Jerks 1x08

© mily und Christian in „Braindead“ / (c) Maxdome
Da hatten Serienmacher Christian Ulmen und sein Team gleich mehrere gute Ideen, eine spaßige Geschichte zu erzählen, die über ein paar einfache Witze hinausgeht und mal wieder die Charaktere in den Vordergrund stellt. Unglücklicherweise übernimmt man sich inhaltlich aber etwas, was sich bei einer Laufzeit von gut 20 Minuten bemerkbar macht. Das größte Problem in Braindead liegt aber weniger an dem Material, das sich Ulmen und Co. hier ausgedacht haben, sondern mehr an der Art und Weise, wie mit diesem gearbeitet wird.
Jede der drei Einzelgeschichten könnte mit Leichtigkeit in einer eigenen Folge abgehandelt werden. Jedoch spricht man viel zu viel auf einen Schlag an, was letztlich dazu führt, dass der Folge etwas der Bezug zur Sache sowie ein guter Punch zum Ende fehlt. Weniger ist manchmal eben mehr, eine Devise, die hier eventuell ratsam gewesen wäre. Zwar greifen letzten Endes erneut viele Zahnräder ineinander, wodurch so mancher Gag in „Braindead“ doch noch aufgeht. Wirklich überzeugend ist die Erzählung aber nur teilweise.
Get A Life
Am interessantesten finde ich persönlich hier das Aufeinandertreffen von Christian mit seiner guten Kollegin Nora Tschirner, die enttäuscht über ihn ist, wie er sich doch dem Geschäft verkauft hat. Früher hat er noch Kunst gemacht und etwas beigetragen, jetzt lebt er nur noch für das leicht verdiente Geld und schlechte Filmproduktion nach Schema F. Und tatsächlich dämmert es Christian ein wenig, als er sich bei seinem neuesten Projekt mal wieder zum Volldepp machen muss. Was übrigens ganz witzig, aber auch irgendwie sehr traurig ist. Es zeigt sich erneut die unsichere Seite unserer Hauptfigur, die zur Abwechslung mal nicht nur die „Rolle“ spielen möchte, für die man Christian Ulmen kennt, und darüber nachdenkt, was er eigentlich so mit seinem Leben anstellt.
Nur, um wenig später festzustellen, dass die gute Nora an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten ist. Diese „Schwiegermutterkomödien“ lassen halt die Kasse klingeln und so ein fetter Fastfood-Burger wird doch auch mal erlaubt sein, oder? In dem kleinen Handlungsstrang steckt wunderbar viel Wahrheit und ich fände es spannend, wenn „Jerks“ in naher Zukunft öfters auf weniger Situationskomik, dafür aber mehr auf den Seriencharakter von Christian Ulmen setzen würde. Der Fokus auf die „Leiden“ und Selbstzweifel dieser fast schon tragikomischen Figur mit so wenig Fingerspitzen- und Feingefühl wären auf Dauer vielleicht etwas zu deprimierend für die Art des Formats, aber mit Sicherheit etwas tiefgründiger und interessanter als das nächste peinliche Sexgespräch.
Klamauk
Davon gibt es auch in „Braindead“ mehr als genug, langsam machen sich aber ein paar Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Das Schema ist bekannt: Christian hat ein Problem mit Emily (Emily Cox) (genauer: sein Oralsex könnte besser sein) und berichtet Kumpel Fahri (Fahri Yardim) davon. Das intime Thema wird dann im Freundeskreis breitgetreten, was in einer Katastrophe endet. Weil besagte Situation so unangenehm ist, haben diese Szenen durchaus einen gewissen Unterhaltungswert. Nach acht Episoden erscheint einem dieser Ablauf aber schon ein wenig repetitiv.
Das traurige Schicksal von Emilys Freundin Muriel (Gisa Flake) (die nicht verstorben ist, sich aber in einem Wachkoma befindet) öffnet derweil die Möglichkeit für ein sehr komplexes Thema. Auch hier entscheidet man sich schnell für eine Richtung (Ist Sex mit geistig oder körperlich behinderten Menschen verwerflich?), ein Themenbereich, bei dem sich weder die Damen noch die Herren mit Ruhm bekleckern. Dabei werden unsensible Gedanken und Empfindungen artikuliert, die sicherlich schon vielen Zuschauern durch den Kopf gegangen sind. Irgendwie fällt die Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex sehr kurz aus, dabei hätte man wie bereits erwähnt eine ganze Episode darüber drehen können. Erneut werden Konzepte und Ideen in Jerks nicht richtig zu Ende gedacht und nur angerissen, wodurch man etwas Potential verschenkt. Schnelle Gags sind den Autoren bisher wichtiger, als lang aufgebaute Pointen, auch wenn es davon durchaus immer wieder welche gibt. Das Verhältnis dieser beiden Seiten ist noch ausbaufähig.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 16. Februar 2017(Jerks 1x08)
Schauspieler in der Episode Jerks 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?