How I Met Your Mother 9x24

How I Met Your Mother 9x24

Die Liebe des Lebens, die andere Liebe des Lebens und die Freundschaft - in Last Forever, der endgültig letzten Folge von How I Met Your Mother geht es um die ganz großen Gefühle. Und wieder einmal wird keiner sagen können, die Produzenten hätten Angst gehabt, unbequeme Wege zu gehen.

Die Gang aus „How I Met Your Mother“ sagt Lebewohl / (c) CBS
Die Gang aus „How I Met Your Mother“ sagt Lebewohl / (c) CBS

Wahrscheinlich haben es alle wieder gewußt. In der Retroperspektive wird der Ausgang der Serie sonnenklar. Denn schon im Piloten meint Ted (Josh Radnor) „That's the funny thing about destiny: it happens if you planned it or not“, und zwar kurz bevor er sagt: „(...) because that's the true story about how I met your Aunt Robin“. Aber da die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt - vor allem bei den Aufs und Abs in dieser Serie -, hätte es ja auch immer noch anders kommen können.

Nach neun Staffeln reduziert sich How I Met Your Mother in Last Forever auf die beiden wirklich wichtigen Dinge, die die Serie durch die Jahre getragen haben: die Liebe und die Freundschaft. Sicher, die Doppelfolge gibt einen Ausblick auf den beruflichen Erfolg der Freunde, aber im Kern geht es um diese beiden Dinge.

Forever means - what now?

Liebe ist ein sehr großes Wort und es gibt Paare, die schaffen es, sie über die Zeit zu retten. Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) sind so ein Paar. Trotzdem sie über die Höhen und Tiefen einer Beziehung gehen, ihre Ehe und Liebe wankt - sieht man von dem unseligen Ausflug Lilys nach San Francisco ab - nicht in ihren Grundfesten. Auch dann nicht, als Marshall einen Job hat, den er hasst, weil er zugunsten von Lily auf seine erste Chance, Richter zu werden, verzichtete. Wobei es seit Rally klar war, dass er irgendwann Richter wird. Lilys berufliche Karriere hingegen scheint den Produzenten keine Erwähnung mehr wert gewesen zu sein. Wenn man so will, leben sie „Familie“, wie es traditionell sein sollte. Das muss man nicht mögen, aber ok.

Ganz im Gegensatz zu Robin (Cobie Smulders): Sie wird nicht nur die erfolgreiche Reporterin, ihre Ehe zu Barney Neil Patrick Harris zerbricht zum Teil daran, dass beide alles andere diesem Job unterordnen. Das passiert auch in guten Beziehungen. Der Ausgang war zwar unerwartet, aber auch er ist ok, denn so sieht nun mal die Realität aus. Ehen zerbrechen oft an unterschiedlichen Vorstellungen oder an den äußeren Umständen. Schade war nur, dass beide anscheinend nicht mal um ihre Ehe gekämpft oder auch nur Versuche unternommen haben, sie zu retten. Das kam etwas sehr plötzlich und war wenig glaubwürdig. Ebenso, dass beide mit keinem der Freunde geredet haben - es sieht im Serienfinale alles ein wenig hopplahopp und sehr in die Handlung reingepresst aus. Insgesamt kommen beide Charaktere in Last Forever ziemlich schlecht weg. Dazu unten mehr

Richtig schön hingegen war die Liebesgeschichte von Ted (Josh Radnor) und Tracy (Cristin Milioti) (yeah, sie hat einen Namen). Der Augenblick, in dem sie sich unter dem Regenschirm trafen und über die Initialen sprachen, war der Moment, auf den die Fangemeinde jahrelang gewartet hat. Um so unvorhersehbarer war das, was folgte: Die Tatsache, dass sie sieben Jahre zusammen gelebt haben und erst dann eine ganz andere Zeremonie feierten, als der Romantiker Ted es sich immer gewünscht hatte. Vor allem aber, dass sie stirbt - das alles knüpft in gewisser Weise an das Scheitern von Barneys und Robins Ehe an. Diese Dinge passieren eben, sowas nennt sich „Leben“. Außerdem erklärt es die Tatsache, dass die Mutter zu gut war, um wahr zu sein: Ted hat sie in seinen Erzählungen gewissermassen zu einer Heiligen hochstilisiert - das tut man meist dann, wenn jemand gestorben ist. Gut gelungen auch, dass ihr Tod für „Ted in der Zukunft“ nun schon sechs Jahre her ist, alle Bescheid wissen, wie es passiert ist und dem Zuschauer Einzelheiten erspart bleiben. Außerdem haben die Kinder anscheinend einen guten Kopf auf den Schultern und gönnen ihrem Vater ein neues Glück.

Ein Glück, dass Ted nun wohl endgültig gefunden hat - viele hatten es schon geahnt - mit Robin. Statt eines gelben Regenschirms hat er nun wieder das blaue Horn aka Smurf Penis in der Hand. So werden diejenigen Lügen gestraft - allen voran die Rezensentin - die das Thema Ted und Robin nicht mehr hören konnten. Man kann das jetzt gut oder schlecht finden, aber zumindest ist es durchaus logisch aufgebaut und passt schon irgendwie. Es ist ein Schluss, mit dem man auch als Mitglied des Team Barney leben kann, wenn auch zähneknirschend. Da hat diese unglückselige Kette mit dem Anhänger wohl doch etwas bewirkt.

Womit wir bei Barneys großer Liebe wären - hier hapert es etwas. Er wird also unerwartet Vater, was an sich schon eher unwahrscheinlich ist, bei der Verhütungspraxis, die er haben sollte. Aber gut, auch solche Dinge sollen ja passieren. Aber das er sich derart herzlos verhält, bevor er das Kind auf dem Arm hat - das passt einfach nicht zu dem Barney, den man über die letzten beiden Staffeln kennengelernt hat. Überhaupt kommt er in der Folge Last Forever sehr gefühlskalt rüber. Der Gegensatz sollte wohl zeigen, dass er sich nur für Robin verstellt hatte. Aber es wirkt eher wie ein Abklatsch dessen, was er verzweifelt versucht zu sein. So sehr man auch Barney die Liebe seines Lebens gönnt: Der Plot ist ziemlich konstruiert.

Friends will be friends

Die Zeit verändert nicht nur die Menschen, sie verändert auch die Freundschaften, die sie verbinden. Auch wenn man sich hoch und heilig schwört, dass alles so bleibt, wie es ist - es funktioniert oft nicht. Wieder ein sehr realistischer Punkt in der Serie. Das hätte man übrigens, wenn man besser aufgepasst hätte, schon in früheren Folgen merken können.

In Rally beispielsweise, als Marshall in 2020 in den New York Supreme Court gewählt wird - wo waren dort sämtliche Freunde bei der Wahlparty? Wenn das kein „Big Moment“ in seinem Leben ist, was dann? Auch hier war also eine gute Vorbereitung am Werk, die man honorieren muss.

Denn da war es schon vier Jahre her, dass Robin beschlossen hatte, die Freundschaft nun auch offiziell zu ändern und sie für sich entschieden hatte, nicht mehr wirklich am Leben der anderen teilhaben zu wollen. So richtig das vielleicht aus ihrer Sichtweise sein mag - es kommt doch sehr kalt rüber. Es sieht so aus, als würde sie ihrer Karriere nach ihrer Ehe nun auch noch ihre Freunde opfern, was, ähnlich wie bei Barney, nicht zu den vergangenen zwei Staffeln passt. Vor allem geht das nicht mit dem Eindruck der Kinder einher. Sie hätten doch sicher bemerkt, wenn Robin eine so distanzierte, berechnende Person wäre und würden ihrem Herrn Vater lieber abraten. Mal ehrlich, wer würde so jemanden in seinem Leben haben wollen? Was zudem etwas bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass hier ein Bild von einer Frau gezeichnet wird, die für ihre Karriere alles Zwischenmenschliche opfert - Schublade auf, Karrierefrau rein, Schublade zu. Das ist ein Strang, bei dem die Autoren enttäuscht haben.

Die zweite Enttäuschung ist Barneys Geschichte und da leider auch Lilys Rolle. Was genau sollte es, dass ausgerechnet sie ihm eine Moralpredigt hält. Dinge wie „That woman is half your age“ bergen doch einen eher sehr konservativen Charakter, der bis zu dieser Folge vermieden wurde. Glaubwürdig wäre gewesen, wenn man Barney nach seinem sehr denkwürdigen „Can I please...just be me?“ sein kleines Playboy Mansion zugestanden hätte - er hätte das etwas andere alternative Leben gelebt. So aber musste auch er (nach Robin) in die Spur des gesellschaftlich akzeptierten Lebens zurückgeführt werden. So süß die Ellie-Geschichte auch ist - dieses Ende wird dem Autor gleich zweier Bro-Codes nicht gerecht.

Fazit

Bleibt nur noch, ein letztes Mal ein Fazit zu schreiben. Und es fällt mir sehr schwer, denn ich bin sehr zerrissen. Ist es das Ende, was ich mir persönlich als Zuschauerin gewünscht habe? Nein, sicherlich nicht. Aber darum geht es nicht. Das Leben ist selten so, wie man es sich wünscht. Und da die Autoren immer wieder auch vom realen Leben abgekupfert haben, passte durchaus in die Serie, dass es eben nicht für alle das ultimative Happy End gab. Auch wenn ich persönlich mir genau das schon gewünscht habe - aber ich gucke ja auch ChickFlicks.

Was mich allerdings sehr gestört hat, ist die lieblose Behandlung von Barney und Robin. Die beiden kamen über große Teile des Serienfinales herzlos daher und wirkten so, als sei ihre Zeit als Paar (und die davor) nie gewesen. Beide wurden Opfer des sehr großen und unübersehbaren Moralhammers, der dann zum Schluss leider doch noch rausgeholt wurde.

Alles in allem war es inhaltlich ein sehr würdiges Ende für eine heißgeliebte Serie, die aber durch die stiefmütterliche (man verzeihe den Ausdruck, aber eine Stiefmutteranspielung musste mit rein) Behandlung einzelner Charaktere - zumindest unmittelbar danach - einen etwas schalen Beigeschmack behält. Das hat How I Met Your Mother eigentlich nicht verdient, zumal die anderen Teile sehr glaubhaft und logisch erzählt wurden.

Aber dennoch: Danke für neun Staffeln How I Met Your Mother, Danke für all die Lacher und die schönen Stunden. Ich bin sicher, es ist eine der Serien, die auch über ihre Zeit hinaus noch gerne gesehen werden.

Und ich hätte trotzdem gerne ein echtes Happy End gehabt.

Verfasser: Sabine Stevenson am Dienstag, 1. April 2014
Episode
Staffel 9, Episode 24
(How I Met Your Mother 9x24)
Deutscher Titel der Episode
Die Liebe meines Lebens (2)
Titel der Episode im Original
Last Forever (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 31. März 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 27. August 2014
Autoren
Carter Bays, Craig Thomas
Regisseur
Pamela Fryman

Schauspieler in der Episode How I Met Your Mother 9x24

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