Justified 4x03

Der wieder einmal großartige Walton Goggins als Boyd Crowder darf die Episode Truth and Consequences eröffnen. Mit der Schwester des Wanderpredigers Billy (Joe Mazzello), Cassie (Lindsay Pulsipher), liefert er sich einer jener Dialoggefechte, die langsam aber sicher zum Markenzeichen von Justified avancieren.
It's good that we both speak the same tongues
Nach seiner gescheiterten Einschüchterungstaktik versucht es Boyd nun mit der Brechstange. Er offeriert Cassie einen Koffer voller Bargeld, um sie zur Weiterreise zu bewegen. Diese zeigt sich davon jedoch wenig beeindruckt und kontert mit einer Bibelreferenz: Das angebotene Bestechungsgeld erinnere sie an die 30 Silberstücke, die es Judas wert gewesen seien, Jesus zu verraten.
In diesen verbalen Auseinandersetzungen zwischen Boyd und den Kirchengeschwistern liegt ein besonderer Reiz der vierten Staffel von Justified. Die zahlreichen Bibelreferenzen, die - vereinfacht gesagt - nicht mehr sind als Parabeln über das Leben, verleihen der Dramaserie eine besondere Ästhetik. Neben den allgegenwärtigen Erkennungsmerkmalen südstaatlicher Eigenheiten (Schlangen, Pickuptrucks, Cowboyhüte, der Dialekt) erlaubt dies den Autoren, einen Erzählstrang auf intellektuell hohem Niveau einzuführen. Die Dialoge zwischen Boyd und Cassie beziehungsweise ihrem Bruder Billy gehören mit zum Besten, was momentan im Dramabereich geschrieben wird.
Cassie jedenfalls verlangt mehr Geld, als Boyd ihr gewillt ist, zu bezahlen. Hier stellt sich ihm sein gewaltiges Ego in den Weg. Würde er sich bereiterklären, dem verlangten Preis zuzustimmen, könnte er mit einem schnellen Abzug der beiden angeblichen Gottesleute rechnen. So will er sich nicht ausquetschen lassen und gibt seinen Bestechungsversuch vorerst auf: „In that case ma'am, i think we've misjudged each other“.
Mit seinem gescheiterten Ansinnen gibt sich Boyd natürlich nicht zufrieden. Er versammelt seine Getreuen um sich und eröffnet ihnen seine neue Taktik: „Carrot didn't work. Means it's time for the stick“, was nichts anderes heißt als die Anwendung von Gewalt. Sein neuer Kollege Colton Rhodes (Ron Eldard) und der junge Jimmy (Jesse Luken) sollen sich des Problems annehmen. Als sie jedoch nachts in das Zelt der Last Chance Holiness Church eindringen, warten dort schon die Klapperschlangen auf sie und greifen Jimmy sofort an.
Dem gelingt schwerverletzt die Flucht in Boyds Bar, wo sich ein eilig herbeigeholter Arzt um ihn kümmert. Der diagnostiziert auch, dass Jimmy längst gestorben sein müsste, wären die Schlangen wirklich giftig. Eine essentielle Information für Boyds weiteres Vorgehen.
I was pretty bad. Still am sometimes.
Raylan (Timothy Olyphant) hat derweil alle Hände voll zu tun. Von seiner aktuellen Liebschaft Lindsey (Jenn Lyon) lässt er sich nach dem Auftauchen ihres Exmannes Randall (Robert Baker) über deren kriminelle Vergangenheit aufklären. Daraufhin setzt er Randall ein Ultimatum, was dieser überraschenderweise einhält. Die zweite Überraschung folgt jedoch später in der Episode: Lindsey und Randall stecken offenbar weiterhin unter einer Decke und ziehen dieselben krummen Dinger ab, von denen sie Raylan noch so offenherzig erzählt hatte.
Außerdem ist die Suche nach dem mysteriösen Drew Thompson in vollem Gange. Bei der Befragung dessen vermeintlich verwitweter Exfrau Eve Monroe werden Raylan und sein Kollege Tim Gutterson (Jacob Pitts) von einem FBI-Agenten unterbrochen, der sich ebenfalls auf der Suche nach Thompson befindet. Den kurzen Moment der Unaufmerksamkeit nutzt dessen Komplize aus, um Monroe zu entführen.
Wie sich später herausstellen soll, wurde der FBI-Agent von einer mächtigen kriminellen Organisation aus Detroit erpresst, ihnen Drew Thompson auszuliefern. Als er es im Angesicht Raylans nicht mehr aushält, sein Doppelleben aufrechtzuerhalten, nimmt er sich kurzerhand das Leben. Der nächste Tote auf der blutigen Spur des Phantoms Thompson. Nach der Rettung Eves aus den Händen des Entführers sprudelt es aus ihr heraus: Drew sei Zeuge gewesen, als Theo Tonin (Adam Arkin), der Boss der kriminellen Organisation, einen staatlichen Zeugen ermordet habe.
You don't worry about how long you gonna live, you worry about how slow you gonna die.
Nach den beiden gescheiterten Umstimmungsversuchen wählt Boyd, mit neuen Informationen ausgestattet, wieder einmal die offene Konfrontation mit Billy, dem Prediger. Er unterbricht einen Gottesdienst und kommt mit einer Truhe in das Kirchenzelt. Darin befindet sich eine Waldklapperschlange, deren Gift nicht - wie bei denen von Billy verwendeten - entfernt wurde.
Mit einer perfiden Wortsalve will er Billy dazu drängen, seinen Sermon mit dieser hochgiftigen Schlange abzuhalten. Dieser lässt sich trotz der heftigen Überredungsversuche von Cassie, inklusive des Hinweises auf den Tod ihres Vaters durch Schlangengift, auf die potentiell tödliche Mutprobe ein. Prompt wird er von der Schlange gebissen und bricht zusammen. Boyd stolziert zufrieden davon.
Vorerst scheint sein Problem also gelöst zu sein. Jedoch ahnt er nicht, welche Verschwörung im Hintergrund gegen ihn ausgeheckt wird. Sein eigener Cousin Johnny Crowder (David Meunier) biedert sich nämlich erneut Wynn Duffy (Jere Burns) an, um ein Mordkomplott gegen Boyd zu schmieden. Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, dass die Geschwister St. Cyr wirklich ihre Zelte in Harlan abbrechen sollten, erwartet Boyd also ein noch viel größeres Problem innerhalb seiner eigenen Familie.
Fazit
Die neue Episode von Justified hat mehr Stärken als Schwächen. Die Geschichte rund um Boyd und seine diversen (neuen und alten) Gegenspieler glänzt durch packende Dramaturgie, brillante Dialoge und überzeugende Darstellungen.
Die wiederkehrenden Gastdarsteller Joe Mazzello als Billy St. Cyr und Lindsay Pulsipher als seine Schwester Cassie liefern eine schauspielerische Glanzleistung ab. Von Walton Goggins ganz zu schweigen, der in den Reviews zu den ersten beiden Episoden der vierten Staffel bereits über den Klee gelobt wurde.
Die Jagd auf Drew Thompson ist ebenfalls spannend inszeniert und lässt gleichzeitig Raum für einige witzige Passagen, für die hauptsächlich der Chef des Marshalbüros, Art Mullen (Nick Searcy), zuständig ist. Jedoch erinnern die Einführung einzelner Charaktere für kurze Erzählbrücken und ein neuer Fall pro Episode doch stark an die Erzählstruktur von Crime Procedurals: ein Urteil, das für eine solch ambitionierte Dramaserie wie Justified nicht unbedingt schmeichelhaft ist.
Wünschenswert wäre, für die kommenden Episoden auf den Einsatz kurzfristiger Gastdarstellungen zu verzichten und stärker in den Haupthandlungsbogen einzutauchen. Dies würde den mit diesem Fall betrauten Figuren sicherlich mehr Zeit zur Charakterentwicklung geben. Momentan jedenfalls spielt Walton Goggins' Boyd Timothy Olyphants Raylan mühelos an die Wand.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 23. Januar 2013(Justified 4x03)
Schauspieler in der Episode Justified 4x03
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