Jerks 1x06

© hristian Ulmen und Fahri Yardim in „Der soziale Abstieg“ / (c) Maxdome
In der Jerks-Episode Der soziale Abstieg weiß man als Zuschauer relativ schnell, in welche Richtung die Geschichte geht. Wirklich überraschend ist die Erzählung nämlich nicht, ganz im Gegenteil sogar. Als geübter Serienkonsument kann man die einzelnen Etappen der Handlung fast schon akkurat vorhersagen. Ein Problem stellt diese Vorhersehbarkeit aber nur bedingt dar. Die Einfachheit der Prämisse wird nämlich sehr gut von der amüsanten Umsetzung und einem herrlich hohen Grad an unangenehmer Situationskomik abgefangen.
Zwar bekommt man nichts Neues geboten, dennoch ist es durchaus unterhaltsam, der kleinen Geschichte mitten aus dem Leben unserer Hauptfigur beim Eskalieren zuzusehen. Dabei kommt „Der soziale Abstieg“ auch zugute, dass sich wohl ein jeder schon mal in einer Situation wiedergefunden hat, in der man jemanden aufgrund seines Äußeren falsch eingeschätzt hat, nur um wenig spätere eines Besseren belehrt zu werden. Christian (Christian Ulmen) macht hier eine ähnliche Erfahrung, nachdem er auf eine alte Ex-Freundin Josi (Joanna Kitzl) trifft, die im Müllcontainer nach Sachen wühlt und vor der er ausgeht, dass diese obdach- und mittlellos ist.
Abgestürzt
Eine Einladung zum gemeinsamen Essen kann er ihr aber nicht ausschlagen, fühlt Christian sich als Josis ehemaliger Partner doch ein Stück weit verantwortlich und mitschuldig für ihre scheinbar prekäre Lebenssituation. So erbarmt sich der gütige Christian mit seiner Freundin Emily (Emily Cox) und tappt schnurstracks in eine piekfeine Dinnerparty, wo er selbst zur Zielscheibe gemeiner Vorurteile und spitzer Kommentare wird.
Die Moral der Geschichte könnte einfacher nicht sein: Christian wird unsanft von seinem hohen Ross geholt (wie selbstverständlich er doch davon ausgeht, dass seine Ex nicht nur verarmt ist, nein, ihr vermeintlicher Abstieg wird bestimmt auch mit ihrer Trennung von ihm zusammenhängen) und nimmt letztlich unverhofft die Position ein, die er einfach so Josi zugeschrieben hatte. Dabei trägt er passenderweise auch noch ein Outfit, das ihn nur noch mehr in den Schlamassel reinreitet und von vornherein nicht besonders klug gewählt gewesen ist, selbst wenn die Ex mittellos gewesen wäre. Feingefühl geht definitiv anders.
Unangenehmer und fremdschämiger als das, was dann passiert, geht es wohl kaum. Beim Essen wird Christian nicht nur in die Ecke gedrängt, auch seine Fähigkeiten als Schauspieler und Komiker werden schamlos in Frage gestellt. Hat er überhaupt die Ausbildung, um Fernsehen zu machen? Und dann wird er natürlich auch noch vom Mann seiner ehemaligen Freundin provoziert und vorgeführt, der ihm zeigt, was denn wahre Kunst bedeutet. Der Kollege hatte nach einem Vorfall auf dem Parkplatz zu Beginn der Episode eh noch ein Hühnchen mit Christian zu rupfen.
Alleinunterhalter
Er kann einem bei dieser nicht enden wollenden Abwärtsspirale an Peinlichkeiten fast schon ein wenig leid tun, jedoch hat er sich diese deftige Rechnung auch ein klein wenig verdient. Es rechtfertigt natürlich in keiner Weise das elitäre, bornierte Verhalten der anderen Gäste gegenüber unserem „Alleinunterhalter“, der nach diesem Essen wahrscheinlich die eine oder anderen wertvolle Lektion fürs Leben mitgenommen hat. Das Unangenehme an dieser Situation, in die man sich sehr gut selbst hineinversetzen kann, bereitet mir großen Spaß, so schwer es manchmal auch ist, sich vor peinlicher Berührtheit nicht abzuwenden. Wie bei einem schrecklichen Unfall kann man aber einfach nicht wegsehen.
Die kleine Nebengeschichte um Fahri (Fahri Yardim) und Christians Eifersucht auf diesen, weil Fahri die Brust der gemeinsamen Agentin auf einen Knoten hat untersuchen dürfen und nicht er, hätte es in Der soziale Abstieg derweil gar nicht wirklich gebraucht. Der Gag am Ende geht in Ordnung, die Szenen in dem Café zuvor sind aber nicht besonders relevant, weil es letztlich wieder nur um das kindliche Ego von Christian geht. Warum durfte er nicht die Brüste von ihr anfassen, aber Fahri? In dieser minimalen Nebenhandlung schlummert tatsächlich eine Geschichte mit Potential, nämlich, dass es bei einer möglichen Brustkrebserkrankung eben völlig egal ist, wer wem an die Brüste fassen darf und wer nicht. Ich bin gespannt, ob sich Jerks irgendwann derartig ernsten Themen widmen wird, bei denen die Protagonisten realisieren, wie banal und unwichtig eigentlich ihre kleinen Befindlichkeiten sind. Das wäre dann schon das nächste Level.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 9. Februar 2017(Jerks 1x06)
Schauspieler in der Episode Jerks 1x06
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