Justified 4x05

Die neue Episode Kin der Südstaatenserie Justified nimmt den Haupterzählstrang der vierten Staffel wieder auf und widmet sich ganz der Jagd nach dem sagenumwobenen Drew Thompson. Gleich mehrere Parteien auf beiden Seiten des Gesetzes sind auf der Spur des vor 30 Jahren verschwundenen Drogenschmugglers und Berufskriminellen.
Die Jagd nach Drew Thompson geht weiter
Das Marshalbüro von Art Mullen (Nick Searcy) hat gemeinsam mit dem stellvertretenden Staatsanwalt David Vasquez (Rick Gomez) eine erfolgreiche Petition an das amerikanische Justizministerium gestellt, den Fall vom FBI zu übernehmen. Der zuständige FBI-Agent Barklay (Stephen Tobolowsky) ist darüber herzlich wenig erfreut. Die Gründe für seine Gegenwehr sind jedoch keinesfalls in seinem ehrlichen Gerechtigkeitsverständnis zu suchen, sondern eher in der Tatsache, dass er eine Marionette diverser krimineller Organisationen ist.
Zunächst versucht er, in Anwesenheit Wynn Duffys (Jere Burns), den Abgesandten des Obergangsters Theo Tonin (bisher ohne Auftritt in der Staffel: Adam Arkin), Nick Augustine (Mike O'Malley), von seiner Eignung für die Ergreifung Thompsons zu überzeugen. Augustine hat jedoch andere Pläne und jagt Barklay kurzerhand eine Kugel in die Stirn. Der in nächster Nähe sitzende Duffy erholt sich noch von seinem Schock, als er den Suchauftrag nach Thompson zugeteilt bekommt.
Der wendet sich sogleich an den Mann in Harlan County, bei dem scheinbar alle Stränge zusammenlaufen: Boyd Crowder (Walton Goggins). Duffys Auftrag zur Ergreifung Thompsons verschafft Boyd natürlich ein neues Verhandlungsargument bei der Aufteilung des Heroingeschäfts in Kentucky. Gegen Ende der Episode scheint Boyd kurzzeitig zu bekommen, wonach er sich schon so lange sehnt: einen Zugang zum höchst profitablen Heroinvertrieb. Duffy spielt jedoch ein doppeltes Spiel, worin auch Boyds Cousin Johnny (David Meunier) verwickelt ist.
Auf Seiten der Gesetzeshüter konfrontieren Art Mullen und der Staatsanwalt den etwas verblüfften Raylan (Timothy Olyphant) mit einem sehr zeitsensiblen Angebot an seinen Vater Arlo (Raymond J. Barry). Diesem soll im Gegenzug zum Verrat an Drew Thompson die restliche Freiheitsstrafe erlassen werden. Nach kurzem Zögern willigt Raylan ein, erkundigt sich jedoch nach der Zeit, die er habe, um Thompson auf eigene Faust zu finden. Ihm bleiben 24 Stunden.
Kreative Verhörmethoden
Also macht er sich sogleich auf den Weg zu seiner heißesten Spur. Diese führt ihn über das kleine blonde Einbrechermädchen Roz (Alexandra Kyle) (und einen weiteren kurzen, wiederum sehenswerten Gastauftritt von Patton Oswalt als Constable Bob) zu deren Stiefvater Josiah Caern (Gerald McRaney). Der habe die Kleine zu der Tasche in der Wand des Hauses von Arlo Givens geführt, besitze also höchstwahrscheinlich Informationen über den Verbleib Drew Thompsons. Nach einer kurzen, wieder einmal äußerst kreativen Verhörmethode bricht Josiah sein Schweigen und verrät Thompsons vermeintliches Versteck.
Ab diesem Zeitpunkt wird die neue Episode von Justified vor malerischer Kulisse abenteuerlich. Thompson halte sich bei den berüchtigten hill people in den Appalachen auf. Raylan bleibt also vorerst nichts anderes übrig, als den Bergbewohnern einen Besuch abzustatten. Deren Begrüßung fällt jedoch nicht gerade freundschaftlich aus und so findet er sich schnell in einem hölzernen Verlies wieder.
Zur freudigen Überraschung des Zuschauers sitzt dort auch schon Boyd, der wohl etwas schneller auf die Spur Thompsons gekommen ist. Ihre Geiselnehmer wollen sie jedenfalls möglichst bald (auf Geheiß von Josiah) umbringen, was alleine dadurch verhindert wird, dass durch Raylans Adern - in Boyds Worten - hill people blood strömt. Das sich hernach entspinnende verbale Tête-à-tête zwischen den beiden soeben Freigelassenen ist an humoristischem Subtext kaum zu überbieten und endet passenderweise mit Boyds folgenden Worten: „I've come to a conclusion: I don't like you Raylan.“
Raylan ist jedoch nicht der einzige, den Boyd zu fürchten hat. Langsam aber sicher dürften ihm die Gegenspieler über den Kopf wachsen. Nicht nur hecken Wynn Duffy und sein eigener Cousin Johnny einen Mordplan gegen ihn aus, Gegenwind droht ihm auch von Seiten des Sheriffs Shelby Parlow (Jim Beaver), der überraschenderweise die flüchtige Ellen May (Abby Miller) bei sich versteckt hält. Noch glaubt er der Lüge seines Schergen Colton Rhodes (Ron Eldard), der Mord an Ellen sei erfolgreich ausgeführt worden. Die Schlinge um seinen Hals wird jedenfalls enger, wovon Boyd momentan jedoch noch keinen blassen Schimmer hat.
Am Ende der Episode beklagt sich Boyd noch bei der von ihm bezahlten Anwältin Arlos darüber, nicht über das Angebot der Staatsanwaltschaft informiert worden zu sein, nur um sie im nächsten Augenblick zu bestechen, den Deal platzen zu lassen. Als sich schlussendlich Raylan bei Josiah für das Aufstellen einer potentiell tödlichen Falle in den Bergen Kentuckys revanchieren will, findet er dort nur dessen abgetrennten Fuß wieder. Die Gangart in Harlan County wird merklich härter.
Fazit
Offenbar haben die Autoren mit der etwas enttäuschenden Episode der vergangenen Woche einen Plan verfolgt, der wohl beinhaltete, die Spannung beim Zuschauer auf einem hohen Niveau zu halten. Mit der aktuellen Episode Kin sollten sie jedenfalls sämtliche verärgerte Zuschauer wieder sanftmütig gestimmt haben. Die einzige kritische Frage, die sich danach noch stellt: Warum hat Raylan die Thompson-Spur nicht schon viel früher verfolgt?
Neben diesem kleinen dramaturgischen Lapsus erfüllt Justified mit der jüngsten Episode jedoch alle in den drei vorhergehenden Staffeln aufgebauten Erwartungen. Das Zusammenspiel von Timothy Olyphant und Walton Goggins als modernes „Odd Couple“ (in Reminiszenz an Jack Lemmon und Walter Matthau) ist überaus sehenswert und strapaziert bei aller Spannung und Ernsthaftigkeit des Plots die Lachmuskeln. Als Zuschauer wünscht man sich, die beiden sollten doch bitte eine längere gemeinsame screentime haben.
Dass des Zuschauers Wunsch erfüllt wird, ist gar nicht so weit hergeholt. Auf der gemeinsam-einsamen Suche nach Drew Thompson dürften sich ihre Pfade fortan deutlich öfter kreuzen. Ein weiteres Lob sollte an dieser Stelle dem Produktionsteam von Justified ausgesprochen werden. Sowohl die eingefangene Kulisse als auch der Soundtrack und die Ausstattung lassen ein filmisches Panorama entstehen, das dem Zuschauer die natürliche Schönheit der Appalachen näherbringt.
Außerdem kommen sämtliche Popkultur- und Geschichtsnerds voll auf ihre Kosten. Boyd darf seine Kenntnisse über den sowjetischen Wandlungsprozess Mitte der 1980er Jahre (Glasnost! Perestroika!) ausbreiten und fällt auch noch durch sein detailliertes filmhistorisches Wissen auf („Deliverance“). Eine Episode voller Spannung, Action und aufheiterndem Witz. Justified sorgt in dieser Woche für den ersten Höhepunkt der vierten Staffel. Weiter so!
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 6. Februar 2013(Justified 4x05)
Schauspieler in der Episode Justified 4x05
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