen. Vielmehr sinnt er auf Rache dafür, dass Raylan ihn in der Auftaktepisode dingfest gemacht hat.
In Jody haben sich die Autoren einen hochgradig erratischen Charakter ausgedacht, der anscheinend unkontrollierbar seinen Rache- und Kriminalitätsgelüsten ausgeliefert zu sein scheint. Dies bestätigt er ein ums andere Mal, bis er schließlich gegenüber dem Marshal sein eigenes Todesurteil besiegelt. Zurück bleibt die Frage: Wozu das Ganze?
Auch der etwas abgedrehte Möchtegern-Filmemacher Kenneth (mit dem verdächtigen Nummernschild „KY Flixxx“: Michael Gladis) kann diesem Erzählstrang nicht weiter auf die Sprünge helfen. Zwar sorgt er mit all seinem Dilettantismus für einige Momente des Augenzwinkerns, für zusätzliche Spannung oder eine plausible Handlungsentwicklung kann jedoch auch er nicht sorgen. Schließlich taucht als neuer Charakter noch die pokerspielende Studentin und zweifelhaft benannte Jackie Nevada (Shelley Hennig) auf, ohne eine plausible Berechtigung für ihre plötzliche Präsenz liefern zu können. Außer einer hübschen Rückansicht und einem Verführungsversuch (der in anderer als der gewünschten Form gelingt) hat auch sie nicht wirklich Überzeugendes zu bieten.
Crowders do what we say.
Die Storyline um die frischverlobten Ava (Joelle Carter) und Boyd Crowder (Walton Goggins) liefert da schon weitaus Substantielleres. Nachdem sich die beiden eine Einladung auf die berühmt-berüchtigte Swingerparty des Exsheriffs Napier (David Andrews) ergaunert haben, zeigt Boyd ungewohnte Anflüge von Nervosität. Ava schafft es jedoch, ihn zu beruhigen und so machen sie sich gemeinsam auf, um Partycrasher zu spielen und dort ihre Nachforschungen zum Verbleib und der wahren Identität Drew Thompsons fortzusetzen. Zur Erinnerung: Boyd glaubt immer noch an seinen Deal mit Wynn Duffy (Jere Burns), ihm würde für die Auslieferung Thompsons die Hälfte des Heroingeschäfts in Kentucky überlassen.
Auf der Party angekommen, stellen sich Boyds Vorbehalte als unbegründet heraus (er erwartete Szenen spätrömischer Dekadenz). Die Gangart ist jedoch hart. Nachdem Boyd erste, zunächst freundliche, Bekanntschaften macht, muss er seine zukünftige Ehefrau vor einem allzu aufdringlichen Partygast bewahren. Danach verwandelt sich ein geselliges Gespräch schnell in knallharte Tatsachen. Seine neuen Bekanntschaften planen, an einen Fond öffentlicher Bundesgelder der EPA (Environmental Protection Agency, Umweltschutzbehörde) zu gelangen.

Diese in einem so genannten Super Fund gebündelten Gelder würden ausgeschüttet, sobald sich eine Umweltkatastrophe ereigne. Die dabei freigeschalteten Summen bezeichnen die Teilnehmer des Klüngels als King's Ransom, sinngemäß also als völlig überhöhte Auszahlungen. Sie erhoffen sich demnach einen großen Zahltag für ihre Unternehmen und schließlich sich selbst. Dafür wollen sie selbst eine Umweltkatastrophe erzwingen, speziell die Zerstörung eines Ausschlagbeckens. In einem solchen werden die Abfälle diverser Industrien (zum Beispiel: Kohle) gesammelt. Sollten diese Abfälle in die freie Natur geraten, käme es zur gewünschten Katastrophe.
Frank Browning, der Besitzer einer dieser Becken, weigert sich jedoch, das sinistre Spiel mitzumachen. Kurzerhand soll Boyd ihn also ermorden (lassen). Andernfalls würden sämtliche seiner illegalen Geschäfte auffliegen und er könne seine zukünftigen Geschäftsinteressen in Harlan vergessen. Seine illegalen Machenschaften hätten sowieso nur solange Bestand gehabt, da sie von ihrem Zirkel gedeckt worden seien. Angeblich, um die niederen Bevölkerungsschichten in Schach zu halten. Arroganter geht es kaum.
Auf Boyd kommt also einiges zu. Doch auch Colton Rhodes (Ron Eldard) sieht düstere Wolken aufziehen, als Johnny Crowder (David Meunier) ihn abermals mit seiner eigenen Veteranengeschichte und dem Verbleib Ellen Mays (Abby Miller) konfrontiert. Auch in dieser Partie scheinen den Beteiligten noch einige wohlüberlegte Züge bevorzustehen.
Fazit
Die Geschichte von Raylans Suche nach Drew Thompson enttäuscht in der aktuellen Episode von Justified. Der Erzählstrang rund um Jody, Kenneth und Jackie läuft völlig ins Leere. Zur Rettung eilt - wie so oft in der vierten Staffel - Boyd Crowder mit seinen gewieften Geschäftspraktiken und geschliffenen Wortsalven.
Dieses Mal scheint jedoch auch er vor einem größeren Problem zu stehen. Die so genannte Elite Harlans scheint ihn in der Hand zu haben und er scheint seinen eigenen Einfluss bis zu diesem Zeitpunkt überschätzt zu haben. Wie die angeblichen Honoratioren hier als die wahren Verbrecher dargestellt werden, ist absolut köstlich und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Sollte es solche maßlosen und dunklen Verschwörungen der „Oberen 10.000“ auf Kosten der Natur und der Bevölkerung geben, wäre dies absolut verachtenswert. Überraschend wäre es hingegen kaum.
Boyd und seine Sippe sorgen also für wenige Höhepunkte, während Raylans Erzählstrang leider etwas abfällt. Auch der Besuch bei seinem Vater Arlo (Raymond J. Barry) im Gefängnis ändert daran wenig. Der Zuschauer bekommt lediglich vorgeführt, dass die steinerne Fassade Arlos langsam zu bröckeln beginnt. Die Suche nach Drew Thompson dürfte sich jedenfalls bis zum Ende der aktuellen Staffel hinziehen. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte dies jedoch nicht als vorschnelles Urteil über Justified gewertet werden.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 20. Februar 2013(Justified 4x07)
Schauspieler in der Episode Justified 4x07
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