Jerks 1x04

© em Ali Gültekin und Christian Ulmen in „Merhaba“ / (c) Maxdome
In der Jerks-Episode Merhaba werden früh die Comedy-Samen gesät, um zum Ende die große Ernte einzuholen, was in weiten Teilen auch gelingt. Während man zu Beginn der Episode noch den Eindruck bekommt, dass die Geschichte etwas umständlich konstruiert ist, holen Christian Ulmen und sein Team in der zweiten Hälfte der Folge dann alles aus der Story heraus, was einige sehr witzige Momente nach sich zieht. Höhepunkt ist dabei ohne Zweifel eine Gesangseinlage zum Abschluss der Erzählung. Doch der Reihe nach.
Christians Aufeinandertreffen mit Ugur, einem türkischstämmigen Vater in seinem Kinderschwimmenkurs, lässt unseren Protagonisten zu Beginn der Episode wieder einmal reichlich ungeschickt und trottelig dastehen. Schwupps macht er auch noch das Telefon von Ugur kaputt, welches dieser zuvor auf volle Lautstärke gestellt hat und dann komischerweise in der Umkleidekabine vergisst. Ulmen verspricht für den Schaden aufzukommen, der Stress hört aber nicht auf.
Schauspielschwein
So muss Ulmen noch zu einem Pitch bei einem TV-Sender hetzen. Die Geschichte über zwei drogendealende, cracksüchtige Bundestagsabgeordnete der Union (Extrapunkte für den Titel „Reichscrystalnacht“) kommt gut beim Chauvi-Programmchef an. Das kann man eigentlich nicht mehr verbocken. Eigentlich. Derweil outet sich Emily auch noch als Kleptomanin, was Christian dazu veranlasst, sofort eine Psychiaterin zu kontaktieren. In der Praxis angekommen braucht es schon wieder eine kleine Notlüge, um seine Agentin (Larissa Rieß) und Fahri zu beschwichtigen, die er versetzt hat. Es darf ja keiner wissen, dass Emily psychologische Hilfe bekommt. Also ist sie beim Gesangsunterricht. Deshalb Ulmens Verspätung.
Warum ich all diese Sachen noch einmal in aller Ausführlichkeit erwähne? Weil sie nun mal die Grundlage für die sehr pointenreiche zweite Hälfte von „Merhaba“ bilden, so konstruiert viele der Situationen auch sind. Es ist kaum vorstellbar, dass Ugur einfach so sein schallendes Telefon vergisst. Der Serienpitch ist jetzt auch nicht so fantastisch, der Programmchef doch sehr stark überzeichnet und die frechen Sprüche („Wir ficken das Ding richtig nach vorne!“) ziemlich altbacken. Auch dass man aus Emily eine Kleptomanin machen muss, die sich sofort in psychologische Behandlung gibt, um letztlich einen sehr guten Gag zu produzieren, ist etwas umständlich. Außer, man nimmt diese neue Charaktereigenschaft mit in die nächsten Episoden.
Typisch Ulmen
Aber gut, simple Vorbereitung, bestmöglicher Ertrag! Sei es das unangenehme Wiedersehen mit Ugur, der Christian seine Dienste als Schauspieler aufzwingt, oder der großartige table read, beim dem das neue Serienprojekt von Ulmen und Yardim wunderbar den Bach runter geht - diese Szenen sind einfach wahnsinnig komisch und machen großen Spaß. Gastdarsteller Cem Ali Gültekin spielt exzellent auf, während es eine Freude ist, den Gesichtern der Anwesenden während der Probelesung beim Entgleisen zuzusehen.
Der beste, sehr früh vorbereitete Witz kommt dann aber am Ende, als Christian und Emily der Beerdigung von Felines Vater beiwohnen. Unglücklicherweise hat hier die Sängerin abgesagt. Aber glücklicherweise nimmt Emily ja seit ein paar Wochen Gesangsunterricht. Also Bühne frei! Was folgt, tut nicht nur unheimlich in den Ohren weh (Emily Cox singt sehr gut sehr schlecht), es ist auch so unglaublich unangenehm mit anzusehen und gleichzeitig zum Brüllen komisch. Dieser Gag ist deshalb so stark, weil er komplett aus dem Nichts kommt. Man hat nicht wirklich auf dem Schirm, dass Ulmen noch einmal auf die Notlüge zurückkommt, die Emily zu einer Hobbysängerin gemacht hat. Letzten Endes werden wir dann aber von einem bezaubernden „Ave Maria“ überrascht.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 2. Februar 2017(Jerks 1x04)
Schauspieler in der Episode Jerks 1x04
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