Human Resources: Birth - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie Human Resources (c) Netflix
The Office trifft Big Mouth - so beschreibt sich die neue Netflix-Serie Human Resources in ihrer Auftaktepisode namens Birth (1x1) selbst. Das kreative Team und der Animationsstil der pubertären Comedy „Big Mouth“ trifft also auf ein klassisches Mockumentary-Setting im Büro. Als Serienschöpfer fungieren neben dem altbekannten Duo Nick Kroll und Andrew Goldberg nun auch Kelly Galuska, Mark Levin und Jennifer Flackett (womit die Opening Credits aus allen Nähten platzen).
Die zentrale Sprechrolle ging hingegen an Aidy Bryant (Shrill). Aber auch Maya Rudolph, David Thewlis, Keke Palmer sowie Ali Wong sind wieder mit dabei. Wobei Wong diesmal eine neue Figur spielt, nämlich die werdende Mutter Becca, um deren Gefühle sich die Serie dreht. Neu dazu kommen Pamela Adlon (Better Things) und Randall Park (Fresh Off the Boat).
Fans von Big Mouth werden natürlich einschalten; Quereinsteiger:innen müssen einen derben Sinn für Humor mitbringen...
Worum geht's?
Zwar passt die Selbstbeschreibung The Office trifft auf Big Mouth sehr gut auf Human Resources, doch man kann in dem Format auch Spuren der Pixar-Streifen „Alles steht Kopf“ (im Original: „Inside Out“) oder „Die Monster AG“ finden - was jedoch bitte keinesfalls als Empfehlung für Familien missverstanden werden darf! Es geht in der Serie um ein außergewöhnliches Unternehmen teils scheußlicher Kreaturen, die über die Gefühle und Gedanken von Menschen walten. Aus der Mutterserie kennt man ja schon den Shame Wizard (Thewlis) oder die Hormonmonster (Kroll und Rudolph). Nun kommen auch noch der rationale Logic Rock (Park) sowie die liebestollen Lovebugs mit dazu.
Ein solcher Lovebug ist auch die Hauptfigur Emmy (Bryant), die als Assistentin der Chefin Sonya (Adlon) arbeitet. Leider nimmt sie ihren Job nicht ernst, was ernste Konsequenzen hat, als ihre Vorgesetzte gefeuert wird und sie sie vertreten muss. Nun hängt das ganze Schicksal der schwangeren Becca ganz von Emmy ab, die es noch nicht einmal schafft, sich selbst zu kontrollieren. Stattdessen stürzt sie sich lieber in eine verhängnisvolle Affäre mit dem Addiction Angel Dante, gesprochen von Gaststar Hugh Jackman („The Greatest Showman“, „Logan“).

Jackman ist übrigens längst nicht der einzige namhafte Gastauftritt, den Human Resources in der zehnteiligen Auftaktstaffel eintüten konnte. Auch Thandiwe Newton (Westworld), Bobby Cannavale (Boardwalk Empire), Jemaine Clement (Flight of the Conchords), Maria Bamford (Lady Dynamite), Rosie Perez (The Flight Attendant), John Gemberling (Broad City), Henry Winkler (Barry, Arrested Development) und Jean Smart (Mare of Easttown, Hacks) sind hin und wieder zu hören. Sogar Helen Mirren, Lupita Nyong'o und Tim Robinson sind gesetzt.
All das zeigt schon, wie beliebt das Original Big Mouth vor allem in der Unterhaltungsindustrie selbst war. Die Animationsserie von Netflix hat sich alle kreativen Freiheiten genommen und Witze gemacht, die bei vielen Sendern schlichtweg unmöglich wären. Das Spin-off setzt diese Tradition nun fort und geht vielleicht sogar noch ein paar Schritte weiter, was möglich wurde, weil die Charaktere nun keine Minderjährigen mehr sind. Human Resources wird also noch erwachsener, obwohl darin auch eine Tücke liegt, denn der unreife Humor der Serienmacher erscheint im Setting einer Schwangerschaft nun doch eher albern statt erfrischend ehrlich.
Wie ist es?
Insgesamt bin ich nach der ersten Episode von Human Resources noch etwas zwiegespalten. Big Mouth hatte damals zum Serienstart 2017 jedenfalls auf Anhieb sehr viel mehr Eindruck gemacht. Natürlich hat es ein Spin-off oftmals schwieriger, weil es nicht aus dem Nichts kommen und einen umhauen kann, sondern sich immer anhand eines ganz klaren Maßstabs beweisen muss. Im direkten Vergleich gefällt mir das Original im Moment noch deutlich besser, weil eben das pubertäre Setting besser zum pubertären Humor passt.
Gleichzeitig deutet Human Resources mit der „Alles steht Kopf“-artigen Grundprämisse jede Menge Potential an. Menschliche Gefühle zu lebenden Metaphern umzudeuten, kann einem erlauben, profunde Aussagen über unsere innersten Bedürfnisse zu treffen und dabei nicht zu kitschig zu klingen, sondern sogar lustig zu beleuchten. Auch Big Mouth war immer dann am besten, wenn zwischen den ganzen Dickjokes mal richtig tiefer Gedanke durchschien. Das traut man dem Ableger, der heute bei Netflix startet, fraglos auch zu. Aber der Auftakt ist noch sehr auf der albernen Seite zu verorten...
Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie Human Resources: