Incorporated 1x01

Im derzeitigen weltpolitischen Klima fühlt es sich wie eine optimistische Vorhersage an, dass die Gesellschaften der Erde erst im Jahre 2074 zusammengebrochen sein und sich in zwei Hälften aufgeteilt haben werden - diejenige, die sich ein Leben in der „Green Zone“ leisten kann und diejenige, die draußen, in der „Red Zone“, vor sich hinvegetieren muss. Ebendas ist die Prämisse der neuen Syfy-Serie Incorporated. Nach einer Klimakatastrophe sind Regierungen und Nationalstaaten von weltumspannenden Konzernen ersetzt worden, die sämtliche Lebensbereiche kontrollieren und davon profitieren.
Always so sunny
Bei einem dieser Konzerne, einem Biotech-Riesen namens SPIGA, arbeitet Ben Larsen (Sean Teale). Zunächst erscheint er wie all die anderen dort angestellten Arbeitsdrohnen - schicker Anzug, hübsche Ehefrau, McMansion, selbstfahrendes Auto, 100-Dollar-Lächeln. Im Verlauf der Pilotepisode Vertical Mobility stellt sich allerdings heraus, dass er nicht nur Geheimnisse hütet, sondern auch versucht, solche zu enthüllen. Das größte dreht sich um den Verbleib seiner mutmaßlichen Ex-Freundin Elena (Denyse Tontz).
Um sie zu finden, hat er sich auf ein Doppelleben eingelassen. Eine Rückblende zu glücklicheren Zeiten offenbart, dass Ben gar nicht sein richtiger Name ist. Eigentlich heißt er Aaron. So nennt ihn auch Theo (Eddie Ramos), ein in der Red Zone wohnender Zigarettenschmuggler, der seit sechs Jahren nach seiner Schwester Elena sucht. Hierzu hat er sich bislang auf die Kooperation mit Aaron verlassen, wobei für seine Begriffe jedoch nicht genug Fortschritt erzielt wird. Deshalb will er sich auf einen Deal mit Terrence (Ian Tracey) einlassen, einer Art örtlichem Mafiaboss.
Will Aaron seinen Mitstreiter also nicht verlieren, muss er schnellstmöglich Ergebnisse liefern, was übrigens auch für seinen Managerposten bei SPIGA gilt. Dort arbeitet er für seinen Vorgesetzten Chad (David Hewlett) an einem Projekt namens Everclear, das zur vollständigen Gedankenkontrolle eingesetzt werden soll. Zusammen berichten die beiden an den Folterknecht Julian (Dennis Haysbert), der wohl Chef des innerbetrieblichen Überwachungsapparates ist. Wer bei ihm im sogenannten Quiet Room landet, kann sich bald von seinem privilegierten Leben verabschieden.

Mit tatkräftiger Unterstützung Aarons endet Chad genau dort. Aaron entwendet nicht nur wichtige Informationen bezüglich Elena aus dessen Büro, sondern hängt ihm auch einen Datenschmuggel an, um so schneller in der Unternehmenshierarchie aufsteigen zu können. An deren Spitze steht Elizabeth Krauss (Julia Ormond), die den Konzern mit harter Hand und allsehendem Auge führt und im Nebenberuf versucht, sich mit ihrer Tochter Laura (Allison Miller) zu versöhnen. Von ihr wird sie beschuldigt, für das Verschwinden des Vaters verantwortlich zu sein.
Already forgetting
Laura ist aber nicht nur Königinnentochter, sondern auch Ehefrau des Doppelgängers Aaron. Was für ihn wie ein strategisch wertvoller Schachzug aussehen mag, dürfte für sie in der emotionalen Katastrophe enden, sobald sie herausfindet, dass sie nur benutzt wurde. Schon jetzt hat Laura mit ausreichend psychischem Ballast zu kämpfen, wie eine Szene verdeutlicht, in der sie sich nach einer Foltererinnerung selbst verletzt. Als plastische Chirurgin hat sie aber glücklicherweise stets ein Wundspray parat, das selbst tiefe Schnitte in Sekundenschnelle heilen lässt.
Weitere vermeintlich glückliche, potenziell jedoch eher niederschmetternde Nachrichten erreichen sie von der Geburtenkontrollstation. Dort wird entschieden, wer Nachwuchs bekommen darf. Bevor sie und Ben damit gerechnet hätten, bekommen sie die Erlaubnis. Erst später stellt sich heraus, dass Elizabeth ihren Einfluss genutzt hat, um ihrer Verwandschaft einen Vorteil zu verschaffen. Das trübt Lauras Freude natürlich beträchtlich. Im Gegensatz zu den sehr dürftigen Spezialeffekten und dem lieblosen Setdesign sind es ebenjene Handlungsdetails, die eine solche Welt zum Leben erwecken.
Positiv hervorzuheben sind außerdem die Leistungen des Ensembles, das vor allem in Gestalt der Hauptdarsteller mit spürbarer Motivation an die Arbeit geht. Die Geschichte erinnert stark an die Dystopie-Klassiker „1984“ und „Schöne Neue Welt“, konnte mich aber wegen fehlender Dialograffinesse und einer wenig überzeugenden visuellen Umsetzung bisher nicht fesseln. Der namhafte Cast und die einfache Tatsache, dass sich eine solche Dystopie bei der gegenwärtigen politischen Gemengelage in nicht allzu ferner Zukunft in der Realität ereignen könnte, animieren mich aber dazu, weitere Episoden anzusehen.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 2. Dezember 2016Incorporated 1x01 Trailer
(Incorporated 1x01)
Schauspieler in der Episode Incorporated 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?