Jerks 1x05

© ojo (Hendrik von Bültzingslöwen) und Christian (Christian Ulmen) in „Der Jojo-Effekt“ / (c) Maxdome
Ein wiederkehrendes Thema der Impro-Comedy Jerks von VoD-Anbieter Maxdome ist das männliche Ego und all die Macken und Probleme, die mit einer weltfremden Selbstwahrnehmung und gnadenlosen Selbstüberschätzung einhergehen. Unsere beiden Protagonisten Christian (Christian Ulmen) und Fahri (Fahri Yardim) wähnen sich immer im Recht, egal, was ihnen widerfährt. Sie haben auch immer eine egoistische Lösung parat, die Fähigkeit, sich in andere Menschen und deren Perspektive hineinzuversetzen, geht ihnen komplett ab.
Die Episode Der Jojo-Effekt macht dies mehr als deutlich und stellt den beiden Hauptfiguren am Ende auch eine deftige Quittung aus. Problematisch ist dabei jedoch, dass sich die Situationskomik in vielen Moment nicht wirklich authentisch, sondern sehr gespielt anfühlt und darüber hinaus nicht besonders subtil eine Botschaft übermittelt wird, die sich wahrscheinlich jedem Zuschauer sehr früh erschließt. Nur unsere beiden Kindsköpfe wollen es nicht einsehen, was letztlich zu einem Schlussakt führt, in dem die Lage noch einmal eskaliert. Dies dürfte der Folge noch einmal ein paar Lacher sichern, an der durchschnittlichen Gesamtwertung ändert es aber nicht mehr viel.
Weirdo
Zunächst widmet sich das Geschehen Christian, der sich vom neuen Freund seiner Ex-Frau Collien (Collien Ulmen-Fernandes) ausgebootet fühlt und um seine Rolle als Vater seiner beiden Töchter bangt. Eine Befürchtung, die nachvollziehbar ist. Vor allem wahrscheinlich für Elternteile aus getrennten Beziehungen, die miterleben, wie der ehemalige Partner jemand Neues findet, der dann ein Verhältnis zu den eigenen Kindern aufbaut. Man könnte erwachsen mit so einer Situation umgehen, „Jerks“ dreht das Ganze aber auf Anschlag und lässt Christian komplett freidrehen.
Die Folge: Er holt sich erst Ratschläge von Fahri, der sich selbst nicht mit Ruhm bekleckert, und dann stellt er auch Jojo, die neue Flamme Colliens, was letztlich in einem Krankenhausbesuch endet. Für Jojo, wohlgemerkt, dem Christian einen Miniatur-Fernsehturm in die Hand rammt (übrigens: netter Cameo-Auftritt von SPD-Politiker Christopher Lauer als Lehrer bei der Elternkonferenz). Dieser Moment ist tatsächlich ganz amüsant, zuvor ist die Erzählung und Christians Sorge um die Zuneigung seiner Töchter für meinen Geschmack etwas zu überspitzt dargestellt.
Bisschen doof
Natürlich soll Christian überreagieren und sich zu impulsiven, kindlichen Panikreaktionen hinreißen lassen. Als Zuschauer frustriert mich dieses unreife Verhalten aber mehr, als dass es mich unterhält. Gleiches gilt für das eifersüchtige Verhalten von Fahri, der mit Argwohn das Verhältnis zwischen Pheline (Pheline Roggan) und ihrem Neffen beäugt. Auch sein Gehabe erscheint mir leider viel zu gewollt idiotisch und gipfelt letztlich in einer für Pheline, aber auch für ihn selbst, beschämenden Situation, die ihm in keinerlei Weise dabei hilft, seiner Lebensgefährtin sein Argument näherzubringen. Zu allem Überfluss steht ihm dann noch Ärger ins Haus, als der Vater von Phelines Neffen Fahri zu Rede stellt, hat dieser doch ein paar Worte mit dem jungen Burschen ob dessen jugendlicher Triebe gewechselt.
Am Ende landet Fahri (dessen Versuche als Hobby-Radiomoderator so furchtbar sind, dass es schon wieder ganz amüsant ist) völlig zu Recht vor der Tür und zieht vorübergehend bei Christian und Emily (Emily Cox) ein. Ein paar Gags zwischendurch sind durchaus unterhaltsam, und auch Christians Einsicht, dass er sich wie ein Depp verhalten hat, nachdem Jojo ihm aufrichtig von seinem Liebesglück mit Collien berichtet, ist eine schöne Nuance, die Tiefe und eine Seite der Selbstreflektion von Christian offenbart. Leider handeln unsere beiden zentralen Charaktere in Der Jojo-Effekt aber doch zu oft wie ignorante Idioten, die nicht einmal charmant Fehler begehen, sondern einfach nur sehr dumme Entscheidungen treffen.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 9. Februar 2017(Jerks 1x05)
Schauspieler in der Episode Jerks 1x05
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